Taste drücken…

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…und zwar auf PAUSE. Die drücke ich jetzt nach reiflicher Überlegung (nicht über Wochen, sondern eigentlich das gesamte vergangene Jahr über). Und trotzdem kommt der endgültige Entschluss etwas spontan.

Das Bloggen und der unmittelbare Austausch mit euch hat mir immer (auch bis zuletzt) viel Freude bereitet. Es war bereichernd, erheiternd, unglaublich lehrreich. Und nicht zuletzt war es Ausgleich. Ich habe schon immer bei Stress und Zeitdruck und in den unmöglichsten Momenten am leidenschaftlichsten gekocht. Auch wenn es bedeutete, um 22 Uhr oder später den Herd anzuschmeißen. Es hat mich verankert. Im Hier und Jetzt. So war es auch beim Bloggen.

Nur machte sich in letzter Zeit auch immer mehr ein dumpfes Gefühl breit. Was das genau ist, weiß ich selbst noch nicht. Aber dem möchte ich nachgehen und der Frage ob und wie und worüber ich zukünftig bloggen will…was aus diesem einen Blog hier werden soll bzw. ganz sicher nicht wird. Mit etwas Abstand. Offline. (Und ich spüre gerade schon beim Schreiben dieser Zeilen, dass das “ob” mit “IRGENDWANN ganz sicher wieder über IRGENDWAS” bereits innerlich beantwortet ist – sonst hätte ich mich wohl oben in der ersten Zeile für die “Aus-Taste” entschieden.)
Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass dieser Post genau eine Woche nach Aschermittwoch erscheint. Ich stehe zu meiner Impulsivität und meinem Wunsch nach “Fasten”…auf welche Art auch immer.
Weniger ist mehr, nach der Devise versuche ich schon seit geraumer Zeit mein Leben langsam aber stetig umzukrempeln.

Nun, denn. Auf ein Wiederlesen, Wiederhören, Wiedersehen! Irgendwann.

Und da ich mich immer schlecht fühle, wenn ich Leute ohne Essen verabschieden muss, gibt es zum Schluss noch ein Rezept. Nicht mein bestes zwar, aber immerhin unverfälschte koreanische Hausmannskost. Etwas, das ihr gegen Entgelt aka in Restaurants gar nicht bekommt: Dubu Jorim. Gebratener und anschließend geschmorter Tofu – der Lieblingsfeind aller Massentierhaltungsschnitzelkauer. ;)

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Denn neulich ist mir aufgefallen, dass ich immer noch nicht das Rezept für jenen geschmorten Tofu veröffentlicht habe (noch so ein Punkt…das ständig nagende schlechte Gewissen).

Dubu Jorim schmeckt in jedem Haushalt anders. Jeder macht es leicht unterschiedlich, schwört auf einen besonderen Kniff. Die Besonderheit dieses Rezepts liegt darin, dass ich mit einer vorgerösteten Gochujang-Knoblauch-Ingwer-Paste (nach Vorbild einer pikanten Sundubu Jjigae) beginne, und statt Wasser bzw. einer klaren Dashi-Brühe eine gehaltvollere Fleischbrühe nehme.

In den ersten Monaten meines Bloggerdaseins hatte ich bereits die ungebratene “mollige” Version vorgestellt, sie ist leichter und schmeckt klarer. Ich mag beide Varianten sehr gerne. Diese Version ist deftiger und gehaltvoller, vor allem auch, weil hier die Tofuscheiben zuvor gebraten werden. Dadurch saugen sie die Soße/Würze förmlich auf – wie ein Schwamm. Ein Trick, der auch wunderbar bei Tempeh funktioniert. Dieses stundenlange Einlegen von Tofu und Tempeh in eine Marinade (die ohnehin später nur in der Pfanne unangenehm verbrennt, da auf Sojasoße basierend) habe ich ehrlich gesagt noch nie verstanden. Vielleicht spiegelt sich in dieser Art der “Behandlung” das (falsche) Bild eines Fleischersatzes wider.

