Das Schwein ist da_Jeyuk Bokkeum

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Ich präsentiere euch nun endlich, nach ausreichend Heißlaufphase, das lang ersehnte Rezept zum scharfen Schwein. Ihr wollt es doch immer noch hoffentlich? Diesmal habe ich das getan, was ich neben kochen und essen ganz besonders gerne mache: delegieren! Praktisch, wenn … Weiterlesen 

Rote Schwarzwurzel

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Es riecht nach Frühling, Balkonien erwacht, hier und da sprießen schon die üblichen Boten – und ich? Ich haue ganz brutal noch ein Wintergemüse raus… Ich ahne, einige Leute würden mich jetzt wahrscheinlich viel lieber backen sehen, aber es ist … Weiterlesen 

Gochujang-Knoblauch-Chili-Öl

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Der erste leichte Anflug einer Blogpubertät (das Haar Layout sitzt nicht, die Klamotten Posts gefallen nicht, selbst die Kochlust rutscht mit den Temperaturen in den Keller…unter uns gesagt, der vorherige Schmortopf war vom letzten Jahr, schäm) – und dann kamen … Weiterlesen 

Scharfer Hühnchen-Kartoffel Schmortopf_Dak Dori Tang

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Schmorgerichte braucht jeder zwischendurch. Geschmortes Hühnchen erst recht. Scharf noch besser. Mein absolutes Lieblings-Hühnchen-Schmorgericht kommt ausnahmsweise nicht aus Korea, sondern aus Ostafrika. Doro Wot, das äthiopische Nationalgericht mit Injera – zum Reinlegen gut und so sozial. Nur fehlt mir dafür … Weiterlesen 

Korean Fried Chicken_KFC oder MFC

Wer Fußball und Bier liebt ist nahezu prädestiniert dafür, wer auf Fingerfood und Flying Buffet steht vielleicht, wer Geflügel mag ziemlich sicher, wer an süßlich-scharf-säuerlicher Chilimarinade nicht vorbeigehen kann definitiv.

Also, ich stehe weder auf Bier noch auf Fußball, das Gegröle ob im Schottenhamel oder in Fanmassen überlasse ich gerne anderen – aber ich stürze mich auf Fingerfood, Geflügel mag ich sowieso und zu Chili und allen dazugehörigen Konsorten muss ich, glaube ich, nichts mehr sagen – selbst mein diesjähriger Sommernagellack heißt Perfect Pimento.

Daher präsentiere ich euch heute – nicht ohne Stolz – mein Korean Fried Chicken oder Yangnyeom Tongdak wie es auf Koreanisch so schön heißt. Der Lieferservice-Klassiker, der in Korea typischerweise zu Bier und Fußball genossen wird. Bei großen internationalen Spielen sind sie der Renner schlechthin und man muss stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen beim KFC (Korean Fried Chicken)-Dealer seines Vertrauens. Jetzt wisst ihr, wofür KFC wirklich steht.

Geschmacklich stand Pelicana Chicken Pate (meiner Meinung nach die besten koreanischen Liefer-KFCs) für meine diversen Geschmacksexperimente. Die Hähnchenteilchen knusprig und würzig hinzukriegen war keine große Herausforderung. Kein Teig anrühren, bloß nicht, sondern wie bei einem guten Lemon Chicken vorher marinieren und einfach mit Stärke überpudern – babyeierleicht. Der Geschmack, die Konsistenz und Glanz der Soße waren schon zeitaufwendiger. Die Glasur hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet, selbstverständlich immer wieder nur sporadisch und punktuell, so oft esse ich nun auch nicht in Fett gebadetes Hühnchen. Und ihr? Ja, ihr dürft ruhig sitzen bleiben, die Ärmel hochkrempeln und das Ergebnis einfach genießen – ihr seid ja auch meine lieben Leser.

missboulettes Fried Chicken_MFC oder Yangnyeom Tongdak

Zutaten für eine kleine Schale:

500 kg Chickenwings

1 EL Sojasauce

1 EL Soju oder trockener Sherry oder chinesischer Kochwein

1 Knoblauchzehe

gleiche Menge Ingwer

etwas Pfeffer

1 Eiweiß

Stärke (Kartoffel oder Mais) zum Panieren

Marinade/Glasur:

