Fleisch, das vom Knochen fällt

Manchmal passt alles zusammen. Ein kalter Tag, ein pfeifender Wind, das Stolpern über fleischige Rinderrippen… Galbi Jjim musste her. Ein Schmorgericht, auch wenn Ende April ist.

Galbi Jjim (Braised Beef Short Ribs) ist ein typisches Festtagsessen. Ein Gericht, das man weniger in Restaurants auswärts isst, sondern eher für liebe Gäste oder zu besonderen Anlässen zu Hause kocht. Denn anders als hier gehören Rinderrippen in Korea zu den beliebtesten und teuersten Cuts. Und auch ich ziehe saftige Short Ribs jedem Filetstück vor. Lange mariniert und langsam geschmort wird das Fleisch butterzart und aromatisch.

Mittlerweile habe ich ja etliche Rezepte für Short Ribs ausprobiert und sie mal in literweise Nero d’Avola, mal in Portwein oder Sherry geschmort, und jedes Mal komme ich zum Schluss: Galbi Jjim auf die koreanische Art ist einfach unschlagbar. Doch ihr dürft mich gerne für befangen erklären…

Galbi Jjim_Braised Beef Short Ribs

Es existieren unzählige Familienrezepte, in jedem Haushalt wird dieses Gericht ein wenig anders zubereitet und gewürzt. Die klassische Methode (nach den Kochkursen der koreanischen Hofküche/Royal Cuisine) und die meisten Rezepte verlangen als allerersten Schritt ein Blanchieren bzw. „Parboiling“ der Fleischstücke. Dadurch soll das Fleisch vorab entfettet werden. Und Verfechter dieser Methode schwören darauf, dass die Marinade in ein bereits vorgekochtes Fleischstück besser einzieht. Aus meiner Sicht ist dieser Schritt rein hygienischen Gründen geschuldet (somit mittlerweile entbehrlich) und stammt noch aus uralten Zeiten, als Fleisch noch ungekühlt an Straßenständen verkauft wurde.

In meiner Familie wurden die Fleischstücke schon immer nur gründlich abgespült, nicht vorgekocht, dafür zum Ausbluten lange (!) in kaltes Wasser gelegt. Damit die Marinade gut einzieht, wird das rohe Fleisch über Nacht in die Marinade eingelegt und anschließend langsam (mindestens 3 Stunden) auf niedrigster Hitze leise geköchelt. Entfettet wird erst ganz zum Schluss. Für Galbi Jjim (nach meiner Methode) sollte man daher mindestens am Vortag beginnen.

Zutaten für 4-6 Personen (6 im Rahmen einer koreanischen Mahlzeit mit Reis und weiteren Banchan/Beilagen):

2 kg Querrippe/Short Ribs (mit Knochen), in rechteckige Stücke mit je einem Knochen vom Metzger zerteilen lassen

Marinade:
130 ml Sojasauce
1 Nashi-Birne, groß (alternativ jede andere feste, säurearme Birnensorte)
1 Zwiebel, mittel
3-4 Knoblauchzehen
50 ml Reiswein (Cheongju oder Sake)
3 EL Zucker (je nach Süße der Birne regulieren)
1 EL Honig
1 EL dunkles Sesamöl
1/2 TL Pfeffer

1 Lauchzwiebel, in feinen Ringen

zum Schmoren ca. 300 ml Wasser, je nach Länge der Schmorzeit

für die ganz klassische Version zusätzlich:
etwas Rettich, in große Würfel/Stücke
2 Karotten, in Kegel geschnitten
8-12 große Shiitake, frisch oder getrocknet
2 Handvoll Maronen
1 Handvoll Jujube

Garnierung:
gerösteter Sesam
Ginkgo-Nüsse, geschält
Pinienkerne

Zubereitung:

