180° Adventskalender Türchen 8 oder: Krümel

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Ich hab’s getan. Ich war auf einem Weihnachtsmarkt. Natürlich nicht ganz freiwillig. Sozusagen zu Recherchezwecken: Auf der Suche nach der weihnachtlichen Essenz. NUR für dieses Türchen – doch die Erleuchtung blieb (wie befürchtet) aus. Was bleibt ist ein verwackeltes Bild von einem lieblos geschmückten Baum.

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So wird das nix mit einer schönen Weihnachtsanekdote (wie bei meinen Vorgängern). Dabei hatte ich mir fest vorgenommen diesmal vorweihnachtliche Stimmung hinter dem 8. Türchen zu verbreiten, was sich nun als immens schwer erweist.

Also, was kann ich euch präsentieren? Da ich üblicherweise auch keine Plätzchen backe, außer überlebensnotwendigen Kipferln, habe ich mich entschlossen, mit euch den Inhalt meines Fresspakets zu teilen, welches mir ein vorweihnachtlicher Engel geschickt hatte. Keine Plätzchen zwar, jedoch gefüllt mit koreanischen Keksen und Süßigkeiten. Ich gehe davon aus, dass einige meiner Leser Stammgäste diverser Asialäden sind, daher versteht diesen Beitrag als kleinen Shopping Guide für die süßen Sachen im Leben (Fotos von der Verpackung, damit im Laden ein Fotoabgleich ausreicht). Seht euch nicht nur nach Gewürzen um, auch der Blick in die Süßwarenabteilung lohnt sich. Koreanische Kekse sind lecker! Nicht nur vor/an Weihnachten.

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1. Doch zunächst das Eklige. Auch das muss es geben. Ein Klassiker der koreanischen Süßwarenindustrie nennt sich Choco Pie (die Fa. Orion ist das Original, nicht die bekanntere Fa. Lotte), sowas wie Yes Torty in rund, nur mit Marshmallow statt Creme gefüllt. Die klassische Variante wurde weiterentwickelt bzw. koreanisiert, indem ekelhaft süße Schokoladencreme in eine Art Mochi/Reiskuchen gequetscht wurde. Das Ganze nennt sich nun Chaltteok Pie (Fa. Lotte) und verursacht bei mir Gänsehaut. Brrr! Ich esse weiterhin Reiskuchen und Schokolade lieber getrennt voneinander. Fazit: Etwas für Experimentalisten. Die Verpackung war aber ganz nett.

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2. Eigentlich schlimmer als Chaltteok Pie. Bbu syeo, bbu syeo, was so viel bedeutet wie „Hau drauf, hau drauf“. Nichts anderes als Ramyun/Ramen, die ungekocht als Snack geknabbert werden, indem man die Nudeln kaputt bricht und die glutamatveredelte Würzmischung darüber streut. In unterschiedlichen Geschmacksverirrungen erhältlich. Hier soll es angeblich Korean Fried Chicken sein. Eine selbstbewusste Behauptung. Fazit: Nur für glutamatresistente Zungen aus Beton.

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3. Eine Variation von gemischten Süßwaren, fertig in einem Beutel (Fa. Cheongwoo). Von vorne im Uhrzeigersinn:

Monaka, eine Art Anko/Mus in esspapierähnlichem Reiskeks in verschiedenen Sorten und Farben. Laut Hersteller: Rosa=Kastanie, Grün=Matcha, Weiss=Azukibohne – doch alle schmecken gleich. Fazit: Joah…muss aber nicht sein.

Soft Cookie mit Traubenfüllung (dabei muss ich erwähnen, dass koreanische Trauben ein einzigartiges Aroma haben und absolut unvergleichlich schmecken – dies wurde hier erfolgreich künstlich nachgeahmt). Fazit: Lecker, trotz nachgebauter Aromen!

Kleine Doppeldecker-Pancakes wieder mit Azukibohnenmus. Fazit: Erstaunlich weich und buttrig.

Soft Cookie mit Apfelfüllung. Fazit: Keks schön weich (Konsistenz fast wie Polvorones), Füllung na ja.

