Der Apfelstrudel

Bild 1065

Mit Betonung auf DER. Doch vorab muss ich danken. Ganz im Sinne von Kulinarischer Dank – Ehre, wem Ehre gebührt! Natürlich zunächst der Rezeptquelle des wahrlich unkomplizierten Strudelteiges: Katha. Dann wäre da noch – nicht minder wichtig – die Turbohausfrau, die mich überhaupt auf dieses wichtige Rezept (Grundrezeptalarm!) gestoßen und in einer „Fotodokumentation“ Schritt-für-Schritt alles präzise erklärt hat. Sie gibt darüber hinaus viele wichtige und entscheidende Tipps, worauf es bei einem (guten) Strudel ankommt. Das ist es, was ich an Blogs und Beiträgen besonders schätze – Wissen und Erfahrungen großzügig miteinander teilen.

Beiden danke ich für die Tatsache, dass ich – eine bekennende Apfelstrudelhasserin – nun Apfelstrudel mag. Nein, genauer, sogar den besten Apfelstrudel meines Lebens hatte (und gerade beim Schreiben dieser Zeilen schon vom nächsten Apfelstrudel träume)! Kaum zu fassen, ausgerechnet ich… Zum Schluss muss ich noch den Ungarn danken – dazu aber später.

Bild 1086

Dass ich ehemals vor Apfelstrudel weggelaufen bin, hatte mehrere Gründe:

  1. der Teig – meist zu dick, ledrig, matschig, manchmal gar hart und brotig
  2. halb durchgegarte grobe Apfelstückchen mit einer Mischung aus matschig und bissfest – ein Konsistenzdrama
  3. Rosinen (bäh – nur als Rosinenstuten ein Traum)
  4. Mandeln (ein Traum, nur in Kombination mit Rosinen – bäh)
  5. Punkte 2-4 in Kombination – kein bäh, der blanke Horror
  6. feuchter, suppiger Boden
  7. das Innenleben – eingerollter (natürlich matschiger) Teig

So komme ich nahtlos zu den Punkten, die (ich spreche nur für mich) den perfekten Apfelstrudel ausmachen, bzw. wie ich o.g. Punkte vermeiden kann:

  1. Kathas Strudelteig machen – überhaupt einen Strudel selbermachen, damit ich auch alle folgenden Punkte beeinflussen kann
  2. Äpfel sehr dünn schneiden (2 mm) und auch möglichst klein (d.h. zuerst in Viertel, danach Viertel nochmals in 3 Spalten und zum Schluss blättrig) schneiden – so garen sie gleichmäßig durch, bleiben aber schnittfest
  3. einfach weglassen
  4. einfach weglassen
  5. ha
  6. knusprig braun geröstete Butterbrösel als unterste Lage – NICHT mit der Obstfülle mischen
  7. den Teig NICHT nach innen rollen, sondern nach außen, wie es die (jetzt kommen sie ins Spiel) Ungarn mit den Rétes machen
  8. Lösung Punkt 7 bedingt ausreichend (!) flüssige Butter, um den ganzen (!) Teig einzustreichen

strudel assemblage

Mein Strudel in Kürze (Aufbau s. Skizze): Teig hauchdünn ziehen, mit reichlich flüssiger Butter sehr vorsichtig bepinseln. Goldbraun geröstete Butterbrösel als dünne aber kompakte (!) Lage entlang der kürzeren (!) Kante verteilen. Darauf mittig die Apfelstückchen als lange „Wurst“ geben und mit etwas Zimtzucker bestreuen. Schicht für Schicht – kein Mischen vorher (Zucker, Obst und Zeit bedeuten ja immer etwas Saft). Aufrollen und mit der Naht nach unten auf ein Blech (Backpapier). Jetzt sollten mindestens 4-5 Lagen Teigmembran die Fülle außen (!) umhüllen. Nochmals mit flüssiger Butter bepinseln und in den Ofen bei 180-190 Grad ca. 30 min. Und dazu? Rumsahne und Vanilleeis. Innen saftig aromatisch, außen blättrig knusprig, warm und kalt und sahnig zugleich. Ein Traum.

Bild 1037

Wer ein richtiges Rezept für den ganzen Apfelstrudel und sich die vielen Tipps nicht entgehen lassen will, sollte spätestens jetzt klicken. Jetzt!