  1. Fleisch evtl. noch parieren und grob von überschüssigem Fett und Membran befreien. Unter fließendem kalten Wasser abspülen, auf eventuelle Knochensplitter achten und entfernen. In einen großen Topf legen und komplett mit kaltem Wasser bedecken. 3-4 Stunden ausbluten lassen, zwischendurch ein- bis zweimal das Wasser wechseln.
  2. Währenddessen Marinade zubereiten: Birne und Zwiebeln schälen und grob würfeln. Alle Zutaten für die Marinade (von Sojasauce bis Sesamöl) in einem Mixer pürieren (alternativ mit Pürierstab arbeiten). Mit Pfeffer würzen. Beiseite stellen.
  3. Nach dem Ausbluten die Fleischstücke mit Küchenpapier trocken tupfen, gleich in den Topf geben, der später zum Schmoren genutzt wird. Mit der Marinade aufgießen, Lauchzwiebelringe über alles streuen, Deckel schließen und bei sehr kühler Raumtemperatur oder im Kühlschrank für mindestens 3-4 Stunden, besser über Nacht (!) marinieren lassen. Zwischendurch einmal wenden.
  4. Nach dem Marinieren ca. 200 ml Wasser hinzufügen und den Topf mit Deckel zunächst auf höchster Stufe zum Kochen bringen. Sobald alles kocht, die Hitze auf unterste Stufe schalten und langsam ca. 3 Stunden köcheln lassen. Die Flüssigkeit sollte ganz leise vor sich hin blubbern, dafür reicht bei mir die unterste Stufe, evtl. müsst ihr die Hitze anders regulieren. Ab und an mit einer Kelle etwas Soße über die oberen Fleischstücke gießen, evtl. noch restliches Wasser nachgießen.
  5. Wer möchte (das Fleisch kann allein zubereitet werden, doch die Gemüsezutaten machen das Gericht klassischer), kann währenddessen Gemüse vorbereiten: Getrocknete Shiitake kurz abspülen und in warmes Wasser einlegen. Frische Pilze können mit einem Kreuzschnitt garniert werden. Rettich schälen, in 3-4 cm dicke Scheiben schneiden, vierteln. Karotten schälen, Messer schräg ansetzen und schneiden. Vor jedem weiteren Schnitt die Karotte um die Hälfte drehen und erneut schräg schneiden, sodass kleine Kegel entstehen. Alle Kanten nochmals mit einem kleinen Messer abrunden/tournieren. So können keine Kanten während des Kochvorgangs „ausfransen“ bzw. angestoßen werden.
    Wenn Saison bzw. falls vorhanden: Maronen und rote Jujube (asiatische Datteln) zugegeben. Maronen ebenfalls rundlich schälen. Jujube abspülen und mit einem Küchenpapier trocken reiben. Mit einem Messer längs einen Schnitt setzen und um den Kern herum schneiden, bis er sich löst. Wieder zuklappen. Alles beiseite stellen.
  6. Nach etwa 3 Stunden sieht das Ganze ungefähr so aus. Garprobe machen. Mit einem spitzen Gegenstand/Schaschlikspieß (ich nehme ein Metallstäbchen) in ein dickes Fleischstück stechen. Evtl. noch etwas länger köcheln, doch nach dieser Zeit sollte alles weich sein. Die Hitze zunächst ausschalten. Kurz abkühlen lassen. Mit einer flachen Kelle vorsichtig das Fett oben abschöpfen. Soviel wie es nur ohne große Soßenverluste geht. Alternativ das Fleisch mit einem Schaumlöffel vorsichtig entnehmen, abdecken und die Soße in einen kleineren Behälter umfüllen und in den Kühlschrank stellen (wer alles am Vortag vorbereitet, kann auch den ganzen Topf über Nacht einfach im Raum stehen lassen), bis die Fettschicht erhärtet und leichter abzunehmen ist. Besitzer eines Fetttrenners (oder wie heißen diese fancy Dinger?) sind hier klar im Vorteil.
  7. Nachdem die Soße entfettet wurde, alles nochmals auf den Herd stellen, Rettich, Möhren, Pilze hinzufügen, auf mittlere Hitze hochschalten und mit geschlossenem Deckel kochen lassen, nach 30 Minuten Maronen und Jujube hinzufügen und weiter kochen bis die Maronen gar sind. In den letzten 10 Minuten den Deckel abnehmen und offen köcheln lassen. Dabei alles immer wieder mit der Soße benetzen, die zwar leicht reduziert, aber noch relativ flüssig (und reichlich vorhanden) ist. Das darf so. Das muss so. Bloß nicht abbinden, sonst wird der Geschmack verfälscht. Aus ähnlichem Grund niemals Kartoffeln oder Süßkartoffeln als Gemüse zugeben, da die Stärke aus der Soße eine undefinierbare Pampe macht und zuviel Geschmack schluckt.
  8. Servieren: Galbi Jjim in einer breiten Schale (nicht auf Platte) servieren, Soße nur knapp angießen und ansonsten lieber separat servieren. Mit Sesam und optional Pinienkernen und/oder Ginkgo bestreuen.
    Dazu passt eher frisches als saures Kimchi. Also Mak Kimchi. Oder Gutjuri Kimchi. Auch Gurken-Kimchi passt gut dazu. Zusammen mit Japchae (Glasnudelsalat), einigen Jeon-Variationen (gebratene Beilagen), gebratenen ganzen Fischen (Gulbi/Yellow Croacker oder jeder andere Fisch), vielleicht noch einem scharfen Tintenfischsalat und 3-4 Namul-Beilagen (Gemüsebeilagen) habt ihr einen koreanischen Festtagstisch. Reis und Suppe nicht zu vergessen.

