Formen einer Quitte

Quitten werden nicht als Gelée geboren…durfte ich neulich lesen.

Veronese_Hochzeit zu Kana_Louvre

Trotzdem bleibt mein festgesetztes Ziel noch in diesem Jahr Cotignacs (d’Orléans) nachzukochen – letztendlich auch nur eine erweiterte Geléeform. Bereits in der Renaissance ziemlich gehypt, fand diese Süßigkeit in Veroneses Hochzeit zu Kana ihre Verewigung (am linken Tischflügel vor den gierig dreinblickenden Damen arrangiert, wo sonst – Veronese, dieser Chauvi). Etwas später noch besser zu erkennen auf Georg Flegels Großes Schauessen (dafür muss man auch nicht bis Paris wandern). Irgendwo sollte ich ein französisches Rezept haben, aber wenn ihr welches kennt, immer her damit!

Georg Flegel_Großes Schauessen_Alte Pinakothek

Georg Flegel_Großes Schauessen_Alte Pinakothek

Mein blogeigener Musikprof (den könnt ihr übrigens auch haben) hat die Quitte schon längst erlöst und sie in geschmorter Form leicht orientalisch gepaart. Sie wird ihm vermutlich dankbar sein. Was sie von mir hält weiß ich nicht, bei mir wird sie stets in dünnsten Scheiben als Früchtetee geboren – immerhin darf sie in Honig baden. Fluch oder Segen? Wahrscheinlich fordert sie Veränderung, aber noch will ich nicht.

Ganz einfach und ein ideales Teegetränk zur Erkältungssaison – auf Koreanisch Mogwa Cha:

Roh, sauber geschrubbt, geviertelt, entkernt, in sehr dünne Scheiben aufgeschnitten und mit Honig 1:1 (esslöffelweise abwechselnd) in ein hohes Glas schichten. Mindestens 15 Tage im Kühlschrank ziehen lassen. 2-3 Teelöffel (Fruchtscheiben und Honigsirup) entnehmen und mit heißem Wasser aufgießen. Fertig! Scheiben kauen (verlieren nach dem Einlegen den leicht pelzigen Geschmack).

(Edit: Nach einigen Tagen drücken sich die Früchte etwas nach oben. Immer darauf achten, dass die Früchte komplett mit Honig bedeckt sind. Entweder etwas Sirup entnehmen und Frucht+Honig oder nur Honig nachfüllen. Sonst droht Schimmel. Und unbedingt im Kühlschrank aufbewahren s.o.)

Beweisfotos gibt es diesmal nicht, solltet ihr aber trotzdem nachmachen. Wer die Quitte lieber in der Brotform (die deutsche Cotignac-Version) haben möchte, für den hat das wunderbar textsichere Fräulein etwas.

P.S. Die oberste Schicht oxidiert und verfärbt sich dunkel, falls nicht ausreichend mit Flüssigkeit/Honig bedeckt. Nur optisch unschön, nicht gefährlich – trotzdem immer von unten entnehmen.

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WBD_La vraie Brioche du Boulanger für Zorra

Wenn Zorra zum World Bread Day 2011 ruft, was bleibt mir anderes übrig als ihrem Ruf zu folgen? Dabei bin ich eine überaus ungeübte Brotback-Dilettantin, ergreife sofort die Flucht, wenn von Vorteig oder Sauerteig die Rede ist, und esse nicht wirklich gerne Brot (reine Brotmahlzeiten stimmen mich sogar depressiv). Bis auf eine kleine Ausnahme, wie einige von euch bereits wissen – süßes Brot. Genauer: Brioche.

Also backe ich für Zorra das, was ich am besten kann und mit einigen Backvorgängen zumindest versucht habe zu perfektionieren.

Nach meinem ersten Zwischenbericht über perfekte Brioches habe ich noch die Five-Minutes-Brioche nach Zoë François/Jeff Hertzberg ausprobiert, die mich ziemlich enttäuschte. Der Name ist natürlich nicht Programm und wer glaubt in fünf Minuten eine Brioche zaubern zu können muss bestraft werden – oder zum Fertigprodukt greifen. Der Teig ging wahnsinnig auf, fast zu sehr, und das Ergebnis war eine zwar sehr lockere aber auch ziemlich feucht „wachsige“ Krume (jetzt weiß ich endlich was Zorra damit meint) mit wenig Geschmack. Was ich beim No-Knead-Bread eigentlich mag, stört mich bei einer Brioche ungemein.

