Gewickelt

Oder: Krautwickel mal anders. Kimchiwickel. Kimchi Ssambap.

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Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Sermon über das vordergründig stets gute Abschneiden Koreas und weiterer asiatischer Länder beim Möchtegern-Ranking PISA stehen. Des Weiteren meine eigene wichtige These (*hust*), dass dieser „Erfolg“ nur dem frühkindlichen Hantieren mit Feinwerkzeug wie glitschigen Stäbchen zu verdanken ist. Ich hätte dann noch kurz über Feinmotorik und Synapsenbildung geschwafelt. Dass nur so und nicht anders Intelligenzbestien geschaffen werden. Und die Tatsache, dass bereits fünfjährige Vorschulkinder mit zwei Musikinstrumenten, Chinesisch, Englisch, Mathe, Koreanisch und Taekwondo oft einen 16 Stunden Tag haben, sie mitten über den unzähligen Hausaufgaben – der teuren privaten „Nachhilfe-Institutionen“ wohlbemerkt, die nicht den Schulstoff für schwächere Schüler wiederholen, sondern die besten und zahlkräftigen um zwei oder mehr Schuljahre vorpauken lassen – nachts um 1 Uhr völlig erschöpft einschlafen, das ganze Familienleben (und Familienvermögen) sich nur um Bildung, Noten, Leistungsdruck und offen einsehbare schulinterne Schülerrankings dreht, hätte ich getrost vernachlässigt (wie auch solche Studien vernachlässigen, dass die angeblich besten Länder leider auch die höchste Selbstmordrate unter Kindern verzeichnen müssen).

Nur…ich habe die Kurve zu Kimchi nicht hinbekommen…

ssambap

Und das Blog-Jahr darf schließlich niemals vorbeiziehen ohne Kimchi. Dieses essentielle Gericht der koreanischen Küche, das bereits ruhmreich das ganze Land vor der Ausbreitung der SARS-Epidemie bewahrt hat. So pflegt es eine koreanische Freundin von mir zumindest immer wieder zu betonen.
Ausgerechnet diese gesunden Milchsäurebakterien wurden wiederum in jahrelanger Forschung aus Kimchi eliminiert, um Space-Kimchi zu entwickeln. Denn selbstverständlich musste damals mit dem ersten Koreaner (in diesem Fall eine Dame) auch Kimchi ins Weltall geschossen werden. Wenn schon, denn schon. Nur fürchtete man gefährliche Mutationen jener Bakterien unter kosmischer Strahlung. Mutanten-Kimchi, wer braucht das schon?

Klingt alles nach einem schlechten Witz? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber in jedem Witz soll ja ein Fünkchen Wahrheit stecken.

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Versteckt unter Biji/Okara, in Strudel und in frittierten Käsebällchen gab es Kimchi zwar bereits – aber relativ pur dieses Jahr wirklich noch nicht. Wer von euch hat es schon bemerkt?

Hier eine schnelle und unkomplizierte Idee, Kimchi mit Reis mal anders zu präsentieren. Letztlich ist es nichts anderes als Jumeokbap (die koreanische Version von Onigiri und typischer Doshirak/Bento-Inhalt), das in ein Baechu-Kimchiblatt gewickelt wurde. Gedämpfter Reis wird mit angebratenem Fleisch (was ihr gerade habt: Rind, Schwein, Bacon, Würstchen oder gerne auch Bratenreste) vermengt, leicht mit Salz, Pfeffer (bei Fleisch wichtig), Sesamsaat und nur wenigen Tropfen Sesamöl (zu öliger Reis lässt sich schlecht pressen) gewürzt. Noch lauwarm zwischen leicht angefeuchteten Händen zu ovalen Bällchen formen. Dabei ruhig kräftig pressen. In ausreichend große Baechu-Kimchiblätter wickeln. Zuvor noch das dickere Strunkende mit einem Schrägschnitt (als ob man Sashimi zubereiten würde) sauber flach abschneiden und das ganze Blatt leicht von der Chilimarinade befreien, um die Schärfe zu mildern. Einwickeln. Fertig.

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Ich höre sie schon. Die Stimmen. Was, wenn man kein Kimchi hat oder keine Schärfe mag?
Ha! Dafür habe ich vorgesorgt. Zusätzlich zum Fleisch einfach noch etwas Gemüse sehr klein hacken, leicht andünsten und daraus ebenfalls Jumeokbap herstellen. Ich habe mich für Mettenden, Lauch, Möhren (im Reis) und Avocado (als Topping) entschieden. Um das Topping (dünne Fischscheiben oder Garnele ginge auch) kugelrund zu formen, einfach die Zutat (hier Avocadoscheibe) mittig auf ein Stück Folie geben, darauf den fertig kugelrund geformten Reisball legen, die Ecken anheben und die Folie straff um die Reiskugel verdrehen. Herauslösen, umdrehen, fertig.

jumeokbap

Tipps: Jumeokbap stets am gleichen Tag noch verzehren. Und da der Reis kalt genossen wird, gerne eine Schale Suppe dazu reichen.

13 thoughts on “Gewickelt

  1. Mmmmmmmh! Perfekt. Und soooo schöne Fotos!
    Nächste Woche ist mal wieder Kimchi-mach-Woche und sowas ist dann in der nächsten Zeit der perfekte Ausgleich zu Waffeln, Plätzchen, Bratapfel, heisser Schokolade und co!😀 Lieben Gruß!

    • tina, habe dich gerade zufällig in der spamtonne entdeckt. wie ausgerechnet du da reinkommst – ein ewiges geheimnis… ja, ab und an braucht man gerade in der vorweihnachtszeit eine erholung von süßen sachen. schönen sonntag dir, tina!

    • Ich habe mich schon gewundert, wo meine Kommentare denn bloss hin verschwinden! Und offensichtlich funktioniert das mir den Benachrichtigungen bei Antwort dann auch nicht mehr so gut.😀 Aber ich freu mich, dass Du mich gefunden und ausgegraben hast!

  2. Das Rezept bestärkt mich darin, endlich mal ordentliches Kimchi zu machen! Ich habe es schon früher, wenn im Winter die große Biokisten-Chinakohlschwemme kam, mehr so freestyle zubereitet, aber jetzt muss ich mich doch mal brav an Dein Rezept halten. Und dann auch so schöne Dinge einwickeln. Sieht toll aus!

    • danke, sabine. hab’s schon auf fb geteilt, die neueste nachricht ist, dass die koreanische kimchi-zubereitung nun weltkulturerbe ist. auf, auf zur bewahrung eines kulturerbes!🙂

  3. So. Jetzt gehe ich mal eine Kiste Chinakohl holen, und dann sehen wir weiter. Ich meine, alleine diese Bilder (besonders das erste)….die Krautwickerl, die rustikalen die verstecken sich jetzt fix und trauen sich nicht mehr raus, grobschlächtig wie sie daherkommen🙂

  4. Wie immer sitze ich mit offenem Mund vor deinen wunderschönen Fotos! Du bist übrigens schuld, dass in meinem Kühlschrank seit zwei Monaten ständig Kimchi vorhanden ist. Allerdings die einfache Variante, nicht so elegant wir bei dir. Aber schmecken tut’s auf jeden Fall gut,

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