Formen einer Quitte

Quitten werden nicht als Gelée geboren…durfte ich neulich lesen.

Veronese_Hochzeit zu Kana_Louvre

Trotzdem bleibt mein festgesetztes Ziel noch in diesem Jahr Cotignacs (d’Orléans) nachzukochen – letztendlich auch nur eine erweiterte Geléeform. Bereits in der Renaissance ziemlich gehypt, fand diese Süßigkeit in Veroneses Hochzeit zu Kana ihre Verewigung (am linken Tischflügel vor den gierig dreinblickenden Damen arrangiert, wo sonst – Veronese, dieser Chauvi). Etwas später noch besser zu erkennen auf Georg Flegels Großes Schauessen (dafür muss man auch nicht bis Paris wandern). Irgendwo sollte ich ein französisches Rezept haben, aber wenn ihr welches kennt, immer her damit!

Georg Flegel_Großes Schauessen_Alte Pinakothek

Georg Flegel_Großes Schauessen_Alte Pinakothek

Mein blogeigener Musikprof (den könnt ihr übrigens auch haben) hat die Quitte schon längst erlöst und sie in geschmorter Form leicht orientalisch gepaart. Sie wird ihm vermutlich dankbar sein. Was sie von mir hält weiß ich nicht, bei mir wird sie stets in dünnsten Scheiben als Früchtetee geboren – immerhin darf sie in Honig baden. Fluch oder Segen? Wahrscheinlich fordert sie Veränderung, aber noch will ich nicht.

Ganz einfach und ein ideales Teegetränk zur Erkältungssaison – auf Koreanisch Mogwa Cha:

Roh, sauber geschrubbt, geviertelt, entkernt, in sehr dünne Scheiben aufgeschnitten und mit Honig 1:1 (esslöffelweise abwechselnd) in ein hohes Glas schichten. Mindestens 15 Tage im Kühlschrank ziehen lassen. 2-3 Teelöffel (Fruchtscheiben und Honigsirup) entnehmen und mit heißem Wasser aufgießen. Fertig! Scheiben kauen (verlieren nach dem Einlegen den leicht pelzigen Geschmack).

(Edit: Nach einigen Tagen drücken sich die Früchte etwas nach oben. Immer darauf achten, dass die Früchte komplett mit Honig bedeckt sind. Entweder etwas Sirup entnehmen und Frucht+Honig oder nur Honig nachfüllen. Sonst droht Schimmel. Und unbedingt im Kühlschrank aufbewahren s.o.)

Beweisfotos gibt es diesmal nicht, solltet ihr aber trotzdem nachmachen. Wer die Quitte lieber in der Brotform (die deutsche Cotignac-Version) haben möchte, für den hat das wunderbar textsichere Fräulein etwas.

P.S. Die oberste Schicht oxidiert und verfärbt sich dunkel, falls nicht ausreichend mit Flüssigkeit/Honig bedeckt. Nur optisch unschön, nicht gefährlich – trotzdem immer von unten entnehmen.

40 thoughts on “Formen einer Quitte

  1. Das fing schon lustig an mit *Quitten werden nicht als Gelee geboren…* Ein echter Frevel-Satz :)!
    Auch sonst schön zu gucken und zu lesen! Das Quittenbrot finde ich übrigens auch zu süß und auch sonst ganz grauenhaft, denn es bleibt furchtbar zwischen den Zähnen hängen. VIEL lieber nehme ich deinen Tee!

  2. Schöner Satz!
    Mit Quitten fallen mir tausend Sachen ein.
    Gelee nur als Restverwertung von Schalen und Butzen.
    Der „Tee“ bekam ich neulich von einer türkischen Freundin als
    „Kompott“ geschenkt. Mit den Worten „megasüß und saulecker“

  3. Jein, Kerne, Kerngehäuse und die Enden. Korrekt handelt es sich natürlich um den Apfelbutzen. Ich habe ein wenig übertragen;)
    Diesen Mogwa Cha finde ich sehr interessant. Ich konnte das „Kompott“ nämlich nicht essen(Zuckerflash), als Tee aber eine feine Sache.

