Seoul, Seoul, Seoul #2

Eigentlich wollte ich euch bereits letztes Jahr auf die folgenden Listen von Vic hinweisen.

Seoul food diary
Shopping in Seoul

Sie hat sich wie immer die Mühe gemacht, ihre Entdeckungen ausführlich zu notieren – eine Heidenarbeit (eine unheimlich trockene dazu, wenn es um die Recherche der Adressen/Links geht – nach dem Beitrag Seoul, Seoul, Seoul #1 weiß ich, warum ich „nur“ über Essen blogge und nicht Reiseberichte schreibe; seither schätze ich die Berichte anderer umso mehr).
Ich liebe und esse (fast) alles auf ihrer Liste, ansonsten habe ich noch drei weitere Vorschläge:

[Achtung, es wird länger als ursprünglich von mir geplant. Und fort ist mein schöner Neujahrsvorsatz, nur noch knackig kurze Postings zu verfassen…]

Mokran
Das Restaurant von Chef Lee Yeon Bok. Lange Zeit ein Geheimtipp für chinesische Küche, jetzt rennen ihm alle die Tür ein. Allen voran die Kollegen seiner Zunft. Zu seinen signature dishes gehört der chinesische Klassiker Dong Pa Yuk/동파육 bzw. Dong Po Rou/东坡肉 (Braised pork belly ist die profane englische Übersetzung, doch das Fleisch wird von ihm zunächst gekocht, leicht getrocknet, die Schwarte mit Karamell glasiert, dann frittiert und anschließend mindestens 4 h mit Gewürzen leise geschmort bis es butterweich im Mund zerschmilzt). Doch auch sein Tangsuyuk (Schweinefleisch süß-sauer) ist nahezu legendär, weil der Teigmantel ungewöhnlich lange knusprig bleibt und die Soße fein ausbalanciert ist. Und das, obwohl er seinen Geruchssinn verloren hat.
Leider ist Mokran mittlerweile so beliebt, dass man im schlechtesten Fall bis zu vier Wochen auf einen Tisch warten muss. Aber mittags kann man spontan Glück haben. Übrigens, wegen der langen Zubereitungszeit ist Dong Pa Yuk eh nur auf Vorbestellung (mindestens 6 Stunden, besser 1 Tag vorher) verfügbar.

Mokran/목란
21 Yeonhui-ro 15-gil, Seodaemun-gu, Seoul
Tel: +82 2-732-0054

Leider ist keine U-Bahn Station in direkter Laufnähe. Die nächste Station ist Hongik University (Linie 2). Einfach in der Gegend um Hongdae, Sinchon oder Downtown Seoul ein Taxi nehmen und dem Taxifahrer die Telefonnummer für die Zieleingabe reichen. Es fahren aber auch diverse Buslinien ab Sinchon Station (Linie 2), z.B. Bus Seodaemun 03.

Gamegol Son Wangmandu
Ein Geschäft, wie ich es liebe. Ein hole-in-the-wall, alteingesessen (ein großes Qualitätsmerkmal in Seoul), spezialisiert auf ein, zwei Gerichte. In diesem Fall echtes Kung-Fu-Panda-Essen: handgemachte/hausgemachte gefüllte Hefeklöße aka Wang Mandu aka Baozi. Es gibt zwei Sorten: scharf und nicht scharf (die Füllung besteht ansonsten aus Schweinefleisch und Frühlingszwiebeln). Alles zum Mitnehmen eingepackt oder dampfend direkt auf die Hand. Wer vor Ort essen bzw. die meist langen Warteschlangen vor dem Straßenverkauf vermeiden möchte, muss innen an den vielen Mandu formenden Ajummahs vorbei in den zweiten Stock. Dort wird außer Wang Mandu noch Kalguksu (heiße Nudelsuppe mit handgeschnittenen Nudeln, ähnlich Udon) serviert, in den wärmeren Monaten Naengmyeon. Dennoch: Wang Mandu ist und bleibt die Kernkompetenz des Hauses. Ein Muss bei einem Besuch des Namdaemun Marktes.

Gamegol Son Wang Mandu/가메골 손 왕만두
60-2 Namchang-dong, Jung-gu, Seoul
Tel: +82 2-755-2569

Hoehyeon Station (Linie 4, Exit 5)
direkt rechts in den Namdaemun Markt einbiegen und nach wenigen Metern auf der linken Seite

