Meine Madeleine

So ungefähr sah phasenweise mein Frühstück aus. Nur zu einer ganz bestimmten Zeit meines Lebens. Vorher nie und nachher nie – immer gekauft, nie selbstgemacht. Wie auch.

Als ich mich mal, mit dem Wagemut einer Unwissenden Idealistin, kopfüber in die streng hierarchische Strukturen des koreanischen Arbeitsalltags (Konfuzius lässt grüßen) stürzte, kam ich ja nie in die Nähe einer Feuerstelle. Von morgens 8 Uhr bis 12 Uhr nachts reguläre Arbeitszeit – kein Problem. Ausnahmsweise um 22 Uhr schon (!) frei? Wie unvorstellbar großzügig – schnell Freunde für ein frühes (!) Treffen mobilisieren. Ab und an noch spontaner eine anschließende Marktrecherche auf den Nachtmärkten bis 4 Uhr früh – na klar! Die Tatsache, dass unsere Zielgruppe sich niemals auf einem Nachtmarkt getummelt hätte – egal. Die Ergebnisse direkt am nächsten Morgen (also 4 Stunden später) präsentieren – sowieso. Nicht zu vergessen noch obligatorische Trinkgelage samt Chefin und Oberchef. Was will man mehr?

Ich muss aber gestehen, genau genommen habe ich diese koreanische Interpretation eines French Toast selten selbst an den Straßenständen gekauft. Sie wurden mir immer mitgebracht von einer fürsorglichen Kollegin, die ihre aufkeimenden Muttergefühle (sie war gerade mit ihrem ersten Kind schwanger) erfolgreich auf mich projizierte (oder sie brauchte einfach eine adäquate Mitesserin für ihre Fressattacken – sag’s ja, schwanger). Die andere, sehr menschliche Seite jener Leistungsgesellschaft.

Ihr und meinen anderen wunderbaren Kollegen und Kolleginnen, die mich alle so warm aufgenommen hatten, habe ich eine insgesamt tolle und lehrreiche Zeit zu verdanken, an die ich mich gerne erinnere. Und auch wenn ich es ungern zugebe, eine effizientere und produktivere Struktur habe ich danach nie wieder kennen lernen dürfen. Alles natürlich auf Kosten des Privatlebens.

Arabeske im deutschen Kohl

Aber zurück zum Frühstück (oder Snack zwischendurch): Man nehme Ei, Toast und Gemüseschnibbel (Kohl, Zwiebel, Möhre) brate alles in ausreichend Butter (ja, auch das schneeweiße Schwamm-Brot, bloß nicht trocken toasten, sonst ist der Spaß weg) und heraus kommt etwas ganz und gar schlicht Leckeres, das für mich wie gesagt wie Prousts Madeleine funktioniert.

Daher musste dieses Schwammbrot einfach sein.

Gyeran Toast_Omelett Toast

Zutaten für 2 Sandwiches:

4 Scheiben Sandwichbrot/Toast

3 Eier

Zwiebel

Möhre

Weißkohl (ich nahm hier zur Resteverwertung ausnahmsweise Rotkohl)

Salz, brauner Zucker

Butter zum Braten

Zubereitung:

  1. Gemüse klein hacken, mit etwas Butter in einer beschichteten Pfanne leicht andünsten, Eier grob verquirlen, leicht salzen und darüber gießen.
  2. 2 Omeletts mithilfe eines Spatels sofort in ungefähre Größe der Brotscheiben formen. Auf beiden Seiten hell ausbacken. Beiseite stellen.
  3. Für eine gleichmäßige Butterverteilung jede Toastscheibe von allen Seiten vorab mit weicher Butter schmieren und in die nicht zu heiße Pfanne legen. Goldbraun rösten. Omeletts wieder leicht erhitzen und zwischen die Brotscheiben legen. Leicht mit Zucker besprenkeln und servieren. Wer unbedingt will nimmt Ketchup dazu.

12 thoughts on “Meine Madeleine

  1. Ah, die koreanische Variante meines geliebten Frittata-Sandwiches!
    Arbeitszeit von Früh bis Mitternacht gibt es bei uns in manchen (meist kreativen) Berufen auch. Ich habe ein Jahrzehnt so verbracht, das war schon intensiv und selbstausbeuterisch. Hat aber auch viel Spass gemacht!