Huch, das Rezept ist nun etwas lang geworden. Meine Schuld, weil ich so kleinlich bin. Bloß nicht abschrecken lassen. Das Gericht ist sehr einfach und besteht quasi nur aus waschen, marinieren, schmoren. Nicht mehr. Die eigentliche Zubereitungszeit ist kurz, die meiste Zeit werden die Fleischteile eh in Ruhe gelassen. Und das Schöne ist, man kann alles (bis zum Entfetten/kurz vor Schritt 7) am Vortag fix und fertig kochen, bevor die Gäste kommen.

Tipps:
Die Marinade reicht für ca. 2-2,5 Kilo Short Ribs. Wenn ihr lieber grillen statt schmoren möchtet, könnt ihr die Rippen im koreanischen Butterfly-Schnitt zu dünnen Bändern schneiden (wie in diesem Video erklärt, btw. solche Rippen sind in Korea keine Ausnahme, sondern Regel) und die gleiche Marinade nutzen. Dieser Schnitt funktioniert aber nur mit fleischigen Rippenstücken. Wenn das Fleisch mit dicken weißen Fettschichten durchzogen ist, fallen sie auseinander, bzw. ich würde solche erst gar nicht kaufen. Zum Grillen unbedingt über Nacht marinieren.

Als vegetarische Alternative nehme ich Tofu und Kräuterseitlinge zu gleichen Teilen. Tofu würfeln (ca. 4 cm) von allen Seiten salzen (wichtig), in wenig Stärke pudern und in reichlich Öl knusprig ausbacken. Abtropfen lassen. Etwas von der Marinade nehmen (vorab bevor das Fleisch eingelegt wird beiseite stellen), auf hoher Hitze leicht reduzieren lassen, Hitze zurückschalten, gebackenen Tofu und grob gewürfelte Kräuterseitlinge mit dieser Marinade ca. 30 Minuten köcheln. Mit Schnittlauch, Sesam und Pinienkernen bestreuen.

Wenn fertige Soße oder Marinade übrig bleibt: Jetzt erst können und dürfen festkochende Kartoffeln in große Würfel geschnitten werden und in der Flüssigkeit gar kochen, ähnlich diesen glasierten Kartoffeln. So habt ihr eine neue Beilage.

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Eirolle gegen Löcher im Bauch_Gyeran Mali

Achtung, jetzt kommt was Banales. Daher heute nur ganz kurz: Gyeran Mali – gerolltes Ei. Nicht mehr und nicht weniger und ist trotzdem so viel mehr. Eine Art Omelett, meistens mit Möhre, Zwiebel und Lauch.

Etwas, das mein Patenkind wirklich sehr, sehr liebt und dafür sofort Ruhe geben würde. Schließlich ist er sowohl Gourmet als auch Gourmand. Meine Geheimwaffe gegen unbarmherzige UND WARUM-Fragereien (mein Gott, wie konnte ich annehmen so was sei Klischee).

