Digestive Biscuits nach Gary Rhodes

Verdauungskekse oder einfach ziemlich gute Vollkornkekse. Und das Schöne dabei ist, sie schmecken überhaupt nicht gesund, wenn ihr wisst, was ich meine.

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Digestive Biscuits gehören zu meinen allerliebsten Keksen – neben Shortbreads natürlich. Und nachdem ich mittlerweile überaus passable Shortbreads hinbekomme (man lobt sich ja sonst nie), hatte ich diesmal die viktorianischen Kekse mit dem leicht irritierenden Namen im Visier. Selbermachen und statt Palmöl echte gute Butter essen? Och, warum nicht!

Etwas überrascht hat mich die Tatsache, dass ich auf meiner Suche kaum auf deutschsprachige Rezepte gestoßen bin. Ist hier etwa niemand süchtig nach Digestive Biscuits? Sogar Europas größtes Forum für kochende Chef-Keifer bietet meines Wissens nur ein einziges Rezept für diese englischen Kekse an.

Wie auch immer, fündig wurde ich natürlich bei Felicity Cloake unter „How to cook the perfect digestive biscuit“. Ein gutes Digestive Biscuit sollte für mich kurz im Biss und kernig-krümelig sein. Oder wie es die Urheberin jener großartigen Kolumne formuliert: „They should be crunchy and dense, not risen and chewy.“ Zudem sollte eine leicht salzig-bittere Note durch das Natron im Abgang vorhanden sein – kaum merklich, aber dennoch spürbar.
Und nach einigen Nachbackversuchen und Kekskrümeleien muss ich sagen, dass mir das folgende Rezept nach Gary Rhodes bis jetzt am besten gefällt (ja, sogar besser als Felicity Cloakes Perfect Biscuit). Nur habe ich aus oben genanntem Grund das Backpulver gegen Natron ausgetauscht. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass meine Kekse aufgehen. Das Natron dient hier nur als „Geschmackszugabe“ und ist ohne Zugabe von Säure sowieso weitestgehend funktionsuntüchtig.

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Ja, und schmecken die Dinger wie die gekaufte Originalware? Selbstverständlich nicht. Leider oder glücklicherweise. Sie schmecken anders. Unerwartet besser. Eher wie ziemlich gute Vollkorn-Butterkekse, die ihrem Namen alle Ehre machen. Fast nussig mit einer satten Butternote. So müssten eigentlich alle Butterkekse schmecken. Kein Vergleich zu den 52-Zacken-Muffelkeksen, die jeden noch so gutgemeinten Cheesecake geschmacklich mit sich in die Tiefe reißen.

Pur sind sie perfekt zu Earl Grey, zerkrümelt heben sie jeden Käsekuchen im Glas zu neuen Dimensionen (ehrlich, eine Offenbarung!) und ab und an dienen sie mir schlicht als Frühstückersatz. Sie machen einen satt und zufrieden in ihrer ganzen Unaufgeregtheit. Als faule Bäckerin backe ich ja sonst nie Kekse/Cookies/Plätzchen zum Ausstechen (ganz lästige Arbeit), aber für diese Digestive Biscuits mache ich fast alles. Auch das. Mittlerweile verziere ich die Biscuits sogar ehrfurchtsvoll. Diese Kekse haben es nicht verdient, mit lieblosen Gabelhieben erstochen zu werden.

Eine unbedingte Nachbackempfehlung – vor allem für Liebhaber buttriger Krümel wie Shortbread & Co! Für alle, die in einem ihrer Vorleben mal ein Pferd waren (und immer noch Hafer lieben), sowieso ein Muss. Vielleicht sind diese Kekse sogar die besseren Shortbreads…

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Digestive Biscuits nach Gary Rhodes via The Guardian/Felicity Cloake
Zutaten für 19-20 große Biscuits (ca. 7 cm)