Hier gibt es (nur) das Grundrezept für den Strudelteig, der seine Vorzüge schon beim Kneten offenbart. Glatt und geschmeidig innerhalb von 5 Minuten. Von Hand wohlgemerkt. Hauchdünn ziehen überhaupt kein Problem. Übrigens, Teigziehen sollte man jedem Choleriker verschreiben – es macht einen sanftmütiger und zaubert ein Lächeln auf die Lippen. Und wenn ihr euch schnell entscheidet, habt ihr heute ebenfalls einen Strudel als sonntagssüßes Vieruurtje (ein tolles neues Wort, das ich hier gelernt habe).

Grundrezept_weltbester Strudelteig
nach Katha/Österreich vegetarisch via Turbohausfrau

Zutaten:

200 g Mehl (405 reicht vollkommen aus)

100 g Wasser, lauwarm

1 Prise Salz

40 g Öl (kein Olivenöl)

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten miteinander vermengen und kneten. Das geht sehr gut von Hand. Der Teig löst sich sehr bald von der Schüssel, muss aber weiter geknetet werden, bis eine seidig glatte Konsistenz erreicht ist (ca. 5 min).
  2. In Frischhaltefolie wickeln (einölen zusätzlich nicht notwendig) und ca. 1h bei Zimmertemperatur stehen lassen. Auf einem leicht bemehlten Strudeltuch ziehen.

Tipps: Kein Strudeltuch? Kein Problem, die Teigmenge reicht bei mir für exakt 3 kleinere Strudel, die ich auf jeweils ca. 50×70 cm (normale Küchentuchgröße) ausziehen kann. Der Teig kann vorbereitet und über Nacht im Kühlschrank gelagert werden, meiner Meinung nach lässt er sich dadurch sogar noch leichter ziehen (kann auch naive Einbildung sein – EDIT: war naive Einbildung, der Teig lässt sich am besten ziehen, wenn er Zimmertemperatur hat, d.h. der Teig kann nach wie vor vorbereitet werden, sollte aber vor dem Ausziehen erwärmt bzw. auf Zimmertemperatur gebracht werden). Einfach den Teig dritteln und in Etappen genießen. Drum habe ich neuerdings immer einen kleinen Vorrat an Strudelteig parat. Eine Fülle ist schnell gemacht und so läuft der Strudel nun bei mir als „schnelles Essen“.

Bild 1109

PS: Weil ich es nicht lassen kann und seit geraumer Zeit überall Kimchi einpacke, wo es nicht hingehört, gab es noch eine pikante Variation: Kimchi-Tofu-Strudel. Frevel?

PPS: Hatte mittlerweile auch schon Krautstrudel, steirischen Erdäpfelstrudel (auch Dir gilt mein Dank, liebe Küchenschabe!), Orangen-Grieß-Strudel – alles war vorzüglich. Ich ahne, 2013 wird das Jahr des Strudels!!

PPPS: Moment! Katha, Turbohausfrau, Küchenschabe – alles Österreicher! Mein kulinarischer Dank gilt also auch ganz Österreich – ein mir liebes Genussland.

27 thoughts on “Der Apfelstrudel

  1. ich werde mit dem grinsen nicht mehr fertig! und: perfekt, deine strudel! bei dem mit kimchi (tofu müsste für mich nicht drin sein, einen krautstrudel haben wir übrigens auch im buch…) ist mir bloß auf den ersten blick der staubzucker abgegangen😉 (die skandinavier nehmen gerne essigpulver, könnte hier die illusion von zucker erzeugen und perfekt passen.)

    • dank dir und turbohausfrau strudel ich mich grad glücklich! und jetzt wo du es sagst, weiß ich nun, warum mein kimchi-strudel so „nackig“ wirkte. essigpulver, das zauberwort.

    • Ein Kych-Ei ist übrigens das, was ich zum Frühstück hatte. Zwei Spiegeleier großzügig direkt nach dem Pfannenerstkontakt mit großzügigen Mengen grober Parmesanspäne bestreuen, kurz brutzeln, dann den Eiern möglichst verlustfrei zeigen, was easy over ist, bevor der Parmesan zu dunkel wird. Ha!

    • muss ich erwähnen, dass ich jetzt schon ein fan von kychei bin? evi, ein zeichen, dass du langsam aber sicher wieder bloggen solltest – du vergisst ja gar deinen namen. oder erfindest dich neu…

  2. Du Verführerin😉 Da muss ich wohl meine Backpläne für heute umstellen… (leider waren auf meinem Kimchi so komische weisse Punkte und es roch auch nicht mehr soo gut… neues ist schon in Arbeit und hey, in einen Strudel passt es doch perfekt!)