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4. Jetzt geht die Sonne auf. Jjang goo, genauer Wang Jjang goo (Fa. Samyang). Ein Klassiker, den es schon länger gibt als mich. Hat die Form von übergroßen Ringlis, ist knusprig karamellig mit Sprenkeln von Sesam. Man isst Jang goo, indem man die Dinger zunächst über alle 10 Fingerspitzen stülpt und anschließend von den Fingerspitzen knabbert. Bild 700Doch besser wäre es, nur fünf Finger zu benutzen, damit man mit der freien Hand die Tüte besitzergreifend fest umschlingen kann. Es besteht akute Gefahr, in infantile Futterneid-Verhaltensmuster zurückzufallen. Hier ein schemenhaftes Beweisbild von mir, natürlich unvermeidlich im  Häkelringelirgendwas und mit obligatorischer (Asi)Palme auf dem Kopf – todschick (die Zeitlosigkeit dieser Kleinkindfrisur sollte mal gründlich erforscht werden). Fazit: Nachkaufen und die Jjang goo Fingerakrobatik üben!

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5. Noch ein Liebling und Klassiker: Mat Dongsan. Frittierte Gebäckstreifen, süß glasiert und mit Erdnussstückchen drumherum. Macht süchtig und klebrig. Fazit: Nichts für Nussallergiker – alle anderen müssen probieren. Der Nachteil ist, es ist immer zu wenig drin.

(Nr. 6 ohne Foto – wer die Verpackung sehen will bitte klicken)

6. Und last but not least mein Allzeit-Favorit: Saeu ggang! Salzige Shrimp Crackers der Fa. Nong Shim. So gut, dass ein ganzes Volk danach süchtig ist. Sicherlich der meistverkaufte und erfolgreichste (und billigste) koreanische Snack überhaupt. In Korea wird Saeu ggang in vielen Cafés und Bars gratis angeboten. Falls nicht, die Bar wechseln. Ist auch hier in fast 90 Prozent aller Asialäden (auch nichtkoreanische) zu finden. Falls nicht, den Laden wechseln. Ohne Foto, weil ich alles zu schnell verputzt hatte. Stattdessen habe ich da was vorbereitet…

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Shrimp Crackers homemade! Oder Saeu ggang, Klappe die erste. Als Basis diente ein weiterer Favorit: Shortbread. Genau genommen sind meine Kekse also Shrimp Shortbreads.

Erst im Nachhinein habe ich im Asialaden entdeckt, dass man fertiges, gar geräuchertes Garnelenpulver (einzige Zutaten laut Verpackung sind Garnelen und Salz – ich möchte es glauben) kaufen kann. Smoked Shrimp Powder! Dies empfehle ich fürs Nachbacken. Meine Methode war eher eine Resteverwertung. Boli Saeu, die kleinste getrocknete Garnelensorte, wurde grob gesiebt, damit lästiges Kleinzeug (wie Fühler, Köpfe, etc.) runterfällt.

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Die Fleischanteile links können mit einem Sojasaucen-Dressing mariniert als Banchan/Beilage serviert werden. Den Haufen rechts streue ich normalerweise als Geschmacksverstärker in Fischsuppen, scharfe Zucchini oder Doenjang Jjigae. Zu Pulver gemörsert und mit Mehl vermischt nahm ich sie diesmal für mein Saeu ggang-Experiment.

Fazit: Gut. Von der Konsistenz nicht wirklich Saeu ggang, dafür ein schönes saeuggangmäßiges Shrimparoma (in den Schalen steckt der typische Geschmack, reines Garnelenfleisch führte nicht zum Ziel) mit den Vorzügen eines Shortbreads. Wäre ich Weintrinker, würde ich Wein dazu trinken. Wäre ich Biertrinker, würde ich Bier trinken. Was am besten dazu passt, verrät uns vielleicht die allseits geschätzte Sommelière.

