
Nicht kalt und süß, sondern heiß und salzig. Tatsächlich ist 미역국 Miyeok Guk, eine Suppe aus Wakame-Algen in kräftiger Fleischbrühe (entweder Rind oder Huhn), am Geburtstag eines jeden Koreaners das Wichtigste überhaupt. Wichtiger als eine Geburtstagstorte und sogar wichtiger als Reiskuchen an einem solchen Tag. Militante Miyeokguk-Anhänger (meine liebe Verwandtschaft) servieren sie am liebsten bereits zum Frühstück mit Reis, Kimchi und geröstetem Gulbi (Yellow Croacker).
Um dieses merkwürdige Verhalten zu verstehen, muss man zurückgehen – bis zur Geburt. Jede frischgebackene Mutter wird in der Regel wochenlang mit der besagten Suppe „verwöhnt“, weil man ihr eine kräftigende Wirkung nachsagt und sie außerdem für eine gehaltvolle Muttermilch sorgen soll. Daher wird sie morgens, mittags, abends aufgetischt, auch wenn der Mutter irgendwann fast wörtlich die Suppe aus dem Halse hängt – da hilft nichts, 4 Wochen (also knapp 90 Portionen) sind das Minimum für eine Frau, die etwas auf sich hält.
Mit dieser Suppe wird demnach an die allererste „Nahrung“ des Säuglings/Geburtstagskindes erinnert.

Für Miyeok Guk werden größere Wakame-Algenblätter verwendet, die besonders dickfleischig sind und einen bräunlicheren Farbton besitzen. Sie sind reich an Mineralstoffen und Spurenelementen und werden gerne sehr weich gegessen. Nicht unbedingt meine Lieblingskonsistenz – und auch nicht unbedingt meine Lieblingssuppe, wenn ich gestehen darf, aber heute musste sie sein.

축 돐 Chuk Dol – der erste Geburtstag ist in Korea schließlich, neben dem sechzigsten, der wichtigste Geburtstag. Dann gilt dies auch für ein Foodblog über die koreanische Küche. Wäre missboulette ein einjähriges Kleinkind, müsste es sich nun in ein Hanbok (koreanische Tracht) zwängen, einen lästigen Kopfschmuck aufsetzen, für das Familienalbum Posen bis zum Umfallen, bekäme dafür eine eigene Tafel voller Essen, Reiskuchen, Geldgeschenke, Goldschmuck, Silberlöffel – und dürfte sich unter diversen Glückssymbolen wie Nudeln, Seidengarn, Geldscheine, Bücher, Pinsel/Stifte und neuerdings auch Golfbälle (die millionenfachen Preisgelder in der Profiliga machen schließlich schwach) als Prognose für den weiteren Werdegang eines davon aussuchen bzw. planlos nach irgendwas grapschen. Dann hätte es das Event-Highlight abgehakt und könnte etwas verschnaufen.

Aber da missboulette ein Foodblog ist, gibt es heute nur ein Rezept mit Dank an alle meine Leser: Blogger, Nicht-Blogger, Kommentierende, Nur-Leser, Feedbacksender, Emailschreiber, Nachkocher, Inspirationsgeber (s. meine Blogroll) – ich freue mich über jeden einzelnen von Euch!

Miyeok Guk_Geburtstagssuppe
Zutaten für 4 kleine Portionen:
1 Hühnchenschenkel
ca. 30 g Wakame-Algen (für Suppen)
1 Knoblauchzehe, fein zerrieben
1 EL Sesamöl
ca. 1,2 L Wasser
Salz nach Geschmack
Zubereitung:
- Wasser in einem kleinen Topf aufsetzen. Das Fleisch evtl. säubern, kalt abbrausen und in das noch kalte Wasser legen. Auf mittlerer Hitze kochen bis das Fleisch sich vom Knochen löst.
- In der Zwischenzeit Algen in reichlich kaltes Wasser für ca. 10 min. in einer großen Schüssel einweichen. Kurz ausspülen, waschen, mit den Händen ausdrücken und mehrfach mit dem Messer zerteilen.
- Sobald das Fleisch sich vom Knochen löst, herausholen, das Fleisch in mundgerechte Stücke zerrupfen, Haut und Knochen entfernen.
- In einem neuen Topf eingeweichte, geschnittene Algenblätter mit dem Sesamöl und dem Knoblauch kurz sautieren und mit der Hühnerbrühe aufgiessen. Mindestens eine halbe Stunde (bis zu 1 h) köcheln lassen. Evtl. Wasser nachgießen, falls zu wenig Flüssigkeit.
- Eine Viertelstunde vor Ende der Kochzeit die Fleischstücke wieder zur Suppe geben. Mit Salz abschmecken.
Tipps: Dies ist das Grundrezept in Miniversion. Normalerweise eignet sich die Suppe für eine größere Menge (Riesentopf), dann mit einem ganzen Suppenhuhn. Zwischendurch aufgekocht und kalt gestellt hält sich die Suppe locker 3 Tage. Wer Rinderbrühe lieber mag, kann Beinscheibe/Brust verwenden.
Eine schnellere Version geht mit geschnetzeltem Fleisch. Hierfür Fleisch wie unter Punkt 4 zunächst anbraten, dann erst Algen (vorher Algen einweichen, säubern, schneiden) mitbraten und alles mit Wasser aufgießen. Insgesamt nur ca. 30 min. kochen. Ist nicht so gehaltvoll, schmeckt aber leichter und die Algen haben noch Biss.
Wunderbar schmecken auch Miesmuscheln statt Fleisch, dann schmeckt die Suppe klar und frisch und nach Meer.
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...