Brazilianization of Streuselkuchen oder: Ein Deutschbrasilianer

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Die WM ist bereits eine gefühlte Ewigkeit her. Der Jubel für Deutschland ist leicht verklungen, die Tränen für Südkorea sind längst wieder getrocknet (sagt mir bitte, dass ihr alle die Südkorea-Spiele verpasst habt und das große Grauen nicht miterleben musstet)…

Was haben wir also gelernt? Deutschland kann Fußball. Südkorea kann nicht Fußball (übrigens, jetzt soll Uli Stielike – ich muss zugeben, der Name sagte mir zuvor rein gar nichts, noch nicht mal der Hinweis “das-ist-doch-der-mit-dem-verschossenen-Elfmeter” – als Nationaltrainer retten, was in Südkorea zu retten ist). Und eine weitere Erkenntnis bleibt: Brasilien kann Streuselkuchen! Wer hätte das gedacht?

Mitten während der WM hatte Arte unter dem allzu nüchternen Namen “Kulinarische Reise durch Brasilien” eine wirklich sehenswerte Reportage-Reihe über die vielfältige Esskultur Brasiliens ausgestrahlt. Mit der höchst sympathischen Sterneköchin Bel Coelho konnte man sich auf die Reise begeben und unmittelbar Land und (die ebenso sympathischen wie strahlenden) Leute kennenlernen, nebenbei Historisches und Wissenswertes erfahren. (Wusstet ihr, dass die hier so verbreitete Cashewnuss nur ein Anhängsel/Zipfel einer Frucht ist, die optisch der Kaki-Frucht ähnelt und großartig schmecken soll?)

Fasziniert hat mich (so naiv es klingt, eigentlich Selbstverständliches als Besonderheit zu erachten) die Ursprünglichkeit der Kochstile und die Erkenntnis, wie sehr die (vorgestellten) Menschen dort noch mit ihrer direkten Umwelt verankert sind. Dass die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen des riesigen Landes immer noch in erster Linie bestimmen, was in den einzelnen Regionen auf den Tisch kommt. Und wie stark die wechselseitigen Einflüsse mit der Heimatküche der vielen Zuwanderer waren und noch immer sind. Eine großartige Bandbreite, jenseits von Feijoada.

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In einer jener Folgen war ein Bäcker mit deutschen Wurzeln (ein Deutschbrasilianer in vierter oder fünfter Generation) zu sehen, der seine wolkenweichen Cucas vorstellte – nach dem Hefekuchen-Rezept seiner Vorfahren.

Cucas sind brasilianische Hefekuchen in Kastenform, die oftmals mit verschiedenen Fruchtpürees (Mango, Ananas, Bananen oder eben was das dortige regionale Angebot hergibt) oder mit Schokolade gefüllt werden. Dafür wird der Teig zu einem Rechteck (kurze Seite ungefähr in der Länge der Kastenform) ausgerollt und die Füllung in großen Tupfen aufgetragen. Anschließend wird der Teig von der kurzen Seite in Dritteln eingeschlagen und die Oberfläche erneut mit weiteren Fruchttupfen versehen.

Doch der Bäcker betonte beim Zeigen all der vielen unterschiedlichen Variationen, dass ihm persönlich die schlichteste Sorte – ein nur mit Streuseln gefüllter Cuca – unter allen die liebste sei.
Und Recht hat er! Wer wie ich bei den Stichpunkten Hefeteig und Streusel hellhörig wird, sollte diesen Brazilianization of Streuselkuchen unbedingt probieren. Da das Rezept nicht verraten wurde, habe ich einfach den flaumigsten Hefeteig, den ich kenne, mit meinem Grundrezept für Streusel kombiniert (ich mache meine immer mit flüssiger Butter, so entstehen sofort schöne, kugelige Streusel): 125 g Butter, 200 g Mehl, 100 g Zucker, Prise Salz.

Die Streusel sind, da sie roh eingebacken werden, von der Textur nicht spürbar, verleihen aber einen sehr subtilen Duft, der den Hefekuchen besonders macht. Noch lauwarm in zentimeterdicke, flauschige (oder wie mein Patenkind zu sagen pflegt: “Ganz schön plüschig!”) Scheiben geschnitten, ein kleiner Genuss.

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Gewickelt

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