Liebes Hundertachtziggrad-Team, es ist zwar keine typische, aber immerhin eine (mediokre) Weihnachtsbäckerei geworden. UND ich habe hiermit zwei eiserne Blogregeln (keine Weihnachtsmärkte, keine Privatfotos) für euch gebrochen, ganz im Sinne von Regeln für den Regelbruch. Habt daher Nachsicht und nehmt euch Garnelenkekse. Übrigens, Fleischkekse folgen bestimmt irgendwann auch (im Kopf braut sich schon was zusammen)…

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Shrimp Shortbreads
adaptiert nach dem Grundrezept von Effilee via Küchentanz

Zutaten:

2 EL Garnelen Puder (gekauft oder selbst gemörsert)

200 g Mehl

100 g Reismehl

200 g Butter, weich

½ TL Meersalz (evtl. nach Geschmack nach oben regulieren – Meersalz vorher extra fein mahlen)

1 TL Puderzucker

1 Prise Pfeffer

Zubereitung:

  1. Butter mit Salz, Zucker, Pfeffer schaumig rühren.
  2. Mehle und Garnelenpuder gut mischen und zur Buttermasse geben. Mit Löffel rühren – nicht kneten!
  3. Die Masse auf ein Backblech mit Backpapier geben, ca. 1 cm dick gleichmäßig drücken und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten goldbraun backen. Noch heiß in gewünschte (nicht zu schmale) Streifen schneiden (ich hatte sie zu klein geschnitten, um die Originalform zu imitieren – Bruch droht) und auskühlen lassen. In einer Blechdose aufbewahren.

Tipps: Meersalz sollte sehr fein gemahlen/gemörsert werden, damit sich der Geschmack besser verteilt. Wer gerne auf Salzkristalle kaut, kann diesen Punkt ignorieren.

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PS: Und für den ultimativen Geschmackstest gab es noch eine Blindverkostung. Schmeckt man sie oder schmeckt man sie nicht? Die Hohlräume…

24 thoughts on “180° Adventskalender Türchen 8 oder: Krümel

  1. So als Fan von schrägen Mischungen gefällt mir das ja ausgesprochen gut..einschließlich dieser wunderbaren Kinderfrisur, die aber so gar nichts mit Essen zu tun hat.
    In freudiger Erwartung deiner Fleischkekse….ich liebe deine Posts!!!

  2. Garnelen-Shortbread?? Das klingt höchstinteressant!
    Mensch, und ich fühlte mich gestern schon soo experimentierfreudig, als ich spontan Matcha in mein Shortbread gestreut habe😉
    (Jaaa, schon WIEDER diese unheimliche zeitliche Überschneidung bei uns, verrückt…)

    Bevor ich mich da ans backen mache, würde ich aber lieber erst das Original probieren. Das mit dem Laden wechseln sagt sich so leicht! Hier sieht es inzwischen Asialaden-mäßig wirklich übel aus. Aber zu Glück steht im Januar ein Düsseldorf-Ausflug an!
    Lieben Gruß!

    P.S. uuund? schmeckt man sie??

    • sybille ist ja der meinung, dass hohlräume überbewertet sind – ich dagegen vertrete die meinung (bilde mir ein) sie hätten ihre daseinsberechtigung…:) meine einbildungskraft ist gewaltig.

      und ja, fast schon gruselig unsere zufälle!🙂

  3. Das nenne ich mal ein originelles Kontrastprogramm zu den klassischen Weihnachtsplätzchen, selbstgebackenes Shrimps Shortbread!
    Und dann muss ich mich outen: Allein schon die bunten Verpackungen der anderen Köstlichkeiten finde ich genial!
    Ja, ja, wahrscheinlich nicht natürlich, nicht biologisch abbaubar, verursachen nach längerem Hinsehen Sehstörungen und von den Weichmachern wollen wir gar nicht reden. Wen kümmerts? Her mit den Wang Jjang goo, Tschaka!

    • du sprichst mir aus der seele! probier sie mal!

      dabei müssen wir alle noch über die tatsache hinweg sehen, dass oftmals koreanische Kekse innen nochmals einzeln (!) verpackt sind. ist aber mit der relativ hohen luftfeuchtigkeit (im sommer) noch gerade zu entschuldigen. trotzdem ein unding.

