Bibimbap oder das Universum in einer Schüssel

Darauf habe ich Monate hingearbeitet. Höchste logistische Herausforderungen. Nun endlich kommen wir zu meinem Allzeit-Favoriten der koreanischen Küche. Das Gericht, das neben Bulgogi und Kimchi fast schon ein Synonym für Korea ist, und dem man als Koreareisender bereits in der Luft begegnen kann: Bibimbap oder das Universum in einer Schüssel – wie ich es gerne nenne. Alle fünf Geschmacksrichtungen und Elemente treffen sich in einer einzigen Schale zu einem harmonischen Reigen.

Hier seht ihr beispielhaft ein flugfähiges Exemplar, welches selbst in der Bretterklasse relativ vorzüglich schmeckt und nicht ohne Grund mehrfach ausgezeichnet wurde. Ein Beweis, dass sich Massen-Catering und frischer Geschmack nicht unbedingt ausschließen müssen.

in-flight bibimbap via koreataste

in-flight bibimbap via koreataste

Kein Wunder. Verfolgt man die Spur des Bibimbap, erkennt man nämlich seine Ursprünge aus der „Massenverpflegung“. Nach Totengedenkriten war es Brauch, nicht nur die komplette Großfamilie, sondern das ganze Dorf zum gemeinsamen Essen einzuladen. Die typischen Namulbeilagen vom Jesa-Sang wurden aus Platzgründen anstatt in einzelnen Schälchen einfach in eine Schale mit Reis gegeben und verteilt – fertig war Bibimbap, was übersetzt „gemischter/vermischter Reis“ heißt. Viel zu profan für den (zumindest für mich) fast schon himmlischen Geschmack.

Bibimbap, das im Grunde also nicht mehr ist als ein hochstilisiertes Resteessen, kann aus unterschiedlichsten Toppings/Zutaten bestehen, und es gibt kein richtig oder falsch. Für Dogmatiker gibt es trotzdem eine klassische Variante, die als Jeonju Bibimbap – eine Spezialität der gleichnamigen Stadt – landesweit berühmt ist:

Als Muss gelten dort gedünstete Sojasprossen, blanchierter Spinat, sautiertes Gemüse wie Doraji, Gosari, Chwi Namul, Shiitake Pilze, Zucchini, dann separat gebratenes Eiweiß und Eigelb, frischer Gurken- oder Rettichsalat, einige Scheiben Hwangpomuk (Mung Bean Jelly), frische Salatblätter, Rindfleisch roh als Tatar oder gebraten und mit einem frischen Eigelb. Zusätzlich einige Pinienkerne und Ginkgonüsse. Alles farbenfroh serviert in einer klassischen Messingschale.

Eine weitere bekannte Spezialität ist Dolsot-Bibimbap, das eher die Serviermethode in einem dickwandigen heißen Steintopf (Dolsot) näher bezeichnet. In den heißen Topf wandert zunächst Sesamöl, danach der Reis mit allen Toppings. Diese sind zwar meist nicht so reichhaltig wie beim Jeonju-Bibimbap, doch der besondere Geschmack ensteht durch ein rohes Ei, das kurz vor dem Servieren rein geschlagen wird. Alles wird schnell miteinander vermischt, dabei gart das Ei durch und am Topfboden bildet sich eine knusprig goldene Fried-Rice-Kruste. Im Gegensatz zum „normalen“ Bibimbap, das durch die kalten Toppings eher lauwarm verzehrt wird, bleibt dieses Gericht bis zum letzten Löffel heiß.

Nun meine Variante im Uhrzeigersinn ab 12 Uhr: blanchierter Sojasprossensalat, in schwarzem Sojabohnenmus gedünstete Taro-Stängel, sautierte Zucchini, sautierte Shiitake, etwas Löwenzahn-Kimchi, glasig gedünstete Zwiebeln, scharf säuerlicher Rettichsalat, frische Perillablätter in Streifen und ein Ei sunny-side-up. Vegetarisch ohne Rindfleisch.

