Blüten essen

ggot

Die Zutatenliste ist kurz. Klebreismehl (aka Sweet Rice Flour aka Glutinous Rice Flour). Wasser. Salz. Dazu Zuckersirup. Zwei Hände voll essbare Blüten noch, je nach Saison, je nach Vorliebe. Wenn ihr euch zu warmweichelastischen Biss zusätzlich noch den Duft der Heckenrose (welche ich nahm) vorstellen könnt, habt ihr den Geschmack meiner Blütenküchleins. Wer Chapssal-Tteok bzw. Mochi mag, ist klar im Vorteil bzw. wird diese essbaren Blüten in Form von kleinen Reiskuchen lieben.

Diese Blütenküchlein, wortwörtlich Blütenpfannkuchen (Hwajeon 화전), aus Klebreismehl wurden früher hauptsächlich zum Frühlingsbeginn (am Samjinnal, dem dritten Tag des dritten Monats nach dem Mondkalender) zubereitet, wenn Jindallae (진달래 Rhododendron mucronulatum) – eine essbare koreanische Azaleen-Art – ganze Hänge und Hügelketten in wunderschönes Cyclam tauchen.

Doch je nach Saison und Verfügbarkeit kann jede andere essbare (!) Blütensorte verwendet werden. Im Herbst wird Hwajeon mit Chrysanthemenblüten hergestellt. Auch Birnenblüten, Kirschblüten, Rapsblüten (eine Spezialität der Insel Jeju und in ihrer gelben Pracht wunderschön) werden gerne genommen.
Tja, und jetzt zwischen Frühling und Sommer, wenn es weder kalt noch zu warm ist (ich hasse Hitze, mehr noch als Kälte), mehr Jacke als Tanktop zählt (ich liebe Jackenwetter), die Abende hell und goldrosa sind, kurz, zu meiner allerliebsten Jahreszeit, eignen sich Heckenrosen. Auf, auf, die Blütezeit hat erst begonnen.

Die Zubereitung ist ob der fragilen Blütenpracht zwar etwas tricky, und mit jedem kleinen Röstfleck platzt ein Pastelltraum (vornehme Blässe ist hier eine echte Herausforderung wie man auch an meinen Bildern sieht) – doch der Geschmack tröstet über jede optische Mängel hinweg.

IMG_6743

Hwajeon
Zutaten für ca. 12 Stück

100 g Klebreismehl (Sweet Rice Flour oder Mochiko)
1/4 TL Salz
7-8 EL kochend heißes Wasser
2 Handvoll essbare Blüten (hier Heckenrose)

Sirup: Zucker und Wasser 1:1
etwas neutrales Öl zum Braten

Zubereitung:

  1. Reismehl mit Salz gut vermischen, das Wasser esslöffelweise zugeben, mit einem weiteren Löffel den Teig anrühren. Immer wieder gleichmäßig gut vermengen. Die letzten beiden Löffel Wasser nur in halben Mengen zugeben, dabei mit den Fingerspitzen den Teig gut zusammenpressen. Die Konsistenz sollte fest, aber keinesfalls bröckelig sein, ähnlich einer Knetmasse. Wenige Minuten zwischen beiden Händen gut verkneten (fördert die spätere Bissfestigkeit) und zu einer Kugel formen. In einer Tüte oder Frischhaltefolie fest verdrehen und kurz beiseite stellen.
  2. Für den Sirup aka Läuterzucker einfach Zucker und Wasser auf nicht zu hoher Hitze aufkochen und auf die Hälfte reduzieren lassen.
  3. Währenddessen einen großen Teller leicht mit Öl bestreichen. Ein Schälchen mit warmem Wasser (Rest vom Teigwasser) bereit stellen. Den Teig zu einer Rolle mit ca. 3 cm Durchmesser formen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Alle Teiglinge mit einem nassen Küchenkrepp abdecken. Die Scheiben zu Kugeln rollen und zunächst zwischen beiden Handballen flach drücken. Mit den Fingerspitzen fertig zu runden Fladen (5 cm) formen. Falls die Ränder etwas reißen sollten, die Finger mit warmem Wasser benetzen und den Teig wieder glatt und geschmeidig formen. Es hilft auch die Handballen immer wieder zwischendurch gut mit Wasser zu benetzen, falls der Teig noch etwas fest sein sollte. Eine Seite des Fladens mit einem nassen Finger bestreichen und die Blütenblätter darauf arrangieren. Jedes fertige Stück auf dem geölten Teller beiseite stellen und mit einem nassen Tuch/Küchenkrepp abdecken.
  4. Etwas Öl in einer beschichteten Pfanne auf niedriger Stufe erhitzen, ein kleines Probestück in die Pfanne legen. Es sollte auf keinen Fall zischen und auch sonst kaum Farbe annehmen. Evtl. die Hitze weiter runterschalten. Jeden Fladen zunächst mit der Blütenseite nach unten legen, sofort wenden und einige Minuten garen, bis der Teig leicht glasig und gar wird. Die Fladen sollten möglichst keine Farbe annehmen. Immer nur maximal 5 Stück in die Pfanne legen, da sie bei der geringsten Berührung aneinander kleben und auch sonst wird es zu hektisch. Sobald ein Fladen fertig ist, in etwas Sirup tauchen, vorsichtig wenden und auf einem Teller servieren.