4 EL brauner Reissirup oder Ahornsirup

1 EL Sojasauce

3 EL süße Thai-Chilisauce (die für Huhn und Fisch in der Glasflasche)

1 TL Gochujang

2 TL Apfelessig

2 Knoblauchzehen, fein zerreiben

Spritzer Zitrone

2 EL Wasser

Öl zum Frittieren

Zubereitung:

  1. Chickenwings gut waschen und trocken tupfen. Spitzen abschneiden und am Gelenk zerteilen. Von oberen Teilen Haut und Fett komplett entfernen, von den unteren nur evtl. überschüssige Haut.
  2. Knoblauch und Ingwer schälen und sehr fein zerreiben/hacken. Mit Sojasauce und Alkohol zum Fleisch geben, gut einmassieren, etwas pfeffern und alles abgedeckt im Kühlschrank mind. 1 Stunde ziehen lassen.
  3. Eiweiß verquirlen, zum Fleisch geben und vermischen. Fleischstücke in genügend Stärke panieren und überschüssiges abklopfen. Alle Teile zunächst panieren und auf einem Teller beiseite stellen, dabei bindet die Stärke etwas Feuchtigkeit und „zieht“ ein.
  4. Öl nicht zu heiß erhitzen (mittlere Hitze nicht über 160 Grad), in Portionen sehr hell goldgelb langsam garen und auf Küchenpapier abtropfen lassen und alles beiseite stellen. Falls sie zu schnell bräunen sofort Hitze regulieren.
  5. Öl höher erhitzen (ca. 180 Grad), in der Zwischenzeit alle Zutaten für die Marinade in einer breiten Pfanne/Wok miteinander verrühren und unter ständigem Rühren einmal kurz aufbrodeln lassen, sofort von der Hitze ziehen. Beiseite stellen.
  6. Zum zweiten Mal sehr heiß und sehr kurz alle Teile knusprig braun frittieren, auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen und sofort in der noch warmen Soße alles vermengen, bis sie gleichmäßig mit der Glasur überzogen sind. Mit Sesamkörner bestreuen und noch heiß servieren.

Tipps: Ich habe diesmal nur Chickenwings genommen. Theoretisch müsste man ein ganzes Huhn klein zerlegen damit man es überhaupt Tongdak (ganzes Huhn-wie sinnig) nennen dürfte. Dafür einfach die Mengen grob verdoppeln. In Korea wird statt Reissirup üblicherweise Corn Syrup-Mulyeot (auch hier erhältlich) verwendet. Geschmacklos süß mit einer sehr klebrigen Konsistenz. Reissirup und Ahornsirup finde ich wegen des malzigen Geschmacks einfach besser. Wer möchte und darauf steht kann auch statt der Thai-Chilisauce Ketchup verwenden. Evtl. gewünschte Schärfe anpassen.

Schnell gedünstete Zucchini mit Gochugaru

Ich weiß. Bin viel zu spät dran. Sie hat sich gut vor mir bzw. vor euch versteckt. Also noch schnell, schnell: 조선호박 Chosun (ch ausgesprochen wie das englische j) Hobak. Eine koreanische Zucchinisorte in Kugelform mit leicht gelbem Fruchtfleisch und süßlicher Note (beim koreanischen Asiahändler eures Vertrauens sicherlich erhältlich). Ich bilde mir ein, dass sie nussiger schmeckt – einfach mehr Power hat, sofern eine Zucchini überhaupt über Power verfügen kann.

Ich muss Evi beipflichten, auch ich fahre auf dieses Gemüse mit dem unscheinbaren Geschmack ab. Wieso denn bloß? Vielleicht weil Zucchini nach dem Erhitzen so wunderbar süßlich saftig schmeckt, oder weil sie so wandelbar ist? Egal wie, ich stehe darauf. Sogar vor den zarten Blättern incl. Stängel mache ich keinen Halt. Die Blätter werden gedämpft, die jungen Blatttriebe geschnitten und mit viel Doenjang (Miso) zu einer rustikalen, dicklichen Soße gekocht. Zusammen als Ssam Bap (gewickelter Reis) ein Genuss. Und das Schälen der Stängel ist ganz nebenbei eine absolut meditative Angelegenheit. Würde ich jedem Choleriker empfehlen. Zucchini helfen also auch mental.

Einen Sommer lang habe ich mir das besagte Gemüse bereits morgens zum Frühstück mit Hirse oder Couscous reingezogen – und das, obwohl ich eigentlich eine passionierte Nichtfrühstückerin bin. Wenn schon, dann richtig.

