Seoul, Seoul, Seoul #1

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Für alle Interessierte habe ich ein paar meiner Lieblingsecken in Seoul notiert.

Insadong
Hier findet man traditionelle Teehäuser, buddhistische Tempelküche, koreanisches Teegeschirr, handgeschöpftes Papier, Kalligraphieutensilien und jede Menge Kunsthandwerk (ob alt oder neu). Auch wenn mit der Zeit immer mehr kleinere Händler und Galeristen verdrängt und durch mediokre Souvenirgeschäfte ersetzt wurden, in den kleinen Nebengassen abseits der „Hauptstraße“ Insadong-gil gibt es immer noch einiges zu entdecken.
Am Wochenende ist das Viertel für Autos gesperrt und viele Straßenhändler erscheinen in traditioneller Tracht.

Anguk Station (Linie 3 Exit 6, dann links in die Straße Insadonggil einbiegen)

Sadong Myunok
hinter dem Insa Art Plaza, dank der Neonlichter kaum zu übersehen – Mandusuppe, Mandu Hotpot, Haemul Pajeon (Meeresfrüchte Pfannkuchen), Naengmyeon (die berühmte eiskalte Nudelsuppe)

Oh Se Gae Hyang
von Anguk Station kommend direkt vor Ssamzie Mall links in die Straße/Gasse Insadong-12-gil einbiegen, das Restaurant befindet sich am Ende der Gasse – buddhistische Tempelküche, hier kann man sich einzelne Gerichte zusammenstellen und ist nicht wie sonst häufig an feste Menüs gebunden

Sanchon
Das erste und bekannteste buddhistische Restaurant in dieser Nachbarschaft; um den Geschmack der Masse zu treffen, wird hier nicht nach strenger Lehre gekocht und zumindest wenig Knoblauch und Zwiebelgewächse verwendet – trotzdem noch sehr typisch und man bekommt einen Einblick in die pflanzliche Vielfalt.

Baru bzw. Balwoo
Restaurant des Jogye Ordens im 5. Stock des Templestay Information Center direkt gegenüber des Jogyesa Tempels (Parallelstraße zu Insadong-gil)
Eine elegante, leicht moderne Interpretation der Tempelküche, wunderschön schlicht zelebriert. Wem Sanchon doch zu traditionell buddhistisch ist (und somit teilweise etwas neutral, wie einige manche Gerichte kritisieren), ist hier vielleicht besser aufgehoben. Das komplette (saisonal leicht wechselnde) Menü sollte probiert werden, aber es gibt auch einfachere „set menus“. Unbedingt die Website besuchen und die nicht regulären Öffnungszeiten beachten.

Interessantes
Old Tea Shop, O’sulloc Tea House, Reiskuchen Museum

weitere Restaurants mit genauer Wegbeschreibung auf Visitkorea (u.a. auch Sanchon)

Samcheongdong
Nördlich von Insadong, nur einen kleinen Fußweg entfernt, liegt dieses Viertel, das bekannt ist für Galerien, exzellente Hanjeongsik Restaurants (typisch koreanisches Essen mit vielen Beilagen) und kleine, gemütliche Cafés. Angrenzend findet man das Bukchon Hanok Village (Hanok wird die traditionelle Holzarchitektur genannt) mit seinen sanierten Hanok-Häusern und verwinkelten Gassen. Hier bekommt man eine Ahnung des alten Seouls. Einfach sich treiben lassen, entdecken und in den zahlreichen Cafés bzw. Restaurants für eine kurze oder lange Pause einkehren.

Anguk Station (Linie 3)
Exit 2 ca. 300 m direkt zum Bukchon Hanok Village
Exit 1 für Bukchon Tourist Information Center (am Jeongdok Library), ca. 5-10 Minuten Fußweg – hier kann man sich vorab mit einer Karte eindecken und sich über die laufenden Ausstellungen im Viertel erkundigen (10:00~18:00 Tel: +82-2-731-7312)

Falls auf dem Rückweg die Füße schmerzen, bringt Bus #11 einen vom nördlichen Samcheongdong wieder zurück Richtung Downtown Seoul: Gyeongbokgung Palast, Seoul Station oder Namdaemun Markt.