Einfaches Bibimbap:

Für euch sind mögliche Zutaten für eine unkomplizierte, nachkochbare Variante ohne ZU exotische Namulbeilagen:

Sautierte Zucchini, Möhren, Zwiebeln, Shiitakepilze (eingeweicht), blanchierter Sojasprossensalat, blanchierter Sesam-Spinat, frischer Rettich/Kohlrabisalat, Kimchi, dünn gehobelte Gurken, frische Salatblätter, Rinderhack mit Bulgogi-Marinade (ohne Ziehzeit) und natürlich ein Ei sunny-side-up.

Bis auf Reis, Fleisch und Ei kann sogar alles am Vortag vorbereitet werden. Grob sollten pro Portion 2 EL von jeder fertigen Zutat kalkuliert werden.

Zubereitung:

  1. Reis kochen.
  2. Individuelle Auswahl Gemüse zum Sautieren in feine Julienne schneiden, vorher Pilze 1 Stunde in heißem Wasser einweichen nicht vergessen. Jede Gemüsesorte (von hell nach dunkel, Zwiebel zuerst, Möhren zum Schluss, damit man die Pfanne zwischendurch nicht ausputzen muss) separat mit wenig Öl auf mittlerer Hitze hell sautieren und leicht mit Salz abschmecken. Alles einzeln beiseite stellen.
  3. Weitere Auswahl Zutaten oder alles (s.o.) nach Anleitung vorbereiten. Fleisch ohne Ziehzeit sehr kurz marinieren und direkt krümelig anbraten bis Flüssigkeit verdampft ist.
  4. Bibimbap-Soße: 1 EL (Maßlöffel oder alternativ 1 „normaler“ großzügig gehäufter TL) Gochujang, 2 TL Apfelsaft, ½ TL Zucker, ½ TL Sesamöl, ½ TL geröstete Sesamkörner pro Portion berechnen und alles miteinander glatt verrühren.
  5. Pro Portion 1 Ei sunny-side-up braten. Eigelb sollte möglichst flüssig sein.
  6. Anrichten: In einer breiten Schale eine Portion Reis gleichmäßig verteilen, das Ei mittig darüber legen, alle vorbereiteten Zutaten farblich abwechselnd über das Eiweiß und den Reis arrangieren, dass nur das Eigelb zentral herausguckt. Evtl. über jede Schale noch etwas Sesamöl beträufeln. Mit der Soße servieren.

Grundsätzlich ist alles erlaubt je nach Saison und Verfügbarkeit, dennoch gibt es für ein gutes Bibimbap einige Punkte zu beachten. Es sollte mindestens 5 verschiedene Zutaten/Toppings beinhalten, um eine gewisse Geschmacksvielfalt zu erhalten. Sie sollten alle separat zubereitet werden, damit die einzelnen Aromen sich nicht gegenseitig überlagern. Und sowohl Farben als auch Texturen sollten ausgewogen sein, damit man letztendlich ein Zusammenspiel von knackig und saftig erreicht. Mischt euch eure eigene Lieblingsvariante!

Das Ei, besonders das Eigelb ist enorm wichtig für den gesamten Geschmack. Es verbindet erst alle Aromen, die unterschiedlichen einzelnen Geschmackskomponenten von süßlich bis bitter, und nur wenn alle Zutaten wild miteinander vermischt worden sind, offenbart sich der richtige Geschmack.

Also bloß nicht picky jedes einzelne Topping einzeln mit kleinsten Mengen Reis verköstigen und allenfalls etwas durch die Soße wedeln – Bibimbap muss wörtlich genommen werden, kräftig mischen! Nur so entsteht der „Taste of Harmony“. Klingt ganz schön kitschig, hat aber als gleichnamiger Werbefilm letzten Winter den Times Square bespielt.