    • Wem sagts Du’s, das ist die Krux mit der vielgepriesenen Kreativität…;)

      Frittata-Sandwich ist es auf gewisse Weise, röstest Du das Brot auch in der Pfanne? Und hoffe Dein Jeju-Tee hat Dich nicht enttäuscht. Habe auch welchen da, aber weiß ja nicht welchen Hersteller Du genommen hast.

  2. Das ist wirklich verrückt mit den Arbeitszeiten. Ich habe gehört, dass es noch extremere Städte geben soll, zB Hong Kong, aber kann mir auch nicht vorstellen, wo da noch ein Spielraum sein soll (zwischen 3 und 7 Uhr vielleicht? :)). Nostalgisches Essen finde ich wunderbar und für einen möglichst authentischen Geschmack ist mir jede Zutat wert, die sonst gemieden wird – für meinen Sandwich aus den 90ern braucht es koreanische Fertigmayo🙂

    • extremer geht so: gleich alle zum durchmachen verdonnern😉 haben wir alle sicherlich auch schon hinter uns.
      die wichtigere frage ist ja, ob nach der schwerstarbeit (wozu die meisten bereit sind), erholungsphasen eingeräumt werden. auf lange sicht über jahre hinweg hält das ja keiner aus, zumal mit den paar mickrigen tagen als jahresurlaub…

      eine japanische freundin erzählte mir, seit es bei yohji yamamoto einen karoshi-fall gegeben hat, gäbe es dort immer gesunde bentos…;) nun, mit essen wurden wir auch immer gut versorgt, jeden abend doenjang jjigae für mich😉

      ach, und flüsterst Du uns, wie dein sandwich ging? die neunziger sind ja wieder schwer im kommen…wenn ich mich recht entsinne: gekochtes und gematschtes ei in mayo mit gurkenscheiben und ham. zumindest mit dieser variante wurden wir in den sogenannten koreanischen Feriencamps gequält.😉

    • Stimmt, wie konnte ich nur „Bam Saem“ vergessen! Was wirklich Quatsch ist, denn macht man die Nacht durch, ist der (nächste) Tag ja im Eimer🙂 Dann ist dir also diese Grenzerfahrung nicht erspart geblieben aber zumindest nicht anständiges Essen🙂

      Genau genommen kenne ich sogar zwei Sandwich-Varianten. Für beide braucht es Mayo zur Bindung der Zutaten. Einmal gefüllt mit Kartoffelsalat, doppelt-stöckig und einmal gefüllt mit Gurke, Erdbeermarmelade und Ei, vierstöckig. Letzteres stand im Hauswirtschaftsbuch und wir haben es in der Schule gemacht. Ich war entsetzt, weil ich meinte, dass sich so etwas einfach nicht gehört und alle anderen solche Brotbanausen sind aber wie so häufig hat mich das Ergebnis positiv überrascht.

      Du hast mich wieder einmal inspiriert und ein Retro-Sandwich kommt auf die To-do-Liste!

  3. Neben den vielen Arbeitsstunden, gehört auch bei mir die ein bis zweimal im Monat durchgeführte Marktrecherche am Garak Fish Market in Seoul zu den aufregenden wenn auch gleich anstrengenden Erinnerungen. Schön war’s doch! – Da ich kein großer Freund von Weißbrot beziehungsweise auch Mc. D…… Brot bin und doch gerne Eiergerichte genieße bevorzuge ich 계란말이Gyeran Mari ( Eierrollen oder gerolltes Ei ).

    • ist ja interessant, da war/bin ich auch oft, aber nur privater natur, nicht beruflich. dann kennst du sicher auch den noryangjin fischmarkt?

      ach, gyeran mali habe ich übrigens auch verbloggt.

  4. Noryangjin? Na klar! Nach meiner Hochzeit (Standesamt) in der City Hall waren ich sogar auch dort. War zwar schon später Vormittag und nicht mehr so viel los in den kleinen Restaurants im ersten Stock, aber dennoch für mich sehr, sehr gut und vor allen eindrucksvoll. Mein Lieblinsgetränk war damals (wie auch heute noch) Chungha (Reiswein) Der passt viel besser zu Fisch ist vor allem nicht so stark wie Soju! Ach wie gerne währe ich wieder einmal dort…..

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