Jongno/Downtown Seoul

Kyobo Mungo aka Kyobo book store im Untergeschoss des Kyobo Building
DIE Buchhandlung in Korea (und für euch nicht unwichtig) sogar mit einer kleinen englischsprachigen Abteilung (u.a. auch Kochbücher über koreanische Küche, buddhistische Tempelküche, Tees, Kräuter etc.).
Eine neuere (und größere) Filiale findet man in Gangnam in den Kyobo Towers.

Jongno Hauptfiliale – Gwanghwamun Station (Linie 5) Exit 3 führt direkt zum Kyobo Bookstore.

Cheonggyecheon
Kein MUSS und keine Sehenswürdigkeit, aber eine städtebaulich vielbeachtete Verschönerung eines alten Kanals, der ursprünglich während der Joseon-Dynastie aufgrund der Hochwasserproblematik angelegt wurde.
Abends schön illuminiert. Ein kühlender Spaziergang mitten in der Stadt zwischen Kinderlachen und Wassergeplätscher, falls man sowieso in diese Richtung muss. Ich nutze den Weg gern als Alternative zu 1-2 Stationen U-Bahn zwischen Jongno und Dongdaemun.

Namdaemun Markt am Südtor
Geschenkartikel, Haushaltswaren, Porzellan, Alltagsutensilien etc. – alles was der Mensch braucht und nicht braucht. Dieser Markt ist nachts zwischen 1-5 Uhr neben Dongdaemun der wichtigste Großhandelsmarkt für Händler aus dem ganzen Land, doch kaufen darf jeder. In einer lauen Sommernacht ein buntes, pulsierendes (wenn auch leicht chaotisches) Treiben. Tagsüber haben viele Geschäfte geschlossen und er ist weniger überfüllt.

Hoehyeon Station (Linie 4 Exit 6)

Myeongdong
Ältestes Shoppingviertel überhaupt und einzige echte Fußgängerzone. Mainstream Fashion, internationale und lokale Brands, Street Food und Beauty-Shops bis zum Umfallen. Hier befinden sich auch die zwei Filialen des Myeongdong Gyoza, die bekannt sind für die Nudelsuppe aus handgeschnittenen Nudeln aka Kalguksu.
Dieses Viertel am Wochenende möglichst meiden, da tausende High School-Schüler und japanische Touristen sich wie Ölsardinen durch die überfüllten Straßen drängen.

Myeongdong Gyoza
Myeongdong Station (Linie 4 Exit 8) – links in die erste Straße einbiegen und nach ca. 200 m findet man rechter Hand die Hauptfiliale (braunes Schild mit weißer Schrift).

Department Stores
Es gibt so viele Department Stores, Malls, Megaplexes, Techno Marts (Yongsan und Gangbyeon für Elektronik), Outlets (Munjeongdong) in Seoul, auf die ich gar nicht näher eingehen will (und kann). Nur soviel: Wer diese Art des Shoppings mag, wird in Seoul glücklich (oder wahnsinnig, wie man es nimmt).
In dieser Gegend sollte ich dennoch zumindest Shinsegae (neben Namdaemun Markt) und Lotte Department Store (direkt neben Myeongdong) erwähnen, weil sie Essensalternativen zur unmittelbaren Nachbarschaft anbieten. Von lokalen Brands bis High-end Fashion gibt es alles und natürlich die Lebensmittelabteilung und Snackanbieter mit vielen Probierecken (im Untergeschoss) nicht zu vergessen; ganz oben befindet sich die Restaurant-Abteilung. Alle Gerichte sind in Plastik nachgeformt und in Schaufenstern präsentiert, sodass noch nicht einmal Sprachprobleme einen daran hindern könnte, die komplette Karte zu verstehen (geschmacklich keine Offenbarungen, aber auch nie wirklich schlecht – immer sauber, bequem und meist schön ruhig, was in Seoul eine echte Erholung sein kann). Grundsätzlich kann ich die Restaurants/Food Courts in koreanischen Kaufhäusern empfehlen, wenn man gerade nicht vom Entdeckerdrang gepackt ist und einfach nur auf die Schnelle solide essen möchte (die Distanzen und der damit verbundene Zeitverlust sind in Seoul nicht zu unterschätzen). Zentral an einem Ort gebündelt findet man hier eine große Auswahl an unterschiedlichen Spezialitätenrestaurants. Übrigens, in Korea sind Restaurants – auch kleinere, einfache Lokale – immer Spezialitätenrestaurants, die jeweils nur eine kleine Essensauswahl haben; daher zunächst grob entscheiden was man essen möchte und erst daraufhin ein passendes Restaurant aussuchen.

