Kimchi Cheese Rice aus Kang’s Kitchen

Letzten Sommer bin ich zufällig über eine Episode von Kang’s Kitchen 2 gestolpert, in der ein paar Prominente versuchen, mehr oder minder erfolgreich ein kleines Pop-up-Restaurant zu führen. Die TV-Show an sich war mir zwar zu laut und chaotisch (insbesondere der namensgebende Herr Kang – eine unsägliche Quasselstrippe), aber dieses neuartige Reisgericht, sozusagen die Weiterentwicklung eines schlichten Kimchi Fried Rice, ist bei mir sofort hängen geblieben. Bei einem üblichen Kimchi Fried Rice wird kalter Reis vom Vortag mit allen restlichen Zutaten einfach in der Pfanne gerührt. Doch hier ist der Zugang etwas anders: Frisch gekochter, warmer Reis wird mit einer Kimchisoße vorab in einer Schale gemischt (ähnlich wie ein Bibimbap), erst dann in die Pfanne flach gedrückt und mit etwas Käse bestreut. Wenn der Käse geschmolzen ist, wird der so entstandene Reisfladen (mit leicht angebackener Kruste) zur Hälfte eingeklappt. Eine Art Grilled Cheese Sandwich – nur mit Reis. Die Idee ist so einfach, dass man sich fragt, warum man nicht selbst darauf gekommen ist.

Im Original (hier könnt ihr die Sequenz sehen) ist die Rezeptur selbstverständlich auf größere Mengen ausgelegt. Und wie in Restaurants allgemein üblich wird statt Gochujang (die Chilipaste) nur Gochugaru (Chilipulver) verwendet. Meine leicht adaptierte Version ist hingegen auf haushaltsübliche Mengen ausgerichtet und enthält vorwiegend Gochujang.

Kimchi Cheese Crispy Rice aus Kang’s Kitchen

Kimchisoße für 4 Portionen (empfehle aber gleich die doppelte Menge, s.u.)

350-400 g Kimchi, gut gereift und säuerlich
1 Lauchzwiebel
3 EL Öl, geschmacksneutral
2 TL Sojasauce
3 TL Zucker (je nach Säuregrad des Kimchis regulieren)
4 TL (gehäuft)* Gochujang (Chilipaste)
1 TL Gochugaru (Chilipulver)

* regulär gelten in meinen Rezepten Maßlöffel, nur hier (Gochujang) steche ich mit einem „normalen“ Teelöffel die gewünschte Menge ab

pro Portion zusätzlich:
1 Schale frisch gekochter Reis (Rundkorn)
1 Handvoll Mozzarella, fein gewürfelt
etwas Noriflocken
etwas Sesam

Zubereitung:

  1. Kimchi sehr klein schneiden (ca. 1 cm Kantenlänge) und mit dem austretenden Saft beiseite stellen.
  2. Lauchzwiebel in sehr feine Ringe schneiden und mit dem Öl in einer Pfanne auf mittlerer Hitze weich dünsten. Wenn sie leicht Farbe annehmen und das Öl duftet, Kimchi zugeben und für weitere 3-4 Minuten dünsten bis das Kimchi leicht zusammenfällt. Sojasauce, Zucker, Gochujang und Gochugaru dazugeben und gut vermengen. Herd ausschalten und in der Pfanne auskühlen lassen.
  3. Eine beschichtete Pfanne nur leicht ölen und auf mittlerer Stufe vorheizen. Frisch gekochten Reis mit der vorbereiteten Kimchisoße zunächst in einer Schale gut vermischen (wie Bibimbap) und mit einem breiten Löffelrücken oder Spatel in der Pfanne gleichmäßig flach andrücken. Käse über den Reis verteilen. Hitze auf unterste Stufe herunterschalten und mit einem Deckel für etwa 3 Minuten abdecken. Wenn der Käse geschmolzen ist, den fertigen Reis vorsichtig auf den Teller stürzen (wie ein Omelett) und mit etwas Noriflocken und Sesam servieren. Falls es auf Anhieb nicht klappt (und der Reis zerbröselt), alternativ einfach eine Hälfte auf die andere klappen/heben und in der Pfanne servieren. Denn wichtiger als die Optik ist hier: sofort und noch heiß aufessen.