Tongin Market
Der relativ kleine und zwischenzeitlich fast vergessene Markt in Seoul erfährt seit geraumer Zeit einen kleinen Hype. Auch US-Außenminister Kerry soll sich hier herumtreiben, wenn er in Seoul ist. Der Markt ist westlich vom Gyeongbokgung Palast gelegen und ist auf Speisen, insbesondere auf Banchan (koreanische Beilagen), spezialisiert. Jaja, Banchan-Geschäfte gibt es viele und überall. Nur ist es schwierig sie als Tourist oder Reisender zu nutzen, da pro Sorte eine gewisse Menge abgenommen werden muss.
Und diese Lücke füllt nun der Tongin Markt mit seinem Doshirak Café (Lunchbox Café). Zahlt man beim Customer Service Center des Marktes 5000 Won (ca. 4€), erhält man ein Tablett und 10 Wertmarken in Form von alten koreanischen Münzen, den Yeopjeon. Diese können in den (teilnehmenden) Geschäften innerhalb des Marktes gegen kleine Probierportionen eingelöst werden. So kann man fast den gesamten Markt bzw. das Essensangebot als ein riesiges Buffet nutzen und sich seine „Lunchbox“ nach Wahl befüllen lassen. Je nach Gericht bzw. Beilage kosten die einzelnen Portionen zwischen 1-3 Münzen.

Ich würde empfehlen, die üblichen Verdächtigen des koreanischen Streetfoods links liegen zu lassen (wie scharfe Reiskuchenstangen aka Tteokbokki, Kimbap, Mandu/Teigtaschen und pikante Pfannkuchen – für diesen Bereich empfehle ich nach wie vor den Gwangjang Market) und sich stattdessen auf das vielfältige und oft vegetarische Angebot an Banchan zu stürzen. Süßlich glasierte Lotuswurzeln, scharf marinierte Wurzeln der Glockenwinde (aka Deodeok, die sind gegrillt ein Traum!), sautierte Shishito Pepper mit Anchovies, Salat mit Dotorimuk aka Eichelnussgelee, in Sojasauce mit Ingwer geschmorte Wachteleier und Rindfleischwürfelchen u.v.a. sind eher typische Beilagen der koreanischen Hausmannskost aka Jip Bap und in dieser Auswahl in Restaurants kaum erhältlich. Jip Bap ist übrigens nach Irrungen und Wirrungen Richtung Gourmetkitsch derzeit ein schwerer Trend in Korea. Wer schon immer wissen wollte, was Koreaner in ihren eigenen vier Wänden tagtäglich jenseits von Korean BBQ aka Bulgogi essen, hat hier die Möglichkeit zu kosten und seine ganz persönliche Version eines „Jip Baps“ zu erhalten.
Das Konzept des Doshirak Cafés könnte man übrigens auch ganz anders nutzen. Als Kimchi Tasting Menu zum Beispiel. Es gibt u.a. auf Kimchi spezialisierte Stände, die nicht nur unterschiedlichste Kimchi-Sorten, sondern auch Kimchi in unterschiedlichen Reifestufen verkaufen. Wie z.B. Mugeunji, ein sehr stark (bis zu 12 Monaten) gereiftes Kimchi, das sehr säuerlich schmeckt. Einfaches Kimchi (Mak Kimchi) wird jedoch, wie in ganz Korea üblich, kostenlos in den Räumlichkeiten des Doshirak Cafés serviert, wo man auch seine „Lunchbox“ verzehren kann. Auch eine Portion Reis und eine Tagessuppe können dort zusätzlich gekauft werden – und die Mahlzeit ist komplett.
Wie alles genau funktioniert, ist hier gut erklärt. Wer lieber Filmchen mag, schaut sich dieses Video an.

Öffnungszeiten des Doshirak Cafes:
Mo.-Fr. 11-16 Uhr (der Markt selbst ist aber täglich von ca. 9-18 Uhr geöffnet, Ruhetag ist jeder 3. Sonntag im Monat)

Tongin Market/ 통인시장
6 Tongin-dong, Jongno-gu, Seoul
Tel: +82-2-722-0911

Gyeongbokgung Station (Linie 3, Exit 2)
ca. 700 m geradeaus, der Eingang des Marktes befindet sich auf der linken Seite

4 thoughts on “Seoul, Seoul, Seoul #2

  1. Oh jeh, so lange war ich nicht mehr hier zu Besuch! Ich meine Deinen Blog, denn Seoul liegt noch weit länger zurück für mich. Vermutlich existierte Monkran 1993-95 noch gar nicht. Aber koreanisches Streetfood mochte ich sehr. Vielleicht gibt es im Winter die Zelte auf den Gehsteigen noch, in denen wir eng mit anderen Gästen zusammen sassen und einfache Gerichte assen. Die Brillen beschlugen sich beim Eintreten aus der Kälte, und innen war es so wohlig warm. Erinnerungen kommen auf.

    • oh ja, du meinst mit den zelten sicher pojangmacha. die gibt es selbstverständlich schon immer und immer noch, nicht nur im winter. die hatten zwischenzeitlich solch einen boom, dass sogar „indoor-pojangmacha“, also in „festen“ räumlichkeiten, aufgemacht hatten. anthony bourdain hat in seiner sendung auch ein pojangmacha besucht.

  2. Pingback: LinkListen_Sommeressen und etwas Gedöns | missboulette

Gedanken hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s