  4. mist. habe meine letzte quitte wie ein weltmeister weg verarbeitet (eine unbekannte im kühlschrank macht mich nervös) und dachte dabei schon, dass da noch was anderes war, das unbedingt gemacht werden wollte. durch valentinas kochbuch ist es mir wieder eingefallen🙂
    dann hoffe ich, dass sich irgendwo noch eine quitte auftreiben lässt und ich diesen winter auch so ein teeglas besitze!

  5. Ui, meine Schichtung hat leider nicht geklappt. Heute habe ich Schimmel entdeckt. Hmpf. Knapp vor dem Ziel. Irgendwie haben sich die Quitten-Scheiben nach oben gedrückt, dass sie aus dem Honig „rausgeguckten“ und das hat der Schimmel zugeschlagen. Senkrechte Schichtung ist also keine gute Idee. Du legst sie, oder?

    • Gut, dass Ihr euch meldet. Ja, ich schichte immer quer und leicht versetzt, dass eine gerade Oberfläche entsteht. Zusätzlich benutze ich immer ein hohes, schmales Glas (Brechbohnenglas), das sich zur Öffnung hin verjüngt. Liegt es vielleicht daran? Vermutlich. Bei mir schweben sie nach einer Weile auch ca. 1-2 cm, nur wurden sie vermutlich durch die „Verjüngung“ gehalten. Dabei sah Deine senkrechte Variante zu schön aus. Der Teufel steckt im Detail…

      Ab und an, wenn die Scheiben sich stark hochgedrückt haben, habe ich einfach etwas Honigsirup entnommen/anderweitig verwendet und nochmals mit neuen hauchdünnen Fruchtscheiben+Honig aufgefüllt, damit das Glas wieder proppevoll ist.

      Hoffe, dies kann helfen. Werde heute oder morgen doch noch ein Bild von meinem Zitronentee (nach demselben Prinzip) hochladen um zu veranschaulichen. Mein Quittentee ist leider schon längst aufgetrunken.

  6. Huhu, wegen der Optik habe ich die Quitten auch so angesetzt wie Katharina und bei mir ist alles paletti! Habe das Glas aber immer wieder geschüttelt bzw. umgedreht hingestellt, damit keine Stelle länger oxidiert. Man hätte wahrscheinlich genauso gut Honig nachgießen können.

    Nun wo ich das hier lese, werd ich es jedenfalls im Kühlschrank aufbewahren.

    • Gut zu wissen, ansonsten hätte ich mich bei Dir auch gemeldet, weil Deine Orange ziemlich weit oben hockte.😉
      Ja, ubedingt im Kühlschrank aufbewahren vom ersten Tag…

  7. hallo katharina,

    falls noch interesse besteht: habe bei bio-company am hackeschen markt noch quitten bekommen und da waren noch einige da.
    könnte du mir dann verraten, wo man den safti bekommt? am kollwitzmarkt? habe nämlich auf deinem flickr gestöbert🙂 lg

    übrigens schmecken mir die tees wunderbar.

    • Hallo Su, super Tipp. Die Quitte sollte die Woche einzurichten sein.
      Ja, Safti ist sehr lustig. Leider hat er sich bei uns wohl unter den Bio-Müll geschmugelt und seitdem ist er verschollen. Den habe ich auf dem Kollwitzmarkt entdeckt. Der Safti-Händler war noch 1-2 Mal da, aber seitdem habe ich nicht mehr gesehen.😦

  8. oops, war heute wieder im laden und da war nun nichts mehr:/ dann tut’s hoffentlich auch orange-zitrone🙂

    gut. dachte mir schon, dass ich das teil irgendwo anders gesehen hatte u vll ist der verkäufer ja bei besserem wetter wieder da! lg

  9. Pingback: Gruß aus der Küche: Quitten-Tee – Mogwa Cha - Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein

  10. Pingback: Na nun aber flott… | Mehlstaub und Ofenduft

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