Historisches/Museen

Changdeokgung
Ehemalige Privatgemächer der königlichen Familie mit dem geheimen Garten (Biwon oder manchmal auch Huwon genannt). Eine schöne Erholung vom Lärm der Stadt.
Für die Besichtigung koreanischer Palastgebäude und Tempel gilt grundsätzlich immer den Blick nach oben zu richten, weil sich hauptsächlich dort die typischen dekorativen Holzmalereien (Dancheong) befinden. So bunt und vielfältig sie wirken, bei genauerer Betrachtung erkennt man schnell die fünf Grundfarben, stellvertretend für die fünf Elemente und Himmelsrichtungen: Gelb steht für das Zentrum, Blau für Osten, Weiß für Westen, Rot für Süden, Schwarz für Norden.

Gyeongbokgung
Der Hauptpalast mit Thronhalle. Als Symbol nationaler Souveränität wurde er zur japanischen Kolonialzeit zum Großteil zerstört und durch ein Gebäude im neoklassizistischen Stil ersetzt bzw. verdeckt (welches erst Mitte der Neunziger im Zuge der Rekonstruktion des Palastgeländes abgerissen wurde). Nach umfangreichen Bauarbeiten wurden die Hauptgebäude gemeinsam mit dem Haupttor (Gwanghwamun) originalgetreu rekonstruiert. Angeschlossen ist das National Folk Museum. Dreimal am Tag (10 Uhr/13 Uhr/15 Uhr) findet „changing of the guards“ am Haupttor/Gwanghwamun statt.

Leeum Museum
Wer nur für ein einziges Museum Zeit hat und sich nicht durch die gewaltige Sammlung des Nationalmuseums schleppen will, ist hier am besten aufgehoben. Es ist die vielleicht feinste private Kunstsammlung in Korea. Zusammengetragen von der Eigentümerfamilie der Samsung Group.
Das Leeum Museum ist übersichtlich in zwei Gebäude unterteilt: Museum 1 ist der traditionellen koreanischen Kunst gewidmet, während Museum 2 die Gegenwart mit einer Sammlung aus zeitgenössischer koreanischer und internationaler Kunst abdeckt. Zudem ist allein schon die Architektur von Mario Botta (Museum 1), Jean Nouvel (Museum 2) und Rem Koolhaas (Child Education & Culture Center) eindrucksvoll.

Hangangjin Station (Linie 6 Exit 1) ca. 100m in Richtung Itaewon laufen, rechts in die erste Straße einbiegen und den Hügel hochlaufen, ca. 5 Minuten (den Schildern folgen)