Nur auf die süße Art als Zucchinikuchen wurde, zwar immer wieder bestaunt, noch nicht erprobt. Irgendwas in mir sträubt sich noch dagegen. Klingt höchst exotisch für mich – noch.

Wie bereits ab und an erwähnt, mag ich sie am liebsten in 0,5 cm dicke Scheiben geschnitten, leicht gesalzen, mehliert, durch verquirltes Ei gezogen und in der Pfanne goldgelb ausgebacken – Hobak Jeon. Noch warm und ganz leicht in Sojasauce gedippt fast besser als Tempura.

Ansonsten aber auch so – warm und pikant gedünstet, klappt selbstverständlich notfalls mit „normalen“ Zucchinisorten. Ein schnelles Rezept für eingefleischte Zucchinigegner, die ihre Meinung revidieren wollen. Wässrig und fad – keine Spur!

missboulette’s gedünstete Zucchini mit Gochugaru

Zutaten für einen kleinen Topf:

1 Zucchini, mittel

½ Zwiebel, mittel

1 Knoblauchzehe, fein zerrieben

1 TL Gochugaru

1 EL ÖL

etwas Wasser

Salz nach Geschmack

Zubereitung:

  1. Zucchini waschen, halbieren und in ca. 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Zwiebel schälen und ebenfalls in Scheiben schneiden.
  2. Das Gemüse mit Gochugaru, Knoblauch, Öl in ein Topf geben, ca. 1cm hoch Wasser aufgießen und mit 2-3 Prisen Salz vorwürzen. Mit geschlossenem Deckel aufkochen, vorsichtig umrühren, Hitze runterschalten und weitere 2-3 Min. dünsten. Sie sollten noch Biss haben. Zum Schluß evtl. mit wenig Salz nochmals abschmecken. Warm servieren.

Tipps: Statt mit Salz kann man auch mit Saeu Jeot (eingelegte Babyshrimps) würzen oder statt Wasser etwas Fleischbrühe verwenden. Schmeckt folglich insgesamt kräftiger. Weiterhin kann man auch mehr Wasser verwenden (dann bis zur Hälfte aufgießen) und dieses Gericht anstelle einer Suppe servieren. Ideal, wenn man keine Zeit/Lust hat, um eine Suppe separat zu kochen und trotzdem etwas „Flüssigkeit“ zum Reis haben will.

Gegrillter Schweinebauch_Bulgogi, die scharfe und fette Version

Es gibt wieder Fleisch auf die Rippen. Damit meine ich Schweinebauch – mein Lieblingsfleisch, wenn es ums Grillen geht. Denn mit dem austretenden Schweinefett vermischt sich die Marinade aus Chilipaste, Ingwer, Knoblauch, Sojasauce und Zucker zu einer würzigen Glasur mit einzigartigem Aroma.

Nur dünn müssen sie sein, damit das Fleisch-Fett-Marinade-Verhältnis exakt austariert ist. Ich denke da in Millimeter-Dimensionen. Zwischen 5 und 7 bewegt sich meine Akzeptanz, wobei 5 schon einen Hauch zu dünn sein könnten. Aber die regulären 1 cm Scheiben, die man stolz vorgelegt bekommt, wenn man nach „sehr dünnen“ Bauchscheiben fragt, sind absolut untragbar dick. Ich musste schon oft in ungläubige, manchmal auch in unmotivierte Augen blicken (wie, noch dünner…aber sie wollen doch grillen…das dauert aber dann länger), wenn ich Grillfleisch besorgen ging. Kein Problem für mich, da bleibe ich hartnäckig, stoisch  -  und kompromisslos.

Wie so oft, wenn es mir so richtig schmeckt, gibt es kaum Bilder. Nur zwei können euch einen ersten visuellen Eindruck vermitteln. Wenn ihr den Duft nur riechen könntet!!! Die Marinade schmeckt süßlich-scharf-aromatisch zugleich und riecht beim Grillen himmlisch. Dazu würden wunderbar Kkaenip (Perilla-/Sesam-/Shiso-Blätter) als Ssam (Blätter zum Wickeln) passen, aber noch haben wir keinen Sommer und meine Pflänzchen sehen noch so aus.

Immerhin, im März waren sie rundliche Winzlinge, die aber im Mini-Treibhaus (aka perforierte Mülltüte überm Kopf) ziemlich schnell einen Wachstumsschub bekommen haben.