Nun kommen wir hier zu La vraie Brioche du Boulanger, die ich auf Le Pétrin gefunden habe. Allein der Name weckt viele Hoffnungen und ich muss sagen, zu Recht. Wenn ich nicht vorher die nahezu perfekte (vielleicht doch die perfekte) Brioche gefunden hätte, wäre sie sogar meine Favoritin.
Sehr kritisch betrachtet war der Geschmack dennoch nicht so perfekt austariert wie ich die Rezeptur von Hamelman bzw. Le Cordon bleu (sind fast identisch) in Erinnerung hatte. Nun, vielleicht spielt mir mein Geschmacksgedächntis nur einen Streich und ein direkter Vergleichstest wäre abschließend noch angebracht.

Aber nicht allein die Rezeptur zählt, meine selbst erteilte Brioche-Mission hat mich zu weiteren Randnotizen bewegt, die neben der Rezeptur auf dem Weg zu einer guten Brioche unumgänglich sind. Auch wenn man dasselbe Rezept immer und immer wieder nutzt, können unterschiedliche Ergebnisse entstehen. Es mag Einbildung sein, aber das beste Resultat habe ich wie folgt erzielt.

1. Zeit – ohne geht es gar nicht. Und immer länger als in den Rezepten angegeben. 6 Stunden zunächst bei Zimmertemperatur. Dann mindestens 4 – 6 Stunden im Kühlschrank, danach max. 9 Stunden bei kühler Raumtemperatur. Warum erzähle ich weiter unten.
2. Gerät – ohne geht es leider auch nicht. Langes maschinelles Kneten eines zunächst sehr klebrigen Teiges ist erforderlich.
3. Falten – nicht kneten zwischendurch. Nach der französischen Methode (warum der Name weiß ich nicht, stand irgendwo geschrieben), jeweils ein Drittel rechts und links zur Mitte einschlagen, um 90 Grad drehen, parallel zur Falte leicht ziehen und nochmals um je ein Drittel einschlagen. Mit der Falte nach unten legen. Diese Prozedur alle 2 Stunden wiederholen, d.h. 3 Durchgänge bei insgesamt 6 h Zimmertemperatur (s.o.).
4. Formen – beeinflusst den Geschmack. Anstatt der bauchigen Brioche Parisienne bevorzuge ich mittlerweile Brioche moulée, weil ich das weiche, fluffige, langfaserige Innenleben spannender finde als die Kruste. Ich teile den Teig in 12 gleich große Teile, forme 12 kleine golfballgroße Kugeln und setze sie in eine Kastenform. Dabei ist es gleich ob leicht versetzt für eine Zopfoptik oder je 2 parallel – alles direkt nach 6 h Zimmertemperatur. Danach wandert die Kastenform für mindestens 4-6 Stunden in den Kühlschrank.
5. Backpapier – statt buttern. An meinen nahezu perfekten Brioches hatte mich die etwas knusprige Bodenkruste gestört, ihr erinnert euch vielleicht? Vom Muffinblech bin ich wie gesagt schon längst weggekommen. Mit Backpapier kann ich genau diese allzu knusprig, krümelige Konsistenz vermeiden, und es ist bei einer Kastenform sowieso die sicherste Methode, die Brioche unfallfrei herauszuholen.
6. Wetter – bei leicht schwülheißem Wetter fühlt sich der Teig irgendwie am wohlsten und blubbert ohne Ende. Kann auch künstlich durch ein Vollbad nebenher erzeugt werden. Tür zu und gemeinsam im Bad einschließen.
7. Behälter – unbedingt mit Deckel. Habe Metallschüssel, Holzschüssel und Plastikbehälter ausprobiert. Plastik mit passendem Deckel ist der Hit. Hier fängt der Teig bereits ohne Vollbad gut an zu schwitzen. Die Resthitze vom Kneten staut sich und wird gleich zum Aufgehen genutzt. Und mit Deckel ist er nicht so anfällig für einen Luftzug.
8. Zeitplanung – ich möchte meine ofenfrische Brioche meist zum Sonntagsfrühstück/Brunch, kurz nach dem Aufstehen, ohne viel Tamtam und ohne 2-4 Stunden Warterei, bis der Teig neu geformt und abermals Volumen erreicht hat. Daher zurück zu den Zeitangaben unter Punkt 1. Nach den 6 Stunden des Aufgehens hat der Teig schon sehr viel geatmet und hat die Hauptarbeit schon hinter sich. Jetzt müsste der Teig nur noch in seiner finalen Form mindestens das Doppelte seines Volumens erreichen. Besser mehr. Da der Teig aber erst zum nächsten Frühstück fertig werden soll, muss sein Tempo durch eine ordentliche Kühlung gedrosselt werden. Falsch wäre es aber, ihn die ganze Nacht über im Kalten (Kühlschrank) zu lassen, da er dann nicht die optimale Höhe gewinnt für ein sofortiges Backen. So müssten zusätzlich einige Stunden Warterei vor dem Backen in Kauf genommen werden.

