Chuseok 2020

Heute ist Chuseok und in diesem Jahr möchte ich euch nicht nur ein hingeworfenes „Happy Chuseok“ wünschen, sondern kurz erzählen, was es auf sich hat mit all den Totengedenkriten an wichtigen koreanischen Feiertagen – und somit auch an Chuseok.

Wie ihr sicher schon mitbekommen habt, dreht sich in Korea fast alles um Essen. Nahezu jede Sitte oder Tradition hängt damit zusammen und fast jeder Feiertag ist mit einem ganz speziellen Gericht verknüpft. Essen, genauer, das gemeinsame Teilen von Essen ist ein enorm wichtiger Bestandteil der koreanischen Kultur und Mentalität – es stärkt Bindungen und ist auch Ausdruck einer Wertschätzung.

Dementsprechend wird sogar mit den Verstorbenen das Essen geteilt. Die Totengedenkriten basieren auf der Vorstellung von Shin In Gong Shik 신인공식 (神人共食), was sich mit „ein gemeinsames Mahl zwischen Geistern und Menschen“ übersetzen lässt. Die Seelen der Ahnen werden gerufen und zum Essen geladen. Jeder kann, wenn er denn will, für einen verstorbenen Familienangehörigen etwas kochen und servieren. An jedem wichtigen Feiertag essen in diesem Sinne die Vorfahren und Nachfahren einer Familie gemeinsam an einem Tisch und für diese kurzen Momente sind scheinbar die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits aufgehoben.

Das aufwändig vorbereitete Essen wird zunächst den Verstorbenen im Rahmen einer Zeremonie* gereicht. Anschließend werden alle Gerichte unter den Anwesenden verteilt. Diese gemeinsame Mahlzeit und das Teilen jedes einzelnen Gerichts wird als Eumbok (음복) bezeichnet und soll (natürlich!) Glück und Harmonie bringen.

Übrigens, Chuseok wird immer am Vollmond des achten Monats (nach dem Mondkalender) gefeiert. Daher wünscht euch was, wenn ihr heute den Vollmond betrachtet. In Korea symbolisiert er Wohlstand und Fruchtbarkeit.

Happy Chuseok euch allen!

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Auch Chuseok läuft wie so vieles im Jahr 2020 anders ab. Angesichts der Tatsache, dass rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung im Großraum Seoul wohnt und diese normalerweise Jahr für Jahr in einer Art Massenexodus durch das ganze Land reist, wurde an die Bürger appelliert, so weit wie möglich auf Heimreisen, Familienansammlungen und Besuche bei Eltern/Großeltern zu verzichten. Und offenbar scheinen sich die meisten daran zu halten – bei relativ geringen Fallzahlen. Auch das gehört zur koreanischen Strategie. Früh handeln. Und alle leisten dazu einen Beitrag, indem jeder (früh) etwas Verzicht übt. Die Belohnung für alle ist/war eine Aufrechterhaltung eines weitestgehend „normalen“ öffentlichen Lebens. Shutdowns, Lockdowns, monatelange Geschäftsschließungen, generelle Kontaktverbote und nicht zuletzt hohe Todesraten konnten die Südkoreaner so gemeinsam vermeiden.
Ich muss immer schmunzeln, wenn ausländische Journalisten/Zeitungen in epischer Breite diskutieren, was Südkorea besser macht. Meiner Meinung nach liegt der eigentliche Schlüssel zum Erfolg in der Bevölkerung selbst.

* Den überaus komplizierten Ablauf dieser Zeremonie namens Jesa (제사) bzw. Charye (차례) kann Wikipedia viel detaillierter erklären.

Ich freue mich über eure Gedanken.

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