Henkersmahlzeiten: Doenjang Jjigae_Miso-Tofu-Stew mit Muscheln

Wenn es um die berühmt berüchtigte Frage nach der letzten Mahlzeit geht, werde ich etwas schizo. Mein deutsches Ich würde sofort nach einer außen knusprigen und innen saftigen Bulette schreien, mit viel scharfem Senf. Für mein koreanisches Ich dagegen käme nur Doenjang Jjigae in Frage, der bekannte Eintopf aus koreanischer Sojabohnenpaste (Doenjang), Tofu, diversem Gemüse und oftmals Muscheln. Ein Klassiker der koreanischen Küche, der erst einen koreanischen Tisch (정식)  komplettiert.

Selbstgemachter Doenjang ist noch eines der Geheimnisse, die mir bislang verborgen geblieben sind. Natürlich habe ich früher meiner Mutter bei der Herstellung ab und zu zugeschaut, sogar bei einigen einzelnen Arbeitsschritten sporadisch geholfen, und theoretisch kenne ich auch den gesamten Ablauf. Ich meine aber die genauen Erfahrungswerte des richtigen Garpunkts, des Stampfens und Formens; die korrekte Lagerung und Trocknung, und zu guter Letzt die richtige Salzkonzentration der Lösung, in der die getrockneten Meju-Würfel eingelegt werden. Bis hier hin ist immer noch kein Doenjang entstanden; erst nach einer Fermentationszeit (bis zu mehreren Jahren) und Trennung von der Flüssigkeit (traditionelle Sojasauce) und einer weiteren alleinigen Reifung der Paste, wird aus einfachen gelben Sojabohnen gesunder und bekömmlicher Doenjang. Zauberei! Es ist vielleicht das „sloweste“ Food der koreanischen Küche. Das Geheimnis eines guten Doenjang ist somit, neben der Hand, die ihn zubereitet, Zeit und Geduld.

Vor einigen Jahren kam in Korea ein Buch mit dem übersetzten Titel „Masters of the Art of Doenjang“ heraus, eine Dokumentation über 12 traditionelle Doenjang Betriebe in ganz Südkorea, die mittlerweile ein Revival erleben. Und ich sage euch, meine Mutter hätte auch darin erwähnt werden müssen. Irgendwann werde ich ihr Geheimnis lüften…

Das Geheimnis eines guten Doenjang Jjigae ist, nur mit reiner Sojabohnenpaste abzuschmecken. Fehlt noch Würze, sollte nicht nachgesalzen, sondern etwas mehr Doenjang zugegeben werden. Auch die Zugabe von Myulchis und Dashima ist essentiell, um einen runden, satten Geschmack zu erzielen. Alle weiteren Zutaten kann man variieren, hier habe ich aber die klassische Version mit Tofu, Zucchini, Chili und Muscheln, die in Korea meistens serviert wird, wenn man das Gericht bestellt. Für den authentischen Geschmack sollte man nicht ersatzweise auf Miso zurückgreifen. Ich habe es bei der Namensnennung nur beschrieben, weil unter „Miso“ viel mehr Leute sich etwas vorstellen können, als unter „Doenjang“.

Miso-Tofu Stew mit Muscheln_Doenjang Jjigae

Zutaten für einen kleinen Topf:

600 ml             Wasser

2 EL                 Doenjang

1 TL                 Gochujang

5-7                  Myulchis

4                      Dashima Stücke ( ca. 3×3 cm)

½                     Kartoffel

1                      kleine Zwiebel

½                     Zucchini

½                     Tofu

1 TL                 Gochugaru

1                      Chilischote (nicht zu scharf, sonst Kerne entfernen)

1                      Knoblauchzehe

1                      große Hand voll küchenfertige Herz- oder Venusmuscheln

Zubereitung:

  1. Myulchis von Kopf und Gräten befreien. Einen Topf mit Wasser, Myulchi-Filets, Dashima, Doenjang und Gochujang aufsetzen.
  2. Kartoffel und Zwiebeln in kleine Würfel schneiden und zugeben, alles gemeinsam aufkochen.
  3. In der Zwischenzeit Tofu und Zucchini in mundgerechte, nicht zu dünne Scheiben schneiden, Knoblauch fein zerreiben und Chili in  Scheiben schneiden. Sobald die Kartoffeln gar sind, Tofu, Zucchini, Chili und Muscheln hinzugeben, anschliessend mit Gochugaru und Knoblauch würzen. Weitere 5 Minuten kochen.
  4. Wenn sich alle Muscheln geöffnet haben, eventuell noch mit etwas Doenjang abschmecken und heiß servieren.