Die „irren“ Protagonisten an den Hackblöcken sind keine Geringeren als die Member der in Korea beliebten und einflussreichen Comedy Show „Muhan Dojeon“. Oder übersetzt „Infinite Challenge“. In diesem Film werden alle Bibimbap-Zutaten durch traditionelle Performance-Künste wie Maskentanz, Ganggang Sullae, Fächertanz, Bauerntanz (Nongak/Pungmul), Trommeltanz (Janggu), Taekwondo etc. dargestellt, aber bitte schaut selbst…

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Blanchierter Spinat in Sesamdressing

Etwas für Puristen. Ziemlich einfach, unkompliziert und eine kalte Küche. Die leichte Süße des bissfest blanchierten Spinats harmoniert perfekt mit der weichen, satten Nussigkeit des Sesamöls. Dazu noch frisch zerriebener Knoblauch und sehr feine Lauchringe für einen leichten Schärfeakzent – das war’s, mehr nicht. Diese simple Spinat-Beilage (시금치나물 Sigeumchi Namul) zählt zu Namul und man isst sie dementsprechend kalt. Nicht nur an heißen Tagen eine meiner Namul-Favoriten – schon seit meiner Kindheit. Mir blieb glücklicherweise der teilweise traumatische Kontakt zur braun-grünen Pampe aus der Packung (mit oder ohne Blubb) erspart. Folglich, keine Angst vor Spinat – ganz im Gegenteil. Seit über 3 Wochen könnte ich mich nur davon ernähren. Irgendwas scheint meinem Körper zu fehlen.

Das wichtigste an diesem schlichten Rezept ist die Qualität des Sesamöls. Je besser (also intensiver) das Öl, desto besser schmeckt das Gericht. Logisch. In diesem speziellen Fall ist kaltgepresst nicht erstrebenswert. Dunkel, fast rauchig geröstet und anschließend sofort abgefülltes Öl offenbart erst die volle Palette des würzig, nussigen Sesamaromas. Also, bitte nicht in die Pseudoexotik-Abteilung eines Supermarktes, sondern in den Asialaden sich begeben. Die dunklen reinen Sesamöle gibt es leider nur dort; noch besser schmeckt’s natürlich selbst gepresst. Auch logisch.

So einfach und so gut, probiert es aus. Die meiste Arbeit macht eher das Säubern.

Blanchierter Spinat in Sesamdressing_Sigeumchi Namul

Zutaten:

400 – 500 g frischer Blattspinat oder Wurzelspinat je nach Saison

1 EL Sesamkörner, geröstet

2-3 EL dunkles Sesamöl

1 Knoblauchzehe, fein zerrieben

Salz nach Geschmack

optional

Lauchzwiebeln, feine Ringe

Zubereitung:

  1. Evtl. Wurzeln und welke Blätter entfernen und mehrfach im Wasser durchspülen, gut säubern. Kurz abtropfen lassen. In einem großen Topf Salzwasser sprudelnd kochen und den Spinat hinzugeben. Sobald das Wasser wieder aufkocht den Spinat einmal wenden und wieder aufkochen lassen (je ca. 1-2 min).
  2. Wasser abschütten, Spinat sofort in kaltes Wasser geben und abschrecken. Gut (aber vorsichtig) in den Händen ausdrücken, mit dem Messer grob zerteilen. Mit allen weiteren Zutaten mit der Hand gut vermengen. Mit Salz abschmecken. Nur einzelne Tischportionen entnehmen und servieren. Die restliche Menge hält sich so einige Tage im Kühlschrank.

Sushi ohne Fisch_Kimbap

Ich hatte euch das Rezept für Kimbap versprochen, damit alle Rezepte für das koreanische Weihnachtsmenü beisammen sind. Ich befürchte nur, dass ich meine eigene Nashi Interpretation des Sorbets nicht mehr in diesem Jahr posten werde, aber ich habe tiefes Vertrauen in eure Kochfähigkeiten, dass ihr das dort angegebene Grundrezept ohne meine Hilfe abwandeln könnt. So schwierig ist ein Sorbet nun auch nicht, Suse redet bei ihrer Orangen-Version da sogar von pipi-einfach.