  4. Die traut man sich doch gar nicht aufzureißen, diese wunderbar verspielten kleinen Tütchen. Beim Asialaden mV trau ich mich nie, so etwas mitzunehmen, weil ich von der Verpackung nie auf den Inhalt schließen kann. Jetzt druck ich Deine Bildchen aus und halte sie der freundlichen Dame unter die Nase.

    • so ungefähr hatte ich es mir vorgestellt, liebe susa. ein klein wenig serviceorientiertheit auch bei mir. mit euch und eurem service kann ich zwar nicht mithalten, aber zumindest der erste kleine schritt.😉

      wollte schon eure post its ausdrucken – habe mich aber nun für ein anderes (unaufwendigeres) menü entschieden…dabei war euer thema ein volltreffer bei mir.

  5. Schön buntes Türchen! Ich werd dann demnächst mit diesem Blogeintrag am Telefon vor den Regalen im Asiamarkt stehen…

    Und ich stelle mir gerade die Gesichter vor, wenn man so ein paar Krabben-Shortbread in einen klassischen Plätzchenteller schmuggelt😀

  6. Ich habe in diesem Jahr so viele Plätzchen gebacken, wie überhaupt noch nie in meinem (schon ziemlich langen) Leben. Allmählich kann ich sie nicht mehr sehen! Da wären deine Shrimp Shortbreads wirklich DIE Alternative, auf die ich noch Lust hätte. Und mit Asia-Shops hat’s in Berlin keine Not.;-)

  7. Hihi, das sind genau die Verpackungen, die niiiiiiieeeeeemal in meinem Einkaufskorb landen würde, wenn nicht…wenn nicht dieses Türchen gewesen wäre.
    Bei meinem nächsten Asialadenbesuch werde ich also mutigst zu den bunten Verpackungen greifen…ich bin gesapnnt :o)

  8. Garnelenshortbread. Jetzt muss ich in den Asia-Laden, wegen der Garnelen.
    Übrigens habe ich schon so manche bunte erpüackung nach Hause geschleppt und dann zu Hause versucht, rauszufinden, was es ist und was man damit tun kann. Man hat ja sonst keine Hobbies🙂

    • Hab was vergessen….bei den Kids hier ist es grade in, Instantnudeln trocken zu knabbern: Tüte auf, Gewürzmischungen drüber, und los. Die brauchen gar kein spezielles Produkt. Ein Selbstversuch hat ergeben, dass das nicht meins ist😉

  9. Also das dauert ja eh schon Stunden, bis ich aus einem Asia-Supermarkt wieder herauskomme. Weil es so viel zu entdecken gibt. Und jetzt muss ich auch noch nach den Süßigkeiten schauen. Die hatte ich bisher eher vernachlässigt.

    Vielleicht sollte ich künftig einen Schlafsack mitnehmen? Oder die Missboulette, mit der macht so ein Ausflug erstens Spaß und zweitens wird das Ganze viel fachkundiger; vielen Dank!

    Aber das Foto kommt mit trotzdem bekannt vor…

  10. In diesem Jahr konnte ich bisher in Ermangelung einer Küche noch gar keine Plätzchen backen und wenn Weihnachten dann rum ist, hat man ja eh keine Lust mehr darauf. Die Shrimp-Crackers werden dann aber meine nachweihnachtlichen Januar-Plätzchen! Was für ein schöner, bunter Beitrag.
    Ach, und zur Palme: Ich könnte noch mit dem von links nach rechts in einem Bogen mit Haarschaum und Spray festbetonierten Pony auftrumpfen. Nicht ganz so cool, aber auch cool.😀

  11. oh christina, diese unglueckselige zeit ohne richtige kueche zwischen diversen umzuegen kenne ich gut und ich fuehle mit dir. hoffe es ist bald vorbei und wuensche dir trotz allem eine gemuetliche vorweihnachtszeit. freue mich auf neue kuechenabenteuer von dir. ach, und deine frisurenvariante klingt sagenhaft konkurrenzfaehig…

  12. Pingback: Hallo Schweinebacke | missboulette

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