Innen weich-saftig und außen zart-knusprig mit einer leichten Zwiebelsüße. Nicht nur für Kleinkinder geeignet (falls ihr Ruhe haben wollt).

        

Als Dank bekommt man ein hinreißend charmantes (stilles) Lächeln, zum Niederknien!

Gyeran Mali_koreanisches Gemüseomelett

Zutaten für eine Rolle:

3 Eier

½ kleine Zwiebel

½ kleine Möhre

1 EL Lauch oder Schnittlauch, fein gehackt

Salz nach Geschmack

1 EL ÖL

Zubereitung:

  1. Gemüse in sehr feine Ringe/Julienne schneiden und noch ca. 2 cm klein hacken. Lauch oder Schnittlauch ebenfalls in sehr feine Ringe oder Stücke wiegen.
  2. Eier mit Salz grob verquirlen, das Gemüse hinzugeben. Eine mittelgroße Pfanne mit Öl ausschwenken, auf mittlere Hitze schalten und die Eimasse reingeben. Sobald sich Bläschen bilden, diese mit einer Gabel (ich nehme Holzstäbchen) zerstechen, dass sich ein gleichmäßiger Boden bilden kann. Hitze sofort auf unteres Drittel runterschalten.
  3. Wenn der Boden gestockt ist, aber die Oberfläche noch leicht flüssig, das Omelett in 2 Zügen jeweils um ein Drittel einschlagen (s.Bilder). Dabei 2 Spateln verwenden und die evtl. austretende Eimasse sofort in Form bringen. Mit der Naht nach unten die fertige Eirolle auf sehr niedriger Hitze für 3-4 Minuten stocken lassen. Umdrehen und die Rückseite weitere 3-4 min. in der Resthitze ziehen lassen. Dann auf einem Schneidbrett wenige Minuten auskühlen lassen.
  4. Die Enden sauber abschneiden, dass ein Rechteck entsteht. Aufschneiden und mit einem Dip aus Sojasauce, Sesamöl und Sesamkörner servieren.

Tipps: Auf das aufwendige Hin-und-Herschieben wie beim Tamagoyaki verzichte ich. Das Zusammenklappen und langsame Stocken in der Pfanne finde ich praktischer. Die Hitze nicht zu hoch schalten, sonst wird die Rolle außen dunkel, bevor die Masse innen stockt. Als Banchan Beilage pro Person ca. ½ Rolle berechnen.

Von schlimmen Nudeln und schwarzer Sauce

Es gibt hier auf meinem Blog ein vernachlässigtes, wohl eher ein nicht vorhandenes Produkt. Pasta. Nicht, dass ich keine essen würde. Eine Zeit lang habe ich sogar wie Sophia Loren fast jeden Tag Pasta gegessen.

Meine Linguini cozze e vongole können mit den südlichen Vorbildern mithalten (behaupte ich jetzt frech) und die Herstellung einer Lasagne ist für mich, wie bei einer italienischen Mama, eine Tagesaufgabe, die ich genieße und zelebriere. Nebenbei esse ich auch gerne Pasta nach Afras, äh, Köhler Art. Und Orecchiette liebe ich mit allen erdenklichen Soßen, weil sie mich an die zauberhaften Öhrchen meiner Nichte erinnern – aber alle meine Pastaeskapaden landen nicht auf meinem Blog.

Weil ich sie immer schnell aus der Hüfte schieße, immer bei schlechtem Licht, immer wackelig mit leichtem Unterzucker, immer schlimm halt. Und weil ich eine kleine Schwäche für eine hauseigene Bastardvariante habe – Kimchi Pasta. Kann ich euch nicht wirklich antun, oder doch?

Daher überlasse ich Pastagerichte weiterhin solchen Meistern ihres Faches, die Sachen zaubern wie Jahrgangsnudeln oder Pasta mit Konfetti. Und stattdessen präsentiere ich euch die beliebteste koreanische Nudelsoße Jajang – rabenschwarz. Jeder Ungeübte schreckt im ersten Moment kurz zurück, aber glaubt mir, diese optisch nicht gerade einladende Sauce schmeckt hervorragend. Fleischig, würzig, kräftig mit einer leichten Karamellsüße. DER Lieferklassiker in Korea schlechthin.