Kimbap ist, wie soll man sagen, die koreanische Variante eines California Maki – also Korean Maki? Nicht ganz! Der große Unterschied ist, dass der Reis bei Kimbap nicht gesäuert wird, wie die japanischen Sushi-Röllchen. Stattdessen wird er mit Sesamöl, Salz und Sesamkörnern gewürzt. Wahrscheinlich weil Kimbap nie rohen Fisch enthält und der Essig ursprünglich nur zur längeren Haltbarkeit des Meeresgetiers gedacht war. Aber es gibt wie immer und überall Traditionalisten und Progressive und daher habe ich auch mal mit Mirin oder Sushinoko gesäuertes Kimbap gegessen. Eine Zeit lang war ich persönlich sogar auf dem Sushinoko-Trip, bis ich bemerkte, dass ich mich eigentlich auf einem teuer erkauften Glutamat–Trip befinde – von dem bißchen Reisessigpulver zusätzlich abgesehen. Seitdem gehöre ich wieder zu den Traditionalisten.

Die klassische Rolle enthält 5 verschiedene Füllungen in 5 verschiedenen Farben – wie so oft in der koreanischen Küche und Kultur spiegeln sich hier die 5 Elemente wider. Ein besseres Beispiel dafür ist vielleicht sogar Bibimbap. Aber dazu irgendwann später.

Als Füllung dienen hier gebratener Eierstich, sautierte Möhren, Danmuji (süß-salzig eingelegter Rettich), blanchierter Spinat und Rindfleisch. Die verschiedenen Farben, vor allem aber die verschiedenen Aromen und Texturen harmonieren zusammen wunderbar und Kimbap ist immer noch ein beliebter Picknick- oder Lunchbox-Schlager. Sozusagen die koreanische Fastfood-Interpretation schlechthin.  Und bezüglich ausgewogenem Nährwert und Kaloriengehalt sicherlich unschlagbar in diesem Food-to-go Segment.

Vor einigen Jahren sind in Korea Kimbap-Ladenketten wie Pilze aus dem Boden geschossen, mit Namen wie Kimbap Nara (Kimbap-Land) oder Kimbap Cheonguk (Kimbap-Himmel). Für Kimbap-Fans sicherlich ein Himmel auf Erden, da die Rollen dort sehr günstig und sogar 24 Stunden zugänglich sind. Mit verschiedenen progressiven Sorten ohne Ende, die von fleißigen Ajummas (Tantchen) im Rekordtempo gerollt werden! Zuschauen lohnt sich bei Gelegenheit.

Ich stelle euch aber statt der runden Rollenform meine Schnellvariante (schon wieder mal Ppalli-Ppalli) vor. Diese Technik empfinde ich zumindest als schneller. Dazu sehen die Scheiben elegant und floral aus. Es geht so: Füllung mittig platzieren statt vorne, zur Hälfte zuklappen statt aufrollen, kräftesparend mit den Handballen fest andrücken, d.h. stehend mit langgestreckten Armen und das gesamte Körpergewicht nach vorne verlagernd als wolle man Shiatsu oder Akupressur anwenden – fertig! Mir fällt ein, auch bei der Herzdruckmassage geht man so vor, nicht?