IMG_6789

Tipps: Die richtige Teigkonsistenz ist wichtig für das Gelingen. Der Teig darf nicht zu feucht (schwierig zu bearbeiten) und nicht zu trocken bzw. bröckelig sein (die Fladen „reißen“). Klebreismehl verhält sich anders als Weizenmehl, wenn Wasser zugegeben wird. Auch wenn der Teig zunächst trocken krümelig aussieht, kann man ihn sehr bald fest zu einer elastischen Kugel pressen, welche sich gut von der Schüssel löst. Nur darf diese auf Druck nicht zerbrechen und krümeln, ansonsten muss noch mehr Wasser hinzugegeben werden.
Ab und an passiert es mir, dass ich erst am Tisch bemerke, dass einige Fladen nicht ganz durchgegart sind. Dann schmecken sie etwas mehlig oder haben einen leicht harten Rand. Diese Stücke lege ich so wie sind (mit Sirup beträufelt) wieder in eine warme Pfanne mit einem kleinen Schluck Wasser, bis das Wasser wieder verdampft ist. So werden sie weich und elastisch wie sie sein sollten.

Wer keine Blüten hat oder keine Nerven für die etwas fragile Blütenarbeit opfern will, kann stattdessen auch kleine Kräuterspitzen oder sehr fein geschnittene getrocknete Früchte nehmen. Diese Zutaten sind weniger zimperlich.
Auch pur schmecken mir die Reisfladen ohne jegliche Dekoration, dann nehme ich statt des simplen Zuckersirups Kiefernspitzensirup, Maesil aka Ume-Pflaumensirup, Löwenzahnhonig oder Holunderblütensirup. Doch der Clou ist und bleibt natürlich der Geschmack/Duft der unterschiedlichen Blüten.

tierfreitag

14 thoughts on “Blüten essen

  1. Das sieht wohl sehr schön und lieblich aus, klingt aber auch nach viel Arbeit und Mühe, die Männer beim Verzehr der Küchlein kaum wirklich zu schätzen wissen, und noch weniger für das Machen derselben auf sich nehmen möchten. Du hast es gut gemacht, sehr gut, und es war interessant und lehrreich, darüber zu lesen. Hier machen sie bunte Geckos, Gochus, Früchte, etc. aus Klebreismehl mit Zucker, ähnlich wie in Europa aus Marzipan.

    • ich hoffe doch nicht, dass blüten essen ein genderspezifisches verhalten ist. und über „lieblich“ musste ich kurz lachen. nennt man nicht zuckrige weine so? aber doch nicht mein essen!😉 andererseits konntest du nicht wissen, dass ich gerade auf „lieblich“ allergisch reagiere. alles, nur das nicht. ist sowas wie mein motto…

    • die heckenrosen haben mir dazu wirklich gut gefallen. ein fast schon orientalischer duft. klebreismehl gibt es ja zum glück mittlerweile fast überall.

    • oh, mit den bento-boxen kann und will ich gar nicht mithalten. wahrlich kleine kunstwerke zum sattsehen. aber ist mir persönlich einfach zuviel friemelarbeit.

Gedanken hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s