Muscheln, gegrillt

Es wäre übertrieben hier von Kochen zu reden. Doch es sind die einfachen Dinge, die einen glücklich machen.

An den seichten Gewässern der koreanischen Westküste (vorzugsweise rundum Buan, auf der wunderschönen Halbinsel Byeonsan) findet man (fast schon inflationär) Muschelgrillverzehrstationen, in denen frischeste Ware eimerweise direkt vom Wassertank auf dem Grilltisch landen. Ein Eimer gemischte Muscheln für knapp 40 Euro (Südkorea ist ein Traum für Meeresfrüchteliebhaber) zum Selbergrillen. Inklusive Schutzhandschuh, Grillzange, grellem Neonlicht, Plastikstuhlcharme und Improvisationschic. Wer Ambiente sucht, ist hier direkt am Strand völlig falsch. Dafür gibt es eine radikale Konzentration auf frische Produkte ohne Schnickschnack. Noch nicht einmal die für die koreanische Küche so typischen Beilagen aka Banchan gibt es. Nur einen scharf-säuerlichen Gochujang-Dip. Zu fleischigen Stabmuscheln passt der Dip zwar sehr gut, doch Venus- und Herzmuscheln mag ich am allerliebsten so:

Zuerst die „trockenen“ Zutaten: Lauchzwiebeln, fein zerriebener Knoblauch, Buchu/Schnittlauch, Chili, Sesamkörner, Gochugaru. Von allem etwas je nach Geschmack und Vorrat.

Nun soviel Sojasauce und Sesamöl im Verhältnis 1:1 löffelweise dazugeben, bis alles knapp bedeckt ist. Die Würzsoße sollte dicklich sein.

Muscheln in einer Lage in eine Pfanne (die ollste die ihr habt, oder gleich auf den Grill) geben. Nicht zu viele auf einmal, sonst wird es später hektisch. Erhitzen, lange Zeit passiert nichts, dann ist Aktion angesagt. Dampf und Rauch. Die Dinger sprechen sich ab und öffnen sich fast alle gleichzeitig. Stress!

Erste Schwade vorüberziehen lassen und evtl. Muscheln wenden, falls sie kopfüber hängen sollten (schnell arbeiten).

Mit einem kleinen Löffel (Espressolöffel) etwas vom vorbereiteten Gewürz über jede einzelne Muschel geben. Noch einige Sekunden bis max. eine Minute mit der Soße in der Schale kurz brodeln lassen.

Nun schnell von der Pfanne auf einen Teller balancieren, damit die Muscheln nicht übergaren und saftig bleiben. Beim Essen unbedingt die kleine verbleibende „Pfütze“ in der Schale mitschlürfen.

Zwischendurch ist immer wieder Rauch und Husten angesagt (Fenster öffnen!), und etwas Hektik bleibt nicht aus, weil man fast gleichzeitig wenden, Soße überträufeln und fertige Muscheln aussortieren muss. Multitasking ist gefragt! Und – die Küche riecht danach wie eine kleine Räucherkammer. Aber es lohnt sich, garantiert. Konsequente Freiluftgriller sind hier erheblich im Vorteil. Für diese pikanten Muscheln muss man also nur rühren und Muscheln auf eine Feuerstelle legen können. Den Rest erledigen die Muscheln selbst. Bis zuletzt plagte mich ein schlechtes Gewissen und fast hätte ich gezögert. Darf man sowas Banales überhaupt verbloggen?

PS: Natürlich könnt ihr jede Sorte Muscheln nehmen. Doch dazu habe ich eine ganz eigene Meinung: Stabmuscheln schmecken wie gesagt pur gegrillt mit Gochujang-Dip noch am besten, Miesmuscheln (eine gigantische von über 20 cm habe ich mal auf dem Grill erlebt – oder heißen die dann anders, wenn sie riesig sind? EDIT: nun bin ich schlauer, es handelte sich um Steckmuscheln aka pen shell clams aka Pinnidae) habe ich irgendwie lieber in einer erfrischenden Algensuppe aka Miyeokguk, Jakobsmuscheln schmecken mir roh mariniert in hauchdünnen Scheiben und Austern sind besser tot als lebendig – als minimalistische Suppe nur mit roter Chili und Buchu/Schnittknoblauch oder in dünner Eihülle leicht gebraten. Und wie esst ihr am liebsten Muscheln? Rheinisch oder mediterran mag ich selbstverständlich auch.

Und weil Buan nicht nur bekannt für gute Muscheln und Bajirak Juk (Muschel-Congee) ist, sondern auch den wunderschönen Tempel Naesosa beheimatet, zeige ich euch jetzt noch eine kleine Tour. Der Legende nach wurde einem Mönch die Errichtung eines Tempels versprochen, unter der Bedingung, dass niemand vorher einen Blick darauf werfen dürfe. Unfähig seine Neugier bis zum Schluss zu zügeln, hob der Mönch kurz vor der Vollendung den Vorhang, und entdeckte nur einen kleinen Vogel, der just in diesem Moment verschwand.

Dies soll der Grund sein, warum der Naesosa-Tempel unvollendet bzw. nicht wie alle anderen mit Malereien in den Farben der fünf Elemente (grün, rot, gelb, weiß, blau) verziert ist. Umso mehr ist dieser kleine Tempel für seine schlichte Schönheit mit meisterhaft gefertigten floralen Intarsien und Schnitzereien berühmt.

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14 thoughts on “Muscheln, gegrillt

  1. Gegen diese verführerischen kleinen Muscheln würde ich meine rheinischen Miesmuscheln jederzeit gerne eintauschen! Leider kann ich mir das nicht aussuchen, denn Herz- oder Venusmuscheln bekomme ich hier nicht so leicht.

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