Daher mein Timing nochmal: 6 Stunden bei schwülwarmer Zimmertemperatur, 4-6 Stunden Kühlschranktemperatur (gewinnt ungefähr doppelte Höhe), anschließend mind. 6 bis max. 10 Stunden bei kühler Raumtemperatur (ca. 18 Grad). Die Form kann direkt nach dem Aufstehen in den nicht vorgeheizten Ofen wandern. Der Teig hat schon alles gegeben und wird im Ofen nicht mehr viel aufgehen, so entstehen auch nicht die, wie ich finde, unschönen hellen „Reißer“ (Back-Fachjargon dazu?) und eine gleichmäßig braune Kruste färbt sich. Bei meinen Fotos habe ich den Teig über Nacht im Kühlschrank gelassen und die hellen „Reißer“ sind leider sehr gut sichtbar.
9. Punkt 8 praktisch umgesetzt +/- 1 h würde bedeuten: Einen Samstag ohne Auswärtstermine aussuchen, um 12 Uhr den Teig ansetzen, dann das erste Mal falten um ca. 12.30 Uhr, um 14.30 Uhr Falten Nr.2, um 16.30 Uhr Falten Nr.3, um 18 Uhr den Teig formen (hier evtl. Schokofüllung einarbeiten) und Form mit Klarsichtfolie abgedeckt in Kühlschrank. Frei bis zur Nacht. Um 24 Uhr oder vor dem Schlafengehen die Form wieder raus an den kühlsten Ort stellen. Schlafen. Am nächsten Morgen aufstehen, Ofen an, Form ruhig in den noch kalten Ofen stellen, halbe Stunde später Ziel erreicht. Mit der Hand aufreißen. Noch warm aufessen mit Butter und Marmelade…und noch sonntagsverschlafen genießen.

Wie ihr seht, alles pipi-einfach, nur die ersten 6 Stunden seid ihr etwas an den Teig gebunden, aber parallel kann man trotzdem alles machen – bewirten, quatschen, kochen, essen, trinken, lesen, überlegen, zeichnen, malen, hören, spielen, shoppen, bloggen, baden (Punkt 6) und zwischendurch immer an den Teig denken. Hilft seinem Karma.

La vraie Brioche du Boulanger (english version below)
Rezeptur nach Le Pétrin: Viertel der Originalmenge für eine Kastenform

250 g Mehl
10-12 g frische Hefe (im Winter 12g)
38 g Zucker
5 g Salz
2 Eier
38 g lauwarme Milch (oder Wasser – ich nahm Wasser)
100g weiche Butter

Meine eigene Zubereitungsmethode (am Vortag s.o.):

1. Mulde in Mehl formen. Zucker, Wasser, Hefe vermischen und vorsichtig in die Mulde geben mit Mehl leicht bestäuben und 10 min. abdecken. Eier hinzu, danach alles mit dem Knethaken auf unterster Stufe ca. 10 min. kneten. Salz dazu.
Stufe höher schalten und dabei die Butter stückchenweise hinzugeben. Alles ca. 15-20 min. kneten, bis ein seidig elastischer Teig entstanden ist.
2. Wie oben angegeben verfahren: 6 h gehen lassen und dabei falten, formen nach Wunsch evtl. füllen, im Kühlschrank durchkühlen, aus Kühlschrank rausholen.
3. Am nächsten Morgen: Ofen auf 180 Grad schalten (vorheizen nicht nötig), evtl. egg-wash und Hagelzucker, mittlere Schiene, 25-30 min. goldbraun backen. Warm servieren.