Kimbap Grundrezept

Zutaten für ca. 10 Rollen à 10 Scheiben (4-6 Portionen) – als Vorspeise nur halbe Menge verwenden

4-5 Tassen bestes Sushireis (oder 10 Portionen)

10 geröstete Noriblätter

3 Eier

3 Möhren, mittel

1 kleine Packung Danmuji, eingelegter Rettich

200 g Rinderhüfte (für Vegetarier einfach weglassen)

400 g Blattspinat, blanchiert

Sojasauce, Zucker, Salz, Sesamöl, geröstete Sesamkörner, Pfeffer zum würzen

Öl zum Braten

Zubereitung:

  1. Reis waschen und „sticky“ kochen, wer wenig Reiserfahrung hat, hier meine 5 Schritte zum idealen Reis.  Danach warm halten.
  2. Eier verschlagen, mit etwas Salz würzen, wenig Öl in Pfanne und auf mittlerer Hitze in einer großen Pfanne als Omelett auf beiden Seiten hell ausbacken. Evtl. Hitze runterschalten. Auf einem Schneidbrett auskühlen lassen. In 1 cm dicke Streifen schneiden.
  3. Möhren mit einem Sparschäler in dünne Streifen hobeln und kurz in der Pfanne mit wenig Öl sautieren. Mit Salz abschmecken. Beiseite stellen.
  4. Rindfleisch in sehr feine Streifen schnetzeln und mit 2 EL Sojasauce, 1 TL Sesamöl, 1 TL Zucker, mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken. In der Pfanne so lange anbraten bis Flüssigkeit verdampft und das Fleisch schön trocken ist. Beiseite stellen.
  5. Fertig blanchierten Spinat mit Salz, Sesamöl, Sesamkörnern abschmecken.
  6. Eingelegten Rettich aus der Packung nehmen, kurz abspülen, mit Küchenkrepp trocken tupfen. Ein Noriblatt als Maß nehmen und in gewünschte Länge teilen. Längs (!) in 1cm dicke Scheiben schneiden und diese wiederum in 1cm Streifen unterteilen.
  7. Die Hälfte vom Reis mit 1 EL Sesamöl, wenig Salz und 2-3 Prisen zerriebener Sesamkörner in einer Schüssel gut vermischen. Mit einem Tuch abdecken, damit der Reis nicht so schnell auskühlt. Wenn der gewürzte Reis aufgebraucht ist, mit dem restlichen, warm gehaltenen Reis ebenso verfahren.

Formen:

  1. Noriblatt entnehmen und mit der langen Seite nach vorne auf eine Sushimatte legen, mit einer Reiskelle den Reis gleichmäßig dünn darauf verteilen, auch die Ecken und Ränder beachten. Quer in der Mitte zusätzlich mehr Reis verteilen.
  2. Auf der dickeren Reisschicht nun die vorbereiteten Füll-Zutaten in Streifenform verteilen, dabei mit den Möhren unten beginnen. So erscheinen die Möhrenstreifen beim Aufschneiden ganz oben für eine schönere Optik. Dann können die restlichen Zutaten wahlweise folgen. Bei einer Rolle werden die Streifen hintereinander gereiht. Hier aber sollten sie möglichst aufeinander gestapelt werden.
  3. Das nun gefüllte Noriblatt mitsamt der Matte an beiden vorderen Ecken fassen und mit einer schnellen Bewegung zur Hälfte nach hinten umklappen. Dabei sollten die vorderen Ecken genau die hinteren Ecken treffen. Nachkontrollieren und eventuell vorsichtig nachjustieren.
  4. Aufstehen und mit langgestreckten Armen (s.o.) nun mit einem oder beiden Handballen den Rand sehr fest platt drücken, dabei mit Hilfe der immer noch umgeklappten Matte gleichzeitig gegen die Füllung drücken. Die Idee dahinter ist, dass man nun eine tropfenförmige Rolle mit einer sehr dicken bauchigen Füllung und einer sich verjüngenden Spitze formt. Falls hier geschludert wird, hält der Reis die Füllung nicht und sie fällt beim Aufschneiden raus. Also kräftig zulangen, gleichzeitig nicht die Füllung platt drücken.
  5. Matte entfernen, fertig ist die tropfenförmige Rolle. So verfahren, bis der Reis komplett aufgebraucht ist. Alle Rollen mit einigen Tropfen Sesamöl bestreichen und in 1,5 cm dicke Scheiben aufschneiden. Die Scheiben leicht versetzt floral arrangieren.
  6. Falls etwas von den Füllungen übrig bleibt, einfach alles in 4cm lange Streifen schneiden und als kleine Beilagen zum Kimbap servieren, vor allem eine extra Portion Danmuji sollte dazu serviert werden.

