180° Adventskalender – Türchen Nr.13 oder: Lauter Winkel und Dreiecke

Ideenlos, gedankenlos, schlaflos streune ich seit einigen Wochen nervös umher – schuld ist natürlich die versammelte Innenwinkelsumme eines Dreiecks.

Eine überaus freundliche Delegation, exakt 45 Grad, trat auf mich zu und wartete auf eine Antwort für die restlichen 135 Grad. Natürlich habe ich (damals schon völlig gedankenlos) sofort freudig (hechelhechel) zugesagt. Ohne zu wissen was! Und unermessliche Freiheit dazu, die schafft doch immer erst die großen Probleme! Bekommt man enge Grenzen gesetzt, kann man sich zumindest über die mangelnde Freiheit beschweren. Meine Zahl durfte ich mir auch noch wünschen. Noch nicht mal zum Meckern reicht’s!

Worüber soll ich also schreiben, über die besinnliche Vorweihnachtszeit (bin ja nicht wirklich der Weihnachtstyp)? Über alternden Wein (kenne mich gar nicht aus, trinke als Enzymgestörte nur manchmal, aber bitte nur die rote Farbe)? Über Models und das was sie tragen (ok, kenne mich aus – und wer noch glaubt bei Modelcastingshows suchen Laien den Weg ins Rampenlicht, äh, liegt genau richtig…interessiert hier aber keinen)? Über Royales und Regentschaft (bin ja kein Anhänger der Monarchie)? Was habe ich mir da bloß eingebrockt? Oder sollte ich mir etwa schnell einen ergebenen Praktikanten zulegen, der das für mich erledigt?

Seither träume ich (schlecht) von Winkeln und Dreiecken: spitz, stumpf, außen, innen, gleichseitig, gleichschenklig…arrrgh! Ich finde doch Mathe und alles was dazu gehört ekelhafter als Hühnerfüße! Bis auf den Goldenen Schnitt verzichte ich gerne, aber selbst da führt der klassische Umweg bekanntlich über ein Dreieck. Die Mathe-Gene hat doch jemand anders aus unserer Familie komplett für sich beansprucht, ein Trauma! Und überall verfolgen sie mich:

in der Stadt…auf dem Land

Source: peterphile.tumblr.com Source: klaus leidorf

in der Sonne…in der Pose

Source: brunswicker.dk Source: unknown

und manchmal sogar…

Source: justbesplendid.tumblr.com

Holy Shit, unser ganzes Leben ist ein einziges mathematisches Dreiecksdingsbums! Augenblick. Ha, dafür kann ich kochen (sagen einige zumindest), sogar dreieckig kochen! Gleichseitig ist doch besonders hübsch, oder? Ja, kriege ich hin. Wer nun passend zur Adventszeit etwas Zimtduft erwartet, der muss sich woanders umschauen. Ich werde hier schließlich bezahlt, um anders zu sein (oder war das auch nur geträumt). Statt Zimt und Sternchen gibt es eine feine Meeresbrise und leicht röstigen Sesamduft. Auch nicht schlecht.

Samgak Kimbap, ein Dreiecks-Kimbap! Entweder pur nur mit Reis oder mit Wunschfüllung. Ideal zum Transportieren, für die kleine Lunchbox oder auch schön auf dem Teller in Miniformat. Man könnte diese dreieckige Meeresbrise sogar in ein geometrisches Weihnachtsmenü integrieren (und damit Damien Rudds Geometrie im Alltag fortsetzen), wie wär’s?

Dieses essbare Dreieck ist ein Standard in koreanischen 24h-Convenience-Stores und ist als fertiges Kit incl. Folie ebenfalls dort erhältlich. Ich musste darauf komplett verzichten, aber mit etwas Bastelarbeit klappt es sogar ohne dreieckige Onigiri-Plastikform und Kit:

Samgak Kimbap_Dreiecks Kimbap

Zutaten für je 1 Samgak-Kimbap:

4-6 EL fertig gekochter Sushireis, warm (grob ½ Reisportion)

½ TL Sesamöl

1 Prise Salz

1 EL Füllung, klein geschnitten: Kimchi, Gemüse, Fleisch, Bulgogi, Fisch etc. (bei mir Kimchi mit Fleisch)

1 halbes Blatt Nori (dicke Sorte speziell für Kimbap/Sushi)