100g Haferflocken, Feinblatt
100g Weizenvollkornmehl (alternativ Dinkel oder auch Standard Type 405)
50g Zucker
3-4g Natron (ich tendiere eher zu 4 g – original: 1 TL Backpulver)
1 Prise Salz (ich hatte exakt 4 halbe Umdrehungen mit der Salzmühle und fand es genau richtig)
100g weiche Butter in Würfel
1-2 EL Milch

Zubereitung:

  1. Haferflocken in einer Kaffeemühle oder einem Food Processor fein zu Mehl vermahlen.
  2. Alle trockenen Zutaten gut vermischen und die Butter zunächst mit den Fingerspitzen einarbeiten, bis die Konsistenz an Semmelbrösel erinnert. Das klappt am besten, wenn man nach und nach alles immer wieder zwischen beiden Händen verreibt.
  3. Sobald die Konsistenz erreicht ist, zunächst nur 1 EL Milch verteilen und alles schnell zu einem festen Klumpen zusammenpressen. Pressen, nicht kneten. Restliche Milch tropfenweise zugeben, bis sich ein nicht allzu brüchiger, fester Kloß formt.
  4. Zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie legen und etwas flach pressen. Im Kühlschrank ca. 15-30 min ruhen lassen (Gary Rhodes sagt 15 Minuten, ich lasse den Teig mindestens 30 Minuten ruhen).
  5. Ofen auf 180 Grad vorheizen.
    Den Teig zwischen beiden Lagen Frischhaltefolie ca. 3-4 mm dick ausrollen (Digestive Biscuits sind ja eher dick als dünn) und mit einem Saftglas große Scheiben ausstechen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Mit einer Gabel (oder wie ich mit Stäbchen) die Kekse einstechen und ca. 15-20 min knusprig backen (der Teig reicht für zwei Bleche). Komplett auskühlen lassen und in einem luftdichten Behälter aufbewahren. Optional den Keksboden mit geschmolzener Schokolade bepinseln.

Tipps: Wichtig ist nur, die Haferflocken GUT zu vermahlen. Vorab und separat. Es gibt auch Rezepte, die eine schnellere (aber schlechtere) Methode propagieren: einfach Butter, Zucker, Mehl UND Haferflocken gemeinsam im Food Processor mixen. Doch hierbei werden die Haferflocken sehr unregelmäßig und grob zerkleinert. Und größere Haferflockenstückchen schmecken im fertigen Keks so, wie Haferflocken pur eben schmecken: staubtrocken.

Und bitte erst nach dem Abkühlen genießen. Erst dann erschließt sich einem das volle Aroma.

25 thoughts on “Digestive Biscuits nach Gary Rhodes

  1. Das ist so großartig! Als Kind habe ich diese Digestives geliebt. Irgendwann war ich aber der Meinung, sie schmeckten nicht mehr wie früher und daher habe ich schon vor langer Zeit aufgehört, sie zu kaufen. So bald wie möglich werde ich Weizenvollkornmehl kaufen und dann lege ich los. – Vielen Dank für das Rezept, ich bin sehr gespannt!

    • Leider hatte ich die Milch vergessen. Daher fiel der Teig beim Bearbeiten schon so brüchig aus, dass ich die Plätzchen nur ganz vorsichtig in der Mitte anpieksen konnte. – Der Geschmack ist super! Man erkennt sofort, was es sein soll, aber es ist um Klassen besser, als die gekaufte Ware. Den nächsten Versuch mache ich nun mit Milch, mit Süßrahmbutter und mit Schokobepinselung.

    • nata, was bist du schnell! die kekse sind toll, nicht?
      dass du den teig ohne milch überhaupt zu einem halbwegs festen teigklumpen zusammenpressen konntest…deine kraft scheint immens!🙂

      für deine erste fuhre krümelkekse (die sind sicherlich etwas brüchiger ohne milch) hätte ich einen vorschlag: einfach komplett zerkrümeln, frischkäse und griechischen joghurt (1:1) mit zucker verrühren und etwas obst deiner wahl – in der reihenfolge alles in gläser schichten (der käsekuchen im glas oben in den links). und deine desserts fürs wochenende sind gerettet!

