Crème de Marrons_Hurry-Hurry Schnellmethode

Premiere! Zum ersten Mal habe ich Crème de Marrons ausprobiert, eigentlich aus der Not heraus, sozusagen als geschmacklichen Ersatz für meine geliebten Marrons Glacés, die diese grauen Herbsttage traumhaft versüßen können – aber leider auch etwas kostspielig sind. Mit einem Haps sind gleich ein paar Euro weg! Und ein Haps allein reicht niemals aus.

Darf man in Zucker eingelegte Maronen so teuer verkaufen? Ist das überhaupt genuss-politisch-korrekt? Nun, angesichts des Aufwands kapituliert glaube ich jeder und zahlt lieber stumm das Geld.

Eine Crème de Marrons ist stattdessen viel schneller und einfacher gemacht. Dachte ich. Den Koreanern sagt man ja oft die Ppalli-Ppalli 빨 리-빨 리 (Schnell-Schnell/Hurry-Hurry) Mentalität nach. Bei meiner Recherche ist mir aber aufgefallen, dass fast alle Rezepte, ein zweifaches Kochen der Maronen, einmal mit und ohne Schale, und ein mühsames pulverisieren der Trockenmasse propagieren. Zusätzlich sollten die Schalen vor dem Kochen vorsichtig eingeritzt werden, dabei dürfe die Innenhaut nicht verletzt werden. Insgesamt sollen die Maronen also mindestens dreimal von mir angefasst werden, nur um sie überhaupt erst mal gar zu bekommen? Hmmm, viel zu kompliziert für mich, zumal ich in einer Familie mit hoher Kastanien-Affinität aufgewachsen bin und diverse Kastanien Garmethoden schon in der Kindheit in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Ich habe also meine eigene Brutalo-Hauruck-Methode gewählt, sprich Kastanien kräftig waschen, komplett mit Wasser bedecken und gar kochen. Nichts weiter vorher und nachher. Als sie gar waren, habe ich sie einfach mit einem scharfen Messer geschält (ging wunderbar, weil die Maronen frisch waren) und mich überhaupt nicht davon beeindrucken lassen, wenn sie beim Schälen in die Brüche gingen (sollten ja sowieso klein gemacht werden, was soll’s). Statt die trockenen Maronen nun mit einem Pürierstab oder Fleischwolf zu quälen, habe ich sie gleich in dem süßen Zuckersirup gebadet, bis sie fast von alleine zerfielen. Einige Hartnäckige kamen erst zu diesem Zeitpunkt mit dem Zauberstab in Kontakt. Fazit: heiler Zauberstab (von überforderten Exemplaren war oft die Rede) und weniger Arbeit.

Geschmacklich ist die selbstgemachte Crème eine Wucht, ich könnte sie dauerinhalieren. Der Maronengeschmack kommt viel intensiver durch, als bei den industriellen Kollegen, da man den Zuckergehalt individuell reduzieren kann. Und ein leichter Anflug von Vanille. Nur farblich gab’s bei mir eine nicht so schöne Überraschung, sie erinnert stark an das Wattenmeer. Vielleicht kam es von dem Spritzer Zitrone, dass die Farbe nicht dunkler wurde, oder weil die Maronen doch sehr frisch und sehr gelb nach dem Schälen waren? Eventuell hat einer von euch eine schlaue Meinung dazu? Grundsätzlich ist es nicht schlimm, ich hatte mich nur seelisch und moralisch auf eine dunkle Karamellfarbe eingestellt. Aber ich habe auch schon einen Plan B. Bei der nächsten Session werde ich den Zucker einfach vorher karamellisieren, dann erhalte ich die gewünschte Farbe definitiv – bin mal gespannt. Konsistenzmäßig könnte sie auch flüssiger sein, das nächste Mal wird also auch kürzer gerührt. Dabei kommt mir die festere Konsistenz ganz gelegen, diese Crème de Marrons will ich demnächst unbedingt als Anko Füllung für Mochi (kleine Reiskuchen) versuchen.

Crème de Marrons

Zutaten für ca. 400-500 ml fertige Crème:

500-600 g frische Maronen (oder 300 g fertig gekochte)

250 ml Wasser

150 g Zucker

2 TL Vanillezucker, selbstgemacht

Zubereitung:

  1. Maronen mit etwas Wasser kurz waschen, in einen Topf geben und komplett mit Wasser auffüllen. Aufkochen und ca. 12-15 min. kochen. Dann sind sie gar, aber noch nicht zu weich.
  2. Wasser abgießen und die Maronen schälen. Mit einem Messer kurz klein hacken. Beiseite stellen.
  3. Wasser, Zucker und Vanillezucker zusammen aufkochen, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Die geschälten Maronen in den Zuckersirup geben und unter rühren 10 min. auf mittlerer Hitze köcheln.
  4. Kurz von der Hitze ziehen und mit dem Pürierstab alles mixen. Auf kleiner Hitze danach weitere 5-10 min. je nach gewünschter Konsistenz weiterrühren (dabei bedenken, dass die Crème nach dem auskühlen fester wird, der Fehler ist mir nämlich unterlaufen).
  5. In vorbereitete, heiß ausgespülte und trockene Marmeladengläser umfüllen und noch heiß zuschrauben.