Bake Bread for World Bread Day 2011

makes 1 loaf

250 flour
10-12 g fresh compact yeast (use 12g in winter)
38 g sugar
5 g salt
2 large eggs
38 g lukewarm milk (or water – I used water)
100g butter (cut into small pieces)

optional egg wash

  1. Put the flour in the mixing bowl, make a well in the centre. Mix the lukewarm milk with the yeast and the sugar. Add the ‘yeast-mixture’ into the well and set aside for 10 min.
  2. Add the eggs and mix at a low speed. Once combined add the salt.
  3. Keeping the mixer on slow, add the butter pieces, one by one, until they are incorporated into the dough. Continue to knead (high speed) for about 15-20 minutes or until you have a smooth elastic dough.
  4. Leave to prove for 2 hours (better 6 h) in a covered bowl. Knock back the dough every 2 hours.
  5. Divide the dough into 12 individual balls. Shape the balls (optional with chocolate filling). Place each ball in a greased loaf tin (or use extra parchment paper). Wrap and leave to rise in the fridge for 4-6 hours (dough will double in size). Take the dough from the fridge and leave to rise overnight at cool room temperature (16-18 °C).
  6. The next day take the brioche, brush with the egg wash (optional) and bake at 180°C for about 25-30 minutes or until golden brown. Best eaten while hot.

Kimchi Pfannkuchen_Rezept aus Das Korea-Kochbuch


Koreanisch kochen mit Messbecher, Maßlöffel und Waage. Gefühlt habe ich mich wie eine Gefesselte an Handschellen – wider die Natur! Vielleicht einer der Gründe, warum ich mich so schwer getan habe zu entscheiden, welches Rezept ich aus dem Buch veröffentlichen soll.

Lange habe ich überlegt, einige Rezepte ausprobiert, einige wieder verworfen. Zunächst wollte ich bewusst ein Gericht, welches ich in dieser Form selbst noch nicht kannte – Dakbokkeumtang, ein scharf geschmortes Hühnchen. Aber ein sehr ähnliches Gericht ist mir als Dakdoritang bekannt und befand sich bereits in meiner Warteschleife.

Schließlich habe ich mich doch für ein sehr bekanntes Gericht entschieden. Nur so kann ich auf Erfahrungswerte zurückgreifen und euch wirklich erzählen, ob das Ergebnis dem mir bekannten Geschmack nahe kommt und wie die Handhabung ist (denke natürlich immer völlig selbstlos an meine Leser). Und da bald wieder Kimchi Saison ist und ich euch schon letztes Jahr ein Kimchi-Pfannkuchen Rezept vorstellen wollte, fiel schlussendlich die Entscheidung leicht.

Das Rezept ist bereits eine aufgepimte Deluxe-Version, die man wunderbar Gästen servieren könnte. Normalerweise werden keine Meeresfrüchte und nicht so viele verschiedene Gemüsesorten verwendet. Erfreulicherweise rührt die Autorin den Teig, so wie ich es auch kenne, mit etwas Kimchisaft an. Gibt extra Würze und man kann auf Salz verzichten.

Ich habe mich stoisch an die Mengenangaben gehalten, meine Digitalwaage grammgenau sprechen lassen und ihr dürft raten – es hat geschmeckt, perfekt sogar! Genau so wie ich Kimchi-Pfannkuchen schätze. Natürlich sind sie keine hohe Kochkunst, aber wie so oft im Leben sind es die kleinen, scheinbar einfachen Dinge, die den feinen Unterschied ausmachen. An der Qualität schlichter Bratkartoffeln und Klöße beurteile ich gerne die Küchenfertigkeiten deutscher Köche. Schlechte gab es mehr als gute. Und ebenso habe ich schon oft genug schlechte Kimchi-Pfannkuchen gegessen – zuviel Mehl oder zuviel Wasser oder zuwenig Kimchi. Diese Rezeptur ist dagegen gut ausgewogen.

Mein heißer Tipp für eine kleine Mitternachtsmahlzeit, den kleinen Hunger nach einer Party oder anstatt des üblichen Sonntagskucheneinerlei, pikant nicht süß! Sehr schnell gemacht und sollte ebenso heiß und schnell aufgegessen werden. Immer pur ohne Reis. Himmlisch zu Sake oder Makgeolli. Nun, erst mal Mund auf.

