Gerüchteküche x Parmesanpudding

Anscheinend lesen hier einige CKler mit. Leicht amüsiert, aber auch etwas irritiert musste ich feststellen, dass im „Chefkoch-Forum“ wilde Spekulationen über meine Wenigkeit herumwabern. Ab und an. Immer mal wieder. Daher jetzt und für alle Zeiten, hier ein paar Fakten:

(wer mit CK nichts am Hut hat, springt nun direkt runter zum Parmesanpudding)

1. Ich bin keine ehemalige CKlerin. Ich war noch nie in meinem Leben CK-Mitglied.

2. Folglich: Ich bin NICHT das dortige Mitglied „Tsunami“. Ich kenne sie auch nicht.
(Ich bin zwar mit japanischen Wörtern im Alltag aufgewachsen, weil mein Vater einen Teil seiner Kindheit in Japan verbrachte und mit meiner „nicht-kochenden Oma“, seiner Mutter, mitunter auch auf Japanisch kommunizierte, dennoch würde ich mir – wäre ich Mitglied – keinen japanischen Namen zulegen. Eher wahrscheinlich einen albernen, französisch klingenden Namen.)

3. Ich habe keine Kochkurse gegeben. Schon gar nicht als „Tsunami“.

4. Und weil einige (genau genommen zwei) sich auch noch Gedanken machen, ob ich meine Gerichte wohl selbst „erfunden“ hätte (Logik dahinter: Rezepte sind zum Klauen da, sofern Gerichte nicht neu „erfunden“ wurden):

Die koreanischen Gerichte habe ich (natürlich!) nicht selbst ERFUNDEN. Aber – und das ist der springende Punkt – alle meine koreanischen Rezepte habe ich selbst ENTWICKELT (sofern nicht anders gekennzeichnet). D.h. der Geschmack, den ich von Zuhause kenne und schätze, wurde von mir in diversen (!) Kochvorgängen mit Maßlöffel, Messbecher und Waage hantierend in Rezepturen festgehalten, sodass ein authentischer Geschmack für alle reproduzierbar wird. Danach wird (nicht immer aber oft) das fertige Rezept nochmals probegekocht bevor es online geht. Daher bleiben sie (natürlich!) meine Rezepte. Was sonst?
Und ja. Wie jeder, der halbwegs ernsthaft eigene Rezepte von Grund auf entwickelt (egal ob für Klassiker oder wilde Innovationen), schätze auch ich eine saubere Quellenangabe. Zumal wenn meine Rezepte exakt kopiert werden.
(Ich wünschte, diese passionierten Copy-und-Paste-Drücker würden mit der gleichen Leidenschaft, mit der sie ihr Vorgehen ständig ausdiskutieren/rechtfertigen, einfach mal MACHEN – eigene Sachen auf die Beine stellen!)

5. Ansonsten: Schön, dass ihr da seid. Gerne hätte ich vor Ort und Stelle Klarheit verschafft, aber ihr wisst ja (s. Punkt 1).

So – wenden wir uns nach diesem weltbewegenden Thema schlichten Dingen zu. Es gibt Parmesanpudding nach April Bloomfield (aus ihrem Buch „A Girl and Her Pig“). Einfach, schnell und trotzdem etwas Besonderes. Extraordinäres aus extraordinären Zutaten zu kochen, ist eine immense Leistung. Doch mich beeindruckt mehr, wenn jemand alltäglichen Zutaten oder altbekannten Gerichten etwas Extraordinäres verleihen kann. Und sei es noch so ein kleines Fünkchen. Das treibt auch mein Kochen an. Eine gewisse fixe Idee, den Alltag schmackhafter zu gestalten und sich nicht mit durchschnittlichem Geschmack oder lieblosen Essen zufriedenzustellen. Den entscheidenden Unterschied macht manchmal nur ein Stückchen Butter (wie in Marcella Hazans legendärer Tomatensoße) – oder wie hier eine veränderte Konsistenz. Ei, Parmesan, dazu Spargel und Schinken liegen SO nahe. Doch ich brauchte April Bloomfield, um diese Kombination (und weitere Gerichte mit Parmesan) neu zu betrachten…

Wichtig ist der Kontrast zwischen der samtigen Crème und dem knusprigen Brot. Daher bitte niemals auf das geröstete Brot verzichten. Die Toppings können dagegen gut variiert werden. April Bloomfield schwört auf gebratenen grünen Spargel mit einem Spritzer Zitronensaft und Schinken. Ich finde, in wenig Olivenöl geschwenkter Löwenzahn, gebratene Artischocken oder Spinat passen auch wunderbar zu diesem herzhaften Pudding.

