Chili-Himmel_Chili con Carne

Ist es versatil, die eigenen hart errungenen Grundsätze über Bord zu schmeißen, ganz versatil mal sich verweigern, mal mitspielen? Hochphilosophische Fragen, die mich seit der (freudigen) Nachricht von Simone aka Pi mal Butter beschäftigten. Nein, versatil schon mal gar nicht, also übe ich mich weiterhin in Konsequenz. Aber mal ehrlich, wer freut sich nicht über eine unverhoffte Auszeichnung, darum an dieser Stelle noch mal ganz lieben Dank, Simone. Fakten gibt es ja trotzdem.

  1. Ich bin leider eine Ameise – wenn ihr wissen möchtet wer ihr seid, hier Sophie CallesTypologie der Ausstellungsbesucher:
    – die Ameise folgt fleißig der vorgegebenen Reihenfolge.
    – die Heuschrecke stürzt sich von weitem auf ein wertvolles Objekt.
    – der Schmetterling flattert durch die Ausstellung wie über eine Wiese.
    – der Fisch schwimmt durch, mal schneller, mal langsamer, ohne je anzuhalten.
  2. Ich bin eine bekennende Nicht-Vegetarierin, die hauptsächlich gerne vegetarisch isst.
  3. Ein kulinarisch schlechtes Gewissen plagt mich, weil ich mal als Teenager Walfleisch gegessen habe.
  4. Die Gerichte, die mir am meisten Mut und Überwindung abverlangt haben waren Kugelfisch-Suppe, Aal-Sashimi und noch zuckende, kriechende rohe Octopusbeine, die gerne auch am Gaumen haften bleiben, um nicht runtergeschluckt zu werden.
  5. Ich bin immun gegen Kaviar, Foie gras und Champagner. Wegen letzterem sollte ich eigentlich einen Award als beliebtester Gast auf champagnergesponserten Parties erhalten, da ich den ganzen Abend nur am halben Piccolöchen nippe und trotzdem glücklich bin.
  6. Dafür liebe ich Trüffel!! Ansonsten stehe ich am meisten auf billigeren Kram, mag aber lieber Schweinebauch als Putenbrust, Wildkräuter als Kopfsalat, Butter als Margarine, Crème brûlée als Mousse au chocolat, Kartoffelchips als Schokolade, pikant als sahnig.
  7. Ich gerate ins FLOW beim Schnippeln & Illustrieren, bei William Forsythe & Sasha Waltz, bei Ang Lee & Wong Kar Wai… und natürlich beim Foodbloggen. Deshalb blogge ich.

Und als akribische Ameise entdecke ich natürlich gerne – unabhängig vom Auszeichnungs-Tamtam – neue Blogs. Sie sind nicht alle neu, eher sind einige gestandener als ich, dennoch bin ich leider erst vor wenigen Wochen auf sie gestoßen und liebe es seitdem sie zu verfolgen: Der Mut anderer, Utecht, Kochessenz, Spicisi, Zweifachzucker, Hannah Toups, Küchengerüchte. Und bereits schon vor einiger Zeit entdeckt: kathabeck, kein Foodblog aber nicht minder interessant.

Ziemlich viel auf einmal, nicht? Darauf wird erst was gegessen. Etwas wärmendes, etwas das die Energie ankurbelt. Und wer unter einem Chili-Himmel lebt, sollte endlich mal DAS Chiligericht schlechthin kochen. Mache ich doch. Früher sogar oft. Letzter Zeit zwar nicht mehr so oft, aber reinlegen könnte ich mich immer und ständig. Eine grüne Variante gab es kürzlich bei l’art de vivre von Daniela. Aber nun endlich, chön charf:

missboulette’s Chili con Carne

Zutaten für 2-4 Portionen (je nach Hunger):

350 g Hack (hier Halb und Halb)

1 Zwiebel

1 EL Zucker

75 ml Weißwein

1 EL Paprikapulver

1 TL Cumin

½ TL Koriandersamen

1 TL Oregano, getrocknet

1-2 getrocknete Chilis (je nach Größe und Schärfegrad)

500 ml passierte Tomaten

1 Dose Mais

1 Dose Kidney Bohnen

1 Knoblauchzehe

1 EL Balsamico

Salz, Pfeffer, Öl

optional Gochugaru, Kombu

Zubereitung:

  1. Cumin, Koriandersamen ohne Fett auf mittlerer Hitze leicht rösten bis sie duften, Paprikapulver zum Schluss hinzufügen und kurz mitrösten. Alles mit einem Mörser zerkleinern.
  2. Zwiebeln würfeln und mit etwas Öl mit dem Fleisch braten. Chilis grob halbieren und mitdünsten. Knoblauch fein hacken und dazugeben. Alles mit Zucker bestreuen und leicht karamellisieren lassen,
  3. Mit Wein ablöschen und Flüssigkeit leicht verdampfen lassen. Geröstete Gewürze mit Oregano hinzugeben und kurz mitdünsten. Bereits jetzt mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.
  4. Mit Tomatenpüree ablöschen, Hitze runterschalten und ca. 40 min. leise köcheln lassen. Zwischendurch rühren. Kurz vor dem Servieren, den Mais und die Bohnen abtropfen lassen und hinzufügen. Weitere 10 min erhitzen. Nochmals mit Salz, Pfeffer, Balsamico und evtl. noch mehr Chili (ich nehme einfach Gochugaru) kräftig abschmecken. Optional eine weitere frisch zerriebene Knoblauchzehe extra unterrühren.

Tipps: Ich habe einige Kombustückchen als Geschmacksintensivierung mitkochen lassen. Schmeckt nicht fischig, einfach ausprobieren. Wer möchte kann getrocknete Pintobohnen nehmen, hatte ich sogar da, aber die Dose musste weg. Die Maismenge kann man je nach Geschmack reduzieren, aber ich liebe sie. Ich glaube, das Original hat weder Bohnen noch Mais, oder? Irgendwelche Texmex-Spezialisten unter euch?

Geheimnisplauderei_Pizza Margherita

Es ist natürlich eher ein offenes Geheimnis, wenn ein Jamie Oliver seine Pizzateig-Rezeptur verrät. Aber irgendwie ist dies durch die Massen noch nicht durchgedrungen, ansonsten wäre der Tiefkühlpizza-Markt sicherlich etwas kleiner. Wobei ich anmerken muss, dass selbst ich, die eine Zeit lang nur mit einem großen Cafe Latte von der Café-Bar nebenan und dem Naked Chef Samstag vormittags ansprechbar war, somit alle seine Folgen rauf und runter kannte, erst vor kurzem diese Entdeckung gemacht habe.

Bis dahin war ich nicht wirklich von homemade Pizzen überzeugt. Es lag nie am Belag, sondern immer am Teig. Meistens viel zu dick und brotig.

Eine Schulfreundin und ich haben bereits als Teenager versucht an das Geheimnis eines original italienischen Pizzateiges heranzukommen. Antonio, der Pizzabäcker, vertraute uns schließlich mal eine Rezeptur an.  Aber selbst jener Teig hatte mich nicht zufrieden gestellt.

Dieser Teig von Jamie ist, seit ich darauf gestoßen bin, immer wieder im Einsatz mit unterschiedlichsten Belägen, auch als Flammkuchen Grundlage (Saison mit Federweißer ist doch bald – hurra). Herrlich dünn, knusprig, unkompliziert, gut zu verarbeiten und eine tolle Haptik. Und das allerbeste, man hat alle Zutaten immer im Haus. Da die Hefe warmes Wasser und Zucker mag, statt Salz und Öl, werden die ersteren zuerst mit der Hefe angerührt, obwohl es sich hier um Trockenhefe handelt. Das klingt komplizierter als es ist. Tatsache ist, man macht eine Mehlmulde, schüttet Hefe, Zucker, Wasser rein, bestäubt alles mit wenig Mehl und lässt es 10 min. stehen. Ich nehme meistens ein Viertel des Originalrezepts und normales 405er Mehl. Das reicht für 1 Blech oder 2 runde Pizzen.

