Shoppen, Essen, Seoul

Und hier mal wieder ein Tipp für den nächsten Seoul Besuch. Comme des Garcons hat ein Flagshipstore ins Seoul eröffnet (viel mehr tolle Bilder unter related articles), nicht in Kangnam (wörtlich: südlich des [Han]Flusses), dem üblichen Fashion- und Geschäftsviertel, sondern in Kangbuk (nördlich des [Han]Flusses).

via slamxhype

Seit den frühen 90ern war Kangnam, mit den Vierteln Abgujeong und Cheongdamdong, dank der dort ansässigen Highend Fashion Labels und Designerstores, ein Szeneviertel mit schnell explodierenden Immobilienpreisen. Kangbuk galt dagegen modemäßig als rückständig. Als ich mal in Cheongdamdong gearbeitet hatte, war Kangbuk bei meinen koreanischen Kollegen sogar ein Synonym für alles Altmodische; alles was nicht gefiel, überholt, kitschig oder billig wirkte wurde als Kangbuk-Style deklariert. Ganz schön überheblich von diesen Kangnam-lern, oder?

Seit einigen Jahren ist aber eine Gegenbewegung zu beobachten – etwa ein Revival von Kangbuk? Das alte Seoul spürt man sowieso nur hier, nun schaffen auch immer mehr gute Restaurants und Avantgardedesigner den Sprung über den Han-Fluss, zurück vom Süden in den Norden. Im neu eröffneten riesigen Comme des Garcons Store befindet sich auch die hauseigene SIX Gallery, die wechselnden Ausstellungen eine Plattform bietet. Den Auftakt macht David Lynch mit seinem DARKENED ROOM ab Oktober.

Um neben Fashion-Victims aber auch Foodies zufriedenzustellen, kann man zudem die erste asiatische Filiale der Rose Bakery vorfinden mit der üblichen frischen, ehrlichen und bodenständigen Küche. Die Inhaberin Rose Carrarini, keine gelernte Köchin sondern Autodidaktin, hat bereits ein Kochbuch herausgegeben. Eine gelungene Rezension darüber kann man wie immer bei Valentinas Kochbuch lesen.

Ob man shoppen, essen oder nur eine Ausstellung besuchen will, ist also jedem selbst überlassen. Wer von euch bereits einen der Comme des Garcons Shops bzw. Concept Stores in Paris, London oder Tokyo besucht hat, wird wissen, dass sich sogar nur gucken auf jeden Fall lohnt. Die Arbeiten von Rei Kawakubo haben für mich wirklich etwas Museales.

Nach dem Shoppingbesuch würde es sich anbieten dem Restaurant von Edward Kwon, The Spice einen Besuch abzustatten. Der von mir sehr geschätzte Paul Ajosshi (Onkel Paul) hat dazu eine Kritik verfasst, die mich sehr neugierig gemacht hat. Mit Sinn für Pina Bausch und Louise Bourgeois, stellt er regelmäßig seine kulinarischen und kulturellen Neuentdeckungen in Korea vor; aus seinem ganz eigenen Blickwinkel als Expat in Korea und mit wunderschönen Bildern. Seine Spezialisierung ist die Jagd auf KONGLISH (KOrean-eNGLISH). Ihn nervt es manchmal, ich persönlich würde es eher als eine koreanische Neuentwicklung der englischen Sprache bezeichnen…worauf die englischsprachige Welt sicherlich verzichten möchte.

Adressen:

Comme des Garcons

739-1 Hannam-dong, Yongsan-Gu, Seoul

Tel +82 (0)2-749 1153

Restaurant The Spice

729-45 Hannam-dong, Yongsan-Gu Seoul 140-858

Tel: +82 (0)2-749 2596

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9 Gedanken zu “Shoppen, Essen, Seoul

  1. Sehr nahe davon war mein Büro, und im Grabnd Hyatt wohnte ich die ersten 3 Monate, auch nicht weit weg. Wo unsere 2 Bürogebäude waren, steht jetzt ein Building, das “Hyundai Ribate House”, oder ähnlich, angeschrieben ist auf Google Maps. Mein Hangul-Lesen ist nicht mehr gut, sorry. Eine meiner unliebsten Aufgaben, die ich machen musste, war, diese Liegenschaft zu verkaufen. Die Zeit war schlecht, aber Headoffice in Zurich wollte es so. Sau blöd! Nevertheless, my time in Korea was great.

    • Es ist toll einen Leser zu haben, der sich so gut in Seoul auskennt! Ja, das Grand Hyatt kenne ich, da war ich öfter feiern, die hatten eine Zeit lang die besten Cocktails der Stadt. Übrigens soll es dort jetzt die besten deutschen/mitteleuropäischen Brote und Brötchen geben, relativ bezahlbar. Rustikales Brot und kein “Sponge Bbang” :-)

  2. Erster Kommentar, deshalb vorweg: dein Blog ist absolut beneidens- und bewundernswert!!! Und ich dachte schon, es gebe keine modernen Bücher/Websites über koreanisches Essen… wird weiterempfohlen!

    Spektakulär ist auch die Comme des Garcons Filiale in New York, die dort Mitten im Galerienviertel liegt. Als konservative Kunstkonsumentin bin ich zwar empört, wenn sich immer öfter Kunstgewerbe als Kunst aufspielt, in diesem Fall ließ sich aber großzügig darüber hinwegsehen :)

    • Danke für Dein Kompliment :-)
      Und wegen der Kunst – kann ich absolut verstehen, aber wie sagt man so schön, Kunst liegt im Auge des Betrachters. Bei einem Kleid von Rei Kawakubo, richtig ausgeleuchtet, ist mir mal fast der atem gestockt. Sowas passiert mir nie bei Hirst – aber millionen/millarden hat er dennoch! da schaue ich mir lieber Deine Vorschläge an. Schöne Entdeckungen!!

  3. So, damit sich der Kommentarkreis schließt: war im Rose und bei Comme des Garcons :) Leider waren die Mitarbeiter im Rose extrem unfreundlich (Frage nach weiterer Verkehrsverbindung wurde lustlos, dann falsch beantwortet. Dabei gab es einen Direktbus!), sonst hat es gefallen. Kann natürlich auch ein einmaliger Patzer gewesen sein. Comme des Garcons war museal, wirklich wunderschön. Wenn man nicht ständig von einem Mitarbeiter verfolgt worden wäre, hätte ich dort Stunden verbracht :) Beim nächsten London-Trip muss ich das Haus dort besuchen…

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