Fazit: Es schmeckt (natürlich!) und die Idee dahinter macht einfach Spaß (und regt zu Geschmacksvariationen an). Doch wie langjährige Leser unter euch sicherlich ahnen: Ich bin ein Purist (noch dazu Traditionalist) und würde auf Dauer jedes altmodische Kimchi Fried Rice dieser neumodischen Variante vorziehen. Aber gleichzeitig ist mir vollkommen bewusst, dass nicht wenige (vor allem Kimchi-Einsteiger) die Kombination Kimchi mit Käse geradezu lieben – und für solche Kimchi-Cheese-Anhänger unter euch ist dieses Gericht ein MUSS.

Mich persönlich hat vielmehr die Soße überzeugt. Sie ist geschmacklich eine Wucht, gut vorzubereiten und vielfältig einsetzbar (auch unabhängig von Käse): Kimchi-Burger, Kimchi-Pasta, Kimchi-Brot, Kimchi-Dips… Ein Löffelchen davon könnte so einige Nudelsuppen, Ramen und Tofugerichte verfeinern. Oder: einfach Udon-Nudeln oder Makkaroni kochen, einen großen Stich Butter in einer Pfanne schmelzen, etwas von der fertigen Kimchisoße darin auflösen und die gegarten Nudeln darin schwenken – fertig! Ein unglaublich schnelles Alltagsgericht.

Jjapaguri aka Ram-Don aus dem Film „Parasite“

Vielleicht habt ihr Bong Joon Hos Film „Parasite“ (기생충 Gisaengchung) gesehen und vielleicht habt ihr euch gefragt, was das merkwürdig schwarze Nudelgericht ist, das Chung-Sook (die Mutter) in Windeseile zubereiten soll und im Untertitel etwas irreführend als „Ram-Don“ bezeichnet wird.

Aus gegebenem Anlass (zur bevorstehenden Oscarverleihung) gibt es als Service des Hauses ein paar Hintergrundinfos zu diesem Gericht und zum Schluss sogar eine Anleitung (von einem Rezept zu sprechen wäre wohl zu viel angesichts der Tatsache, dass es sich hier um Instantnudeln handelt).

Was ist Ram-Don?
Ram-Don existiert (noch) nicht. Es ist ein reines Kunstwort aus Ramyun und Udon, das die Übersetzer des Films als Übersetzung für das nicht übersetzbare Wort Jjapaguri erfunden haben. In der koreanischen Originalfassung ist immer nur die Rede von Jjapaguri – nie von Ram-Don.

Was ist dann Jjapaguri?
Jjapaguri ist ebenfalls ein Portmanteau aus Chapagetti und Neoguri – zwei sehr bekannte (und sehr beliebte) Instantnudelsorten. Streng genommen müsste es daher Chapaguri heißen, aber irgendwie hat sich die Schreibweise Jjapaguri durchgesetzt.

Chapagetti ist die Instantversion des Nudelgerichts Jjajangmyun (Black Bean Noodles, hier mein Rezept dafür) mit gefriergetrockneten, winzigen Fleischersatzpartikel mysteriösen Ursprungs. Neoguri ist eine scharfe Instant-Nudelsuppe mit Meeresfrüchtegeschmack. Für Jjapaguri werden – wie der Name eventuell erahnen lässt – beide Sorten zusammen als ein Gericht zubereitet. Der salzig-süßliche und leicht fettige Geschmack der dunklen Chapagetti-Soße wird mit der Schärfe und dem künstlichen Meeresfrüchtearoma der Neoguri-Würzmischung ergänzt.

Wann und wie entstand Jjapaguri?
Gerüchten zufolge entstanden Vorreiter dieses Gerichts in diversen Militärbasen bzw. in der Armee (koreanische Soldaten gelten als ungemein innovativ und kreativ in der Erfindung neuartiger Gerichte auf Basis von Fertigprodukten, Anm. d. Red.). Chapagetti kam 1984 relativ spät auf den Markt, die ersten koreanischen Instant-Ramyun bereits ab 1963. Also, irgendwann ab Mitte der Achtziger gab es sowas wie Jjapaguri vielleicht – zumindest Mischungen von Chapagetti mit diversen anderen Ramyun-Sorten.

