Arirang

Als der Autodidakt Kim Ki Duk, bei den letzten Filmfestspielen in Venedig, statt einer Dankesrede ein koreanisches Volkslied anstimmte, schrieb eine deutsche Tageszeitung (die eigentlich niemand liest), er hätte eine koreanische Schnulze gesungen.

Mitnichten. Arirang ist weder Schnulze noch Volkslied. Es ist DAS Volkslied der Koreaner. Die heimliche Hymne und das Lied, welches die ganze koreanische Halbinsel eint – Nord wie Süd. Jahrhundertealt – je nach Gemütslage entweder schwermütig tragend oder munter bejahend vorgetragen. Ursprünglich vom Volk bei der körperlich schweren Arbeit gesungen, wurde Arirang Anfang des letzten Jahrhunderts unter der Besatzung zum haltgebenden Symbol eigener Identität und Kultur. Eine tiefe Gewissheit vermittelnd, dass nach jedem Tief auch ein Hoch folgen wird.

Dem Regisseur verhalf sein Arirang eine depressive Schaffenspause zu überwinden und mit Pietà zurückzukehren – das vermag keine seichte Schnulze.

Hier könnt ihr in diese fremdländische Klangwelt, die für jeden Koreaner ein Stück Heimat bedeutet, reinhören. Und auch ich möchte durch Arirang danken. Dafür dass ihr immer wieder hier vorbeischaut, obwohl ihr jederzeit Massentauglicheres lesen könntet – nur um euch exotisch kuriose, zuweilen milchsauer vergorene Geschmackswelten vorsetzen zu lassen. Wie erstaunlich und wunderbar!

Auf ein neues (noch weißes) Jahr der schwarzen Schlange, die für Weisheit und Umsicht steht. Etwas davon wünsche ich mir für euch und für mich.

P.S. Wer dieses Jahr 12, 24, 36, 48, 60 usw. wird, ist ebenfalls eine “weise Schlange”.

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6 thoughts on “Arirang

  1. Vielen Dank dafür! :) :) Hab das Lied schon so lang nicht mehr gehört, aber danke fürs Erinnern. :) :)

    Ein frohes neues Jahr dir und danke fürs Verbreiten der koreanischen Küche. ;) Nicht nur für Nicht-Koreaner interessant, ich schau auch sehr gerne hierein!

    Liebe Grüße
    Yoojin

    • yoojin, und wie ich mich darueber freue, dass ihr nicht-nicht-koreaner hier mitlest! auch wenn ich euch selten DIREKT anspreche…
      ich danke dir fuer das schoene feedback und wuensche auch dir nur das allerbeste fuer 2013!

  2. Da kann ich mich nur anschliessen – ich bin froh, diesen Blog gefunden zu haben. Nicht nur, weil ich mich munter durch die Rezepte blättere, die ich noch von meiner Mutter kenne (aber immer wieder vergesse danach zu fragen, wie genau dieses oder jenes jetzt gekocht wird), sondern weil ich auch den ein oder anderen Nostalgie-Anfall erleide (und geniesse – ich sage nur Saeu ggang ;))

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