Tipp: Spinat lässt sich gut durch Gurke ersetzen, dann fällt das mühsame Säubern und das Blanchieren weg. Dafür Gurke längs halbieren und entkernen. Dann in Streifen schneiden. Leicht salzen und eine halbe Stunde Wasser ziehen lassen. Flüssigkeit wegschütten.

Rindfleisch kann man nach Gusto durch Wurst oder andere Proteine ersetzen. Beliebt ist auch Surimi, falls jemand auf Krebsfleisch-Imitat steht. Wohl eher nicht.

Wichtig für den Geschmack ist eigentlich der eingelegte süß-salzige Rettich, es gibt weiße und gelbe (gefärbte) Varianten. Sushi-Fans unter euch kennen sie sicher. Ich bevorzuge die ungefärbte Variante. Aber auf den Fotos habe ich eingelegte Bittermelonen verwendet, die noch knackiger im Biss sind. Daher ist die Farbe dunkler.

Und wo bleibt die Sojasauce, Wasabi und der Ingwer?? Habe ich schon oft gehört, wenn Kimbap erstmals erprobten Sushi-Verschlingern serviert wurde. Kimbap wird ohne Sauce serviert, wie man oben sieht wurde bei der Herstellung bereits ordentlich gewürzt. Und Wasabi ist nicht nötig, da keine rohen Fischscheiben auf Verdauungsunterstützung hoffen. Wozu der Ingwer gut ist, muss ich euch sicherlich nicht mehr erzählen, sein Haupteinsatzgebiet liegt ja in der Abtötung von Bakterien. Die sind auch nicht da. Sollten sie zumindest nicht.

Für Saucenaholics habe ich trotzdem was, quasi meine Wasabisauce ohne Wasabi. Etwas Sojasauce mit extra scharfem Senf vermischen, bis eine leicht dressingartige Konsistenz entsteht. Passt besser zu Kimbap, Wasabi würde alle wichtigen Aromen sonst wegätzen. Trotzdem sehr vorsichtig dosieren.

Et voilà! Japchae_koreanischer Glasnudelsalat

Wie versprochen poste ich als erstes ein koreanisches Rezept. Und zwar eines der beliebtesten Gerichte in der koreanischen Küche: Japchae (ausgesprochen wie Japtschae). Traditionell darf das Gericht zu feierlichen Anlässen nicht fehlen. Ich bin mir nicht sicher, woher das Gericht ursprünglich stammt; hierfür unterscheidet man grob die Hofküche, das Essen im königlichen Palast oder auch Royal Cuisine genannt, und das Essen des normalen Volkes.

Für viele, die die koreanische Küche kennen oder schon lieben, steht sie für würzig, scharfe und mit viel Einsatz von Knoblauch und Chili gekochte Speisen. Aber Chili kam mit portugiesischen Seefahrern erst nach Umwegen über Mittelamerika vor wenigen hundert Jahren nach Asien, und vorher hatte die Royal Cuisine starken Einfluss. Sie ist sehr mild gewürzt, nicht scharf und auf schöne natürliche Farbkombinationen bedacht. Hierfür wurden oft Blüten-und Kräuterauszüge verwendet um Speisen zu färben, oder die natürliche Farbe einzelner Zutaten wurden gezielt als Farbkontrast eingesetzt. Sehr, sehr aufwendig. Auf europäischer Ebene kann man am ehesten die französische Haute Cuisine als Vergleich nehmen.

