Dallae_Allium Monanthum oder Field Garlic

Weiter geht’s mit Namul.

Habt ihr das trockene Gestrüpp erkannt? Kein Gras, sondern Dallae (달래), Allium monanthum, koreanischer wilder Schnittlauch oder auch bekannt als Field Garlic. Aktuell hier im Töpfchen bisschen gealtert – ich warte auf die Blüte und die Samen.

Dallae wird in Korea mittlerweile kultiviert und ist als eine der ersten Frühlingsboten bereits ab Ende Februar immer mit der charakteristischen kleinen, weißen Zwiebelknolle im Handel erhältlich. Hier in Deutschland habe ich die fertig verpackten Bündel noch nie gesehen, aber es gibt Dallae in freier Wildbahn natürlich auch in Europa und ist am scharfen Geruch leicht erkennbar. Zum Glück haben wir eine passionierte Kräutersammlerin in unserer Familie, die samt Freundinnen-Anhang jedes Frühjahr loszieht, um Neues zu entdecken und den Rest der Familie damit einzudecken. Wie Bärlauch lässt sich die wilde Verwandtschaft des Schnittlauchs gut umpflanzen.

An Dallae ist alles extrem, nicht nur die Schärfe, sondern auch der Geschmack und die anschließende Dallae-(Knoblauch) Fahne. Schlimmer als Knoblauch – nichts für schwache Gemüter oder für Leute im Dienstleistungssektor. Eigentlich für niemanden geeignet, wenn man die nächsten 24 Stunden Mitmenschen in näherer Umgebung hat. Trotzdem wollte ich diesen Geruchsextremisten als Zutat kurz vorstellen. Er hat ja auch gute Seiten.

Nur zarte junge Triebe ab den ersten Sonnenstrahlen im Frühling werden für die Küche verwendet, spätere Triebe werden zu spröde und zu hart. Die dunkelgrünen Röhrchen mit heller Wurzel sind reich an Vitamin C, sie stärken das Immunsystem und sollen präventiv gegen Anämie und Arteriosklerose helfen (für Leute mit Gastritis oder generell mit „schwachem Magen“ ist aber Vorsicht geboten).

Und es gibt tatsächlich eine Möglichkeit zum Genuss: Alle, die man in den nächsten Stunden sehen will oder muss, einfach zum gemeinsamen Essen einladen und sich nur untereinander „anstinken“ – der Samstag ist dafür ideal; der Verzehr am Sonntag ist wiederum kritisch, wenn man sich den Wochenanfang vor Augen hält.

Als angemachter Salat oder Kimchi, in Fisch- und Misosuppen oder in pikanten Pfannkuchen ist Dallae vielfältig einsetzbar. Als Ersatz kann ich den in Asialäden gut erhältlichen Schnittknoblauch (Buchu – Butschu ausgesprochen – oder manchmal auch chinesischer Schnittlauch genannt) empfehlen.

Auf meinem Bild habe ich ein sehr authentisches Dallae-Kimchi nach Familienrezept mit viel Saeu Jeot, den eingelegten und fermentierten Babyshrimps. Als Rezept poste ich aber etwas Massenkompatibleres, jedoch nicht minder authentisch, mit Sojasauce – Dallae Yangnyeom Jang, eine Mixsauce für Kongnamul (Sojasprossen) Bap (Reis). Dallae und Sojasprossen sind wahre Freunde und harmonieren wunderbar miteinander. Die Sprossen werden mit dem Reis einfach zusammen gedämpft und mit der Mixsauce, ähnlich wie Bibimbap, vor dem Essen in der Schale gut vermischt.

         

Dallae Yangnyeom Jang_Mixsauce für Kongnamul Bap

Zutaten für 2 Portionen:

50 g Dallae (notfalls Buchu)

4 EL Sojasauce

1 EL Olivenöl

2 EL Sesamöl

2 EL Maesil-Sirup (Ume-Pflaume, notfalls Traubensaft mit Spritzer Zitrone)

1 TL Gochugaru

1 TL Sesamkörner

1 TL Zucker

Zubereitung:

  1. Dallae gut säubern, evtl. noch die oberste „Haut“ abziehen und kräftig im Wasser mehrfach spülen. Trocken schütteln.
  2. Je nach gewünschter Optik kleiner oder größer schneiden und mit den Gewürzen gut vermengen. Separat in einer Schale zum Kongnamul Bap servieren.

Kongnamul Bap_Reis mit gedämpften Sojasprossen

  1. Pro Person/Portion Reis eine Handvoll (ca. 50 g) Sojasprossen berechnen.
  2. Weissen Reis nach Anleitung vorbereiten, dabei etwa ein Zehntel weniger Wasser berechnen (Wasserstand Mitte Finger).
  3. Die Sprossen kurz abspülen und auf den Reis verteilen. Wie gewohnt den Reis kochen. Fertig.

Tipps: Die Soße passt ohne Dallae auch gut zu jedem anderen Salat als Dressing, z.B. zu Feldsalat, Endiviensalat, Chicoree etc. Wer dennoch Dallae Gutjuri (angemachter Salat) haben möchte, kann einfach die Sojasaucen-Menge halbieren und dafür die Dallae Menge verdoppeln. Alles gut miteinander vermengen und 1 h stehen lassen, dass der Salat ein wenig zusammenfällt. Ideal dazu passt pur gebratener Schweinebauch in dünnen Scheiben. Auf jedes knusprig goldbraune Fleischscheibchen etwas Dallae Salat drauf und zusammen in den Mund. Lecker!

Meine Originalvariante für Fortgeschrittene (Bild 4-5) verzichtet auf Sojasauce und Öl, dafür wird wie gesagt mit Saeu Jeot kräftig abgeschmeckt und frische pürierte Chilis hinzugefügt.

