Momente aus vergangenen Zeiten,

[Three people on swing in the countryside]

wie diese Cirque du Soleil-Version auf Koreanisch, habe ich völlig unverhofft über Paul Ajosshi auf der Flickr-Seite der Cornell University Library entdeckt. Private und öffentliche Szenen, die Korea in den politischen Wirren Anfang des 20. Jahrhunderts – noch vor der Annexion (1910), aber bereits unter japanischer Besatzung – dokumentieren. Auf solche Fundstücke hoffend, habe ich immer wieder in Seoul zig Läden abgegrast und stolpere letztendlich beim Foodbloggen über sie – rätselhaft.

Bilder zum Schmunzeln und Nachdenken, nicht nur idyllisch sondern manchmal auch schaurig, aber immer mit einer packenden Intensität. Geniale Fotos! Mein Liebling ist definitiv dieser hier:

Korean boatman

Etwas zerrupft, aber an Coolness und Lässigkeit kaum zu toppen; in unserer Zeit wäre er sicherlich ein Fall für die Laufstege von Gaultier Homme oder Yohji Yamamoto.

A Corean singer in dancing dress

Entgegen der originalen Bildbeschriftung könnte es auch ein traditionelles Brautkleid sein, das immer stark an die königliche Prinzessinen-Tracht der Chosun-Dynastie angelehnt ist, incl. Kopfschmuck. Die Handcoloration zeigt zwar ein Mauveton, ursprünglich sind aber ein kräftiges Rot und Kobaltblau dominierend mit bunten floralen Stickereien. Jede Braut, die in Korea heiratet, trägt auch jetzt noch ein ähnliches Kostüm – für die Hochzeitszeremonie Paebaek.

Corean beauty

Und noch eine Beauty – man erkennt wunderbar die Leichtigkeit und Fragilität eines Sommer-Hanboks. Normalerweise aus schwerer Seide, wurde im Hochsommer ein Hanbok aus Ramie, ein flachsähnlicher luftiger Stoff mit seidigem Glanz, getragen.

Der glatte Haarknoten deutet eine verheiratete Dame an, das etwas kürzer ausfallende Jeogori (Oberteil) und die chinesischen Schriftzeichen am Bildrand sprechen eher für eine Gisaeng. Musisch hoch trainierte und anerkannte Künstlerinnen mit eigenem Berufsstand – streng unterschieden und nicht zu verwechseln mit einfachen käuflichen Damen. Sie waren zwar in der Ständeordnung ganz unten anzusiedeln, konnten aber je nach Talent und Schönheit Einfluss und Reichtum erlangen. Eine der berühmtesten unter ihnen war Hwang Jini, deren Gedichte (시조 Sijo-festgelegte klassische Gedichtform) immer noch gelesen werden.

So oder so eine Dame mit Geld…

[Line of children (orphans?) with American and Korean flags]

im Gegensatz zu diesen Ärmsten der Armen – Waisenkinder offenbar. Die Verletzlichkeit ist ihnen anzusehen.

[Seoul cityview]

Der Eingang zur Stadt Hanyang, der frühere Name Seouls – das originale Südtor Namdaemun, das nach einem Brandanschlag im Jahr 2008 wieder komplett rekonstruiert werden muss.

[Tongdaemun]

Dongdaemun (Osttor) zur gleichen Zeit

Seoul Town

Ein Blick über die damalige „Skyline“ der Stadt.

Pounding rice cake

Essen muss sein – Reiskuchen stampfen, die ursprüngliche Art. In einem festgelegten Takt wird abwechselnd geschlagen, während die dritte Person den Teig jeweils wendet und mit Sesamöl benetzt.

[Korean men with sunglasses]

Und hier noch das flippigste Paar! Jung (na ja), dynamisch (das ja) in typischer Männerkleidung und Hut aus Rosshaar. Sonnenbrillen waren damals schon schwer en vogue.

Noch mehr gibt es wie gesagt auf Flickr.

4 thoughts on “Momente aus vergangenen Zeiten,

  1. Schaurig schön. Dem Internet, meist Fluch und Segen zugleich, kann man hier nur danken. Hoffentlich wissen die Studenten ihre Museumsschätze zu schätzen😉

    • Zum Glück meist Segen…Und mal schauen, wer von uns Hugh Jackman beim Kimchi wickeln zuerst entdeckt – Die Bilder, herrlich – ich bin begeistert, hatte ich das bereits erwähnt?

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