Parmesanpudding nach April Bloomfield
leicht adaptiert

Zutaten für 4 Portionen (4-6 Brotscheiben):

175 ml Sahne (original 3/4 cup)
60 ml Milch (original 1/4 cup)
– ich mische Sahne und Milch 1:1 –
1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
40 g Parmesan, fein gerieben (original 28 g)
1/2 TL Salzflocken (Maldon) – falls feineres Salz verwendet wird, die Menge reduzieren
1 Ei, groß
1 Eigelb, groß

dazu:
Brot, in wenig Olivenöl geröstet
gebratener Spargel oder sautiertes Gemüse nach Wahl
luftgetrockneter Schinken

Zubereitung:

  1. Ofen auf 160-170 Grad vorheizen. Sahne und Milch abmessen, ungefähr die Hälfte der Mischung in einen kleinen Topf gießen. Knoblauch, Parmesan, Salz hinzufügen und alles auf mittlerer Stufe erhitzen und etwa 1 Minute köcheln lassen, dabei gut umrühren. Herd ausschalten, die Mischung nochmals glatt rühren und kurz beiseite stellen.
  2. Währenddessen die restliche kalte Hälfte der Sahne-Milch-Mischung mit dem Ei und dem Eigelb gut verquirlen. Die nun leicht abgekühlte, warme Mischung in einem dünnen Strahl einrühren.
  3. Die fertige Masse in eine sehr kleine Auflaufform (max. 500 ml Volumen – ich nahm zunächst eine zu große Form und mein Pudding oben auf dem Bild ist etwas flach geraten) gießen. Die Form in einen größeren Bräter geben, auf mittlerer Schiene in den Ofen stellen und soviel heißes Wasser in den großen Bräter angießen, bis die gesamte Höhe der Puddingmasse im Wasserbad steht. 20-25 Minuten garen. Der Pudding ist fertig, wenn sich eine matte Haut bildet und die Ränder sehr leicht Farbe annehmen. Die Form komplett mit dem Bräter vorsichtig herausnehmen (zu dem Zeitpunkt ist der Pudding in der Mitte noch etwas wackelig) und im Wasserbad langsam abkühlen lassen. Bei Zimmertemperatur servieren.
    Kann 1-2 Tage abgedeckt im Kühlschrank aufbewahrt werden (für ein Brunch einfach am Vorabend zubereiten), jedoch vor dem Servieren erneut auf Zimmertemperatur bringen.

Tipps: Den Parmesanpudding in der Form mit einem Servierlöffel und allen weiteren Komponenten auf einem großen Tablett zur Selbstbedienung servieren.

Für eine elegantere Vorspeise aus ähnlichen Zutaten empfehle ich den Parmesanflan nach der Küchenschabe. Dieser lässt sich (nach einer Kühlzeit) stürzen und hat eine noch feinere Textur.

Unbedingt müsst ihr noch sehen, wie April Bloomfield für die unvergessene Marcella Hazan ihre berühmten Gnudi zubereitet. Jeder Handgriff verrät ihre Liebe zum Kochen und zum Produkt…

#WBD2015: Manakish mit Za’atar

Ihr Ottolenghi-Anhänger da draußen (und ich weiß, ihr seid nicht wenige) – heute gibt es ein passendes Brot zu seinem Aromenuniversum: Manakish. Ein Fladenbrot der levantinischen Küche, das je nach Region immer etwas unterschiedlich ausgesprochen wird. Natürlich getoppt mit dem … Weiterlesen

Interessiert sich hier noch irgendjemand für…

…Brioche? Ich unterbreche nämlich meine Pause für mein kleines Weißmehlhefebutter-Laster aka Briochewahn. Dieses Rezept ist nämlich zu gut, um nicht geteilt zu werden. Was mich zu der Erkenntnis führte, dass ich niemals eine gute Gastronomin abgeben würde. Dafür bin ich … Weiterlesen

