Think Pink! Radieschen Mul-Kimchi

Erfrischend, kalt, säuerlich, mit einer leichten Spritzigkeit und eine umwerfende Farbe dazu. Optisch musste ich unweigerlich an die gleichnamige Eingangsszene des Films Funny Face (dt. dämlicher Titel: Ein süßer Fratz), hervorragend inszeniert vom unsterblichen Richard Avedon, denken. Nach diesem Film kann man erahnen, woher Woody Allen und selbst Michael Jackson einige ihrer Inspirationen nahmen.

Eiskalt schmeckt diese eingedeutschte Sommerversion eines Mul-Kimchis (Wasser-Kimchi) am besten. Die winterliche Ursprungsversion Dongchimi (ausgespochen: Dongtschimi), eine der ältesten Kimchisorten überhaupt, wird mit extraknackigem Winterrettich hergestellt.

Ich dachte lange, ich sei mit meiner Vorliebe für Radieschengrün allein auf weiter Flur, dabei befinde ich mich in bester Gesellschaft. Zorra und Utecht servieren beide Radieschen aus eigener Ernte mitsamt den Blättern in einem Kartoffelsalat. Mal mit und mal ohne Mayo, für einige eine Streitfrage, ich esse alles – Hauptsache, die zarten Blätter sind dabei. Nach diesen sollte man auch die Radieschen für das Mul-Kimchi auswählen.

Mul-Kimchi ist eine der einfachsten Kimchi-Sorten. Quasi ein Selbstläufer, der mit etwas Zeit und Geduld (und mithilfe von fleißigen Milchsäurebakterien – jetzt sitzt mir schon wieder Michel Troisgros im Nacken, der Fermentation so unsexy findet) den Wartenden mit einer Geschmacksexplosion (den Unerfahrenen mit einer Geruchsexplosion) überrascht. Die Aromen von Knoblauch, Ingwer, Rettichschärfe vermischen sich und die anfängliche Salzigkeit weicht einer spritzigen Säure, die auf der Zunge prickelt. Kritiker haben mir mal verraten, dass für ungeübte Nasen der Geruch eines fertig gereiften Mul-Kimchis fast tödlich sei. Ok, der Geruch könnte als etwas extrem empfunden werden (dennoch besser als jeder Stinkekäse), aber die Geschmacksmetamorphose ist geradezu magisch.

missboulette’s Radieschen Mul-Kimchi

Zutaten:

2 Bündel Radieschen

ca. 2 l Wasser

5-6 TL Salz

2 EL Reismehl (notfalls Mehl)

1 EL Zucker

3 Knoblauchzehen

ca. 5 cm Ingwer

Lauchzwiebel

optional

Chilischote, (bei mir noch etwas Schnittlauch)

Zubereitung:

  1. Das Wasser mit Salz, Mehl, Zucker kalt (!) verrühren. Der Salzgehalt ist richtig, wenn es ein Tick zu salzig schmeckt, d.h. sobald es beim Abschmecken salzig schmeckt, noch einen Extra-Teelöffel Salz dazugeben. Aufkochen, gelegentlich rühren und gut abkühlen lassen.
  2. In der Zwischenzeit Radieschen von Schmutz und welken Blättern befreien. Die zarten Blätter nicht entfernen. Besonders den Stielansatz mit kleinen Schnitten gut säubern. Alles mehrfach gut durchspülen, je nach Größe die Köpfe halbieren oder vierteln, die Blätter dran lassen. Abtropfen lassen und in einen ausreichend großen Behälter umfüllen.
  3. Knoblauch und Ingwer schälen und in sehr dünne Scheiben hobeln, Lauchzwiebel in grobe Stücke schneiden evtl. auch Chilischote. Zu den Radieschen geben.
  4. Alles mit dem abgekühlten Salzwasser aufgießen. Gut verschließen und bei Zimmertemperatur 2-3 Tage stehen lassen. Zwischendurch den Geschmack kontrollieren. Sobald die Flüssigkeit nicht nur salzig, sondern auch säuerlich schmeckt, das Mul-Kimchi im Kühlschrank aufbewahren. Stets kalt servieren und dabei evtl. die einzelnen Portionen nach Geschmack mit extra kaltem Wasser verdünnen. An besonders heißen Tagen können auch Eiswürfel zugegeben werden.

