Warum die Frösche quaken

kaeguri

Hier und da sollen Frösche quaken. Kaegul, kaegul. Nicht quak, quak. So zumindest machen die Frösche in Korea.

Und dabei ist mir eingefallen, warum sie tun was sie tun (ob quak oder kaegul). Aus diesem Grund gibt es heute nichts zu essen, sondern nur eine alte koreanische Erzählung*. Eine Geschichte, welche mir meine Mutter oft in der Kindheit erzählte (vorzugsweise dann, wenn ich nicht besonders brav war).

Also: Die Geschichte vom kleinen grünen Frosch oder Cheonggaeguri Iyagi – 청개구리 이야기

Vor langer, langer Zeit lebte ein kleines grünes Froschkind alleine mit seiner Mutter, weil der Vater früh verstorben war. Der kleine grüne Frosch war wild und ungehorsam und hörte nie auf seine Mutter. Schickte ihn die Mutter auf den Berg hinauf, um Holz zu sammeln, lief er hinab zum Fluss und angelte im Wasser. Schickte ihn die Mutter hinab zum Fluss, lief er hinauf auf den Berg. Sollte er gen Osten laufen, lief er gen Westen und umgekehrt. Der grüne Frosch tat stets genau das Gegenteil von dem, was die Mutter von ihm erwartete. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr versuchte die arme Mutter ihr Kind zu erziehen, doch es war vergeblich.

Nach einiger Zeit wurde die Mutter alt und krank (hier muss ich anmerken: in der radikaleren Version meiner Mutter, wurde die Froschmutter sterbenskrank vor Kummer ob ihres ungezogenen Kindes). Sie fühlte, dass der Tod nahte und hatte nur noch einen einzigen sehnlichen Wunsch. Hoch oben auf dem Berg wollte sie ordentlich begraben werden. Doch sogleich kam ihr das ungehorsame Kind in den Sinn. Wenn sie den kleinen grünen Frosch darum bitten würde, so befürchtete sie, würde er wie immer das Gegenteil machen und sie unten am Fluss begraben, wo das Grab weggeschwemmt werden könnte. Also entschied sie sich ihm einen Schritt zuvorzukommen. Sie rief ihr Kind herbei und wählte ihre Worte gut: „Ich habe nicht mehr lange Zeit. Wenn ich nicht mehr bin, möchte ich nicht oben auf dem Berg, sondern unten am Wasser begraben werden. Hörst Du?“ Wenige Tage später starb sie. Der kleine grüne Frosch weinte um seine Mutter und bereute plötzlich tief, dass er ihr zu Lebzeiten so viel Kummer und Sorge bereitet hatte. Es war zu spät alles wieder gut zu machen, doch wenigstens jetzt wollte er zum allerersten Mal in seinem Leben auf seine Mutter hören und ihr den letzten Wunsch erfüllen. Und so begrub er seine Mutter leider nicht oben auf dem Berg, sondern direkt am Flussufer.

Der Sommer kam bald und mit ihm der Regen. Als es unaufhörlich regnete, lief er voller Sorge runter zum Fluss. Er hoffte und betete, doch das Wasser stieg und schwemmte das Grab seiner Mutter fort. Der kleine grüne Frosch konnte nur hilflos im strömenden Regen sitzen und klagen und klagen. Kaegul, kaegul, kaegul…

Und das soll seither der Grund sein, warum die Frösche nach dem Regen quaken.
Noch heute werden Kinder bzw. Leute, die trotzig etwas Falsches tun, obwohl sie sich dessen bewusst sind, gerne Cheonggaeguri/grüner Frosch genannt. Der dank Gangnam-Style weltbekannte Psy behauptet sogar von sich, er sei ein Cheonggaeguri (Achtung: nur K-Pop gewöhnte Ohren sollten reinhören, andernfalls besteht das Risiko körperlicher Schmerzen).

* Koreanische Mythen, Legenden und Volkserzählungen über Himmelsprinzen und Bären, loyale Elster und rachsüchtige Schlangen, Füchse mit neun Schwänzen und wundersame Kürbisse wurden im Samguk Yusa/Die Legenden der drei Königreiche (13. Jhd.) vom buddhistischen Mönch Il-yeon schriftlich festgehalten. Sie sind bis heute lebendig und werden meist nicht vorgelesen, sondern von Müttern, Großmüttern, Tanten erzählt, immer wieder leicht ausgeschmückt/adaptiert und weitergegeben. Meine Nichte liebt diese Erzählungen und quietscht vor Vergnügen, sobald ich eine dieser koreanischen Geschichten mit „Yetnal, yetnale…/Vor langer langer Zeit…“ beginne.

