Salzkaramell auf Koreanisch

Zugegeben die leicht fischige Variante, also nichts für reine Süßmäuler. Und Vorbehalte ein Tier im Ganzen zu verspeisen sollte man auch nicht haben.

Ist aber alles halb so wild. Quasi kinderleicht – Millionen von koreanischen Kindern wachsen damit auf (viel Calcium und groß und stark und so) und machen täglich vor, dass sich dieses Zeug ziemlich gut essen lässt. Die getrockneten Babyanchovies (Jan Mulchi) sind nur zentimetergroß, fast glasig und Ekelhaftes kann man nicht entdecken. Nur große silbrige Augen. Geht doch noch, oder? Schmecken vornehmlich süß und eben auch salzig, zudem noch leicht knusprig und nussig.

Diese hier verwendeten Exemplare kommen von einer kleinen Insel namens Cheongsando (Blue Mountain) an der Südwestküste. Die Schnecke bzw. der Ökotourismus hat sich als Geldquelle auch dort schon längst rumgesprochen und die Marketingstrategen sind voll dabei ein ausgeklügeltes Konzept dem Besucher vorzuzeigen. Bauern- und Inselidylle pur zum Anfassen (und per Pedes im Sinne der zertifizierungswütigen Schnecke aus Italien) als Entschleunigungspark für gestresste Städter.

Dass die sich dort bewegenden Inselbewohner aber keine schlecht bezahlten Statisten sind, sondern echte Menschen mit Herz, bewies der ältere Fischer, von dem diese kleinen Myulchis stammen. Die hatte er selbst gefangen (ich will es ihm gerne glauben und die Unregelmäßigkeit der Größe spricht nur dafür) und war gerade dabei, mit einer Fliegenklatsche bewaffnet, diese in der Sonne zu trocknen. Großzügig war er auch noch und gab eine extra Portion als Snack mit auf den Weg.

Übrigens, das mit den frisch gefischten Babyanchovies war ein echter Glücksfall. Die Insel ist eher bekannt für Abalone und besten Knoblauch (was man schon riecht, wenn man mit der Fähre ankommt) – ein Tipp, falls ihr mal in der Nähe sein solltet.

in Honig-Sojasauce geröstete Babyanchovies_Myulchi Bokkeum

Zutaten:

100 g (ca. 1 kleine Schale) getrocknete kleine Myulchi/Babyanchovies

etwas Nüsse nach Wahl (Mandelstifte, Erdnüsse, Pinien, Walnüsse etc.)

etwas fertig geröstete Sesamkörner

Sauce:

1 Knoblauchzehe, fein zerrieben

1 EL Sojasauce

1 EL neutrales Öl

2 EL Honig (nach Geschmack)

1-2 EL Wasser

Salz nach Geschmack und Salzgehalt des Grundproduktes

Zubereitung:

    1. Nüsse nach Wahl (nicht zuviel) in einer breiten Pfanne ohne Fett hell rösten bis sie duften, beiseite stellen.
    2. Anchovies ohne Fett sehr kurz (1-2 min) trocken rösten (so verlieren sie den leicht fischigen Geruch), dabei gleichmäßig rühren. Hitze reduzieren. Beiseite stellen.
    3. In die Pfanne alle Saucen-Zutaten geben und kurz aufkochen lassen. Sofort Anchovies und Nüsse dazugeben und alles miteinander gut vermengen bis alles zusammen leicht karamellisiert und glänzt. Stetig rühren.
    4. Von der Hitze nehmen, etwas geröstete Sesamkörner gleichmäßig darüber streuen, nochmals rühren und in der Pfanne auskühlen lassen. Komplett ausgekühlt in luftdichten Behälter umfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Hält min. 2-3 Wochen oder länger.

Tipps: Immer vor dem Würzen (und Einkaufen) die Myulchis pur probieren. Die Produkte schmecken stark unterschiedlich nach Salz. Je milder desto besser. Dementsprechend kann auf Salz zusätzlich verzichtet werden.

Normalerweise wird in Korea eine Mischung aus Zucker und Mul Yeot (Corn Syrup/Glucose) verwendet. Ich bevorzuge Honig.

9 thoughts on “Salzkaramell auf Koreanisch

    • hätte mich auch sonst gewundert😉 alles halb so wild. ich präsentiere euch hier sowieso nur die zensierte authentische Küche – weil ich die bizarren sachen auch nicht essen kann. oder willst du mal wandernde Krakenbeine essen, die man zwischendurch noch vom Gaumen losploppen muss?

  1. An und für sich finde ich auch, dass das extrem lecker aussieht und ich würde es sicher mögen, Anchovis und die Würzung… wenn da nur nicht die Augen wären🙂
    Probieren würd ich es wahrscheinlich trotzdem mal, es gibt schlimmeres!

    • wie gesagt, schmecken süßlich. und die augen…augen zu und durch😉 eine Freundin die eigentlich nichts tierisches essen will, mag die zum beispiel sehr.
      habe ich Dir hoffnungen gemacht?

  2. Pingback: Confiture Caramel au Beurre Salé | missboulette

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