Tipp: Wer möchte, kann kurz vor dem Servieren etwas klein geschnittenen Lauch drüberstreuen. Auch Enoki-Pilze passen hervorragend dazu. Übrigens, Doenjang Jjigae sollte kräftig und würzig abgeschmeckt werden. Schließlich wird alles mit weißem Reis abgemildert.

Larry Cover_grüne Bohnen auf Koreanisch

Diese Larry Cover (ausgesprochen: l’haricot vert – dieses Wortspiel bzw. den Markennamen habe ich bei ihm entdeckt) lagen frisch an einem Marktstand aus und ich musste sie mitnehmen, bevor die Saison vollends vorbei ist. Anikó hatte ja schon vorgewarnt und vorab eine spanische Variante präsentiert – bereits um einige Ecken adaptiert von chocolateriver und Frau Kaltmamsell. Aber dieses typisch europäische Gemüse funktioniert auch gut auf koreanische Art.

Grüne Bohnen habe ich noch nie in normalen koreanischen Supermärkten gesehen, obwohl sie geschmacklich recht gut zu den dortigen Gewürzen passen. Irgendwann hatte meine Mutter damit angefangen, statt grüne Chilischoten einfach grüne Bohnen heiß und schnell in Sojasauce zu sautieren. Seitdem hat sich diese Zubereitung bei ihren Freundinnen und auch bei mir durchgesetzt.

Die Myulchis sind bei grünen Chilischoten zwar ein Muss, aber bei Bohnen eher optional. Wer einen fischigen Geschmack nicht mag oder vegetarisch kocht, kann ohne Genussverlust auf diese Zutat verzichten. Eher zufällig bin ich dann auf eine Kombination gestoßen, die zusätzlich den Geschmack hebt. Ich hatte mal eine bereits mit Butter ausgeschwenkte Pfanne für dieses Gericht verwendet, weil ich zu faul war diese vorher heiß auszuspülen, um sowieso wieder Öl hinzufügen zu müssen. Und der Geschmack wurde viel intensiver! Also, Butter und Sojasauce scheinen sich zu mögen, daher gebe ich ganz wenig Butter zum Schluss hinein. Ist das schon Fusion-Küche?

Sautierte grüne Bohnen in Sojasauce_Kong Bokkum

Zutaten: (für eine große Platte oder 4 Banchan Schalen)

500g grüne Bohnen

1 kleine Zwiebel

3 EL Sojasauce

2 EL Öl

2 TL Zucker

2 EL Wasser

1 Knoblauchzehe

1 TL Butter

Salz nach Geschmack

optional

1 mittelscharfe Chilischote, in Scheiben

1 Handvoll Myulchi, mittelgroß

Zubereitung:

  1. Falls Myulchis verwendet werden: Kopf, Gräten und Innereien entfernen. Die Filets beseite stellen.
  2. Bohnen waschen, Enden und Fäden entfernen, evtl. schneiden. Zwiebel schälen und in Streifen schneiden. Knoblauch fein reiben.
  3. Sojasauce, Öl, Zucker, Wasser in einer breiten Pfanne erhitzen, die Zwiebeln darin kurz sautieren, die vorbereiteten Bohnen (und evtl. Myulchifilets und Chilischeiben) zugeben und auf hoher Hitze ca. 4-6 min weiter rühren bis sie noch knackig und trotzdem gar sind. Knoblauch hinzufügen, rühren und nach Geschmack noch mit Salz abschmecken. Sofort von der Hitze runter nehmen, damit das Gemüse knackig bleibt.
  4. Über das noch warme Gemüse etwas Butter schwenken.

Tipp: Diese Beilage kann kalt und warm serviert werden. Wie gesagt können die Bohnen komplett durch grüne Chilischoten ersetzt werden. Dafür sollten sie nicht zu scharf sein und schräg in fingerdicke Scheiben geschnitten werden. Ach ja, grüne Spitzpaprika funktioniert auch.