
Die zweite wäre wohl passender, diese Quiche ist wirklich nur entstanden, um den Kühlschrank wieder mal neu zu sortieren und alle Reste und angebrochenen Verpackungen irgendwie sinnvoll aufzubrauchen. Dafür eignen sich ja Quiches wunderbar. Vor allem, wenn man auch noch Milchprodukte verwerten muss, was bei mir, mit eher asiatischen Essensgewohnheiten, nicht so häufig vorkommt. Der Phantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt und einige schöne Beispiele habe ich u.a. bei Houdini und natürlich als Mittwochsexemplare bei Chaosqueen gefunden. Barbara hat auf ihrer Spielwiese die Mutter aller Quiches – die Quiche Lorraine – bereits vorgestellt, und für heiße Hände (man braucht für einen Mürbeteig ja bekanntlich kalte Hände) hat Evi von der kyche sogar einen passenden Vorschlag.
Neu ausprobiert und geschmacklich dominiert haben bei mir der leicht karamellisierte Spitzkohl und der Wirsing, die mich wirklich mit einem fein-deftigen Aroma überraschen konnten. Hinzu natürlich etwas konservativ (aber immer gut) die Combo Lauch-Schinken, mit einer Lage Sättigungsbeilage dazwischen vom Vortag. Ohne vor Eigenlob stinken zu wollen – diese dreistöckige Not-Eigenkreation war sogar besser als meine altbewährten Quiches aus der Rue Tiquetonne, die bei jedem Paris-Trip zu guter Musik und mit netten Leuten obligatorisch sind.

Um die allerletzten Reste brav auszunutzen und trotzdem noch ein schlechtes Gewissen zu haben (allerspätestens nach der noch laufenden ARD Themenwoche, spätestens seit We feed the world & Jean Ziegler), habe ich den Herbst einfach Herbst sein lassen, und das letzte Drittel meines frivol-sommerlichen Zucchinis dazugesellt, begleitet von farbenfrohen Möhrchen. Eine dogmatische Einstellung hilft schließlich auch nicht über alles hinweg.
Ein Besuch bei Kathas Welt hatte mich dann wieder optimistisch gestimmt, die zeigt, wie positiv und voller Tatendrang man das ganze, unsägliche Thema angehen kann. Sie ist für mich die deutsche, weibliche Variante des noimpactman – verständlicherweise nicht in der Radikalität.

Themenwechsel: Wenn ich mir das Bild so anschaue, weiß ich im Nachhinein gar nicht mehr, was mich bei der Anordnung der Möhren geritten hat. Nur soviel – ich wollte kein kleingeschreddertes Zeugs.
Ist es nicht etwas Fifties? Naja, passt dann zumindest zum aktuellen Fashion Trend. Fehlt nur noch der Käseigel dazu.
Und leider habe ich vom herbstlichen Innenleben (oder Anschnitt) keine Beweisfotos, aber so war’s:

Herbstliches-Allerlei Quiche
Zutaten für eine 24er Springform
Teig:
200 g Mehl
100 g Butter
¼ TL Salz
2 EL Wasser
Füllung:
1/2 Lauch
60 g Schinkenspeck
1 EL Öl
3 gekochte Kartoffeln vom Vortag
4-6 Wirsingblätter
4-6 Spitzkohlblätter
1 EL Butter
1 TL Zucker
1 Knoblauchzehe
½ Zwiebel
100 ml Sahne
50 ml Milch
50 g Käse, was da ist
3 Eier
1 Prise Muskatnuss
Salz, Pfeffer zum abschmecken
Hier zusätzlich, aber nur optional: 2 gekochte Möhren und etwas gedünstete Zucchinischeiben
Zubereitung:
- Aus allen Teigzutaten schnell einen Mürbeteig kneten, dafür Mehl und Salz vermischen, Butter in kleinen Stückchen hinzu, krümelig vermischen und alles mit Wasser verkneten. Zur Kugel formen und mind. 30 min. kühl stellen.
- Den Wirsing und Spitzkohl waschen, in breite Streifen oder Stücke schneiden.
- Lauch in breite Scheiben schneiden, auf mittlerer Hitze mit Speck und Öl in der Pfanne weich dünsten, beiseite stellen.
- In derselben Pfanne (mit Restöl) 1 TL Zucker gleichmäßig dünn ausstreuen, Hitze hochschalten und beide Kohlsorten kurz andünsten, Butter dazugeben und weiterrühren, mit Muskatnuss, Salz und Pfeffer abschmecken. Das Gemüse sollte noch knackig sein, beiseite stellen.
- Gegarte Kartoffeln in dicke Scheiben schneiden, Knoblauch hacken, Zwiebel sehr fein würfeln. Käse evtl. reiben oder in kleine Würfel schneiden.
- Knoblauch, Zwiebel, Sahne, Milch, Käse, Eier miteinander verquirlen und einen Guss herstellen. Mit Muskatnuss, Salz und Pfeffer abschmecken.
- Ofen auf 180 Grad vorheizen. Den Teig ausrollen, in eine gefettete Springform geben und einen hohen Rand ziehen. Der Teig kann und wird sehr dünn sein.
- Zunächst die beiden Kohlsorten, dann eine Lage Kartoffelscheiben, zum Schluß den Lauch/Speck verteilen. Den Guss gleichmäßig darüber verteilen. Auf mittlerer Schiene 35-45 min. backen, bis der Rand knusprig braun wird. Vor dem Anschneiden ca. 5 min. warten, damit der Guss sich „setzen“ kann.
Tipp: Hier habe ich die verwendeten Originalzutaten angegeben, aber um neue Reste zu vermeiden, würde ich statt der Sahne-Milch Mischung einfach 1 Becher Sahne verwenden. Und die Zucchinischeiben und Möhren habe ich eher als Deko gesehen und daher nicht näher im Rezept erläutert.
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