Ach, Voraussetzung ist vorher auch ein gut gereiftes Kimchi

Kimchi Pfannkuchen

Originalrezept (S.93) aus Das Korea-Kochbuch

Für 4 Portionen

250 g fermentiertes Kimchi (Kimchi-Rezept gibt es natürlich auch im Buch – leider noch nicht erprobt)

200 g Meeresfrüchte (TK-Produkt)

2 Frühlingszwiebeln

1 Zwiebel

1 Karotte

1 Stück Zucchini (100 g)

250 g Weizenmehl

1 Ei

6 EL Kimchi-Sauce (Flüssigkeit, die sich beim Herstellen von Kimchi bildet)

300 ml Wasser

Pflanzenöl zum Braten

  1. Das Kimchi in etwa 1 cm breite Streifen schneiden.
  2. Die Meeresfrüchte mit warmem Wasser abwaschen und in einem Sieb abtropfen lassen.
  3. Die Frühlingszwiebeln, die Zwiebel, die Karotte und die Zucchini in etwa 2 cm lange dünne Streifen schneiden.
  4. Das Mehl, mit dem Ei, der Kimchi-Sauce, und dem Wasser zu einem homogenen Teig verrühren und Kimchi, Meeresfrüchte und Gemüse unterheben.
  5. Die Masse in kleinen Portionen (1-2 EL) mit wenig Öl in einer Pfanne zu kleinen, goldbraunen Pfannkuchen von etwa 7 cm Durchmesser ausbacken und sofort mit Reis servieren.

Tipps: Die Autorin rät, die Meeresfrüchte ggf. einfach auszulassen und evtl. mit wenig Gochujang nachzuwürzen. Gochujang habe ich nicht gebraucht, habe aber gerne auf die geschmacklosen TK-Frutti di Mare verzichtet. Meiner Meinung nach ist auch beim Gemüse nur die Zwiebel ein Muss – Zucchini und Karotte bringen zusätzlich Süße und mildern den Geschmack.

Man kann natürlich die Pfannkuchen in jeder Größe ausbacken, nur sollten sie relativ dünn ausgebacken und dabei zwischendurch mit dem Spatel platt gedrückt werden, damit sie knusprig gelingen.

Originalrezept aus :

Das Korea-Kochbuch
Von Minbok Kou, Sunkyoung Jung, Yun-Ah Kim
Mit Illustrationen von Tina Kraus
160 Seiten, geb., Flexcover
17 x 23,5 cm,
€ [D] 19,95 | € [A] 20,60 | SFr 28,50
ISBN 978-3-941787-43-8

Jacoby & Stuart Verlag

Mandel-Baiser-Sahnetorte_Name verzweifelt gesucht

Dass ich auf altmodische Kuchen und Torten abfahre, dürfte einigen hinlänglich bekannt sein. Sagen wir, ich stehe auf Klassiker oder Vintage, hört sich besser an. So wie diese Torte. Sie fand den Weg zu mir über einen Mitschüler vor über 15 Jahren als Flocken-Sahne-Torte. So nannte ich sie auch – lange Zeit.

Bis vor kurzem, als ich zufällig las, dass eine Flocken-Sahne-Torte eigentlich aus Brandteig besteht. Weitere Recherchen ergaben zusätzliche Namen wie Friesentorte, aber die ist doch aus Blätterteig? Einige nannten sie auch Berliner-Luft-Torte, wobei ich Berliner-Luft eher mit einer schaumigen Eiercreme assoziiere (oder weniger appetitlich mit einem kräftigen Rülpser aus Wedding).

Nun bin ich völlig verwirrt und unsicher, wie ich diese Torte nun nennen soll. Für den Teig werden die Eier getrennt, die Eigelbe zu einem einfachen Rührteig vermengt, das Eiweiß schön geschlagen und darauf bugsiert, gehobelte Mandel drüber – dies alles zweifach und schon hat man 2 leckere Böden, die mit einer dicken Sahneschicht zusammengehalten werden. Früchte sollten auch nicht fehlen, ich nehme gerne Schattenmorellen oder frische Erdbeeren.

Also, unter welchem Namen kennt ihr diese furchtbar leckere Torte? Selbst für Nicht-Baiserliebhaber wie mich geeignet.