Pizza-Teig

adaptiert von Jamie Oliver

Zutaten für ein Blech:

250 g   Mehl

½         Beutel Trockenhefe

160ml  lauwarmes Wasser

1          Messerspitze Zucker

1 EL     Olivenöl

1          Messerspitze Salz

Zubereitung:

  1. Mehl in eine Schüssel geben, Mulde formen, Hefe, Zucker, lauwarmes Wasser dazu, mit etwas Mehl bestäuben. 10 min. abgedeckt stehen lassen.
  2. Mit Holzlöffel von der Mitte immer mehr Mehl in den Vorteig einrühren bis ein Klumpen entsteht. Öl und Salz hinzufügen, danach mit der Hand schnell zu einem glatten Teig kneten. Der Teig sollte sich relativ gut von Hand und Schüssel lösen, falls der Teig zu klebrig ist, wenig Mehl hinzufügen. Abdecken, 1 h zugfrei an einem warmen Ort gehen lassen.
  3. Ofen auf 250 Grad vorheizen.
  4. Teig auf einer bemehlten Fläche kräftig kneten und in gewünschte Form ausrollen. Nach Wunsch belegen.
  5. Bei 250 Grad 12-14 min (je nach Dicke des Belags) unterste Schiene backen.

Ich habe hier die klassische Margherita Version gewählt. Ja, ich habe immer noch Basilikum ohne Ende. Dafür einfach 1 Dose Tomaten mit der Gabel zerdrücken, 15 min aufkochen und reduzieren lassen bis eine sämige Konsistenz entsteht, mit Salz, Zucker, Pfeffer, Oregano abschmecken. Auf den Teig gießen, Mozzarella und frisches Basilikum drauf, fertig. Und wo bleibt der Knoblauch? Der darf natürlich nicht fehlen: 1 Zehe fein verreiben, mit 2 EL Olivenöl vermischen und verteilen. Fertig für den Ofen!

Tipp: Manchmal, wenn ich mal keine Zeit hatte, habe ich den Teig verarbeitet, obwohl er sein Volumen noch nicht verdoppelt hatte – geht notfalls auch! Und bei New Kitch On The Blog habe ich die Variante mit Hartweizengrieß gesehen.

Mega-Basilikum_Mediterrane Notizen aus Balkonien

Dieses Jahr habe ich Mega, nein, Giga Basilikumblätter, ich weiß nicht warum. Fast handtellergroß! Ok, meine Hand ist nicht die größte, aber immerhin, so was hatte ich noch nie.

Seit der Hitzewelle im Juli wächst und gedeiht mein Basilikum wie Unkraut. Da ich kaum mit dem Pflücken und Kochen nachkomme, werden die Blätter immer größer und größer.

Vielleicht ist es die Größe, auf jeden Fall haben sie einen ganz intensiven Duft – fast schon nach Anis wie ihre thailändischen Kollegen. Sollte ich sie mal thailändisch zubereiten statt immer mediterran? Wäre mal eine Idee. Hmmm…

Meistens verwende ich mein Basilikum ganz einfach als Bruschetta mit Tomaten, Olivenöl, und Balsamico, neuerdings am liebsten mit diesem Brot (die Anleitung ist wirklich genial und klappt sogar bei einer Brotback-Novizin wie mir).

Toll dazu passen einige gute Oliven nach Art der Peppinella. Ideal für Tage, wenn man einfach keine Lust hat zu kochen –  ja, auch das soll mal vorkommen! Oder ich nehme mein Basilikum für eine tomatige Variante eines Aglio e Olio. Zum heißen Olivenöl, Knoblauch und Peperoncini gebe ich Tomaten und nun das Basilikum hinzu, nur einige Sekunden in der Hitze schwenken und sofort mit der fertigen Pasta vermengen. Nochmals gut schwenken, damit sich alles homogen vermischt. Durch das sehr kurze Erhitzen läuft nicht zuviel Saft aus den Tomaten, es entsteht kein Sugo, da man bei Aglio e Olio keine klassische Sauce will, und man muss trotzdem nicht auf eine fruchtige Note verzichten. Etwas Parmesan drüber, fertig!

Bis ich meine eigenen Tomaten dafür verwenden kann, wird es wohl noch dauern. Mein zartes Tomatenpflänzchen, das nach einem Sturmtief im Mai vom Tisch fiel und 4 Tage unbemerkt in der Ecke fast ausdorrte, hat sich erst nach fürsorglicher Pflege wieder langsam erholt. Jetzt dankt es mir mit ersten kleinen Früchtchen. Das arme Ding sieht immer noch etwas mitgenommen aus, oder?