PS: Und nun bleibt noch die Frage, wie die Frösche auf Französisch und Thailändisch quaken.

18 thoughts on “Warum die Frösche quaken

    • ich habe früher mit meinem bruder tatsächlich frösche gefangen, aber nicht zum essen. wir wollten wissen, ob wir irgendwann auf einen wetterfrosch treffen, der das wetter vorhersagen kann.

    • haha, sehr gut! ich muss gestehen, ich hatte noch nie ein faible für den „froschkönig“, um nicht zu sagen, die verwöhnte, selbstsüchtige prinzessin hat mich bereits als kind genervt. und zur „belohnung“ für all ihr getue bekam sie noch den prinzen obendrein… pädagogisch sinnlos.

    • Ehrlich gesagt , dachte ich , als ich es das erste mal hörte , der Nachbar hatte sich zuvor einen Teich in seinem Garten anlegen lassen , ob denn da ein Auge in der Nacht zu schließen sei ? Denn , auf der Balz , quaken sie besonders intensiv kurz vor Mitternacht bis zum frühen Morgen ! …Doch diese sonoren Klangwelten können einen auch einlullen und man überschläft das engagierte Gequake ! …nach Deinem Märchen habe ich natürlich einen neuen Blick auf sie geworfen…..!🙂 -Gute N8 Lilly

  1. Oh, dann lasse ich mir noch alte koreanische Märchen von dir erzählen – wenn ich mich schon mehr oder weniger bei dir zum Essen einlade😉
    Für Märchenbücher habe ich einen Sammel-Faible und koreanische fehlen mir darin… leider. Ein sehr schönes Frosch-Märchen!

    • sag, bin ich vllt in deiner spamtonne gelandet? hatte mehrfach einen kommentar bei dir hinterlassen. mit rotem kopf und ganz brav. nicht dass du denkst, auf so liebe worte reagiere ich nicht.😉 die wertschätzung beruht auf gegenseitigkeit.
      jedenfalls, was evtl. wichtiger ist und ich auch versucht habe zu hinterlassen: ich meine zu wissen, welche pfannkuchen du meinst. waren sie dick und eine art reibekuchen? die werde ich mal für dich machen.

      ps: ich werd’s aber auch nochmal bei dir versuchen.

    • Ohh, die blöde Maschine hat dich komplett ignoriert – noch nicht mal etwas im Spamfilter zu finden. Ich werde für heute die Sicherheitsfrage (die saublöde, die aber doch gegen Spamfluten hilft) deaktivieren – vielleicht dann…?

      Und die Pfannkuchen waren eher dick, vom Durchmesser nicht so breit und möglicherweise nicht mit Milch… Ich freue mich auf deinen Vorschlag!

    • ah ja, ich mag karambolage. rein lautmalerisch ist das französische sehr am original. ich verstehe nur nicht wie die amerikaner auf „ribbit“ kommen – ok, kaegul liegt auch nicht besonders nahe.

    • Sag „ribbit“ mit tiefer Stimme, ganz kurz und kehlig, dann klingt es wie die Frösche in Thailand wirklich machen. Wie man die Froschlaute hier schreibt muss ich Miao fragen, die noch schläft.

  2. Eine sehr schön geschriebene Geschichte. Wenn Dein Essen so gut schmeckt, wie Dein Geschriebenes zu lesen ist, dann muss es superlecker sein. Ich lese Deine Texte sehr gern, und irgendwann erzählst Du vielleicht, wie Du zu dem guten Schreiben kamst.

    Also, in Thailand machen die kleinen Frösche in Texten แอ็บ แอ็บ แอ็บ (äp äp äp), die grösseren อบ อบ อบ (op op op).

    Der wirkliche Sound klingt wie „ribbit“ oder ähnlich, ich könnte autsch schreiben „grrrr grrrr“. Reisende kennen vielleicht die kleinen hölzernen Souvenir-Frösche mit Rippen auf den Rücken, über die mit einem Holzstäbchen gefahren wird, um den Froschlaut zu imitieren.

    Als ich in Thailand erstmals in der Nacht eine Kuh tief und laut Muhen hörte, es klang weit weg, da sagte Miao, es sei ein Frosch. Aha, muss wohl ein grosser sein.

    • danke! auch an deine frau für die thailändischen laute. klingt sehr gut.
      oh, und was das schreiben betrifft, ist es nur mittel zum zweck, um das internet mit meinen gerichten/rezepten vollzuspammen. da gibt es andere, die das einfach VIEL besser und eleganter machen.

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