Ganz neutral läuft sie nun vorläufig unter:

Mandel-Baiser-Sahnetorte

Rührteig:

100 g Butter

100 g Zucker

4 Eigelbe

150 g Mehl

½ P. Backpulver

Baisermasse:

4 Eiweiß

125 g Zucker

1 Prise Salz

2-3 EL Mandelblättchen

Füllung:

1 Glas Schattenmorellen

2 Becher Sahne

optional

etwas Stärke oder 1 P. Tortenguss

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten auf gleiche Temperatur bringen
  2. Eier trennen. Eiweiß mit Prise Salz steif schlagen, dabei 125 g Zucker langsam einrieseln lassen. Kühl beiseite stellen.
  3. Eigelbe mit Butter, Zucker hell aufschlagen, Mehl mit Backpulver vermischen, zur Masse geben und gut verrühren.
  4. 2 Springformböden gut fetten und mit Mehl bestäuben (nur Boden nicht den Rand fetten). Jeweils Hälfte des Rührteigs dünn auftragen. Jeweils Hälfte der Baisermasse und Mandelblättchen darauf verteilen.
  5. Bei 175 Grad, vorgeheizt, ca. 20-30 min goldbraun backen.
  6. In der Form (!) ca. 30 min auskühlen lassen, damit das Baiser nicht einfällt und einen schönen Rand ergibt. Vorsichtig mit einem dünnen Messer am Rand entlang schneiden und endgültig auf einem Gitter auskühlen lassen.
  7. Mit Früchten nach Wahl, optional etwas andicken, und mit geschlagener Sahne belegen. Zweiten Boden bereits in Portionsstücke unterteilen und oben auflegen.

Mindestens ein Stück wandert jetzt zu Julie rüber, die nicht nur herrliche Geschmackskombinationen, sondern diesmal wieder Sonntagssüßes sammelt. Julie, von mir kriegt Du auch (versteckt) Kirschiges!

Und diese Berliner Jungs, die nicht rülpsen sondern cool trällern, kriegen auch ein Stückchen ab. Kaum zu glauben, dass die mal mit Andrea Berg und Kristina Bach getourt sind…

Sprichwörter und kulinarische Lektüre_Das Korea-Kochbuch

Ich wäre ja eigentlich für: Klappe zu und Ofen aus statt Affe tot. Finde ich viel logischer. Bei deutschen Sprichwörtern muss ich hilflos passen. Mir wurden sie in meiner Kindheit nicht aufgesagt. Wurde auf Entzug gestellt. Noch nicht mal koreanische Redewendungen gab es zu hören. Vielleicht faszinieren sie mich deshalb so sehr?

Worauf ich hinaus wollte: Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist – geht doch so oder? Hatte ich mir zumindest vorgenommen was die nähere Untersuchung eines Kochbuchs betrifft und dennoch sind schon über 6 Wochen vergangen, seit Das Korea-Kochbuch beim Jacoby & Stuart Verlag erschienen ist. Diese Diskrepanz zwischen eigenem Anspruch und Wirklichkeit – nennt man Alltag oder Leben?

Egal, nun Nägel mit Köpfen!

Ich habe das Buch von hinten nach vorne geblättert, mein furchtbarer Tick. Deswegen und nicht nur deswegen hasse ich Krimibücher, ich weiß ja immer schon wer es war. Da bevorzuge ich lieber gesammelte Aphorismen oder persönliche Anekdoten (bestenfalls noch vorgelesen von Feridun Zaimoglu, aber das Leben ist kein Ponyhof…).

Und dafür ist dieses handliche Kochbuch wie gemacht. Nicht wie insgeheim befürchtet ein Buch von 3 Köchinnen, die sich einfach zum gemeinsamen Kochen verabredet haben – der Brei und viele Köche. Nein, eigentlich sind es 3 kleine autarke Kochbücher in einem, von 3 unterschiedlichen Frauen mit ihrer ganz persönlichen Geschichte und Küche.

Minbok Kou, die mit ihrer deutschen Familie schon seit Jahrzehnten hier fest verwurzelt ist, zeigt uns eher milde, „massenkompatible“ Gerichte für Gäste und Einladungen. Die Rezepturen und Zutaten sind bereits an den europäischen Gaumen und die hiesigen Einkaufsmöglichkeiten angepasst – ideale Einstiegsgerichte für Neulinge.

Sunkyoung Jung pendelte oft mit ihrer Familie zwischen Deutschland und Korea. Ihre Rezeptauswahl ist die vielleicht ursprünglichste von allen dreien und zeigt die gesamte Bandbreite der beliebtesten koreanischen Klassiker – vom typischen Streetfood (Tteokboggi) bis hin zum aufwändigen Royal-Cuisine Gericht (Gujeolpan).

Yun-Ah Kim ist die Jüngste in der Runde und kocht eher unkomplizierte Alltagsgerichte – meist schnell und unzensiert scharf (bei ihrer Mengenangabe von Gochugaru/Chilipulver ist Vorsicht geboten, selbst für mich war einiges zu scharf).