Dubu Jorim_geschmorter Tofu, die gebratene Version

Zutaten für 4 Portionen (als Banchan/Beilage)

1 Stück Tofu (selbstgemacht oder gekauft)
2-3 EL Rapsöl zum Ausbacken

1 EL Olivenöl (ab und an nehme ich Wunderöl)
1 TL Gochujang
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1-2 Scheiben Ingwer, fein gehackt
75 ml Brühe (wahlweise Huhn, Rind, Gemüse – ich nahm Rind)
1 Zwiebel
1-2 Chilis, grün nicht zu scharf (optional)

2 EL von Yangnyeom Ganjang (Grundrezept Nr. 3)

Zubereitung:

1. Tofu in 1 cm dicke Scheiben schneiden, nicht dünner, sonst werden die Scheiben später ledrig. Leicht trockentupfen, auf jeder Seite salzen (wichtig, sonst schmeckt der gebratene Tofu später fad – da kann sich die Sauce noch so sehr bemühen) und in einer beschichteten Pfanne auf mittlerer Hitze golden braten. Langsamkeit ist hier die Devise. Rund 7 min auf jeder Seite, nur so entsteht eine sehr gleichmäßig goldene Kruste. Nicht zu oft wenden, möglichst nur einmal. Alles auf Küchenpapier abtropfen lassen und beiseite stellen.

2. Zwiebel in grobe Würfel oder in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Chilis in Scheiben schneiden. In einem kleinen Topf Olivenöl erhitzen, darin Gochujang, Knoblauch, Ingwer anrösten. Dabei den Topf leicht schräg halten, damit die Paste im Öl erhitzt wird und nicht auf dem Topfboden verbrennt. Alles mit Brühe ablöschen. Hitze auf unteres Drittel reduzieren. Zwiebel auf dem Topfboden verteilen.

3. Gebratene Tofuscheiben leicht versetzt (wie Ziegelsteine) auf die Zwiebeln einschichten, auf jede Scheibe Tofu etwas (ca. halben TL) Yangneom Ganjang verteilen und evtl. die Chilischeiben oben verteilen. Alles langsam ca. 10-12 min mit geschlossenem (!) Deckel simmern lassen. Zwischendurch mit einem Löffel alles zwei bis dreimal mit der Soße begießen. Falls die Flüssigkeit zu schnell verdampft, wenig Brühe/Wasser schluckweise nachgießen. Noch warm servieren.

Tipps: Eine richtige Soße bleibt am Ende nicht übrig, eher eine Glasierung. Die Tofuscheiben sind allenfalls mit etwas Flüssigkeit bedeckt. Wer mehr Soße möchte, kann mit mehr Brühe arbeiten, sollte dann aber auch etwas nachwürzen.
Schritt 1 kann sogar am Vortag vorbereitet werden bzw. Reste von pur gebratenen Tofuscheiben können mit diesem Rezept am nächsten Tag neu auf den Tisch gebracht werden.

Schafe und ein Spiel

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Bild von Jonas Nilsson Lee via unsplash

Ein frohes neues Jahr des Schafes wünsche ich euch allen! Diesmal ist es ein Holz-Schaf. Das Element Holz steht für Erneuerung, Wachstum und Zielstrebigkeit, das Schaf gilt als friedliebend, gemütlich und freundlich. Alles hoffentlich gute Aussichten nach dem doch turbulenten Pferdejahr mit viel zu vielen Krisengebieten.

Unter dem Zeichen des Schafes* sollen die schönen Künste, aber auch die alltäglichen Künste (wie das Kochen) florieren – wovon wir Genussmenschen hoffentlich profitieren werden. Vielleicht also ein gutes Jahr, um neue Fähigkeiten in diesen Bereichen zu erlernen oder zu vertiefen.
Und bevor ihr denkt, dass ihr euch versehentlich auf eine dieser mediokren Horoskop-Seiten verirrt habt, wechsle ich lieber schnell das Thema.