Tipps: Gerade beim Mul-Kimchi kann man eher zu kräftig als zu schwach würzen, da man beim Servieren durch Zugabe von frischem Wasser den Salzgeschmack individuell nachregulieren kann. Mul-Kimchi mit stärkerem Salzgehalt fermentiert langsamer und hält insgesamt länger, aber man sollte bei dieser Radieschen-Version nicht allzu übertreiben. Die Radieschen werden im Gegensatz zum Rettich (beim Winter-Dongchimi) nicht vorher eingesalzen. Sie werden etwas weicher, je länger sie stehen, sprich, sie sind für einen sofortigen Verzehr innerhalb von 7-10 Tagen gedacht. Dongchimi hält sich dagegen einige Monate. Auf Chili kann verzichtet werden, wenn keine Schärfe gewünscht ist.

Das Foto habe ich nach 4 Tagen gemacht, die Radieschen bleichen immer mehr aus, je länger sie stehen bzw. die Flüssigkeit verfärbt sich immer stärker und die Radieschen werden natürlich immer heller.

14 thoughts on “Think Pink! Radieschen Mul-Kimchi

  1. Oh nein, leider habe ich gerade die letzten Radieli verputzt und um neue zu säen ist es jetzt zu spät.😦 Dien Rezept ist aber für nächstes Jahr gespeichert, klingt köstlich und was die Geruchsentwicklung betrifft, da bin ich einiges gewöhnt.😉

  2. Auch bei mir sind die kleinen Roten abgeerntet und aufgegessen. Aber im Gegensatz zu Zorra ignoriere ich Gartenregeln und habe nochmals gesät. Die Fotofarben sind übrigens der Knaller.

    • Ich war auch etwas über die grelle Farbe überrascht, aber alles Natur pur und keine Lebensmittelfarbe. Man glaubt es kaum. Ich wusste gar nicht, dass die Radieschen-Saison schon so früh endet. Ehrlich gesagt kenne ich mich mit Gartenregeln überhaupt nicht aus.

  3. Sieht gut aus, schon allein mit der Farbe haste mich.😉 Ich bin sowieso grad ein bisschen auf der Suche nach Radieschenrezepten fernab von den üblichen. Nur an hübsche Blätter ist hier nicht zu kommen, die Radiesli sind meistens abgebündelt und welken bis sie in meinen Einkaufswagen kommen. (Und den grünen Markt verpasse ich natürlich immer gepflegt.)

    • Sagt ihr auch Radiesli? Schon wieder was gelernt. Ja, das Problem ist wirklich an frische, junge zarte Blätter zu kommen und nicht nur nach der Größe der roten Köpfe zu gehen.

  4. Scheint ja nicht unbedingt ein Anfänger-Kimchi zu sein. Glaube ich koste erstmal das klassische und versuche mich dann am selbstgebastelten und mit Radieschen🙂
    Ich hätte jetzt auch gedacht, dass man Radieschen die ganze Saison über säen und ernten kann. Aber vielleicht ist es bei Zorra aufgrund der klimatischen Bedingungen anders …

    • Ganz im Gegenteil, Aniko, diese Sorte sehe ich tatsächlich als Einsteigergericht an. Nicht zu scharf und nicht zu stark gewürzt. Selbst für Kinder geeignet. Meine Nichte mag’s zumindest.

  5. Pingback: Wunderöl | missboulette

  6. Pingback: Kartoffelsalat – und Alle sind dabei! | Portionsdiät

  7. Pingback: Radieschenkimchi / garden radish kimchi at Portfolio

  8. Hallo missboulette,
    vielleicht kannst du mir einen Tip geben: wo bekommt man frische Sesamblätter ?(nicht die in Chiliöl ertränkten in Dosen) Wir würden so gerne unser gegrilltes Fleisch mal wieder in diese aromatischen Blättchen wickeln. Oder kann ich sie auf dem Balkon aus Körnern selbst ziehen?

    • frische sesamblätter sind saisonware, ab dem sommer bis zum herbst gibt es die zu kaufen. auf balkonien sind sie zwar nicht so ertragreich, aber für ein paar haushaltsübliche portionen reichen ein paar pflanzen allemal.

  9. Pingback: Grillen: Bulgogi | missboulette

Gedanken hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s