Zubereitung ohne Onigiriform und Kit:

  1. Wunschfüllung vorbereiten, beiseite stellen. Reis nach Geschmack mit Salz und Sesamöl würzen, dabei nur vorsichtig und leicht mit einem Spatel unterheben, nichts andrücken.
  2. Blätter vorbereiten: Handelsübliche Noriblätter evtl. rösten (s. Packung), längs halbieren, Breite exakt ausmessen und die Länge auf doppeltes Breitenmaß kürzen. Bei mir war die Breite 9,5 cm – fertige Länge 19 cm.
  3. Formring/Schale/Tasse mit etwas kleinerem Durchmesser als Noribreite (bei mir 8,5 cm) mit Sesamöl leicht fetten (damit nichts klebt). 2-3 EL Reis flach verteilen, evtl. nun die Füllung (bei mir gebratenes Kimchi mit Fleisch) mit knapp 1 cm Rand zur Schale verteilen und wieder mit gleicher Menge Reis abschließen.
  4. Einen breiten Löffel oder Spatel leicht mit Wasser benetzen und mit der Rückseite die Reiskugel gut pressen, bis der Reis ungefähr ein Drittel der Ursprungshöhe verloren hat. Die Reiskugel herausholen und zunächst auf einem Teller (vorher mit wenig Sesamöl leicht fetten) mit 2 Spateln ein gleichmäßiges Dreieck formen (Augenmaß reicht!!), dabei nicht nur die Seiten, auch von oben andrücken.
  5. Noristreifen mit der kurzen Seite nach vorne drehen. Fertiges Reis-Dreieck mit der Spitze nach oben an die obere Nori-Kante setzen. Untere Kante über den Reis schlagen und die Ecken darunter schieben. Die verbliebenen Ecken von oben nun schräg links und rechts über die Dreiecksspitze schlagen. Gut andrücken und umdrehen. So entsteht ein Samgak-Kimbap mit ca. 3 cm Höhe.
für Suse
für Suse

Tipps: Der Reis sollte wie bei Sushi leicht „abgewedelt“ sein und weder zu heiß (verzieht Nori) noch zu kalt (klebt nicht) sein. Lasst bei der Füllung eurer Kreativität freien Lauf. Nur auf den Rand achten, damit die Füllung beim Pressen nicht rausquillt. Samgak Kimbap/Onigiri ist streng genommen kein Sushi mit gesäuertem Reis. Falls roher Fisch als Füllung verwendet wird, den Reis trotzdem mit Essig und Zucker würzen statt mit Sesamöl.

Ach, und nach meiner Augenmaß-Methode schließen die Noriblätter an den Ecken nicht akkurat bündig ab (s. Bild) und Reis guckt etwas heraus (wie auch beim käuflichen Original). Mathematische Perfektionisten unter euch können gerne die exakte Höhe in die Länge/Breite mitkalkulieren (auf den Millimeter gleichseitig setze ich dann voraus), bzw. Reis/Nori perfekt zueinander berechnen und ein möglichst nahtloses Ergebnis anstreben. Ich bitte um kurze Veröffentlichung dieser mathematischen Sonderleistung über die Kommentarfunktion. Belohnung ausgeschlossen. Nachahmung garantiert.

Das 13. Türchen ist hiermit weit geöffnet, liebste hundertachtziggradheiße Orgientruppe! Jetzt wisst ihr, warum ich euch lieber in die Temperaturschublade stecke…

P.S.: Es lohnt sich dem Link Klaus Leidorf zu folgen, dort erwarten euch noch weitere faszinierende Luftbildaufnahmen des Fotografen. Danke nochmal an dieser Stelle.

5 Schritte zum idealen Reis

Und hier die Fortsetzung:


5 Schritte zum idealen Reis

Eine kleine Tasse ist ausreichend für 2 Portionen. Falls kein Messbecher vorhanden, kann stattdessen eine Kaffeetasse genommen werden. Achtung, keinen Becher, sondern eine Kaffeetasse wie bei Muttern! Da es sich für diese kleine Menge nicht lohnt, gleich 2 Tassen Reis, also 4 Portionen, in eine breite Schüssel geben.

