Abkühlung gefällig? Wakame Salat_Miyeok Muchim

37 bis 39 Grad – es bleibt nicht mehr viel, auf das man Appetit hat bei der Hitze. Bis auf Wassermelonen…

…und Algen! Ich zumindest. Das Wort ALGEN wird dem wunderbar frischen Geschmack nicht gerecht. Es klingt nach Algenpest und Phosphat, und ich assoziiere eher eine undefinierbare braune Brühe damit. Ganz anders dagegen Wakame, oder auf Koreanisch: Miyeok 미역. Die Blätter sind getrocknet erhältlich und müssen für eine halbe Stunde im kalten Wasser aufweichen. So kommen glatte, dunkelgrüne Blätter zum Vorschein, die nach einer Brise Meerwasser duften. Sie sollten noch kräftig „gewaschen“ werden, um einen leichten gelatineartigen Film zu entfernen, der für Empfindliche etwas unangenehm fischig schmecken könnte. Beim „Waschen“ kann man die Blätter ruhig kräftig gegeneinander schrubben, 2-3-mal ausspülen, das Wasser auswringen und sie sind fertig für die weitere Zubereitung.

Miyeok aka Wakame sind ideal, um gänzlich verschwitzte Mineralien aufzufüllen und von innen zu kühlen. Und sie schmecken kalt (Kühlschranktemperatur) besonders gut. Entweder als Salat oder in einer eiskalten Suppe mit Eiswürfeln und Gurken – Miyeok Naenggug (vielleicht demnächst).

Grundsätzlich ist Miyeok als Grundlage für Miyeok Guk, die traditionelle Geburtstagssuppe, sehr bekannt. In Korea wird diese Suppe jeder frischgebackenen Mutter bereits im Krankenhaus als allererste Mahlzeit nach der Geburt zur Stärkung und Regeneration serviert. Durch die Muttermilch wird sie sozusagen dem Säugling weitergegeben. Daher soll jedes neue Lebensjahr wieder mit dieser Suppe beginnen. Anstelle eines Geburtstagskuchens darf daher in Korea diese Suppe niemals an einem Geburtstag fehlen. Aber zu Miyeok Guk komme ich später zu einem kühleren Zeitpunkt zurück, jetzt möchte ich an heiße Fleischbrühen gar nicht denken.

Besser bei dieser Hitze ist dieser süß-sauer-scharfe und erfrischende Algensalat geeignet. Japanische oder koreanische Wakame-Algen sind in jedem Asialaden erhältlich.

Wakamesalat_Miyeok Muchim

Zutaten: (für eine Salatschüssel)

1 Handvoll getrocknete Wakame/Miyeok (미역)

½ Schlangengurke

1 kleine Möhre

2 Lauchzwiebeln

3-4 EL Apfelessig

1 TL Sesam geröstet

1 TL Gochugaru

1 TL dunkles Sesamöl

2 TL Zucker

½ TL Salz

optional

1 Knoblauchzehe

Zubereitung:

Nicht von der geringen Menge Algen irritieren lassen. Das Volumen wird sich nach dem Einlegen vervielfachen.

Algen in einer ausreichend großen Schüssel mit Wasser 30 min. quellen lassen. Säubern wie oben beschrieben, mit beiden Händen überschüssiges Wasser gut ausdrücken.

Zu 2-3 handlichen Portionen formen und mehrfach mit dem Messer zerteilen. In eine Schüssel geben.

Möhren schälen, Gurken längs halbieren und in Scheiben schneiden, Lauchzwiebeln in feine Ringe schneiden. Eventuell Knoblauch hinzufügen, dafür zunächst mit dem Messerrücken grob zerreiben und dann mit der Klinge sehr, sehr fein hacken. Alles zu den geschnittenen Algen geben.

Sesam, Gochugaru, Sesamöl hinzufügen, alles gut vermischen und nach Geschmack mit Essig, Zucker und Salz kräftig abschmecken. Bei Bedarf nachwürzen, da die Algen sehr viel Geschmack (vor allem Salz) schlucken. Nochmals gut vermischen und kalt servieren.

Ich bevorzuge es, wenn die Säure und die Süße gut durchkommt. Dafür verwende ich hausgemachten süß-sauren Sirup der Ume Pflaume (매실 maeshil). Leider habe ich diesen Sirup noch nicht in Deutschland gesehen (Update 2015: mittlerweile gibt es Ume-Pflaumensirup aka Maesil Aeg immer öfter in gut sortierten Asialäden – einfach nachfragen), ich erhalte ihn immer aus Korea. Aber Apfelessig ist eine gute Alternative, Himbeeressig dagegen kann ich nicht empfehlen. Das Aroma ist zu eigenwillig und intensiv für Algen.

Dieser Salat soll vornehmlich nicht scharf schmecken, und die verwendete Menge Gochugaru ist nur als Balance zu den kühlenden Elementen gedacht. Ihr wisst schon, Yin und Yang. Aber wer will, kann natürlich nach Gusto mehr Gochugaru verwenden. Zudem lässt sich Möhre auch gut durch rote Paprika ersetzen und Gurke durch grüne Paprika. Aber jetzt ist Sommer, und warum keine Gurken essen, wenn wir sie überall bekommen?

Wie in Korea üblich ist dieses Gericht als eine Beilage unter vielen gedacht, doch bei einer Hitze wie momentan reicht mir eine große Portion davon aus.

Jetzt bin ich weg, um das WM Finale zu schauen, leider ist die deutsche Elf nicht mehr dabei. Schade… Bin jetzt für Holland, obwohl deren Trikots eine Beleidigung für die Augen sind.

2 thoughts on “Abkühlung gefällig? Wakame Salat_Miyeok Muchim

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