Mein Brot des Sommers…

…ist eine schnöde Focaccia. Nach zig Anläufen und ebenso vielen Löschvorgängen entscheide ich mich letztlich, möglichst wenige Worte über diese Focaccia zu verlieren. Verdient hätte sie viele. Die erste selbstgemachte Foccacia, mit der ich wirklich zufrieden bin. Oben wie unten … Weiterlesen

Stulle und Gewinne

Heute gibt es etwas zu gewinnen. Marmite, die schweizerische Zeitschrift für Ess- und Trinkkultur, stellt freundlicherweise für meine Leser 3 Ausland-Jahresabos im Wert von je CHF 85 bereit. Kurz habe ich gezögert, da nicht ohne Grund mein Blog bisher frei … Weiterlesen

Doppeltes Hokkaido Milk Loaf für Zorras WBD

Koreanische Brote bzw. asiatische Brote sind nicht einfach NUR weiss, weich und süßlich. Charakteristisch ist ein ganz eigener chewy, leicht zurückspringender Biss mit einer Flaumigkeit jenseits von hiesigen Milchbrötchen (oder Stutenmännchen oder Sonntagsstuten oder Rosinenbrot usw). Und man kann leicht … Weiterlesen

Kimchi + Kochtopf

Wer kennt sie nicht – diesmal fällt die Vorstellungsrunde meiner sechsten Kimchi+ Episode etwas kürzer aus. Denn ALLE kennen sie. Sozusagen die Coca-Cola unter den Foodbloggern (sorry, der Vergleich hinkt gewaltig)… Zorra, die Mutter aller Events. Und das ist mit … Weiterlesen

Meine Madeleine

So ungefähr sah phasenweise mein Frühstück aus. Nur zu einer ganz bestimmten Zeit meines Lebens. Vorher nie und nachher nie – immer gekauft, nie selbstgemacht. Wie auch. Als ich mich mal, mit dem Wagemut einer Unwissenden Idealistin, kopfüber in die … Weiterlesen

Perfekte Brioches revisited

Eigentlich sollte an dieser Stelle die Auflösung meiner Namul-Impressionen stehen. Aber nun folgt ein Zwischenbericht zu meiner Brioche Mission, seelisch und moralisch unterstützt von Daniela. Anstatt brav zu fasten habe ich mich wieder meinem Briochewahn hingegeben – und es gibt gute, nein, sehr gute Neuigkeiten. Dank Zorras Brioche loaf Rezept und Le Cordon Bleu.

        

Zorras Version hatte ich bereits vor einigen Monaten ausprobiert, mit dem fatalen Fehler, dass ich den sehr buttrigen Teig auf die Heizung gelegt hatte. Folge: Fett ausgetreten, Volumen dahin. Anfängerfehler!

Der Geschmack hingegen war fantastisch, was unbedingt für einen erneuten Versuch sprach. Das Rezept von Le Cordon Bleu bei Rachel Khoo klang beim Abgleich sehr ähnlich, also habe ich diesmal beide Rezepturen vermischt. Statt der Frischhefe habe ich nach der französischen Variante Trockenhefe (ja, ich steh’ dazu) genommen, alles andere habe ich belassen. Nur die niedrigere Temperatur von 160 Grad wurde ebenfalls von den Franzosen übernommen.

Der Geschmack hat genau die richtige Balance von Salz und Süße. Zusätzlich eine dünne knusprige goldene Kruste, aber was viel wichtiger ist: ein buttrig lockeres, „langfaseriges“ (habe ich beim Plötzblog gelernt), croissantmäßig fluffiges Innenleben. Ideal um lagenweise den weichen Teigflaum abzuziehen und anschließend zu genießen.

Was für dieses Rezept spricht ist die Einfachheit der Rezeptur ohne krumme Mengen und Vorteig, das nicht zu wenig und nicht zu viel an Eier und Butter und der exakt ausbalancierte Geschmack – auf den ersten Bissen überraschend salzig, aber mit Butter (noch mehr) und selbstgemachter Himbeermarmelade irrsinnig gut – fast perfekt. Natürlich auch pur.

