Benimmkurs

Regelmäßige Leser meines Blogs wissen nun allmählich, was man in Korea isst (neue Besucher können sich auf Rezepte Index einen Überblick verschaffen oder können die Schlagwortsuche nach einzelnen Zutaten/Gerichten oben rechts nutzen); aber um euch den koreanischen Feinschliff zu geben, mach’ ich jetzt einfach mal ein bisschen auf interkulturelles Training: WIE man in Korea isst.

Für die meisten Mitteleuropäer ist es ja schon eine Riesenhürde, an einem flachen Tisch halbwegs elegant auf dem Boden Platz zu nehmen und die Beine übereinander zu schlagen, nachdem sie sich etwas hektisch um die begehrten Wandplätze (Anlehnfunktion!) bemüht haben (Schnürschuhe sind hier von Nachteil – so hat man immer das Nachsehen). Um es allen Anwesenden nicht einfacher zu machen, haben sich die Koreaner zusätzlich was ausgedacht.

Heute geht es um Tischetikette. Ich war gewillt und hatte schon die ersten Zeilen getippt, als ich auf Wikipedia alles wunderbar aufgelistet entdeckte (und nichts hatten die vergessen):

In Korea gibt es eine genaue Tischetikette, deren Beachtung in Gegenwart von anderen erwartet wird. Sie spielt auch deshalb eine wichtige Rolle, weil sich häufig mehrere Personen aus gemeinsamen Schüsseln bedienen. Dabei sollen Jüngere den Älteren den Vortritt lassen. Die Tischsitten dürfen von älteren Menschen ignoriert werden, nie jedoch von jüngeren, da ihre Einhaltung ein Zeichen des Respekts ist.

Wichtige Regeln der Tischetikette:

  • Im Unterschied zu China werden Suppen- und Reisschüsseln nicht mit den Händen angehoben und zum Mund geführt, um das Essen zu erleichtern. Das hat damit zu tun, dass früher nur der Adel an Tischen aß, während die Bauern ihre Schüsseln zum Essen in der Hand hielten. Diese Art zu essen gilt daher als „ordinär“.
  • Es ist ungehörig, sich bei Tisch die Nase zu putzen, zu husten oder zu niesen.
  • Die älteste Person beginnt mit der Mahlzeit.
  • Es wird kein Essen mit der Hand vom Teller genommen.
  • Löffel und Stäbchen werden nie gleichzeitig benutzt.
  • Das Essen mit der linken Hand gilt als unfein.
  • Schmatzen beim Essen ist verpönt (zumindest bei Leuten höheren Standes), ebenso laute Geräusche von Löffeln oder Stäbchen in den Schüsseln. Das Schlürfen der Suppe ist dagegen üblich, da sie meistens sehr heiß serviert wird.
  • Reis oder Suppe werden nicht umgerührt.
  • Es gilt als ungehörig, in den gemeinsamen Schüsseln nach den besten Stücken zu suchen und herumzurühren.
  • Das Esstempo sollte stets an das der anderen angepasst werden, so dass diese sich nicht genötigt fühlen, schneller oder langsamer zu essen.
  • Die Etikette verbietet es, eine ältere Person direkt anzusehen, während man trinkt. Beim Genuss von Alkohol wendet man sich vom Gegenüber ab (falls es eine Respektperson ist), stützt mit der flachen Rechten das Glas am Boden und schirmt das Glas mit der Linken ab.
  • Es wird erwartet, dass die eigene Portion Reis vollständig aufgegessen wird. Das hängt damit zusammen, dass Reis früher den Reichen vorbehalten war und als kostbar galt.
  • In sehr traditionellen Familien wird am Esstisch nicht gesprochen, solange der Älteste oder Ranghöchste am Tisch nicht das Wort erhebt.

source: wikipedia

Zusammengefasst: Mit Koreanern am Tisch dürft ihr schlürfen, in Ausnahmefällen sogar schmatzen, aber nie und NIEMALS dürft ihr euch die Nase putzen!! So, jetzt ist es raus. Allergiker haben es also schwer in Korea…

Eine gute Nachricht gibt es trotzdem. Sofern ihr nicht sonderlich asiatisch ausschaut, werden kleine Fauxpas milde übersehen.

Zu essen gibt es dazu ein (leichtes) Bilderrätsel. Welche Proteine haben sich hier versteckt? Zu einfach, oder? Kleiner Tipp am Rande: Das Gericht ist schön scharf und öffnet alle Schleusen – passend zum Thema.

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10 thoughts on “Benimmkurs

  1. Leicht? eigentlich nicht wirklich. Es könnte etwas Kimchi sein? Dafür ist es mir doch etwas zu blass, das rote gochugaru fehlt mir. Aber auch Rettich oder sogar Gurke kommt in Frage. Auf jeden Fall aber ist es banchan.- und es macht mich an!;-)

  2. KimchI ?? Jetzt möchte ich noch wissen ob die Tischregeln so streng eingehalten werden. Regeln gibts bei uns ja auch eine ganze Menge, es hält sich bloß keiner mehr dran. Worüber ich( teilweise) ganz dankbar bin. Stumm am Tisch…da hätte ich keine Freude dran.

    • kimchi immer noch nein. ;)
      und ja, regeln zum regelbruch sind zweifelsfrei immer verführerisch.
      nach dieser liste entstamme ich wohl einer SEHR traditionellen familie. alle o.g. punkte mussten eingehalten werden – selbst das nichtreden. als kinder wohlgemerkt. mittlerweile rede ich…;)

    • die werden beidhändig – alles mit links, nur stäbchen mit rechts. wir haben ein solches exemplar in unserer familie.
      aber mittlerweile werden selbst in korea linkshänder nicht “umtrainiert” (was für ein furchtbarer begriff).

  3. Eine ganz schöne Liste ist das…..das mit dem Nicht-Schmatzen versuche ich verzweifelt, meinen Kinder beizubringen. Man muß halt dran arbeiten….:-). Das mit dem Ess-Tempo finde ich interessant. An das Turbo-Tempo meines Vaters hätte ich mich nie anpassen können – aber halt, dann müßte er sich ja auch an mich……o

  4. »… wendet man sich vom Gegenüber ab (falls es eine Respektperson ist), stützt mit der flachen Rechten das Glas am Boden und schirmt das Glas mit der Linken ab.«
    Beim Versuch, das nachzubauen, ist mir eben mein Glas umgekippt. (Zum Glück nur Wasser.) Und bei Banchan nicht weinen, das schaffe ich meist auch nicht. Sollte ich jemals nach Korea kommen, werde ich mich auf mein europäisches Aussehen verlassen …

    • darauf verlassen und sich darauf einstellen, dass man einige fotos mit dir schiessen möchte. in seoul zwar selten, aber auf dem land umso mehr…

      @klaus peter, fast vergessen, aber dein tipp per email traf genau ins schwarze!! glückwunsch, leider habe ich nichts zu verschenken…sorry.
      das banchan-bild beinhaltet tintenfisch bzw. ist kalter tintenfisch-salat aka ojingeo muchim.

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