Spätsommerliche Nudeln

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Inspiriert von meinem Lieblingsgericht beim Lieblingsvietnamesen. Doch der Gefahr sich oberflächlich der Begrifflichkeiten zu bedienen, will ich tapfer widerstehen. Zu sehr ist meine Version ein reines Heißhunger-Impromptu, was wiederum im Sinne des originalen Gerichts zu sein scheint. Schnell gekramt und schnell gemacht. Das einzig wichtige (und ursprüngliche) Fundament: Nuoc Cham. Beim Rest, dem Grünzeug zu den Nudeln, herrscht individuelle Freiheit.
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Für die vietnamesische Küche ist Andrea Nguyen meine erste Wahl. Ihre Rezepte sind stets gelingsicher mit vielen Tipps versehen, und da selbst die koreanischen Gerichte, die sie ab und an vorstellt, ziemlich authentisch und richtig erklärt sind (anscheinend dank ihrer koreanischen Freundinnen), hat sie mein vollstes Vertrauen, was ihre Heimatküche anbelangt. Von ihr stammt das Nuoc Cham Grundrezept, das meiner Meinung nach leider nur für maximal zwei Portionen reicht (als Hauptgericht, ansonsten für 3-4). Also, die Mengen großzügig erhöhen. Hier gilt es nach eigenem Geschmack die „Geschmacksspitzen“ (den Ausdruck habe ich von hier übernommen) gut auszubalancieren. Alle Nuancen sollten als Sauce einen Tick zu übertrieben schmecken, eine kleine Explosion im Mund bewirken, so wird der fertige Nudelsalat gerade richtig. Die Reisnudeln und das viele Gemüse schlucken das Explosive und alles entwickelt sich letztlich moderat.
Unbedingt braucht man noch eine fettige Komponente. Am schnellsten erfüllen Röstzwiebeln diese Aufgabe. Ich liebe ansonsten zusätzlich frittierte Tofustückchen oder gar grob zerteilte Frühlingsrollen darin. Doch auf diese habe ich diesmal bei meiner Schnellversion verzichtet, ebenso auf blanchierte Garnelen. Grundsätzlich geht alles und bleibt alles eine Frage des Geschmacks.
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Macht diese Würzsauce, nehmt was ihr gerade da habt an Gemüse (Gurken, Möhren, Salatblätter, Sprossen, grüne Papaya, Kohlrabi, Rettich usw.), etwas Nussiges dazu (Cashew, Erdnuss, Mandeln usw.), ein paar Kräuter noch (Thaibasilikum, Basilikum, Koriander, Minze, Perillablätter usw.) – fertig ist das Vergnügen.
Mein Salat bestand aus Möhren, die nur grob mit einem Sparschäler in Streifen geschnitten wurden aka Julienne für Faule, Salatstreifen, Perilla, Basilikum, fertigen Kohlrabisalat, etwas Lauch, Mandeln, Röstzwiebeln und ein paar knusprigen Speckgrammeln (als zusätzliche Fett-Komponente). Und Reisnudeln bitte immer nur in 5 mm Breite für mich – die Macht der Gewohnheit. Übrigens, wer alles feiner präsentieren möchte, kann auch alles in Reispapier wickeln und die Sauce als Dip servieren – dann hat man Summer Rolls. Auch schön.
Grundrezept Nuoc Cham nach Andrea Nguyen
Zutaten für 2 Portionen

3 EL Limettensaft
2 EL Zucker
½ Cup Wasser
2 ½ EL Fischsauce
optional
1 kleine Knoblauchzehe, fein zerrieben
1-2 Thai Chilis, gehackt (ich nahm 2 und es war eindeutig zu scharf)

Zubereitung:
  1. Saft, Zucker und Wasser vermengen und rühren, bis der Zucker aufgelöst ist. Jetzt schon süß-sauer abschmecken.
  2. Erst anschließend mit der Fischsauce salzig abschmecken. Evtl. Knoblauch und Chili hinzufügen. Alles nochmals abschmecken. Die Farbe sollte einen hellen Karamellton haben und alle Nuancen von süß-sauer-scharf-salzig kräftig durchscheinen.
  3. Für den Salat: Wie oben erwähnt Gemüse, Kräuter, Nüsse nach Wahl und Vorrat vorbereiten, evtl. Tofu, Garnelen hinzu (auch Fleisch/Bratenreste passen wunderbar). Reisnudeln nach Packungsanleitung zubereiten. Alles mit Röstzwiebeln toppen. Mit Nuoc Cham servieren.
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11 Kommentare zu “Spätsommerliche Nudeln

  1. Hört sich wunderbar an! Und wenn ich die ungarischen Urlaubsgefilde verlassen habe und in der Nähe eines vernünftigen asiatischen Supermarktes bin (sprich den des Vertrauens in Kassel), dann wird das nachgemacht. Auch wenn dann kein Spätsommer mehr ist 😉 Es ist einfach zu verlockend!

    • ich mag deine ungarn-berichte. vllt bringst du ein familienrezept für ungarische knoblauchsuppe mit? wäre sagenhaft, versuche ich doch seit einiger zeit diesen geschmack nachzubauen. bisher vergeblich. dir noch viel spaß drüben.

  2. Pingback: gut bei hitze - kulinarische notiz - esskultur

  3. Pingback: Resteverwertung: Flank Steak Salat Bulgogi Style | missboulette

  4. Pingback: Bulgogi Summer Rolls | missboulette

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