Damit präsentiert das Buch abwechslungsreich sowohl (mehr oder weniger bekannte) Klassiker der koreanischen Küche als auch persönliche Familienrezepte. Und anstatt in üblichen Rezeptkategorien, werden die für die meisten doch exotischen Rezepte in einer persönlichen Anekdote kurz vorgestellt. Fast wie in (m)einem Blog.

Angenehm und praktisch für Einsteiger werden die jeweils passenden weiterführenden Rezeptempfehlungen sein, die ab und an gegeben werden. Ebenso eine sehr hilfreiche Zutatenlegende am Ende, die jede „exotische“ Zutat näher beschreibt. Alles sehr liebevoll und durchdacht.

Dies alles tröstet locker über kleine Stolpersteinchen hinweg, die mich manchmal stutzen ließen, wie die häufige Verwendung von Paprika im ersten Teil des Buches. Eine neumodische Erscheinung der koreanischen Küche seit den Neunzigern – vor allem von hauptstädtischen Hausfrauen und Restaurants schnell und hemmungslos adaptiert, um vielen Gerichten auf eine einfache Art eine gewisse Farbigkeit zu verleihen. Aber was koreanische Küche betrifft bin ich das, was der Herr Ratzinger für die katholische Kirche darstellt – konservativer Hardliner durch und durch – und sollte nicht überbewertet werden.

Zwei der Autorinnen kommen aus Jeolla-Do, die Heimat meiner Großmutter und Mutter. Die Region im Südwesten, reich an Agrarprodukten und Meeresfrüchten,  gilt als Reiskammer des Landes und ist für ihre vielfältigen, schmackhaften Speisen (und hervorragenden Köchinnen) bekannt. Von hier stammen Bibimbap (Stadt Jeonju) und sogar das Standardgewürz Gochujang (Stadt Sunchang). Die Küche, die ich am besten kenne und am meisten liebe. Kein Wunder, dass ich mich besonders mit den Rezepten von Sunkyoung Jung identifizieren konnte. Alle ihre Gerichte zähle ich ausnahmslos zu meinen eigenen Favoriten und teilweise schmeckt sie einige Marinaden exakt gleich ab. Sehr sympathisch.

Und nun Butter bei die Fische, sind sie es oder sind sie es nicht? Ja, die Rezepte sind größtenteils authentisch! Ha, jetzt ist es raus. Mehr noch, die Rezeptauswahl bietet genau den Überblick bzw. die Einführung in die koreanische Küche, die ich als Autorin auch gewählt hätte. Warum habe ich nicht ein solches Buch publiziert? Vor allem mit einer so genialen Illustratorin wie Tina Kraus an der Seite kann doch fast gar nichts schief gehen.

Ihre Bilder, direkt aus Alltagszenerien gegriffen und mit einer Detailliebe, die sich leider vielleicht nur Koreakennern erschließen wird, fesseln und fangen ein. Sie haben mich in der ersten Sekunde des Aufblätterns magisch nach Korea versetzt. So sehr, dass mich Fernweh/Heimweh gepackt hat, und ich sogleich die alte silberne Haarnadel meiner Halmonie herauskramen musste. Das einzige materielle Erinnerungsstück was mir von ihr blieb. Die Gedanken und Düfte sind zum Glück voll…

Und weil nun alles viel länger geworden ist als geplant, gibt es das Originalrezept zum Foto erst beim zweiten Teil. Ach, wer sich noch fragen sollte wer das schöne Layout gesetzt hat, wird über einen nicht ganz unbekannten Namen stolpern – es war die liebe Ariane von Kulinarische Momentaufnahmen.

To be continued…

Das Korea-Kochbuch
Von Minbok Kou, Sunkyoung Jung, Yun-Ah Kim
Mit Illustrationen von Tina Kraus
160 Seiten, geb., Flexcover
17 x 23,5 cm,
€ [D] 19,95 | € [A] 20,60 | SFr 28,50
ISBN 978-3-941787-43-8

Von schlimmen Nudeln und schwarzer Sauce

Es gibt hier auf meinem Blog ein vernachlässigtes, wohl eher ein nicht vorhandenes Produkt. Pasta. Nicht, dass ich keine essen würde. Eine Zeit lang habe ich sogar wie Sophia Loren fast jeden Tag Pasta gegessen.