Um Dongdaemun

Gwangjang Market
Ein MUSS (für Foodies). Dieser Markt ist besonders bekannt für die gute Qualität der Streetfood-Stände (Mokjagolmok aka food alley). Die knusprigen Pfannkuchen (Bindaetteok) aus Mungbohnen, die hier teilweise noch auf traditionellen Steinmühlen gemahlen werden (und dadurch die perfekte Konsistenz erlangen – nicht zu grob, nicht zu fein), gehören zu den besten, die ich je gegessen habe. Empfehlenswert sind auch Kimbap (die hier vegetarisch gefüllt und kleiner als üblich sind und Mayak Kimbap genannt werden, weil sie angeblich wie Mayak/Drogen süchtig machen sollen), Kimchi Mandus (deren seidene Bäuche die rote Füllung durchschimmern lassen) und süße Congees aus Kürbis oder Azukibohnen. Fernab vom Blingbling und Glitzer der südlichen Stadtteile (Gangnam) sitzen hier Schulter an Schulter Schüler, Geschäftsleute und Marktbesucher bei einfachem aber gutem Essen zusammen: Seoul pur und unverfälscht.
Ganz nebenbei bekommt man in diesem Markt der Märkte, der Großhändler in Namdaemun und Dongdaemun mit Textilien und Stoffen beliefert, auch wunderschöne, teilweise handbemalte Seidenstoffe (für Hanboks aka die traditionelle koreanische Tracht, welche man sich direkt maßanfertigen lassen kann). Hier gibt es auch eine Abteilung für Vintage Clothing (auf die Schilder mit der Aufschrift 수입 구제/Suib Gujae achten – nahe Exit 11 – die rauf auf den zweiten Stock führen).

Jongno 5-ga Station (Linie 1 Exit 8) – gleich am Eingang Nord links einbiegen, hier beginnt Mokjagolmok/Food alley, die besseren Bindaetteoks gibt es weiter runter am kleinen dreieckigen „Platz“

Dongdaemun Markt am Osttor
Neben Namdaemun der wichtigste (Großhandels-)Markt und mit über 30.000 Händlern der größte Markt für Fashion & Accessoires. Hat wie Namdaemun die ganze Nacht geöffnet bzw. blüht erst nach Mitternacht richtig auf (wenn die gefühlt Millionen von kreischenden Teenagern in Schuluniformen, die Dongdaemun tagsüber bevölkern, längst schlafen). Kein High-end, nur Fast Fashion (made in Korea) auf teilweise gutem Niveau. Wenn man sucht, findet man gut „interpretierte“ Einzelteile angelehnt an aktuelle (!) internationale/japanische Designerkollektionen – so schnell und vor der Zeit umgesetzt, dass sogar ganze Designerteams hier ihre Rechercherunden drehen (müssen).
Der gesamte Dongdaemun-Komplex ist aufgrund der penetrant lauten K-Pop Beschallung und drängelnden Menschenmassen etwas anstrengend und es dauert eine Weile, bis man die richtigen Ecken und Geschäfte ausfindig gemacht hat. Sofern man Spaß an Mode hat, gerne stöbert und entdeckt, sicher ein Paradies auf Erden. Anhänger gediegener Atmosphäre sollten dieses Fleckchen Seoul meiden.

Dongdaemun History & Culture Park Station (Linie 2, 4 und 5)
Doosan Tower – kurz Doota – und Migliore (beide Exit 14) sind neben dem Wholesale Market (Exit 2) die bekanntesten – aber es lohnt sich auch in den vielen kleinen Läden in den benachbarten Gebäuden zu stöbern.

Dongdaemun Design Plaza (DDP)
Neben dem Osttor/Dongdaemun, wo sich vormals das Dongdaemun Baseball Stadion befand, wurde das in diesem Frühjahr eröffnete Kulturzentrum (entworfen von Zaha Hadid) erbaut. Die Seoul Fashion Week ist nun von Gangnam hierher gezogen.

