Glänzend

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Kleine essbare Goldklumpen. Gamja Jorim – als platte Fusion-Variante gab es sie bereits. Hier nun die klassische koreanische Art Kartoffeln zu essen.

Vorzugsweise Baby-Kartoffeln werden so lange in einem Sud aus Wasser, Sojasauce, Kombu, Knoblauch und Reissirup geschmort, bis die eingedickte Soße jedes Stückchen süßlich glänzend umhüllt. Vorher dürfen sie eine Nacht in Salzwasser ziehen, damit sich die Schale später schön kräuselt und sie besser ihre Form behalten – neben der Würze natürlich.

Kartoffeln klingen zunächst nicht sonderlich koreanisch, doch entlang der gebirgigen Ostküste, vor allem in der Provinz Gangwondo, waren sie lange Zeit, noch vor Reis, das Hauptnahrungsmittel.
Mittlerweile werden Kartoffeln überall nur noch als Banchan/Beilage serviert. Häufig als Gamja Bokkeum (in dünne Stifte geschnitten und sautiert), Gamja Jeon (koreanische Kartoffel-Pfannkuchen) oder eben als Gamja Jorim. Wer keine kleine Kartoffeln bekommt, kann jede festkochende Kartoffel in grobe Würfel schneiden.

Gamja Jorim

1 EL Meersalz zum Einlegen über Nacht

500 g sehr kleine Kartoffeln mit Schale, festkochend
1 EL Öl
200-250 ml Wasser
3 EL Sojasauce
1 EL Reissirup, alternativ Melasse/Rübenkraut/Ahornsirup etc.
1 EL Honig/Zucker
1 TL Sesamöl
3-5 Stückchen (ca. 3x4cm) Dashima/Kombu, falls nicht vorhanden weglassen
2 Knoblauchzehen, in Scheiben
1 kleine Zwiebel, geschält und halbiert
optional 1 kleine Chilischote (muss aber nicht, Gamja Jorim ist ursprünglich eine typische Kinderbeilage und somit nicht scharf)

Zubereitung:

  1. Kartoffeln gut waschen, nicht schälen. Über Nacht in Salzwasser einlegen.
  2. Am nächsten Tag Salzwasser abschütten und die Kartoffeln abtropfen lassen, mit etwas Öl in einem Topf anbraten und mit Wasser und restlichen Zutaten ablöschen.
  3. Sud aufkochen. Sobald alles sprudelnd kocht, sofort die Hitze reduzieren und ohne Deckel ca. 20-30 min bzw. so lange köcheln lassen, bis die Soße reduziert und die Kartoffeln glänzen. Nur wenige Male sehr vorsichtig wenden, damit die Kartoffeln nicht zerfallen. Vor dem Servieren mit etwas Sesam bestreuen. Kann warm und kalt serviert werden.

Tipps: Wie jede koreanische Beilage/Banchan ist Gamja Jorim für den Verzehr mit ungewürztem Reis bestimmt, d.h. pur können und dürfen sie sehr kräftig schmecken. Falls ihr Gamja Jorim ohne Reis essen möchtet, solltet ihr dies beim Würzen bedenken.

PS: Nicht wundern – der Geschmack ist bewußt süßlich. In Europa eine ungewohnte Geschmackskombination zu Kartoffeln, aber in Korea werden gekochte Kartoffeln sogar in Zucker gestippt und als Snack gegessen. Und so esse ich wunderbar dampfende, mehlige Kartoffeln immer noch am liebsten. Ist doch nicht eklig, oder?

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19 Kommentare zu “Glänzend

  1. MMMH, sehen die lecker aus! Ich glaub ich weiss, was es am Wochenende zum Essen gibt! 😀
    Und Reibekuchen werden hier ja auch süßlich gegessen. Mein Vater bestreut sie sogar mit Zucker! Ich glaub, Deine Variante oben gefällt mir besser, zumindest die platten Kartoffeln gehört inzwischen zu meinen Lieblings-Kartoffel-Rezepten!

    • tina, jetzt wo du es sagst, fallen mir noch zwetschgenknödel als süße kartoffellösung ein. 🙂 musste nur immer an die verwunderten blicke denken, wenn ich zucker für meine gekochten kartoffeln gesucht habe.

      schön, dass dir die platten kartoffeln so gefallen. bei mir gibt’s am we nur schonkost. habe mir pünktlich zur saison was eingefangen. :/

  2. Drillinge sind ja hier landläufig die kleinsten erhältlichen Kartoffeln. Sind die schon zu groß? Noch kleinere zu kriegen, ist eher ein Losgewinn, selbst auf dem Markt. Das Rezept klingt einfach zu verführerisch…

    • thea, drillinge sind dafür perfekt bzw. der „gehobene“ ausdruck für babykartoffeln. ich sortiere nochmals und nehme die allerkleinsten für diese schmorvariante. die etwas größeren dürfen als salat enden, oder wie gestern in einem deutsch-koreanischen fleischeintopf.

  3. Das sieht herrlich aus und klingt herrlich – her damit am Wochenende!
    Kartoffeln süß? Dazu fale mir nicht nur die Reibekuchen mit Apfelkompott ein, sondern auch Schupfnudeln, auch mit Apfelkompott, oder mit Zimtzucker.

  4. Nein, das ist alles andere als eklig, ich find es toll!! Mag aber auch gerne süssliche Gerichte mt Sojasauce und Knoblauch kombiniert.
    Isst man da einfach puren Reis dann dazu? Das muss ich ausprobieren.

    • ja, britta. im rahmen einer koreanischen mahlzeit neben weiteren beilagen/banchan zu gedämpften reis. der schlichte typische sushireis ganz pur. nicht die in elend viel wasser zerkochte und mit butter beschmierte kantinenvariante. aber wem sag ich das. du kennst dich mit reis bestens aus.

  5. Hm, die mag ich schon aus der hiesigen traditionellen Winterküche — karamelisierte Kartoffeln zur Gans etwa. Und Kartoffeln + süß: Kartoffelpuffer, Butter, Leberwurst und ordentlich Zuckerrübensirup drauf. Lippische Pickert heißen die. Lecker!

    • ja, je mehr ich überlege gibt es auch hier süßliche kartoffelgerichte. aber eine pellkartoffel einfach in zucker gedrückt erstaunt immer noch viele. probier es aus, ja? das essen und die erstaunten gesichter. dafür werde ich mal lippische pickert ausprobieren. nur die leberwurst (erinnert mich immer an krankenhaus) wird eine große hürde sein…

  6. Die stehen auf der Warteliste und werden ganz sicher nachgekocht.
    Und auch ich trage zu den süßen Kartoffeln bei: die karamellisierten Kartoffeln zum norddeutschen Grünkohl und das rheinische Himmel und Erde.
    Und die bayerischen Schupfnudeln mit Apfelmus würdest du lieben. Da bin ich ganz sicher.

    • die schupfnudeln mit apfelmus klingen in der tat verlockend, liebe ich doch reibekuchen in dieser kombination.

      grünkohl mit süßlichen kartoffeln ist mir aber völlig neu. klingt aber auch gut. ich liebe grünkohl, bisher nur deftig mit kohlwurst und kartoffeln gleich im topf.

  7. Pingback: Wunderöl | missboulette

  8. Pingback: Fleisch, das vom Knochen fällt | missboulette

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