  3. Ja da schau her! Da komme ich ja unerwartet zu Ehren. Das freut mich sehr.
    Kimchi-Tofu-Strudel, du hast Ideen! Find ich aber toll und kann es mir gut vorstellen.

    Mit dem Strudelteig glaub ich eigentlich auch, dass diejenigen, die ihn nicht so berauschend finden, noch nicht den richtigen gefunden haben. So eine hauchdünne Schweinerei muss man einfach mögen!

    • danke, dass du mir die angst vorm strudelteig genommen hast. wenn ich das vorher gewusst haette, was mir alles entgeht. ja, ich vermute es ist mehr angst als tatsaechliche abneigung…
      und – habe ehrlich gesagt von euch strudelteiggewickelten mit leichter schelte gerechnet wegen kimchi… fand auch es passte. hehe.

    • als die turbohausfrau, die quasi mit strudelteig grossgezogen wurde, den teig lobte, wurde ich auch hellhoerig. sie muss sowas einschaetzen koennen, und wir alle brauchen dankenswerterweise nicht weiter suchen.😉

  4. Schööööön! Aber für mich bitte unbedingt mit Rosinen… Auch wenn ich mich bei meinen Kindern damit immer unbeliebt mache, müssen Rosinen für mich als Gewürz da geradezu zwingend hinein. Man kann sie doch rauspulen (wenn’s keiner sieht…). Schönen Sonntag!

  5. Ich muß bald mal wieder strudel backen. und ja, wenn dieser teig so hochgelobt wird, dann auch diesen mal testen. und ich glaub, irgendwann muß ich auch noch dieses buch kaufen. hähem……. schon viel nettes darüber gelesen. aber wenn ich jetzt wöchtenlich mit einem neuen kochbuch daherschlappe, werde ich komisch angeguckt… ich warte noch ein bißchen. und mach vorher halt so mal strudel. apfelstrudel war bei uns daheim übrigens immer diskussionsthema: mutter, geborene österreicherin, mochte den wiener strudel mit bröseln und knusprig, der vater, ein bayer, akzeptierte aber nur die bayrische variante mit sauerrahm drin und beim backen mit milch übergossen… ich mag einfach beide, das ist am einfachsten🙂

  6. lgm, den teig kann ich nur empfehlen! ich kannte die kategorisierung der strudel auf diese weise noch nicht, bzw. kannte die bayerische variante nicht. oben beim kormoranflug fuehrt der link genau zu so einem, wie du ihn beschreibst – mit sauerrahm und mit milch uebergossen… ich bin fuer broesel und knusprig und mehrere teiglagen. k.u.k🙂

  7. So, ein Strudel backt im Ofen – und ich bin begeistert von der Verarbeitbarkeit des Teiges! Er kam mir extrem weich vor (ich hatte schon vermutet, daß ich ihn bisher immer viel zu fest gemacht hatte), aber ich habe mich ans Rezept gehalten. Ganz genau. Erstmal kein Gefühl ranlassen. Heute ist Rezepttag. Und dann war der ja husch-husch ausgezogen! Kein Kampf mit dem Teig, kein Ziehen und Zerren! Hach, jetzt träum ich wieder von 1000 Strudeln. Auch Grießstrudel ist mir noch unbekannt. So, warten bis der Wecker klingelt und dann gucken, ob der Teig auch gebacken gefällt😉

    • der teig ist toll, oder? kann mich auch nur wiederholen… grießstrudel war mir auch neu, habe ich über turbohausfrau entdeckt und dabei festgestellt, dass sfogliatelle ricce im grunde auch nichts anderes sind – in den einzelnen komponenten. ich hatte die orangen-grieß-fülle nach der turbohausfrau, aber auch die ricotta-grieß fülle von meinem sfogliatelle-beitrag kann ich schwer empfehlen. 1000 strudel, ich bin auch dafür!🙂

    • schoen, dass du da bist, tine. und ich habe dich ueber deine herrlich ehrlichen worte zu „kinfolk und co“ (die diskussion auf gold paper talk) gefunden.😉

  8. Pingback: Ein Sommerregensonntagsessen | missboulette

  9. Pingback: Silberstreif | missboulette

Gedanken hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s