Tipp: Nach dem Pürieren kann die Masse schnell anbrennen, daher die Hitze gut regulieren und mit einem breiten Holzspatel (wie bei Polenta) fleißig rühren. Ich hatte noch einen Spritzer Zitrone hinzugefügt, aber im Rezept nun weggelassen.

21 thoughts on “Crème de Marrons_Hurry-Hurry Schnellmethode

    • Bis jetzt gab’s die Creme nur als Brotaufstrich oder pur, aber tendiere eindeutig zu pur. Aber für Mochi müsste die ungewollt festere Konsistenz perfekt passen. Ich kann sie mir statt der Azuki Paste gut vorstellen. Und vor Mont Blanc habe ich etwas Angst (Hüftgold-Alarm)!! Falls Du Vorschläge haben solltest bin ich natürlich immer offen🙂

  1. Pingback: Novemberblues_Antidote zum Wochenende | missboulette

  2. Hallo Missboulette,

    deine Kastaniencreme schmeckt spitze.
    Habe sie noch heiß in Marmeladengläser getan. Was meinst Du – wie lange halten die sie wohl verschlossen im Kühlschrank. Hab Angst, dass die recht bald schimmeln, weil ja eigentlich nicht so viel Zucker drin ist wie bei allen anderen mir bekannten Rezepten…

    schöne Grüße,

    Mathias

    • Richtig, das Rezept ist nicht auf Haltbarkeit ausgerichtet. Trotzdem, ich habe die Creme in ein großes vorher sterilisiertes Glas (und Deckel) eingefüllt und die Creme hat einige Monate im Kühlschrank gehalten bis sie alle war. Wenn Du eine größere Menge produziert hast und evtl verschenken willst, würde ich die fertigen Gläser vll doch nochmals einkochen/haltbarmachen.

  3. ok danke, wenn ich noch was übrig hab werd ichs mal probieren^^ eine frage hätt ich noch, mach jetzt zum 2. mal die creme und hab das rezept ein bisschen umgestellt. ist es für dich ok, wenn ich darüber blogge? werd natürlich darauf hinweisen dass das rezept von dir stammt!
    lg

    • klar kannst du darüber bloggen, das ist doch gerade das schöne am foodbloggen. Entdecken, nachkochen, berichten, adaptieren usw. wenn du den backlink nicht vergisst, wird dich niemand aufhalten😉

  4. tut mir leid, so was profanes zu fragen. aber wie funktioniert das mit den backlinks? wenn es kompliziert zu erkären ist, hör ich mich natürlich anderweitig um😉 irgendwann muss ich mich sowieso mal mit der technik auseinandersetzen.

    • Danke Fryda für Deine Beantwortung. Und Su, alles halb so wild, nehme link statt backlink und dann hast Du es schon längst drauf. Reine Begriffsverwirrung😉

      Und wegen Deinem KONTAKT: müssen mal gemeinsam brainstormen…:D

  5. danke fryda, so habe ich auch deinen blog kennengelernt🙂

    hmm also ich dachte, mit backlink ist gemeint, dass unter dem originalpost der verweisungslink erscheint. wie hier unter „trackbacks“. aber gut, dann habe ich das glaube ich bisher auch nicht falsch gemacht.

    miss b.: freu mich schon! habe bis dezember kaum zeit zum schlafen aber man lässt sich hier gern ablenken!😉

  6. Danke für deine insprierenden Worte zum „Kastanienmus“! Nach der ungeplanten Sammelaktion mit 1,5 Kilo Maronen und der anschließenden Suche nach einem Rezept für die in unserem Heim sehr beliebte Maornen-Creme ist das Ergebnis seeeeeeehr lecker (Zucker karamellisieren ist der Farbe wirklich zuträglich).
    Meine Frau wollte mir infolge dieser Einkochaktion (bzw. wegen der Creme) noch einen Heiratsantrag machen…😀
    Für alle die also geheiratet werden wollen: Maronen-Creme nach diesem Rezept kochen!!!

    Gruß,

    Andreas

  7. Nachdem dieses Rezept seit Mai letztem Jahr gespeichert ist (war da mal wieder in Paris und hab wieder gemerkt, wie lecker diese Creme ist) habe ich nun heute ENDLICH das Rezept nachgelockt.
    Und was ich eben probiert habe war ein TRAUM. Sosososososososososooooooooooo lecker🙂

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