Davon könnten sich die Chilis eine Scheibe abschneiden, bei denen sehe ich kaum einen Unterschied zwischen jetzt

und März. Vielleicht etwas mehr Farbe abbekommen?

Nun aber zum Grillvergnügen. Wem es doch zu scharf und fett sein sollte, für den gibt es mildes, mageres  Beef-Bulgogi. Keine Ausreden und bloß keine Müdigkeit vortäuschen, dieses Wochenende wird gegrillt!

Scharfe Bulgogi-Marinade für knusprigen Schweinebauch

Zutaten ca. 4 Portionen

1 kleine Zwiebel

1-2 Knoblauchzehen

½ Daumen großes Stück Ingwer

1 EL Soju – koreanischer Schnaps (notfalls Korn)

alles mit dem Pürierstab pürieren, dann

1-2 EL Gochujang (nach Schärfegrad)

2 EL Sojasauce

1 EL Zucker (oder mehr nach Geschmack)

1 TL Sesam geröstet

1 TL dunkles Sesamöl (aus geröstetem Sesam)

Salz nach Geschmack

hinzufügen und gut verrühren

ca. 1 kg Schweinebauch in dünnen Scheiben

  1. Marinade wie oben beschrieben anrühren. In einer Schale die Marinade gut in das Fleisch massieren, abdecken und in Lagen mind. 3 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.
  2. Nicht zu heiß über Holzkohle langsam außen knusprig grillen. Dazu viele Salatblätter zum einwickeln servieren. Fleisch in Stücke schneiden und zusammen genießen.

Sseum Bagui_Ixeris dentata Nakai oder Gemüse-Gänsedistel

Sseum Bagui 씀바귀 ist nicht nur in Korea, sondern auch in China und Japan beheimatet und ist mit der europäischen Gemüse-Gänsedistel, auch Sonchus oder Sow thistle genannt, verwandt.

Es gibt in Korea verschiedene Unterarten, die je nach Sorte spitze, raukeartige Blätter oder rundlichere Blätter haben. Die Blüten sind entweder gelb oder weiss. Wegen des bitteren Geschmacks werden sie oftmals einfach Sseun쓴(bitter) Namul나물 genannt. Man kann sie bei Spaziergängen überall an Wegesrändern oder auf Brachflächen finden. Zwischenzeitlich als Unkraut verschrien, erlebt Sseum Bagui seit einigen Jahren ein Revival wie hier der Bärlauch.

Seit jeher wurde in Korea gesagt, dass man nach dem Verzehr von Sseum Bagui im Frühjahr, im darauf folgenden Sommer die Hitze und Schwüle besser ertragen soll. Und wer einmal die schwüle Sommerhitze in der Regenzeit (von Juni bis Juli) erlebt hat, wird für diesen Tipp vielleicht dankbar sein. Zusätzlich soll es u.a. gegen Appetitlosigkeit helfen und generell das Immunsystem stärken.

Zarte Blätter können roh als Ssam (Salatblätter zum Füllen) zu Fleisch und Reis gegessen, oder später als Kimchi eingelegt werden. Im Frühling werden sowohl die jungen kleinen Blätter als auch die zarten Wurzeln blanchiert als Namul verwendet. Ich mag’s am liebsten süß säuerlich abgeschmeckt mit Gochujang wie hier.

Sseum Bagui Namul Muchim_Sseum Bagui mit süß-scharfem Dressing

Zutaten für eine Schale Banchan:

300 g junge Sseum Bagui-Blätter (notfalls Löwenzahn)

1 EL Gochujang (je nach Schärfe)

2 EL Apfelessig

1 TL Sesamkörner

1 TL Zucker (oder 1-2 EL Maesil Sirup)

Salz zum abschmecken

optional

1 kleine Knoblauchzehe, fein zerrieben

Zubereitung:

  1. Die Blätter gut säubern und mehrfach unter fließendem Wasser spülen.
  2. In einem Topf etwas Wasser aufkochen, salzen und die Blätter wenige Minuten blanchieren. Im kalten Wasser abschrecken. Sehr vorsichtig auswringen.
  3. Alle Gewürze zu einer Paste verrühren, alles vorsichtig mit der Hand vermengen (mit oder ohne Handschuhe). Nach Geschmack mit Salz abschmecken.