Ihr fragt euch jetzt sicher, wie die Koreaner ohne Chili ihr Nationalheiligtum Kimchi vorher zubereitet haben sollen. Es gibt tatsächlich eine ursprünglichere Variante ohne Chili, das Baek-Kimchi – das „weisse“Kimchi. Oder Dongchimi, ein aus Rettich hergestelltes Wasser-Kimchi. Meine Mutter legt diese Sorte immer für ihre Enkelkinder ein. Und die Kinder lieben sie!

Um jetzt auf Japchae zurück zu kommen, könnte es tatsächlich den Ursprung aus der royalen Küche haben, wobei ich persönlich auf starke chinesiche Einflüsse tippe. Aber in der indonesischen Küche gibt es ja auch das Japchai. Ähnlich klingend, aber inhaltlich unterschiedlich.

Wie auch immer, hier ist mein Rezept für eine große Schüssel

Japchae

Zutaten:

5 EL Sojasauce

1 EL Zucker

1 EL Sesam geröstet

1 EL Sesamöl dunkel (aus geröstetem Sesam)

1 Messerspitze Pfeffer

1 Knoblauchzehe

etwas Salz zum Abschmecken

etwas Öl zum Braten

250g koreanische Glasnudeln (sie sind aus Süßkartoffelmehl und dicker)

1 Gemüsezwiebel oder 2 mittel große

2 Möhren

250g Wurzelspinat

8-12 getrocknete Shiitakepilze (je Größe)

3 Lauchzwiebel

bis hier für eine vegetarische Version, ansonsten noch

200g Rindfleisch (Hüfte)

Zubereitung:

Vorher Pilze waschen, mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und 1 Stunde einweichen lassen. Die Glasnudeln nach Packungsanweisung ca. 5 min kochen, gut abspülen und abtropfen lassen. Mit einer Küchenschere die Nudeln mehrfach zerteilen.

Spinat gut waschen. In einem großen Topf etwas Salzwasser aufkochen und den Spinat ca. 2 min kurz blanchieren, dabei zügig und gleichmäßig wenden. Abseihen und mit kaltem Wasser durchspülen. Auf dem Sieb abtropfen lassen. Vorsichtig ausdrücken und 2-3-mal zerteilen. In eine große Schüssel geben.

Zwiebel halbieren und in Spalten schneiden. Möhren in große Julienne schneiden. Lauchzwiebel halbieren in 4 cm Stücke teilen. Pilze ausdrücken und in dünne Streifen schneiden. Evtl. noch das Fleisch schnetzeln.

Zwiebeln mit Lauch, Pilze, Fleisch und zuletzt Möhren einzeln bei mittlerer Hitze mit je 1 TL Öl ca. 2-3 min anbraten. Das Gemüse sollte knackig sein. Mit jeweils einer Prise Salz würzen. Fleisch zusätzlich pfeffern.

Nacheinander alle angebratenen Zutaten zum Spinat in die große Schüssel geben. Zum Schluss die gut abgetropften Glasnudeln und alle Gewürze hinzufügen. Knoblauch mit dem Messerrücken grob zerstoßen, dann mit der Klinge fein hacken. Alles gut, aber vorsichtig durchmischen, am besten von Hand (Einmal-Handschuh).

Die Sojasauce sollte die Nudeln in einen schönen Karamellton färben. Nicht zu hell und nicht zu dunkel. Daher den letzten EL Sojasauce vorsichtig nachfügen. Ist eine schöne Farbe erreicht, aber alles noch nicht würzig genug, nur noch mit Salz abschmecken.

Wichtig für den richtigen Geschmack ist die richtige Sojasauce, wählt eine koreanische oder japanische Firma. Chinesische sind oft sehr dunkel und geschmacklich anders.

Dieses Rezept ist die klassische, authentische Variante. Man kann aber je nach Saison die Gemüsesorten austauschen. Wichtig sind nur verschiedene Farben. Junger Frühlingsspinat sollte natürlich nicht blanchiert werden, stattdessen wie die anderen Gemüsesorten direkt anbraten.