Doch ich möchte dieses Gericht gerne dem Moderator Sung-Joo Kim zuschreiben (er moderiert u.a. das koreanische Original „King of Mask Singer/The Masked Singer“).

Wirklich bekannt und beliebt wurde das Gericht nämlich unter seiner Wortschöpfung Jjapaguri erst Anfang 2013 nach einer Episode der Fernsehshow „Dad, where are we going“ (in der prominente Väter, darunter eben jener Sung-Joo Kim, mit ihren Kindern die ländliche Provinz bereisen und dabei u.a. auch für sie kochen mussten).

Hier seht ihr, wie Jjapaguri quasi das Licht der Welt erblickt und sofort zum Liebling der anwesenden Kinder avanciert (leider nur auf Koreanisch verfügbar – achtet bitte auf den bezaubernden Jungen mit der roten Bommelmütze, für seine Reaktion braucht man keine Übersetzung).

Und welches Essen wird nun im Film serviert?
Im Film ist eine dekadente Luxusversion eines Jjapaguri mit dicken Steakwürfeln zu sehen – einer der heißesten Trends im koreanischsprachigen Netz letzten Sommer.

In der Übersetzung des Films ist zwar nur von Sirloin/Steak die Rede, aber in der Originalfassung verlangt Frau Park ausdrücklich nach Hanwoo Chaeggeutsal 한우 채끝살 (Korean Beef Sirloin cut), damit die – für sie unerträglich billigen – Instantnudeln für ihren Sohn aufgewertet werden. Um die Pointe dieser Szene gänzlich zu erfassen, ist es vielleicht hilfreich zu wissen, dass in Südkorea ein enormer Preisunterschied besteht zwischen „normalem“ Rindfleisch (Importfleisch) und Hanu/Hanwoo (Premium Korean Beef). Oder wie Bong Joon Ho mal in einem Interview erwähnte: Kein „normaler“ Mensch würde Hanu/Hanwoo mit Instantnudeln vermengen.

Wie macht man Jjapaguri wie im Film „Parasite“?
Falls ich euch den Appetit auf Jjapaguri noch nicht verderben konnte, gibt es hier eine englische Anleitung (via Sa_darm). Auf eine eigene Anleitung habe ich getrost verzichtet, da das Netz bereits voll ist von Jjapaguri bzw. Sirloin Steak Jjapaguri.

Mein Lieblingsvideo zu diesem Thema ist jedoch das von SOF (nur Koreanisch). Hier wird auch sehr anschaulich dargestellt, wo sich der besagte Chaeggeut Cut befindet (in DE nimmt man einfach Roastbeef/Rumpsteak – in Südkorea wird das gesamte Roastbeef in 5 Cuts unterteilt und Chaeggeutsal befindet sich ganz am hinteren Ende über dem Filetkopf).

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Neben all dem Hype um die sechs Oscarnominierungen für Bong Joon Hos „Parasite“ ist es fast ein wenig untergegangen, dass ein weiterer südkoreanischer Film in der Kategorie „Bester Dokumentar-Kurzfilm“ nominiert ist. Der Film „In the Absence“ von Yi Seung Jun beleuchtet still (aber schonungslos) wie Korruption, Unfähigkeit und eine lähmende Mischung aus Profilierungsdrang und Obrigkeitshörigkeit zum Sewol-Fährunglück führten. Das Ereignis war der Anfang vom Ende der damaligen Regierung Park Geun-Hyes.

Die genauen Hintergründe/Verantwortlichen der Tragödie (über 300 Menschen starben, darunter hauptsächlich Kinder) sind bis heute – nach fast sechs Jahren – nicht vollständig aufgeklärt. Nach jahrelangen Manipulationsvorwürfen wurde im November 2019 eine erneute Untersuchung aufgenommen. Was sicher ist: Die Tragödie in dem Ausmaß war vermeidbar.

Der Dokumentarfilm ist im Youtube-Kanal des Magazins The New Yorker für alle frei verfügbar: In the Absence.