    • Ja, die sind wirklich die Erfüllung aller Kekssehnsüchte. Wie das, was mir vorschwebt, wenn ich einen Keks will, – hur halt besser. Dass die Mischung gehalten hat, fand ich auch erstaunlich. Und die fertigen Kekse sind auch gar nicht so brüchig wie vermutet. Komme zwar dieses Wochenende nicht mehr dazu, aber der Versuch mit Milch und Süßrahmbutter folgt ganz bald! Die halbgesäuerte Butter, die ich hatte, schmeckte mir ein bisschen zu sehr vor. – Was denkst Du, wie sich Rohrzucker im Teig machen würde?

    • und es ist kaum zu glauben, dass dieser keks auch noch halbwegs „gesund“ ist. nicht dass ich nach solchen kriterien ausschließlich mein essen auswählen würde (schon gar nicht süßes), doch nehme ich es gerne mit, wenn zufällig lauter gute produkte enthalten sind.

      nata, viele rezepte empfehlen sogar rohrzucker oder muscovado. der leicht karamellige geschmack passt sehr gut. ich nehme oft vollrohrzucker, habe mir in meinen rezepten aber mittlerweile angewöhnt einfach „zucker“ zu schreiben – so kann jeder selbst entscheiden, was er nehmen möchte.

  2. Vielen Dank fürs Rezept. Ich habe meine Heißgeliebten Digestives immer nacvh einem fast identischen Rezept von BBC gebacken, aber die hier werde ich heute sofort testen:)

    • gerne! hast du einen link oder das rezept? mittlerweile habe ich so viele digestives rezepte miteinander verglichen und teilweise ausprobiert, dass es mich interessieren würde. vor allem das verhältnis hafer zu mehl.

  3. Hm, noch nie gehört! Das ist wieder mal so etwas, was unbezwingbaren Nachbackzwang aufkommen lässt. Zutaten sind alle daheim, damit ist die Nach-Arbeits-Beschäftigung gesichert.😉

  4. WIE SCHÖN SIE AUSSEHEN ! UND WIE GUT DAS KLINGT! „MÜRBE UND UND DOCH EIN BISSCHEN SALZIG-SÜSS „! ICH KANN ES SCHON SCHMECKEN BEIM LESEN !
    LEIDER GIBT ES IN UNSERER FAMILIE SEIT EINIGER ZEIT EINE LAKTOSE-UNVERTRÄGLICHKEIT , WESHALB ICH OFT BEI „MEINER BÄCKEREI „MIT REINEM BUTTERFETT ( HERSTELLUNG WIE GHEE) ARBEITE . ( ES IST MIR EINFACH ZU BLÖD , DIESE ÜBERTEUERTEN KLEINEN PÄCKCHEN LAKTOSE-FREIER BUTTER ZU KAUFEN . UND ICH HÄTTE AUF JEDEN FALL GERNE EINE SÜSSRAHM – BIOBUTTER ZUM BACKEN . DAS GIBT ES NATÜRLICH AUCH NICHT OHNE LAKTOSE! ) –
    ICH LASSE DIE BUTTER LEICHT NUSSIG WERDEN , DAS GIBT VIELEN GEBÄCKEN EINEN SEHR SCHÖNEN , RUNDEN GESCHMACK. DIE VERWENDUNG DER „AUSGELASSENEN BUTTER“ (ABGEKÜHLT , ZIMMERTEMPERATUR ) DÜRFTE AUCH HIER KEIN PROBLEM SEIN , ODER WAS DENKST DU ?

  5. Ich oute mich auch gern: süchtig seit einem Irlandurlaub 2004. Wobei ich gestehen muss, dass die Variante mit dem dünnen, einseitigen Schokoüberzug mein Favorit ist. Bei zu erwartendem gesteigerten Teekonsum in den kommenden Monaten kommt dieses Rezept auf die Liste! Lieben Dank!

    • ja, ja! unbedingt mit schoko. bin ja sonst nicht schokosüchtig, aber bei der „fertigen“ ware muss es sein. hier bei den „selbstgemachten“ fehlt mir die schokoschicht allerdings überhaupt nicht.

