CrossCulture Kekse_Shortbread

Als überzeugte Puristin stehe ich natürlich auf Shortbread – Monster-Mountain-Triple-Choco-Chunky-Cookies haben es bei mir eher schwer. Ein Exemplar (alles über eins hinaus) zuviel und schon drohen Kopfschmerzen. Von Shortbreads könnte ich aber eine ganze Armee essen. Nur muss ich gestehen, bis jetzt habe ich sie mir immer gekauft (die bekannte schottisch rote Packung).

Aber wofür hat man Blogbekanntschaften? Erst über die fabelhafte Idee eines allseits beliebten Kochquartetts (die expandieren ja stetig) habe ich es endlich rüber geschafft zu Eline. Der Besuch bei ihr war zwar schon lange geplant (wir reden hier schließlich von DEM Küchentanz), aber manchmal braucht man einen Tritt damit es schneller geht. Und dafür bin ich nun dankbar. Was einem alles entgeht, wenn man Eline nicht besucht!

Wie z.B. die besagten Shortbreads. Ein typischer 3-2-1 Teig (Mehl-Butter-Zucker) mit sehr kräftiger Prise Salz für mich bitte. Ein Drittel des Mehls wird bei Shortbread meist mit Reismehl (notfalls Maisstärke) ersetzt für den extramürben Kick.

Was mich schon immer gewundert hatte, wieso ausgerechnet die Schotten Reismehl verwenden. Aber wisst ihr was, auch Stäbchen, insbesondere koreanische Metallstäbchen sind unentbehrlich bei der Shortbread-Produktion. Sie hinterlassen genau das charakteristische Lochmuster, das ich kenne und liebe. Ich vermute jetzt einfach mal, dass die Schotten nicht nur Reismehl, sondern auch Metallstäbchen heimlich aus Asien hinter ihren grünen Hügeln gebunkert haben. Echte Cross-Culture Kekse, wer hätte das gedacht!

Ausdrücklich keine Weihnachtskekse so kurz vor knapp – wie alles Gute im Leben sind diese hier zeitlos.

Aber jetzt, jetzt kommt das klitzekleine Desaster – natürlich können meine optisch nicht mit denen von Eline mithalten. Weil ich die ehemals Schönlinge direkt in den Ofen geschoben habe, anstatt sie für eine stabilere Formgebung vorher nochmals gut durchzukühlen. Die schönen Stäbchenlöcher waren nach dem Backen quasi verflogen. Irgendjemand im Kopf schrie sogar rechtzeitig HALT, aber ich habe die Stimme ignoriert. Typischer Fall von Ich-weiss-dass-es-falsch-ist-aber-es-wird-schon-hoffentlich-irgendwie. Nach IRGENDWIE sehen sie nun aus. Etwas dunkel sind sie mir auch geraten, aber das war absolut gewollt. Ich stehe halt auf dunkle Kekse. Und ich stehe manchmal auf verwackelte Fotos…alles völlig unterschätzte Stilmittel.

Wie man alles richtig macht (den Teig nicht kneten – ich habe leidenschaftlich geknetet, den Teig nach dem Backen heiß schneiden – ich habe sie nur angeschnitten und dann kalt gebrochen) seht ihr hier. Das Originalrezept ist übrigens vom Effilee-Chef persönlich.

So endet mein letzter essbarer Beitrag in diesem Jahr pädagogisch wertvoll. Man lerne: Nicht nur die Zutatenliste auswendig lernen, sondern auch der Zubereitungsmethode etwas Beachtung schenken.

[Edit: Mittlerweile sehen meine Shortbreads besser aus.]

Bild 768

16 thoughts on “CrossCulture Kekse_Shortbread

  1. Das Shortbread ist mir auch schon aufgefallen. Dieses ich-weiß-dass-es-falsch….kenn‘ ich gut. Irgendwie sehn die Teilchen schon schön aus und die Löcher sind sowieso überbewertet. Oder schon mal davon gehört, dass Hohlräume gut schmecken?

  2. solange eine „ich-weiß…“ situation über eine einstweilige bestürzheit in eine erleichterte „es-schmeckt-aber-genauso-gut-als-ob…“ situation übergeht, wird man auch künftig regeln brechen… oder müsste ein ästhet sagen, dass handwerklich unperfektes nie so gut schmecken kann wie perfektes? obwohl, ist schönheit nicht auch beim essen subjektiv (beispiel kürbissuppe)? fragen, die garantiert nicht in diesem jahr zu beantworten sind😉

  3. Bisher habe ich immer eine Gabel für die Löcher verwendet. Aber Stäbchen sind eindeutig besser geeignet, um so richtig schöne, grosse Löcher zu erzeugen. Das „Originalrezept“ habe ich zwar aus der Effilee, aber ich habe es auch schon bei Delia Smith gefunden und mir von einer Schottin sagen lassen, dass Shortbread-Rezepte mit Reismehl sehr verbreitet ist. Egal: es ist gut. Und kneten soll man wirklich nicht!

  4. Ach wie schön! Wir haben Dich zum Küchentanz gebracht. Bei der Überschrift hab ich direkt an das Eline-Rezept gedacht. Ich hab’s übrigens auch schon nachgebacken. Selbstverständlich mit akkuraten 90° Winkeln und so🙂

    • Habe so gelacht, Sybille! Über überschätzte Löcher und Hohlräume sollte man eigentlich ausführlichst diskutieren…
      Su, der Spruch ist vll besser bekannt unter Scheiß drauf!😉 tja, und Du bietest noch mehr Diskussionsstoff – das neue Jahr ist noch lang.
      Diese furchtbare P. drängt sich immer mal nach vorne, aber ich halte sie noch in Schach, Herr Utecht.
      Danke Tina! Geschmeckt haben sie natürlich wunderbar – nur die Optik…
      Metallstäbchen sind wirklich ideale Formgeber, Eline. Ich kenne auch nur Shortbread Rezepte mit Reismehl. Einige ersetzen sogar die Hälfte der Mehlmenge. Noch nicht ausprobiert.
      Nichts anderes habe ich von Dir erwartet, Toni. Aber hoffentlich mit Geodreieck millimetergenau…

  5. Pingback: Retrosüß | missboulette

  6. Shortbread ist wirklich superlecker – dieser Buttergeschmack ist wirklich umwerfend und braucht in der Tat keinerlei Schokolade. Ich backe sie lieber nicht selber, da ich ansonsten der Völlerei anheim fiele, indem ich ein ganzes Backblech voll davon auf einmal verschlänge.

    • dieser umwerfende buttergeschmack lässt sich nochmals steigern, wenn man die butter richtig lange dick und hell (fast weiss) schaumig rührt. 10 minuten. nun, bei neuneinhalb minuten übernehme ich keine garantie. aber wie war das? du lässt ja sowieso backen. schön, wenn man solche küchengeister um sich hat.🙂

    • aber irgendwann musst du diese 10 minuten technik ausprobieren – völlerei hin oder her. der duft, sagenhaft. geht vll als verkostungsexperiment durch? manchmal muss man erst alles aufessen, um zu wissen, dass es gut/genug war.

  7. Pingback: Domino-Shortbread aus der Pfanne | www.kochen-und-backen-im-wohnmobil.de

  8. Pingback: Ideenlochstopfsüßes | missboulette

  9. Pingback: Digestive Biscuits nach Gary Rhodes | missboulette

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