Dongdaemun History & Culture Park Station (Linie 2, 4 und 5 Exit 1)

Gangnam

Apgujeong und Cheongdamdong
Wenn von Gangnam im oft geklickten Psy’s Gangnam Style die Rede ist, sind eigentlich diese beiden ehemaligen Neureichensiedlungen gemeint. Understatement war hier lange ein Fremdwort. Mittlerweile hat sich vieles beruhigt.
Es gibt koreanische Designer- und Avantgardemode (Apgujeong) und Flagship Stores internationaler Luxusmarken (Cheongdam-dong), schöne, westlich orientierte Coffee Shops, Restaurants, Wine Bars (der Haken: die gleichen Produkte, die man in DE/Europa bekommt – nur völlig überteuert). Weilt der Sartorialist in Seoul, treibt er sich meist hier rum.
Empfehlen kann ich in dieser Gegend u.a. Izakayas, die nicht nur Sake und gute Okonomiyakis zu halbwegs anständigen Preisen anbieten.
Abschließend sei noch das Gourmet 494 (Food court) im Untergeschoss des Luxuskaufhaus Galleria Department Store der Vollständigkeit halber erwähnt.

Gourmet 494
Apgujeong Galleria Department Store B1

Apgujeongrodeo Station (gelbe Bundang Linie) – Galleria ist direkt damit verbunden

Garosugil
Eine weitere der endlosen Café- und Shoppingmeilen Seouls. Die von Ginkgo-Bäumen gesäumte Straße (Garosu bedeutet Allee) ist bekannt für „Europe in Seoul“ dank der offenen Cafés und Terrassen, die es so vorher in Seoul tatsächlich kaum gegeben hatte. Hier darf sich jeder Koreaner und Korean American ein bisschen wie in Europa fühlen – was die Europäer davon halten…hm… Nicht unbedingt ein Lieblingsplatz, aber erwähnen wollte ich dieses allgemein doch recht beliebte Viertel.

Sinsa Station (Linie 3, Exit 8) nach wenigen Metern links in die Allee einbiegen

Hongdae
Wir sind jetzt wieder im Norden der Stadt. Diese Gegend um die angesehenste Kunsthochschule Hongik University (kurz Hongdae) gilt als künstlerisch und alternativ. Hier gibt es Vintage-Läden, Flohmärkte (am Wochenende ab 13 Uhr), Bars und Clubs. Wem Gangnam zu posh, verwöhnt und glatt ist, geht (nachts) hier aus.

Hongik University Station (Linie 2), alternativ aus südlicher Richtung kommend Sangsu Station (Linie 6, Exit 1 und 2) oder Hapjeong Station (Linie 2+6, Exit 3)

Gyeongnidan
Früher als Expat Ghetto verschrien, haben Eingeborene/Seoulites lange einen weiten Bogen um den Stadtteil Itaewon gemacht, in dem sich mit Yongsan Garrison auch der Hauptsitz der amerikanischen Streitkräfte befindet. Seit einigen Jahren jedoch zieht es immer mehr Kreative und mit ihnen Jungunternehmer in die Nähe von Noksapyeong Station am westlichen Rand Itaewons. Mittlerweile ist hier eine lebendige Gastro-Szene (mit Schwerpunkt internationale Küche) entstanden mit entspannten Bars, Bistros, Restaurants und Brunch-Spots. Wer eine kurze Pause von Kimchi, Bibimbap und Co braucht, ist hier richtig aufgehoben.

Noksapyeong Station (Linie 6, Exit 2) – an der Unterführung die Straße überqueren und die Gassen des Viertels entdecken

Must-Eats

Hanjeongsik (s. Samcheongdong oder Insadong)

Bindaetteok (s. Gwangjang Market)

Street Food – hier verweise ich für den ersten visuellen Eindruck auf Matt Bites

Obst, Obst, Obst – koreanisches Obst schmeckt einfach fantastisch

Fisch und Meeresfrüchte – am besten fangfrisch am Noryangjin Markt an einem Stand kaufen und in der oberen Etage servieren bzw. kochen lassen – frischer geht’s nicht. Wie das ganze Prozedere genau abläuft, ist in diesem Video zu sehen. Übrigens wird Hoe/Sashimi in Korea stets in zwei Gängen serviert, zunächst das rohe Filet, später eine scharfe Suppe aka Maeuntang, die aus den Karkassen gekocht wird. Nichts verkommt.