  6. Danke für das Rezept! Ich habs gleich ausprobiert, das Weizenmehl allerdings gegen Klebreis- und Tapiokamehlmischung ausgetauscht, so sind sie glutenfrei. Beim Natron habe ich mich etwas vertan, ist ein bißchen viel geworden, das werde ich mit weißer Schokolade ausgleichen. Die nächsten werden sicher perfekt sein, freue mich jedenfalls sehr über meine Motivation, die ich deinem schönen Rezept und nicht zuletzt dem Muster auf den Keksen verdanke. 6

    • ach, das ist ja interessant, dass du das rezept mit klebreis und tapioka gebacken hast. wie war denn die konsistenz? wird es dann nicht etwas „chewy“?
      ich habe ja bereits mit klebreis und tapioka gebacken, aber eher flüssige teige und brandteige, noch keine mürbeteige/knetteige – und da waren die backergebnisse richtig „chewy“.

  7. Boah….ich werde bekloppt! Du hast sooo großartige Rezepte hier und so liebevoll geschrieben! Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen :-)!
    Eigentlich war ich auf der Suche nach Kimchi, da mich das Fermentierfieber gepackt hat und nun gibt’s bei dir auch noch Mochi, Salzkaramell, Brioche und Digetive Biscuits! Wundervoll-vielen Dank!

  8. Danke für dieses leckere Rezept! Diese Kekse sind wirklich köstlich und dabei noch so gesund😉. Bloß waren meine etwas zu „chewy“. Ob es daran lag, dass ich sie über Nacht habe auskühlen lassen und erst am nächsten Tag in ein Glas verpackt habe…? Oder vielleicht sind sie auch einfach nicht so knusprig, sondern eher weich?

    • vielleicht das lange auskühlen (ich weiß ja nicht, ob du nebenher dampfend gekocht hast…)? vielleicht auch das glas (ich packe die kalt in eine keksdose )?
      die kekse sind eigentlich knusprig krümelig nach dem abkühlen. zwar nicht so „knackig“ wie die gekauften, aber vergleichbar mit jedem butterplätzchen (die in der weihnachtszeit überall auftauchen).
      weich gar nicht. chewy, also bissfeste, fast feuchte konsistenz im sinne riesiger amerikanischer cookies erst recht nicht. aber ich habe nicht ganz verstanden: waren sie jetzt eher weich ODER chewy?
      darf ich fragen welches mehl du verwendet hast?

  9. Ja, ich könnte mir auch denken, dass es vielleicht an der luftdichten Glasdose lag. Und genau sie waren eher Richtung amerikanischer Cookie, also leicht feucht. Ich habe Weizenvollkornmehl genommen (Alnatura).
    Ich werde aber auf jeden Fall weiter probieren, auch um sie als Boden für Cheesecake zu nehmen. Da haben mich die zu kaufenden Kekse bisher immer von abgehalten…

    • die sind toll, oder? diese kekse habe ich mittlerweile fast immer auf vorrat.

      off topic: kann sein, dass ich dich (auf deinem blog) mit mehreren kommentaren zugespammt habe. darfst einfach löschen. jedenfalls hat das kommentieren erst beim allerletzten versuch geklappt. blogspot mag mich irgendwie nicht oder ich lerne es nie…

  10. Wunderbare Bilder und ein klasse Rezept!
    Habe bereits das Rezept schon mehrmals gebacken, da die Kekse immer so rasch weggefuttert werden ^^ Zuerst war ich skeptisch wegen dem Hafer mahlen, da ich kein Food Processor besitze, aber mein Hochleistungsmixer hat das auf niedrigster Stufe bestens gemeistert. Und nun bin ich begeistert vom Hafer.
    All meine Stäbchen sind rund und kommen nicht so hübsch daher wie mit deinen koreanischen Stäbchen ^^
    Mein nächste Adaption dieses Rezeptes wären nun Müslihaferriegel für unterwegs🙂

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