         

Und hier mein Zwischenergebnis im Überblick:

  1. River Cottage Rezept – Etwas enttäuschend, der Teig ging sehr gut auf, hat aber einen leicht brotigen Hang mit indifferentem Geschmack. Bildet eine sehr dicke und feste Kruste. Die Temperatur würde ich nach unten korrigieren.
  2. Delicious Days Brioches (die mir Daniela empfohlen hatte)- Das Rezept ist fast identisch (je 15 g mehr Zucker und Butter) mit meinem
  3. bisherigen Standard-Brioche Teig, und wird daher ohne Ausprobieren als bekannt verbucht. Der Teig bekommt ein sehr gutes Volumen, die Krume wird locker – und was der große Pluspunkt ist: Er bleibt bis zu mehreren Tagen locker und weich. Die Kruste ist wie bei einem Milchbrötchen praktisch nicht vorhanden, sehr weich und soft. Der einzige Nachteil ist die fehlende original französische Butternote. Aber gerade weil er nicht so fettig ist, ideal als Basis für Chinois, Zimtrollen und weitere diverse Füllungen geeignet – oder eben als süßes Maronenbrot.
  4. Jetzt, Zorras Brioche nach Hamelman Der Teig entwickelt sein Volumen nur langsam, aber stetig. Wenn man Zeit hat, sollte man ihm etwas davon abgeben und ihn immer wieder (zusammen)falten. Er mag das. Die Krume wird sehr offen, locker und gleichzeitig elastisch, ähnlich einem Plunderteig. Die Kruste war zum Glück sehr dünn, einen Tick zu crunchy für mich. Der einzige Punkt, den es noch zu überarbeiten gilt. Bevorzuge eher weiche Kruste, aber ansonsten sehr, sehr nah an der Perfektion.
  5. Le Cordon Bleu Rezept – ähnelt stark Zorras Rezeptur (also gut), nur 1 Ei mehr, dafür weniger Flüssigkeit und Verwendung einer ganzen Packung Trockenhefe. Der Teig wird gleich nach dem ersten Aufgehen in die gewünschte Form gebracht und über Nacht gekühlt.

Nahezu-perfekte-Brioches

adaptiert von Kochtopf, Hamelman und Le Cordon Bleu Basic Pâtisserie Manual

Zutaten für 9 Stück (Muffingröße) oder 1 kleiner Laib:

250 g Mehl

30 g Zucker

1 P. Trockenhefe (15 g Frischhefe bei Zorra)

6 g Salz

2 kalte Eier

125 g kalte Butter

25 g Wasser

eggwash: (habe verzichtet) ½ Ei, etwas Milch

Zubereitung (am Vortag):

  1. Alle Zutaten bis auf Butter mit dem Knethaken auf unterster Stufe ca. 10 min. kneten.
  2. Stufe höher schalten und dabei die Butter stückchenweise hinzugeben. Alles ca. 15-20 min. kneten, bis ein seidig elastischer Teig entstanden ist.
  3. 2 h gehen lassen, zwischendurch zweimal als Drittel falten.
  4. Wer die Brioches zum Frühstück haben will: Jetzt Brioches formen, abdecken und in der Form an einem kühlen Ort gehen lassen. Am nächsten Morgen backen.
  5. Wer die Brioches zum Nachmittagskaffee servieren will: Zu einer Kugel formen, abdecken und im Kühlschrank über Nacht kalt gehen lassen. 3-4 h vor dem Servieren die Brioches formen und bei Zimmertemperatur wieder auf doppeltes Volumen aufgehen lassen.
  6. Ofen auf 180 Grad vorheizen, mittlere Schiene, sofort die Hitze auf 160 Grad runterschalten und 15-20 min. (bei mir exakt 18 Min.) goldbraun backen. Warm servieren.

Tipps: Das Formen ist ziemlich einfach (s. Bilder). Eine ca. 20 cm lange Rolle formen, Mitte dünner und die Enden etwas dicker. Enden zu einer Schlaufe übereinander legen, das unten liegende Ende von oben in die Mitte drücken. Das freie Ende nun um 90 Grad nach vorne umklappen und die Spitze von unten in die Mitte drücken.

[Edit: Der aktuelle Stand der Dinge bzgl. Briochewahn: La vraie Brioche du Boulanger.]