Tipps: Als Ersatz kann notfalls Löwenzahn genommen werden. Schmeckt ähnlich bitter. Dieselbe Marinade kann man auch für ungespritzte junge Chiliblätter verwenden. Dafür nur helle, zarte, unbeschädigte Blätter einzeln abzupfen, ansonsten genauso verfahren. 2-3 Handvoll reichen für eine kleine Banchan Schale aus.

Ihr seht, Grünzeugs ist vor den Koreanern nicht sicher.

Ein koreanischer Klassiker_scharfe Fischsuppe, Maeuntang oder Saengtae Jjigae

Der Dorsch und seine gesamte Verwandtschaft scheinen vom Schicksal verfolgt zu sein. Ähnlich dem Namenswirrwarr im deutschen Sprachraum, Arthurs Tochter hatte schon ausführlichst berichtet, tauchen sie auch in Korea unter den verschiedensten Namen auf. Mit dem großen Unterschied, dass nicht deren Wohngebiet und Alter darauf Einfluss haben, sondern ihr aktueller Zustand, ob Frischfisch, Tiefkühlfisch oder Trockenfisch. Die korrekten einzelnen Unterarten dürfen sogar mal variieren, dabei sollte aber erwähnt werden, dass in Korea meistens der Pollack gemeint ist.

Der eigentliche Myeongtae taucht mal als Dongtae auf, wenn er in Stücken gefroren ist, als Hwangtae, wenn er zwar ganz aber gänzlich trocken (und ungesalzen) ist, oder eben als Saengtae, wenn er frisch daher kommt. Schon schwindelig?

Bis auf Hwangtae (dazu später) werden sie alle mit Rettich, Lauch, Tofu und mit viel Chili als scharfe Fischsuppe serviert, die wie gesagt immer mal gern den Namen wechselt (Dongtae Jjigae, Saengtae Jjigae usw.), obwohl die Rezeptur immer gleich bleibt. Falls aber doch statt Pollack der Kabeljau genommen wird, nennt sich die Suppe wiederum Daegu Jjigae. Ganz schön kompliziert, ich weiß, daher haben sich die Koreaner noch was einfallen lassen und einen Oberbegriff für scharfe Fischsuppen gefunden: Maeuntang (wörtlich: scharfe Suppe). Da kann nun alles rein: vom Pollack, über Kabeljau, Rotbarsch, bis hin zum Heilbutt oder Steinbutt. Ob es der Geldbeutel oder das Gewissen (WWF-Fischratgeber) erlaubt, ist eine andere Frage.

Ich habe diesmal (eigentlich schon vor Wochen, als es noch richtig kalt war) frische Schellfische genommen – Frischfisch, also Saengtae Jjigae. Die Rezeptur ist natürlich von meiner Mutter, die mit dieser Art von Fischsuppe sich bislang in jedes Herz gekocht hat. Vorausgesetzt man steht auf Fisch und Suppe. Das Geheimnis ihrer Suppe bzw. der feine Unterschied zu anderen Rezepten ist, dass sie nicht mit Gochujang, sondern nur mit Gochugaru würzt, und das auch nur ganz zum Schluss. Warum? Schärfe ist bekanntlich nicht gleich Schärfe. Es gibt die Schärfe, die durch die Nase zieht, wie Wasabi oder Senf, dann die Schärfe auf der Zunge, wie Gochujang oder Curry. Die Schärfe des Gochugarus kommt erst spät, fast am Hals – erst nach dem Schlucken. Dadurch kommt der Eigengeschmack des Fisches hervor, wird nicht überlagert und die Suppe schmeckt dadurch klar, pur und „frisch“. Koreaner benutzen oft den Ausdruck „shiwon hada“ für heiße Suppen, der wörtlich „es ist erfrischend“ bedeutet. Und genau darum geht es bei dem Geschmack; er muss sofort nach dem ersten Löffel ein tiefes „Ahhhh“ entlocken können, als hätte man danach gedurstet.

Genau für diesen „Frischekick“ sind Rettich und Lauch wichtig, außerhalb der Saison lässt sich Rettich notfalls durch Sojabohnensprossen (ohne Köpfe) ersetzen. Aber bitte die richtigen, echten Sojabohnensprossen (Kong Namul) aus gelben Sojabohnen – logischerweise – mit sehr schmalen, langen Stengeln verwenden, und nicht die fast zu 99,9 % falsch deklarierten Mungbohnenkeimlinge (Sukju Namul) aus grünen Mungbohnen.

