Mini-Mochis in Rentnerkleidung und Wassonstsoloswar

Zunächst was nicht so gut war:

Hach, in Sachen (Kimchi-)Weltrettungsmission wird es nicht ruhiger. Wieder ziemlich viel Mist zum Thema Kimchi gelesen (eher zufällig bzw. etwas spät entdeckt, dafür nicht minder erschreckend). Ich mag den Tim Raue ja irgendwie sehr, aber Essig?! Helles Kimchi?! Sollte ich demnächst meinen (mit Essig angemachten) Tomatensalat einfach mal als Tomaten-Kimchi vorstellen?! Bitte sehr: was Kimchi zu Kimchi macht.

Nach zig Jahren waschechte Brownies (keine Mochi Brownies) gebacken. Weil das Rezept nach einer (nicht unbekannten) Pizzeria in Seattle schon fast ein Jahr auf meiner Nachbackliste wartete. Und weil ich den hochgelobten Backrezepten hochgelobter amerikanischer Blogs eine (letzte) Chance geben wollte. Ergebnis: eine klebrige, schrecklichsüße Angelegenheit mit Gänsehautfaktor. So subtil wie eine Faust aufs Auge. Es schüttelt mich jetzt noch, während ich daran denke. So gehen die Meinungen auseinander. Fazit: Amerikanische Backkunst und ich – wir sind einfach nicht füreinander bestimmt.

Als Urlaubslektüre Han Kangs aktuelles Buch „Human Acts“ eingepackt. Ein Buch über Südkoreas schmerzhaften Weg zur Demokratie, genauer, den hohen Preis, den die Bürger von Gwangju damals im Mai 1980 dafür gezahlt haben. Den Roman ausgerechnet unter einem unerträglich schönen Himmel zu beginnen, war keine gute Idee. Zugeklappt. Werde ich erst mitten im Herbst wieder aufklappen. Die deutsche Ausgabe erscheint übrigens am 15. September unter dem Titel „Menschenwerk“. (Ich mag den koreanischen Originaltitel „Sonyeoni onda 소년이 온다“, was mit „Ein Junge kommt heim“ übersetzt werden kann. Weil darin etwas Tröstliches mitschwingt. Fast ein Verzeihen. Oder gar ein Appell. Ähnlich wie Nami Mun in ihrer Rezension schreibt: „As in, peace comes not with passivity but with participation. As in, peace requires action, just like violence.“)

„Haben Sie keine Angst?“ Nein. Auch im angeblich direkt bedrohten Südkorea hat (fast) niemand wirklich Angst vor einem Erstschlag des Nordens, eher bereitet ihnen das lose Mundwerk des amerikanischen Präsidenten Sorgen. Ähnlich sehen es anscheinend Expats.
Als Sieger fühlen dürfen sich beide sowieso: neue milliardenschwere Rüstungsdeals und endgültige Durchsetzung der THAAD-Rampen auf der einen Seite, Demonstration und Festigung der Macht nach innen auf der anderen Seite des Übels. Nichts neues nach jeder „Krise“. Ansonsten: the options that have been tried on North Korea so far.

Und sonst so:

Endlich Shinya Shokudo oder Midnight Diner Tokyo Stories gesehen. Und plötzlich rasend Lust auf einige Gerichte meiner Kindheit bekommen. Keine Grundpfeiler der höheren Kulinarik, einfach nur herzwärmendes (und teils fetttriefendes) Essen. Omurice und (koreanisch/japanische) Corn Dogs, die in Korea aus irgendeinem Grund Hot Dog genannt werden und kein Maismehl enthalten.

Ach, da waren noch in ihrer ganzen Unzulänglichkeit grandiose Egg Sandwiches (böses, weißes, wolkenweich entrindetes, fast zahnlos essbares Toastbrot und Mayo aus der Tube), die – wie erst später festgestellt – ebenfalls in einer Episode von Midnight Diner (2009) eine Rolle spielen. Ungefähr so. Bei mir zusätzlich Dill, saure Sahne, Gurken und nur das Eiweiß gehackt, das Eigelb fein gerieben. Manchmal schmecken böse Sachen.

Apropos böse Sachen. Injeolmi Toast war eine neue Entdeckung. Lange fehlte mir die Vorstellungskraft, dass sowas überhaupt schmecken kann. Ist aber leider gut. Ehrlich. Mehr zu Injeolmi s.u.

Und dieses Lied und Autofahren im Wind.

Zum Schluss wie versprochen noch das Rezept für Injeolmi, koreanische Mochis in einem nussigen Pudermantel aus gerösteten Sojabohnen (Kong Garu*). Diesen Sommer war ich verrückt, nahezu süchtig nach diesen Reiskuchen, obwohl ich früher ziemlich gelassen an diesen optisch wahrlich unspektakulären Dingern vorbeigehen konnte. Naja, Rentnerbeige soll ja im Kommen sein

Injeolmi
Zutaten für ca. 30 Stück
(schnelle Methode)

Teig:
200 g Klebreismehl (Sweet Rice Flour aka Mochiko)
3 EL Zucker
1/2 TL Salz
200-220 ml Wasser

ca. 6 EL Kong Garu aka Kinako* (geröstetes Sojabohnenpulver)