Meine Linguini cozze e vongole können mit den südlichen Vorbildern mithalten (behaupte ich jetzt frech) und die Herstellung einer Lasagne ist für mich, wie bei einer italienischen Mama, eine Tagesaufgabe, die ich genieße und zelebriere. Nebenbei esse ich auch gerne Pasta nach Afras, äh, Köhler Art. Und Orecchiette liebe ich mit allen erdenklichen Soßen, weil sie mich an die zauberhaften Öhrchen meiner Nichte erinnern – aber alle meine Pastaeskapaden landen nicht auf meinem Blog.

Weil ich sie immer schnell aus der Hüfte schieße, immer bei schlechtem Licht, immer wackelig mit leichtem Unterzucker, immer schlimm halt. Und weil ich eine kleine Schwäche für eine hauseigene Bastardvariante habe – Kimchi Pasta. Kann ich euch nicht wirklich antun, oder doch?

Daher überlasse ich Pastagerichte weiterhin solchen Meistern ihres Faches, die Sachen zaubern wie Jahrgangsnudeln oder Pasta mit Konfetti. Und stattdessen präsentiere ich euch die beliebteste koreanische Nudelsoße Jajang – rabenschwarz. Jeder Ungeübte schreckt im ersten Moment kurz zurück, aber glaubt mir, diese optisch nicht gerade einladende Sauce schmeckt hervorragend. Fleischig, würzig, kräftig mit einer leichten Karamellsüße. DER Lieferklassiker in Korea schlechthin.

Die Soße verdankt ihre Farbe der Zutat Chunjang, oft einfach Jajang genannt. Eine hauptsächlich aus fermentierten Sojabohnen hergestellte Gewürzpaste. Nicht nur farblich, sondern auch geschmacklich annähernd mit der Sojasauce vergleichbar.

Dazu müssten eigentlich handgezogene Nudeln gereicht werden (der übliche pH-Wert des Teigwassers schwankt in Asien anscheinend zwischen 7,4-7,7), aber bei mir will es immer noch nicht so recht klappen, also bleibt es vorerst noch bei handgeschnittenen Nudeln nach diesem Rezept. Wenn man sie vor dem Kochen ins kalte Wasser legt, sollen sie zumindest noch extra Biss bekommen, wußten die alten Chinesen wie ich hier gesehen habe. Klappt es bei euch schon? Sonst serviert die Soße auf Reis wie auf meinem Bild, dann heißt das Gericht Jajang Bap statt Jajang Myeon.

Jajang Sauce für Jajang Myeon oder Jajang Bap

Zutaten für 2-4 Portionen je nach Größe:

2 Kartoffeln

2 Zwiebeln

2 Scheiben Schweinebauch

2 TL Zucker

2 EL Jajang/Chunjang

250 – 300 ml Wasser

1 Knoblauchzehe

1 TL Kartoffelstärke

3-4 Blätter Weißkohl/Spitzkohl

Salz nach Geschmack

optional

frische Gurken zum Garnieren

Zubereitung:

  1. Fleisch in dünne Streifen schneiden, Kartoffeln und Zwiebeln schälen und in dünne Würfel schneiden.
  2. Fleisch auf mittlerer Hitze goldbraun anbraten (evtl. etwas Öl dazu, falls nicht genug Fett austritt) und die Zwiebeln mit der Hälfte des Kohls hinzufügen. Glasig einige Minuten mitdünsten. Zucker darüber streuen und leicht karamellisieren lassen.
  3. Kartoffelstücke und Jajang/Chunjang hinzu und alles kurz mit rösten. Mit soviel Wasser ablöschen, dass alles sehr knapp bedeckt ist. Hitze reduzieren und ca. 10 min. köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.
  4. Kartoffelstärke in etwas Wasser auflösen und unter Rühren in die Soße geben, nochmals aufkochen lassen.
  5. 2-3 Minuten vor Ende der Garzeit den restlichen Kohl hinzugeben. Knoblauch fein zerreiben und evtl. mit Salz abschmecken. Vorsicht, Jajang ist bereits sehr salzig.

Tipps: Dazu sollten unbedingt Danmuji/Takuan, süß eingelegter Rettich serviert werden. Sind überall in Asialäden erhältlich. Die Süße hebt den Geschmack des Gerichts und passt besser als jede andere Beilage dazu. Dünn aufschneiden und mit einigen Tropfen Essig besprenkeln.

Edit: Es gibt neue Erkenntnisse, wie man die Jajang Sauce verbessern kann. Schwarz für Fortgeschrittene.