Neujahr. Korea. Spiele.

Hier kennt man “Mensch ärgere Dich nicht”, in Korea gibt es “Yut Nori”. Ein traditionelles Brettspiel, welches in zwei großen Teams gespielt werden kann und früher gerne zu Neujahr gespielt wurde, wenn sich die gesamte Großfamilie versammelte.

Hier wird Yut Nori allgemein erklärt, und hier, wie man sich ein eigenes Yut-Spiel nachbauen kann mit genauen Spielregeln und Tipps zur Strategie. Viel Spaß!

* Wie jedes Jahr hat die liebe Tina von Faltmanufaktur sich die Mühe gemacht, ein passendes Paper Toy in unterschiedlichen Farbvariationen zu entwickeln. Ich mag die naturalistische Variante sehr. Und ihr?

Feuerwasser

Wusstet ihr, dass die meistverkaufte Spirituose weltweit immer wieder (auch aktuell) Soju ist? Mit weitem Abstand vor Wodka. Dabei sollte man sich vergegenwärtigen, dass Soju außerhalb Koreas bzw. einer koreanischen Community nicht sonderlich bekannt ist.
Gemeinsames, exzessives Trinken (das hässliche Wort “Komasaufen” wollte ich hier eigentlich vermeiden) über mehrere “Stationen” gehört in Korea zum guten Ton (oder gar zur Sozialisation?) und ist mit ein Grund, warum das Arbeiten in Südkorea einfach körperlich anstrengend ist.

Ein Soju-Rausch aka eine typische Nacht in Seoul mit nach und nach schwächelnden Beteiligten ist hier zu sehen (eine Episode der sehenswerten Munchies-Reihe Al-Kee-Hol). Mit ganz interessanten Hintergrundinfos zur Trinketikette und Geschichte rund um Soju.

Erprobtes und Gemochtes

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Linzer Torte – zusammengebastelt aus diversen Vorlagen Anonyme Köche bzw. Gotti Ernas Linzer-Rezept (Mengenverhältnisse und “weiche-Butter-Methode”) Esskultur bzw. Prato-Rezept (Salz und niedrige Backtemperatur – ich mag den Teig lieber dunkel und gleichmäßig durchgebacken, bei höherer Temperatur verkohlt mir der Boden, … Weiterlesen

Sterne

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Neulich wurde in diesem lesenswerten Bericht über das billigste Sternerestaurant der Welt folgende interessante Frage aufgeworfen: “Darf” man für so etwas eigentlich einen Michelin-Stern vergeben? Darf es Michelin-Sterne für den besten Kartoffelpuffer, die beste Dönersauce, die schmackhafteste Bratwurst geben – … Weiterlesen

Ein paar…

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…Links. Ganz schnell. Wer sich nicht nur für (koreanisches) Essen, sondern auch für historische und politische Hintergründe interessiert – insbesondere die jüngere koreanische Geschichte bzw. Teilung betreffend – dem empfehle ich diese informative dreiteilige Dokumentation, die bereits mehrfach ausgestrahlt wurde. … Weiterlesen

Sommerlinks

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Ich komme derzeit leider nicht über Listengeschreibsel hinaus… Was Pikantes: Nudelsalat Kisir-style (ich habe das rohe Ei weggelassen, eine Spur Gochujang verwendet, Ume-Pflaumensirup statt Granatapfelsirup genommen, das Wunderöl statt Olivenöl genommen, die Soße bzw. Würzpaste im heißen Topf leicht angeröstet … Weiterlesen

Seoul, Seoul, Seoul

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Es sickerte und sickerte, jetzt ist es ganz offiziell: Brot und Butter gibt es demnächst auch mit Kimchi: Bread & Butter Seoul. Nicht nur aus diesem Anlass habe ich für alle Interessierte ein paar meiner Lieblingsecken in Seoul notiert. Insadong … Weiterlesen