Die Soße verdankt ihre Farbe der Zutat Chunjang, oft einfach Jajang genannt. Eine hauptsächlich aus fermentierten Sojabohnen hergestellte Gewürzpaste. Nicht nur farblich, sondern auch geschmacklich annähernd mit der Sojasauce vergleichbar.

Dazu müssten eigentlich handgezogene Nudeln gereicht werden (der übliche pH-Wert des Teigwassers schwankt in Asien anscheinend zwischen 7,4-7,7), aber bei mir will es immer noch nicht so recht klappen, also bleibt es vorerst noch bei handgeschnittenen Nudeln nach diesem Rezept. Wenn man sie vor dem Kochen ins kalte Wasser legt, sollen sie zumindest noch extra Biss bekommen, wußten die alten Chinesen wie ich hier gesehen habe. Klappt es bei euch schon? Sonst serviert die Soße auf Reis wie auf meinem Bild, dann heißt das Gericht Jajang Bap statt Jajang Myeon.

Jajang Sauce für Jajang Myeon oder Jajang Bap

Zutaten für 2-4 Portionen je nach Größe:

2 Kartoffeln

2 Zwiebeln

2 Scheiben Schweinebauch

2 TL Zucker

2 EL Jajang/Chunjang

250 – 300 ml Wasser

1 Knoblauchzehe

1 TL Kartoffelstärke

3-4 Blätter Weißkohl/Spitzkohl

Salz nach Geschmack

optional

frische Gurken zum Garnieren

Zubereitung:

  1. Fleisch in dünne Streifen schneiden, Kartoffeln und Zwiebeln schälen und in dünne Würfel schneiden.
  2. Fleisch auf mittlerer Hitze goldbraun anbraten (evtl. etwas Öl dazu, falls nicht genug Fett austritt) und die Zwiebeln mit der Hälfte des Kohls hinzufügen. Glasig einige Minuten mitdünsten. Zucker darüber streuen und leicht karamellisieren lassen.
  3. Kartoffelstücke und Jajang/Chunjang hinzu und alles kurz mit rösten. Mit soviel Wasser ablöschen, dass alles sehr knapp bedeckt ist. Hitze reduzieren und ca. 10 min. köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.
  4. Kartoffelstärke in etwas Wasser auflösen und unter Rühren in die Soße geben, nochmals aufkochen lassen.
  5. 2-3 Minuten vor Ende der Garzeit den restlichen Kohl hinzugeben. Knoblauch fein zerreiben und evtl. mit Salz abschmecken. Vorsicht, Jajang ist bereits sehr salzig.

Tipps: Dazu sollten unbedingt Danmuji/Takuan, süß eingelegter Rettich serviert werden. Sind überall in Asialäden erhältlich. Die Süße hebt den Geschmack des Gerichts und passt besser als jede andere Beilage dazu. Dünn aufschneiden und mit einigen Tropfen Essig besprenkeln.

Edit: Es gibt neue Erkenntnisse, wie man die Jajang Sauce verbessern kann. Schwarz für Fortgeschrittene.

Gerösteter Algensalat in Sojasaucendressing_Parae muchim

Parae, hier Meersalat, Meerlattich oder Ulva genannt, ist eine Untersorte der Seealge. Frisch, grün, glitschig und nass kann man sie in Korea überall kaufen. Bei uns gibt es meist nur die getrocknete Variante – manchmal je nach Hersteller auch als Doljaban (Dol=Stein) deklariert, weil man sie ursprünglich von Steinen/Felsen geerntet hat. Dunkelgrüne bis violett-schwarze Blöcke, die man sehr leicht auseinander reißen kann. Auf die Farbe sollte man achten, im Gegensatz zu Gim (Nori) ist hier ein violetter Farbstich ein Qualitätsmerkmal. Parae ist sozusagen die volumige Schwester von Gim (aka Kim/Noriblatt) – der relativ unbehandelte Zustand bevor die losen Algen papierdünn gepresst und getrocknet werden. Hier noch mal ein kurzer visueller Überblick über die verschiedenen Algenarten in getrockneter Form:

Im Vordergrund Parae_Meerlattich, dann im Uhrzeigersinn Gim_Nori, Miyeok_Wakame und 2 verschiedene Sorten Dashima_Kombu. Die dünne Sorte ist zum Frittieren und die dicke „normale“ Sorte für Brühe oder Suppe.