1. Mit Wasser aufgießen und mit den Fingern kurz verrühren. Falls dabei irgendetwas oben aufschwimmt, solltet ihr es entfernen, da es sich hierbei definitiv nicht um Reis handelt, sondern um eine Verunreinigung. Aber bei der heutigen Qualität ist dies selten der Fall.

2. Vorsichtig soviel vom Wasser wegschütten, dass wieder der Reis an der Oberfläche ist und mit dem Handballen 4-5-mal mit einer drehenden Handbewegung den Reis reiben bzw. „waschen“. Dabei von außen nach innen den Reis gleichmäßig vorsichtig reiben. Wieder mit Wasser auffüllen, kurz mit den Fingern rühren.

3. Den Vorgang Nr. 2 wieder von vorne beginnen und insgesamt 3x wiederholen. Nach dem letzten wegschütten nochmals mit etwas klarem Wasser auffüllen. Das Wasser sollte nun nicht mehr milchig trüb, sondern relativ klar sein (für Perfektionisten: es muss nicht ganz klar sein, ansonsten müsste man den Waschvorgang so oft wiederholen, dass alle Nährstoffe weg gespült würden).

4. Legt nun eure flache Hand in die Reisschüssel, dabei sollte der Reis gleichmäßig in der Schüssel liegen. Fügt soviel Wasser hinzu oder schüttet es ab, dass das Wasser gerade eure Handknöchel bedeckt (also ca. Mitte der Hand), wenn die Hand flach auf dem Reis aufliegt.

Daher sollte die Schüssel zumindest so groß sein, dass die ganze Hand rein passt. Ob kleine Hand oder große Hand, 1 Tasse oder 4 Tassen, mit dieser Methode werdet ihr genau die nötige Wassermenge für die richtige Konsistenz herausfinden.

Es ist magisch, probiert es aus!

5. Wenn ihr Zeit habt, solltet ihr den Reis vor dem Kochen mindestens 1 Stunde quellen lassen, dann schmeckt er besser. Ansonsten direkt kochen, dafür gibt es mehrere Alternativen:

Methode Reiskocher:

Am einfachsten und auch für den absoluten Neuling geeignet. Einfach in den vorgesehenen Behälter umfüllen, Deckel zu, Taste drücken – nach ca. 20 min. fertig!

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen; guter Reis schmeckt auch nach dieser Methode, schlechte Qualität offenbart sich hier dagegen schonungslos.

Methode Schnellkochtopf:

Für den geübten Reis-Kenner, leider für Schreckhafte nicht geeignet, falls mal der Dichtungsring nicht festsitzt und ab und zu der Topf „explodiert“ (bekomme immer einen halben Herzinfarkt dabei).

In einen kleinen Schnellkochtopf umfüllen, verschließen und auf hoher Hitze kurz aufkochen bis das Druckventil nach oben kommt. Dies dauert je nach Topfgröße und Reismenge ca. 5-10 min. Herd ausschalten, Topf sofort vom Herd nehmen und weitere 10-15 min ziehen lassen, bis das Ventil wieder abgesunken ist. Fertig! Geschmacklich ist dieser Reis am besten, der Reis ist sehr „sticky“ und glänzt.

Ideal um schlechtere Qualität aufzupimpen.

Methode normaler Topf:

Für alle geeignet, der Nachteil ist, man muss die ganze Zeit daneben stehen bleiben und genau die Hitze regulieren.

In einen Topf umfüllen und mit geschlossenem Deckel auf hoher Hitze aufkochen. Sobald der Reis aufkocht, sofort die Hitze auf niedrige Stufe reduzieren, den Deckel für 2 min. abnehmen, einmal vorsichtig umrühren. Den Deckel wieder schließen und für weitere 10-15 min leise köcheln lassen. Fertig!

Falls die Hitze sehr hoch war bildet sich am Topfboden eine Reiskruste, die man später vom Topfboden lösen und separat essen kann. Meistens gieße ich aber einfach etwas Wasser auf, lasse es köcheln und habe eine Art Reistee.

Tipp: Reisreste vom Vortag eignen sich hervorragend für gebratenen Reis (Fried Rice) mit diversen Zutaten nach persönlicher Präferenz, da nur kalter Reis die richtige Konsistenz und die nötige Körnigkeit hat. Frischer warmer Reis ist dafür weniger geeignet, da er zu weich und klebrig ist, und die Zutaten leicht verklumpen.