Noryangjin Station (Linie 1, Exit 1 oder Linie 9, Exit 2)

Freizeit
Pojangmacha – kleine Outdoor-Bars in Plastikzelten mit Street Food (hauptsächlich Innereien) und Soju ohne Ende (Anthony Bourdain ist in No Reservations/Korea häufig dort anzutreffen)

Han Fluss Riverside Parks – egal welches Viertel, wenn ein Riverside Park in der Nähe ist: Essbares in den vielen 24-h Convenience Stores kaufen oder, noch viel besser, per Lieferdienst alles erdenkliche von Fried Chicken bis zu Nudeln direkt bis zur eigenen Picknickdecke liefern lassen und nachts dort verspeisen (Achtung, in den heißen Sommermonaten wird es richtig voll).

Schönste Aussichten
Last but not least, mein Lieblingsthema – weil ich eine leidenschaftliche Anhängerin des Panoramablicks bin und gerne so lange nerve bzw. meine Mitmenschen Treppen und Hügel hochscheuche, bis alle Aussichtspunkte von der Liste gestrichen sind, hier meine Vorschläge für Seoul:

Sky Park aka Haneul Park 하늘공원 am World Cup Stadium
Hier sieht man den Smog am besten, die Sonne knallt (kaum schattige Plätze), Schilder warnen vor (kleinen) Schlangen und man befindet sich auf einer ehemaligen Müllhalde – und trotzdem bin ich gerne hier. Hier oben zwischen den Gräsern sieht man zunächst tatsächlich nur den Himmel, nichts von Seoul. Wenn man auf einem der Bänke sitzt und über die Stadt in die Ferne blickt, kann man die Zeit vergessen. Jedesmal, wenn ich wieder unten bin, fühlt es sich wehmütig an – als sei ein kurzer Urlaub zu Ende.

World Cup Stadium Station (Linie 6, Exit 1)

Namsan Tower, mittlerweile in N Seoul Tower umbenannt (richtig old-school bei Dämmerung)

Buamdong – Changuimun (Eingang/Tor zum alten Festungswall)
Hier angekommen, gibt es verschiedene Alternativen:

1. Der Bugak Spazierweg 북악산길 산책로 (dieses Wort evtl. visuell einprägen, da der Weg leider nur auf Koreanisch ausgeschildert ist) führt entlang der Straße Bugak Skyway hinauf bis zur Hügelspitze und dem Aussichtspunkt Palgakjeong Pavillion – ein 30-40 Minuten zügiger Fußweg zwischen Changuimun und Palgakjeong Pavillion.
2. Hiking mitten in der Stadt kann man entlang des alten Festungswalls (Seoul Fortress) – kurze Registrierung mit Ausweis/Reisepass ist Pflicht, da sich das Gelände direkt hinter dem Präsidentensitz Cheongwadae befindet und bis vor einigen Jahren sogar militärisches Sperrgebiet war. Über dieses Gelände kamen früher nordkoreanische Attentäter und Spione. Festes Schuhwerk bitte nicht vergessen.

Buamdong ist ein Viertel, das trotz der unmittelbaren Nähe zur Altstadt Seouls noch etwas verschlafen wirkt. Man fühlt sich hier oben eher irgendwo in den Bergen, nur nicht in Seoul. Bekannt wurde das Viertel vor einigen Jahren erst durch eine sehr beliebte TV-Serie. Das Haus in dem einer der Protagonisten leben sollte, wurde mittlerweile geschäftstüchtig als Café (Sanmotoonge) umfunktioniert. Die Getränkepreise sind unverschämt, aber der Ausblick von der Terrasse tröstet über fast alles hinweg. Vielleicht ist das Café die dritte Ausblick-Alternative für Faule.

