Scharfe Krebssuppe mit Miso_Koatgae Tang

Blaukrabbe – lebend und frisch habe ich sie leider noch nie hier gesehen. In der Regel darf man in Korea fast alle Krebse, Fische, Meeresgetier noch lebend sehen – ob Supermarkt, Fischmarkt oder Restaurant. Und manchmal muss man schlucken, wenn man frisch zerlegten Sashimi bestellt…

Für Gae Jang, in scharfer Marinade eingelegte rohe (!) Blaukrabben, sollten ausschließlich sehr frische Exemplare genommen werden. Sie sollten sich angriffslustig bewegen, wenn man sich auf sie zu bewegt. Von müden Gesellen, die nur in der Ecke rumhocken, sollte man die Finger lassen. Kurioserweise sind die Weibchen um ein Drittel teurer als die Männchen. Zu erkennen an den breiten, flachen Bauchklappen, die Männchen dagegen haben schmale, eher spitz zulaufende Bauchklappen. Es kann nur wegen dem Nachwuchs sein, den sie den Sommer über tragen. Für einige eine Delikatesse.

Und was nun, wenn man keine frischen Krebse bekommt? Es gibt eine gute Nachricht. Eine Möglichkeit, wie selbst gefrorene Krebse irrsinnig gut schmecken –  in einer würzig scharfen Suppe mit Miso, 꽃게탕 Koatgae Tang. In der Favoritenliste ziemlich nah dran an meiner Lieblingsuppe Doenjang Jjigae. In der Form mag ich Krebse sogar am liebsten – besser als pur gekocht (und ich bin im Zweifel eher eine Minimalistin).

Es sei denn, es handelt sich um Königskrabben, die während der Wintermonate an den koreanischen Küsten und Fanggebieten Saison haben. Alle King Crabs, die außerhalb der Wintermonate erhältlich sind, stammen nicht aus Korea, sondern aus Russland, hat mir mal ein Fischer verschwörerisch zugeflüstert (hier in Europa sind sowieso nur ursprünglich russische Umsiedler aus der Barentssee erhältlich, die einige Tierschützer auf die Palme bringen). Wer also „echte“ koreanische Königskrabben (Yeongdeok Dae Gae) essen möchte, sollte sich nicht von Minusgraden im zweistelligen Bereich, schneidendem Wind und meterhohem Schnee abhalten lassen, und im Winter dem kleinen Küstenort Yeongdeok an der Südostküste einen Besuch abstatten. Nach diesem Ort ist die Monsterkrabbe im koreanischen Sprachgebrauch benannt und ein überdimensionaler roter Krebs weist als Torbogen den Eingang zum weitläufigen Krebsrestaurant-Viertel. Kitsch als Wegweiser.

Yeongdeok Dae Gae wird pur – überbrüht, gekocht und in einzelne Segmente ausgelöst – serviert. Dazu wird seltsamerweise oft ein Mayonnaise-Dip gereicht. Nach meinem Geschmack etwas zu fettig und überladen für das feine Fleisch. Ohne alles lautet hier meine Devise.

Aber jetzt gibt es natürlich kein Yeongdeok Gae (einen so großen Topf hätte ich gar nicht), sondern stinknormale Krebse, die trotzdem ungemein lecker sind. Fast besser als ein King Crab…

Scharfe Krebssuppe mit Miso_Koatgae Tang

Zutaten für 2-4 Portionen

1 Krebs (frisch oder eben TK)

1 mittlere Zwiebel

3 Lauchzwiebeln

1 EL Doenjang (notfalls dunkle Misopaste)

1 TL Gochujang

½ TL Gochugaru

2 Knoblauchzehen

Salz nach Geschmack

optional

Zucchini, frische Chilischote

Zubereitung:

  1. Krebs säubern, zunächst an der Bauchklappe greifend den Panzer entfernen, Innereien belassen. Bauch/Beine in 6 Teile zerlegen und beide Scheren abtrennen. Bei TK-Ware schonend auftauen, abspülen, trocken tupfen und evtl. zerkleinern.
  2. Gemüse waschen, schälen und schneiden.
  3. In einem flachen Topf mit Wasser fast bedecken. Doenjang, Gochujang, Gochugaru im Wasser auflösen und mit der Hälfte der Zwiebelstreifen ca. 15 min. kochen. Ca. 5 min. vor Ende der Kochzeit restliche Zwiebeln, Lauchstücke, Knoblauch, optional Zucchinistücke und Chiliringe dazu geben und mitkochen.
  4. Evtl. mit wenig Salz vorsichtig abschmecken (Doenjang enthält bereits Salz). Heiß servieren oder im flachen Topf direkt am Tisch fertig garen. Zuerst die warme Suppe löffeln, anschließend mit Spezialgabel/Stäbchen das Krebsfleisch genießen. Dazu passt Reis.

Tipps: Die Suppe schmeckt natürlich auch mit normalen Taschenkrebsen. Welche Sorte auch immer, je frischer desto besser.

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