Ursprünglich sollte auch Ssuk Gat (Chrysanthemum coronarium), junge Blätter der Speisechrysantheme oder hier bekannt als Kronenwucherblume, nicht fehlen und kurz vor dem Servieren über die Suppe gestreut werden. Sie haben ein sehr intensives, etwas seifiges Aroma, das man mögen muss. Ich mag es leider nicht und verzichte immer gerne, aber viele schwören darauf.

Scharfe Fischsuppe_Maeuntang oder Saengtae Jjigae

Zutaten für ein Topf (4 Portionen):

2 ganze Schellfische, küchenfertig mit Kopf

½ Zwiebel

1/3 Lauch

10 cm Rettich

½ Tofu

3-4 TL Gochugaru je nach Schärfe und Geschmack

1 Knoblauchzehe, fein zerrieben

4-5 Stückchen Kombu

ca. 1l Wasser

optional grüne Chili, frische Ssuk Gat Blätter

Salz nach Geschmack

Zubereitung:

  1. Fisch nochmals abspülen, abtupfen, evtl. noch Flossen abschneiden und ausnehmen – falls Rogen, diese nicht entfernen. Kopf abtrennen und restlichen Fisch in ca. 4cm breite Stücke schneiden. Fischstücke mit den Köpfen (gibt Geschmack) in einen breiten Topf geben.
  2. Zwiebeln in Ringe, Rettich in quadratische Scheiben, Tofu in nicht zu kleine Würfel schneiden. Lauch in breite Streifen schneiden.
  3. Zwiebeln, Rettich und Kombustückchen zwischen die Fischstücke geben und mit Wasser aufgiessen, bis alles knapp bedeckt ist.
  4. Alles aufkochen und den Schaum abschöpfen. Hitze auf die Hälfte reduzieren und ca. 10 min. kochen. Tofu, Knoblauch, Lauch hinzugeben und jetzt schon mit Salz abschmecken. Gochugaru reinstreuen und alles kurz gar ziehen lassen.
  5. Optional frische grüne Chilis und frische Ssuk Gat Blätter kurz vor dem Servieren über alles streuen.

Tipps: Mein Rezept ist ein Grundrezept. Weitere Zutaten wie Enokipilze, Muscheln, Shrimps können zusätzlich reingegeben weren. Auch Garae Ddeok Scheiben (Reiskuchen), kurz vor dem Servieren dazugegeben, schmecken sehr gut als Einlage.

Wenn man Gäste hat, kann man die Fischsuppe auf traditionelle Art in einem breiten, flachen Topf direkt am Tisch fertig garen, und erst dann in Portionsschalen servieren.

Chili-Himmel_Chili con Carne

Ist es versatil, die eigenen hart errungenen Grundsätze über Bord zu schmeißen, ganz versatil mal sich verweigern, mal mitspielen? Hochphilosophische Fragen, die mich seit der (freudigen) Nachricht von Simone aka Pi mal Butter beschäftigten. Nein, versatil schon mal gar nicht, also übe ich mich weiterhin in Konsequenz. Aber mal ehrlich, wer freut sich nicht über eine unverhoffte Auszeichnung, darum an dieser Stelle noch mal ganz lieben Dank, Simone. Fakten gibt es ja trotzdem.

  1. Ich bin leider eine Ameise – wenn ihr wissen möchtet wer ihr seid, hier Sophie Calle‘s Typologie der Ausstellungsbesucher:
    - die Ameise folgt fleißig der vorgegebenen Reihenfolge.
    - die Heuschrecke stürzt sich von weitem auf ein wertvolles Objekt.
    - der Schmetterling flattert durch die Ausstellung wie über eine Wiese.
    - der Fisch schwimmt durch, mal schneller, mal langsamer, ohne je anzuhalten.
  2. Ich bin eine bekennende Nicht-Vegetarierin, die hauptsächlich gerne vegetarisch isst.
  3. Ein kulinarisch schlechtes Gewissen plagt mich, weil ich mal als Teenager Walfleisch gegessen habe.
  4. Die Gerichte, die mir am meisten Mut und Überwindung abverlangt haben waren Kugelfisch-Suppe, Aal-Sashimi und noch zuckende, kriechende rohe Octopusbeine, die gerne auch am Gaumen haften bleiben, um nicht runtergeschluckt zu werden.
  5. Ich bin immun gegen Kaviar, Foie gras und Champagner. Wegen letzterem sollte ich eigentlich einen Award als beliebtester Gast auf champagnergesponserten Parties erhalten, da ich den ganzen Abend nur am halben Piccolöchen nippe und trotzdem glücklich bin.
  6. Dafür liebe ich Trüffel!! Ansonsten stehe ich am meisten auf billigeren Kram, mag aber lieber Schweinebauch als Putenbrust, Wildkräuter als Kopfsalat, Butter als Margarine, Crème brûlée als Mousse au chocolat, Kartoffelchips als Schokolade, pikant als sahnig.
  7. Ich gerate ins FLOW beim Schnippeln & Illustrieren, bei William Forsythe & Sasha Waltz, bei Ang Lee & Wong Kar Wai… und natürlich beim Foodbloggen. Deshalb blogge ich.