Gyeongbokgung Station (Linie 3, Exit 3), danach ca. 100 Meter bis zur Bushaltestelle für Busse #1020, #7022, #7212 – es sind 6 Haltestellen bis Buam-dong Community Service Center 부암동민주센터 (falls man das Viertel zunächst entdecken will) oder gleich bis Changuimun aka Jahamun Gate Hill 자하문 고개 fahren

Alternativ zum Bus direkt an der U-Bahn Station ein Taxi nehmen bis Changuimun (manchmal auch Jahamun genannt) für umgerechnet 4-5 Euro

Jaha Sonmandu (ca. 2 Minuten vom Changuimun entfernt)
Mandus, Mandu Suppe aka Tteok Mandu Guk, Pyeonsu (quadratisch geformte Mandus mit Shiitakefüllung, wie sie ursprünglich um die nordkoreanische Stadt Kaesong hergestellt werden), im Sommer gibt es auch Kong Guksu (kalte Nudeln in dicker Sojamilch, schmecken fantastisch)

PS:

Spätestens von oben werdet ihr bemerken, dass Seoul mitnichten eine wahre Schönheit ist. Weder lieblich noch gefällig. Eher spröde, betonlastig, rau, laut, anstrengend, fordernd. Man muss sich auf sie einlassen. Doch ich mag sowas. Städte (und auch Menschen), die sich einem erst auf den zweiten Blick richtig erschließen. Für mich ist Seoul eine Schöne.

PPS:

Kochkurse

Koreanische Alltagsküche – Food and Culture Korea Academy

Koreanische Hofküche – Institute of Korean Royal Cuisine

Institute of Traditional Korean Food mit angeschlossenem Cafe und Museum für Reiskuchen und Küchenutensilien (s.o. Insadong)

20 thoughts on “Seoul, Seoul, Seoul #1

  1. So eine Empfehlung ist für mich Gold wert. – Danke – Von den vorgeschlagenen „Spots“ kenne ich den einen oder anderen zwar schon. Muss mich bei meinem nächsten Besuch in Korea unbedingt an deinen Vorschlägen orientieren. Insofern es meine Zeit zulässt. Die Eindrücke werde ich dann berichten.

    • ich muss gestehen, ich habe mich auch eher an typische klassiker gehalten, oder das, was in meinen augen erstbesucher interessieren könnte. echte geheimtipps schriftlich zu verraten ist in seoul/korea ja fast unmöglich bei den unzähligen unbeschrifteten strassen und gassen.😉 da muss man einfach mit vor ort sein. zumal sie eher in unscheinbaren vierteln versteckt sind und dann plötzlich auch schon wieder verschwinden können.
      auf dein feedback bin ich gespannt, johann.

  2. Ja, es ist einige Zeit her, 1993-1995, dass ich in Seoul lebte. Ich hätte Deine Beschreibung gebraucht um einige Gebiete nicht zu verpassen. Zum letzten Abschnitt, Ruhe, Aussicht: Ich mochte den Namshan, vielleicht, weil er die ersten 6 Monate so nah war, als ich im Hilton und Hyatt wohnte, beide am Namshan gelegen.

  3. Eine Liste die in den bookmarks gibt falls ich mal wieder nach Seoul darf (mir hat es da immer sehr gut gefallen, eine echte Erholung zu da wo ich herkam (China :)). Und da ich koreanisches Essen sehr gut finde werde ich mich vor allem nach Deinen kulinarischen Tips richten: Pojangmacha – here I come

    • die klassiker bulgogi aka korean bbq, bibimbap und naengmyun kennst du ja sicherlich. auf diese bin ich in dieser liste gar nicht eingegangen, da es sie fast an jeder ecke in halbwegs ordentlicher qualität gibt. überhaupt kann man man in korea nicht wirklich schlecht essen (ausnahmen sind autobahnraststätten), sofern man auf der koreanischen seite bleibt. wählt man „western-style“ kann man dagegen in kürzester zeit sehr viel geld loswerden für fragwürdigen geschmack. aber das kennst du sicherlich aus china.