Parae Muchim (oder Doljaban Muchim) ist eine typische Sommerbeilage angesichts der Hitze und Schwüle eines koreanischen Sommers, bei der andere Lebensmittel und Beilagen schnell verderben können. Getrocknete Algen sind in dieser Hinsicht ziemlich unempfindlich. Wer Gim aka Noriblätter mag, wird diese Beilage (Banchan) hier erst recht mögen – nussiger Algengeschmack, Sojasauce, würziges Sesamöl und ein Hauch von Chili in Form von Gochugaru. Eine salzig würzige Meeresbrise auf dem Teller.

Gerösteter Algensalat in Sojasaucendressing_Parae Muchim

Zutaten für eine große Banchanschale:

25 g Parae, getrocknet (ca. eine große Hand voll)

1 EL Sojasauce

1 TL Gochugaru

½ TL Zucker

1 EL Sesamöl, dunkel

1 TL Sesamkörner, geröstet

1 EL Wasser

etwas Schnittlauch oder Lauchzwiebel in Ringen

1 kleine Knoblauchzehe, fein zerrieben

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten bis auf Parae in einer breiten Schale miteinander vermengen. Parae zunächst auf hellem Untergrund grob zerbröseln und evtl. Fremdkörper entfernen. In einer Pfanne ohne Fett (!) kurz rösten (verstärkt den nussigen Geschmack).
  2. Zum fertigen Dressing geben und gut mit der Hand vermengen und ca. 15 min ziehen lassen. Als Banchan servieren und im Kühlschrank aufbewahren.

Tipps: Das zusätzliche Rösten ist meine Art der Zubereitung, kann übersprungen werden, wenn es schneller gehen soll. Je salziger ein Banchan, desto kleiner ist die Serviermenge. Dieses Rezept funktioniert notfalls auch mit Noriblättern und ist ideal geeignet, um eventuelle „alte“ Reste aufzubrauchen. Dafür die Blätter kurz rösten und dann erst verkrümeln.

Frische Parae werden süß-sauer mit Essig abgeschmeckt, ähnlich wie Miyeok Muchim (Wakame Salat).

Geburtstagssuppe_Miyeok Guk

Nicht kalt und süß, sondern heiß und salzig. Tatsächlich ist 미역국 Miyeok Guk, eine Suppe aus Wakame-Algen in kräftiger Fleischbrühe (entweder Rind oder Huhn), am Geburtstag eines jeden Koreaners das Wichtigste überhaupt. Wichtiger als eine Geburtstagstorte und sogar wichtiger als Reiskuchen an einem solchen Tag. Militante Miyeokguk-Anhänger (meine liebe Verwandtschaft) servieren sie am liebsten bereits zum Frühstück mit Reis, Kimchi und geröstetem Gulbi (Yellow Croacker).

Um dieses merkwürdige Verhalten zu verstehen, muss man zurückgehen – bis zur Geburt. Jede frischgebackene Mutter wird in der Regel wochenlang mit der besagten Suppe „verwöhnt“, weil man ihr eine kräftigende Wirkung nachsagt und sie außerdem für eine gehaltvolle Muttermilch sorgen soll. Daher wird sie morgens, mittags, abends aufgetischt, auch wenn der Mutter irgendwann fast wörtlich die Suppe aus dem Halse hängt – da hilft nichts, 4 Wochen (also knapp 90 Portionen) sind das Minimum für eine Frau, die etwas auf sich hält.

Mit dieser Suppe wird demnach an die allererste „Nahrung“ des Säuglings/Geburtstagskindes erinnert.