         

Und als akribische Ameise entdecke ich natürlich gerne – unabhängig vom Auszeichnungs-Tamtam – neue Blogs. Sie sind nicht alle neu, eher sind einige gestandener als ich, dennoch bin ich leider erst vor wenigen Wochen auf sie gestoßen und liebe es seitdem sie zu verfolgen: Der Mut anderer, Utecht, Kochessenz, Spicisi, Zweifachzucker, Hannah Toups, Küchengerüchte. Und bereits schon vor einiger Zeit entdeckt: kathabeck, kein Foodblog aber nicht minder interessant.

Ziemlich viel auf einmal, nicht? Darauf wird erst was gegessen. Etwas wärmendes, etwas das die Energie ankurbelt. Und wer unter einem Chili-Himmel lebt, sollte endlich mal DAS Chiligericht schlechthin kochen. Mache ich doch. Früher sogar oft. Letzter Zeit zwar nicht mehr so oft, aber reinlegen könnte ich mich immer und ständig. Eine grüne Variante gab es kürzlich bei l’art de vivre von Daniela. Aber nun endlich, chön charf:

missboulette’s Chili con Carne

Zutaten für 2-4 Portionen (je nach Hunger):

350 g Hack (hier Halb und Halb)

1 Zwiebel

1 EL Zucker

75 ml Weißwein

1 EL Paprikapulver

1 TL Cumin

½  TL Koriandersamen

1 TL Oregano, getrocknet

1-2 getrocknete Chilis (je nach Größe und Schärfegrad)

500 ml passierte Tomaten

1 Dose Mais

1 Dose Kidney Bohnen

1 Knoblauchzehe

1 EL Balsamico

Salz, Pfeffer, Öl

optional Gochugaru, Kombu

Zubereitung:

  1. Cumin, Koriandersamen ohne Fett auf mittlerer Hitze leicht rösten bis sie duften, Paprikapulver zum Schluss hinzufügen und kurz mitrösten. Alles mit einem Mörser zerkleinern.
  2. Zwiebeln würfeln und mit etwas Öl mit dem Fleisch braten. Chilis grob halbieren und mitdünsten. Knoblauch fein hacken und dazugeben. Alles mit Zucker bestreuen und leicht karamellisieren lassen,
  3. Mit Wein ablöschen und Flüssigkeit leicht verdampfen lassen. Geröstete Gewürze mit Oregano hinzugeben und kurz mitdünsten. Bereits jetzt mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.
  4. Mit Tomatenpüree ablöschen, Hitze runterschalten und ca. 40 min. leise köcheln lassen. Zwischendurch rühren. Kurz vor dem Servieren, den Mais und die Bohnen abtropfen lassen und hinzufügen. Weitere 10 min erhitzen. Nochmals mit Salz, Pfeffer, Balsamico und evtl. noch mehr Chili (ich nehme einfach Gochugaru) kräftig abschmecken. Optional eine weitere frisch zerriebene Knoblauchzehe extra unterrühren.

Tipps: Ich habe einige Kombustückchen als Geschmacksintensivierung mitkochen lassen. Schmeckt nicht fischig, einfach ausprobieren. Wer möchte kann getrocknete Pintobohnen nehmen, hatte ich sogar da, aber die Dose musste weg. Die Maismenge kann man je nach Geschmack reduzieren, aber ich liebe sie. Ich glaube, das Original hat weder Bohnen noch Mais, oder? Irgendwelche Texmex-Spezialisten unter euch?