Werbeanzeigen

Perilla, wilder Sesam, Shiso, Kkaenip, 들깨…

so unterschiedlich die Namen auch sind, gemeint ist immer die wissenschaftlich Perilla frutescens genannte Pflanze mit ihren aromatischen Blättern. Es ist sehr schwierig den Geschmack oder Duft zu beschreiben, der starke Eigengeschmack ist nicht vergleichbar mit gängigen Kräutern, am ehesten vielleicht mit einer Mischung aus Liebstöckel, Basilikum und, wie ich finde, einer leicht bitteren Kaffeenote. Die japanischen Shiso-Blätter haben wiederum ein anderes Aroma als die koreanischen.

Auf der einen Seite bemühe ich mich Rezepte mit gängigen Zutaten zu posten, aber auf der anderen Seite drängt es mich gleichzeitig euch die unbekannteren Zutaten vorzustellen. Zumal die Blätter unter dem Namen Kkaenipp/wilde Sesamblätter immer öfter in vielen koreanischen Asialäden erhältlich sind. Botanisch ist die Pflanze nicht mit Sesam verwandt, aber dieser Name hat sich durchgesetzt – warum auch immer. Sie liegen meistens in kleinen Tüten verpackt im Kühlschrank aus. Noch ist Saison.

Ich liebe diese würzigen Blätter in allen Variationen, roh als Salatblatt zum Wickeln von Bulgoggi oder Reis, gedämpft in einer Sojasaucenmarinade, frittiert im Teigmantel als Tempura, in feine Streifen geschnitten in Gemüsepfannkuchen oder in Kong Guksu und, und, und. Aus den kleinen runden, dunkelbraunen Samen presst man ein würziges Öl, das reich an Linolensäure ist, oder man verwendet sie geröstet in süßen und pikanten Gerichten. Meine neueste Entdeckung ist die Verwendung der Körner in Salatdressings. Meine Mutter hatte vor kurzem in einem Restaurant in Seoul solch ein Salat gegessen und hatte mir begeistert davon berichtet. Ich habe es gleich ausgetestet und es stimmt – fein zermahlen passen sie besonders gut zu fruchtigen Dressings. Der Geschmack ist wirklich interessant, schwierig zu beschreiben, hat ein wenig was von Kaffee, daher experimentiere ich nun auch mit Kaffeepulver in Dressings/Saucen.

Und nun verrate ich euch mein Lieblingsgericht mit diesen schönen, herzförmigen Blättern. Sie werden mit Fleisch gefüllt, in Mehl und verquirltem Ei gewendet und in der Pfanne ausgebacken. Einfach aber gut! Meine Halmonie/Oma hat diese Beilage immer zum Ahnenritual gemacht und bei ihr habe ich diese Teilchen auch zum ersten Mal gegessen. Ja, in Korea erhalten selbst die Verstorbenen einen eigens für sie reich gedeckten Tisch mit festgelegter Speisenfolge. Mittlerweile ist es unsere Halmonie, die einen solchen Tisch empfängt. Von ihrem Platz aus, den Berg im Rücken mit Blick gen Süden auf ein riesiges Ginsengfeld.

Gefüllte Sesamblätter_Kkaenip Jeon

Zutaten für 25-35 Stück:

25-35   Perilla / Sesamblätter (je nach Größe)

500 g   Hackfleisch halb und halb

3          große Eier

etwas Mehl für Panade

Salz und Pfeffer nach Geschmack

optional

1          kleine fein gehackte Zwiebel

Zubereitung:

  1. Die Blätter unter fließendem Wasser waschen, gut trocken schütteln.
  2. Das Fleisch nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen.
  3. Evtl. etwas sehr fein gehackte Zwiebeln hinzufügen. Gut vermengen.
  4. Die Blätter mit der dunklen Oberseite nach oben auflegen. Jeweils zur Hälfte, gut erkennbar an der „Mittelnaht“, mit 2-3 TL Fleischmasse befüllen. Die Hälfte mit einem Frühstücksmesser ca. 0,5-0,7 mm dünn und gut bis zum Rand verstreichen. Das Blatt zur Hälfte umklappen und leicht andrücken.
  5. Zunächst in Mehl wenden, überschüssiges abklopfen, dann in verquirlten und mit einer Prise Salz gewürzten Eiern wenden. In der Pfanne, mittlere Hitze, mit wenig Öl ca. 2-3 min auf jeder Seite goldbraun braten. Evtl. länger braten, Garpunkt kontrollieren.
  6. Beim Essen in etwas Sojasauce mit Sesamöl dippen.

Tipp: Die Menge ist ausreichend als Beilage für 3-4 Mahlzeiten (4 Personen). Daher kann man die Menge portionieren und einfrieren. Man kann das Fleisch mit jeder anderen Sorte ersetzen, z. B. Mett, Lammhack usw. Etwas fein zerbröselter Tofu macht die Fleischfüllung lockerer. Wer es dagegen feiner mag, kann auch vorher eine Farce herstellen. Um aber den Eigengeschmack der Blätter nicht zu überdecken, wäre ich mit anderen Gewürzen etwas vorsichtig. Auch rate ich als Füllung von zuviel Gemüse ab, da der austretende Saft beim Braten die Teilchen dunkel verfärbt. Zum alleine essen egal, für Gäste etwas unschön.

Da diese gefüllten Perillablätter wunderbar zum Thema In-Hülle-und-Fülle von Zorras Blog passten, habe ich sie auch dort eingereicht.

Blog-Event LX - In Hülle und Fülle (Einsendeschluss 15. September 2010)