Für Miyeok Guk werden größere Wakame-Algenblätter verwendet, die besonders dickfleischig sind und einen bräunlicheren Farbton besitzen. Sie sind reich an Mineralstoffen und Spurenelementen und werden gerne sehr weich gegessen. Nicht unbedingt meine Lieblingskonsistenz – und auch nicht unbedingt meine Lieblingssuppe, wenn ich gestehen darf, aber heute musste sie sein.

축 돐 Chuk Dol – der erste Geburtstag ist in Korea schließlich, neben dem sechzigsten, der wichtigste Geburtstag. Dann gilt dies auch für ein Foodblog über die koreanische Küche. Wäre missboulette ein einjähriges Kleinkind, müsste es sich nun in ein Hanbok (koreanische Tracht) zwängen, einen lästigen Kopfschmuck aufsetzen, für das Familienalbum Posen bis zum Umfallen, bekäme dafür eine eigene Tafel voller Essen, Reiskuchen, Geldgeschenke, Goldschmuck, Silberlöffel – und dürfte sich unter diversen Glückssymbolen wie Nudeln, Seidengarn, Geldscheine, Bücher, Pinsel/Stifte und neuerdings auch Golfbälle (die millionenfachen Preisgelder in der Profiliga machen schließlich schwach) als Prognose für den weiteren Werdegang eines davon aussuchen bzw. planlos nach irgendwas grapschen. Dann hätte es das Event-Highlight abgehakt und könnte etwas verschnaufen.

Aber da missboulette ein Foodblog ist, gibt es heute nur ein Rezept mit Dank an alle meine Leser: Blogger, Nicht-Blogger, Kommentierende, Nur-Leser, Feedbacksender, Emailschreiber, Nachkocher, Inspirationsgeber (s. meine Blogroll) – ich freue mich über jeden einzelnen von Euch!

Miyeok Guk_Geburtstagssuppe

Zutaten für 4 kleine Portionen:

1 Hühnchenschenkel

ca. 30 g Wakame-Algen (für Suppen)

1 Knoblauchzehe, fein zerrieben

1 EL Sesamöl

ca. 1,2 L Wasser

Salz nach Geschmack

Zubereitung:

  1. Wasser in einem kleinen Topf aufsetzen. Das Fleisch evtl. säubern, kalt abbrausen und in das noch kalte Wasser legen. Auf mittlerer Hitze kochen bis das Fleisch sich vom Knochen löst.
  2. In der Zwischenzeit Algen in reichlich kaltes Wasser für ca. 10 min. in einer großen Schüssel einweichen. Kurz ausspülen, waschen, mit den Händen ausdrücken und mehrfach mit dem Messer zerteilen.
  3. Sobald das Fleisch sich vom Knochen löst, herausholen, das Fleisch in mundgerechte Stücke zerrupfen, Haut und Knochen entfernen.
  4. In einem neuen Topf eingeweichte, geschnittene Algenblätter mit dem Sesamöl und dem Knoblauch kurz sautieren und mit der Hühnerbrühe aufgiessen. Mindestens eine halbe Stunde (bis zu 1 h) köcheln lassen. Evtl. Wasser nachgießen, falls zu wenig Flüssigkeit.
  5. Eine Viertelstunde vor Ende der Kochzeit die Fleischstücke wieder zur Suppe geben. Mit Salz abschmecken.

Tipps: Dies ist das Grundrezept in Miniversion. Normalerweise eignet sich die Suppe für eine größere Menge (Riesentopf), dann mit einem ganzen Suppenhuhn. Zwischendurch aufgekocht und kalt gestellt hält sich die Suppe locker 3 Tage. Wer Rinderbrühe lieber mag, kann Beinscheibe/Brust verwenden.

Eine schnellere Version geht mit geschnetzeltem Fleisch. Hierfür Fleisch wie unter Punkt 4 zunächst anbraten, dann erst Algen (vorher Algen einweichen, säubern, schneiden) mitbraten und alles mit Wasser aufgießen. Insgesamt nur ca. 30 min. kochen. Ist nicht so gehaltvoll, schmeckt aber leichter und die Algen haben noch Biss.

Wunderbar schmecken auch Miesmuscheln statt Fleisch, dann schmeckt die Suppe klar und frisch und nach Meer.