  1. In einer kleinen Metallschüssel Reismehl, Zucker, Salz trocken vermischen und mit einem Teigspatel zunächst 200 ml Wasser einrühren. Der Teig ist zwar noch relativ fest, aber bei Reismehl verändert sich die Konsistenz sehr rasch und unmittelbar. Das restliche Wasser deshalb nur noch mit einem Teelöffel tropfenweise hinzufügen, bis eine dickflüssige, glatte Paste (ähnlich einem nicht zu flüssigen Zuckerguss) entsteht. Die richtige Konsistenz ist erreicht, wenn der Teig zwar so dickflüssig wie möglich, aber dennoch in einem einzigen langen Strahl vom Spatel fließt.
  2. Ungefähr 15-20 min dämpfen. Darauf achten, dass ausreichend Wasser im Kochtopf ist. Der Teig ist gar, wenn man in die Mitte sticht und alles glasig ist und kein hellweißer roher Teig austritt. Schüssel herausnehmen (Achtung heiß!), den Teig mit einem nassen Holzlöffel nochmals kräftig schlagen und dabei leicht abkühlen lassen (ca. 2 Minuten).
  3. 1 EL Kong Garu über ein kleines Tablett sieben, mit einem nassen Gummispatel den gegarten Reisteig als Kugel auf die bepuderte Fläche geben, erneut mit ca. 1 EL Kong Garu bestäuben und schnell mit den Händen zu einem Rechteck pressen bzw. formen. (Höhe ca. 1,5 cm)
  4. Aus dem Rechteck sofort mithilfe einer Teigkarte ca. 4 cm breite Streifen schneiden. Daraus erneut 2 cm breite Stücke schneiden und diese noch warm (aber nicht heiß!) im restlichen Kong Garu wälzen, bis alle Reiskuchenstücke dick mit Kong Garu ummantelt sind. Für Mini-Mochis wie auf dem Bild den Teig zunächst in dünne Streifen und daraus kleine Würfel schneiden. Komplett auskühlen lassen (mindestens 2-3 Stunden), denn erst im erkalteten Zustand erreichen die Reiskuchenstücke die richtige (bissfeste) Konsistenz.
    Diese Reiskuchen können einen halben Tag vorher oder gar am Vorabend vorbereitet werden. Wer die Injeolmis möglichst sofort verzehren möchte, kann sie noch lauwarm ungefähr eine halbe Stunde ins Tiefkühlfach legen. Im geschlossenen Behälter bei Zimmertemperatur aufbewahren oder sofort portionsweise einfrieren (vor Verzehr ca. 30 Minuten auftauen lassen, und sie schmecken wie frisch).

Tipps: Injeolmi schmecken pur (zu Oolong Tee) oder über Patbingsu gestreut. Oder ihr macht daraus wie bereits oben kurz erwähnt Injeolmi Toast (statt in die Mikrowelle lege ich die Toasts nochmals bei schwacher Hitze in die Pfanne bis die Reiskuchenstücke langsam schmelzen, eine Art Grilled Mochi Sandwich). Kleinste Miniwürfel aus Injeolmi streue ich sogar über Eis (Sesam, Azuki oder einfach Vanille), mixe ordentlich Kinako darunter und so habe ich relativ unkompliziert ein Injeolmi-Eis.

*Kong Garu: Irgendwo hatte ich es schon erwähnt, das Pulver, das ziemlich geschmacksneutrale Mochis erst in unwiderstehliche Injeolmi verwandelt, ist hier unter der japanischen Bezeichnung Kinako viel besser bekannt und auch erhältlich. Dafür werden getrocknete Sojabohnen sehr lange dunkel geröstet bis sie nussig duften und anschließend unter Zugabe von wenig Salz und Zucker zu feinem Mehl vermahlen. Der Geschmack erinnert an Erdnussbutter, nur feiner (und besser)! Es gibt auch ungeröstetes Sojabohnenpulver, das nicht für süße Desserts bestimmt ist. Daher beim Kauf auf „ROASTED Soybean Flour“ achten. Und einige Hersteller bieten Kinako „ungewürzt“ an, dann muss mit etwas Salz und Puderzucker nachgeholfen werden.

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6 Kommentare zu “Mini-Mochis in Rentnerkleidung und Wassonstsoloswar

  1. mmmhhh.. dein rezept will unbedingt in meiner küche umsetzung finden. wenn mein urlaub zu ende ist oder ich zumindest wieder gesund bin.
    darf ich nur fragen.. wie dämpft frau den teig? kochtopf mit wasser, darin ein (in meinem fall metallener) siebeinsatz und darauf das schüsserl mit teig?
    wish you lots of sunshine and loving vibes

    • exakt so, josi. ich nutze einen (asiatischen) dampftopf, das prinzip ist gleich. falls kein siebeinsatz vorhanden: umgestülptes schüsselchen auf den topfboden und darauf die teigschüssel. wichtig ist nur ein dicht schließender deckel, damit der wasserdampf drin bleibt.

  2. Jetzt bin ich neugierig geworden auf die Mochi Brownies … die muss ich mal ausprobieren. Und wieder einmal schlage ich mich mit der Frage rum, ob ich nicht auch mal zu Netflix … Hmm.

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