  4. Super, du hast dir da viel Arbeit gemacht und ich hab alles gewissenhaft kopiert und mir das Textdokument abgespeichert. Zumindest virtuell werde ich in den nächsten Tagen einiges davon nachschlagen. Es ist eines meiner Hobbys, via Streetview so richtig durch Städte zu wandern, vor allem durch solche, die für mich sehr schwer zu erreichen sind …

    • endlich jemand, der diesen aufwand dahinter erkennt!😉 haha!
      ein schräges hobby hast du da, liebe uschi. als google earth und streetview erstmals aufkamen, habe ich mich gefragt, wer das alles braucht und gucken soll – jetzt weiß ich es.
      ich bin mir fast sicher, dass es dir in seoul gefallen könnte.

  5. Wow, ein ausführlicher Artikel!!
    Ich musste gerade diese Woche an dich denken, ich war das erste Mal so richtig koreanisch essen und es war sooo gut!!
    Wir hatten wundervolles Bulgogi mit 10 verschiedenen Beilagen, Reis, Salat, Sauce, dazu noch ein Gericht mit Glasnudeln, davor gefüllte Teigtäschchen und Suppe, dieses Essen war der absolute Kracher!
    Diese kleinen Anchovis als Beilage mochten wir besonders und ich war noch total verliebt in fritierte Algen, die so salzig-süß waren.
    In diesem Restaurant waren wir natürlich nicht das letzte Mal, ist leider ein Stückchen von uns entfernt…

    • das klingt alles herrlich, britta. ein rezept für babyanchovis aka myulchi bokkeum hatte ich mal bereits veröffentlicht (falls es dich interessiert). es wundert mich nicht, dass die euch gefallen haben. nach dem ersten staunen/zurückschrecken ob der leicht ungewohnten optik mögen alle diese süß-salzige beilage meiner erfahrung nach.

  6. Ah, da werden Erinnerungen wach! Ich würde so gern sehen, was sich in den letzten sieben Jahren alles verändert hat! Aber Seoul ist mir mit kleinen Kindern noch zu stressig -wenn man nur zwei Wochen hat.

    • mit zwei kleinen gibt es tatsächlich idealere reiseziele als seoul, diana.🙂
      ja, es hat sich wahnsinnig viel getan. seoul wandelt sich ja ständig. nicht alles zum guten. mit einem tempo, dass einem bange werden kann.

    • Ich kann es kaum erwarten, mal wieder hinzukommen! Insbesondere das Essen vermisse ich. Nicht so sehr, keinen Ofen zu haben😉

  7. Einerseits bin ich viel zu spät dran mit meinem Kommentar, andererseits viel zu früh (weil ich ja noch nie in Seoul war). Ich habe mir schon in Japan einen dieser unglaublichen Reiseführer für Seoul gekauft, in dem ich außer den Namen der Läden zwar nichts lesen kann, der dafür aber 1.000 kleine Wimmelbilder enthält, die einen tollen Eindruck zumindest von dem vermitteln, was die Japaner so an Seoul mögen: Kimchi, K-Pop, Kosmetik, würde ich sagen (wobei „Kimchi“ allgemein für alles Essbare stehen soll).
    Da ich ganz genau weiß, wie viel Arbeit ein solcher Artikel macht und sehe, dass ich das wahre Ausmaß erst erkennen werde, wenn ich tatsächlich mal vor Ort bin, möchte ich nur zwei Dinge loswerden: 1. Ich freue mich darauf, möglichst bald mal in Seoul zu sein. 2. Ich like Deinen Artikel sehr😉

    • oh, da bin ich jetzt schon gespannt, wie seoul aus deiner sicht ausfallen wird. falls es soweit ist und du evtl. fragen haben solltest, melde dich gerne. auch wenn ich davon ausgehe, dass du dich auf deinen reisen ziemlich gut alleine durchschlagen kannst.

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