Kimchi + Kyche

bao aus dem hause evi_kyche

Auch im Bloggerleben gibt es so etwas wie eine Sandkastenfreundschaft. Die allerersten Gefährten, die sich einfach dazu gesellen, während man noch fernab jeglicher Routine (und Wissen) vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Ich darf mich glücklich schätzen und habe sogar mehrere, die alle fast zeitgleich meine Wege kreuzten. Doch jetzt geht es NUR um den heutigen Tischgast: Evi von Kyche.

Sie, die mich bereits während der Vorbereitung zu diesem Dinner wie gewohnt bestens unterhielt. Einen so übermotivierten Gast darf man eigentlich kaum bremsen; in diesem Fall musste ich ihr dennoch von „intimen“ Fotos und Abtauchen in fragwürdige koreanische “Kulturgefilde” abraten…

Ihr habe ich es zu verdanken, dass es meinen Baos besser geht, ein Stromboli mir den Gaumen verbrannte und Mexiko ohne Mais dringend wartet. Eine personalisierte Franzbrötchen-Rollanleitung (nur für mich) gab es auch schon. Wenn ich recht überlege, scheint uns bestes Weißmehl immer wieder zusammenzuführen – und Schwein manchmal.

Es gibt heute (sorry Evi, immer noch kein getrocknetes Rind aka Beef Jerky) den Klassiker aller Trinkgelage. Genauer, das Essen zum Trinken: Samgyeobsal (wörtlich: dreilagiges Fleisch – die koreanische Sprache ist sooo logisch). Schweinebauch. Mehr nicht. Wirklich nicht. Kein Gewürz, keine Marinade, kein irgendwas.

Puristischer geht nimmer. In eigenem Fett knusprig gebrutzelt werden die Stücke nur noch in Sesamöl und Meersalz gedippt. Allenfalls eine Prise Pfeffer. Etwas Essentielles gibt es dennoch: Pajeoli. Lauchsalat. Süß-sauer-scharf marinierte Lauchjulienne.

Schwein und Aprikose sind Freunde, Schwein und Buchu-Kimchi sogar ziemlich gute Freunde, doch Schwein und dieser Lauch(salat) sind  füreinander bestimmt. Natürlich müssen sie ZUSAMMEN mit einem Happs gegessen werden – wer will, darf alles in ein Salatblatt oder Perillablatt einwickeln. Das jedoch ist kein Muss.

Probiert es aus, und Evi darf natürlich zuerst ran. Sie hat ihre Gesundheit (leichte bis mittelschwere Unverträglichkeiten) aufs Spiel gesetzt und sich diversen Kimchi-Experimenten unterzogen, nur um der fränkisch-koreanischen Völkerverständigung zu dienen. Bitte hier entlang. Vorher nur ihre Antworten.

Kimchi + Kyche

1. Magst Du überhaupt Kimchi? Wenn Ja warum, wenn Nein warum?
Aber klar! Es ist scharf, es ist eingelegt, es ist Gemüse und hat eine leichte Fischnote. Was kann da groß falsch laufen? ;) Nachanfänglichen Berührungsängsten (“Woah, ne, Kohl …”) und der Erkenntnis, dass Kimchi ja so ziemlich alles sein kann, war ich ziemlich begeistert. Nachdem ich oft gemüsefaul bin und mir dank meiner Fruktoseintoleranz schwer tue, auch unterm Tag auf meine Vitamine zu kommen, ist es äußerst praktisch einfach nur den Kühlschrank aufmachen zu müssen und das fertige, lang haltbare Grünzeug grinst einen an.

2. Wie war deine allererste Erfahrung mit Kimchi?
Ein wenig sehr scharf. Aber ich war tapfer. Ich hatte mir das Chilipulver ja schließlich selbst reingelöffelt. Das mit dem Salz hab ich dann später auch in den Griff bekommen. ;) Auf Kimchi und überhaupt die koreanische Küche hast du mich erst selbst gebracht, der letzte gute Koreaner hier in der Gegend hat vor Jahren geschlossen, hier ist alles voller Chinesen, Vietnamesen und Thais (und Sushi-Restaurants, wer kann soviel Sushi essen?), aber weit und breit kein Koreaner, wie soll man da angefixt werden? Und natürlich hat das Korea-Kochbuch geholfen.

3. Welche Farbe hat für dich Kimchi?
Rot-bunt. Rot-grün, rot-rosa, rot-weiß. Mit schwarzen Sprenkeln. Und noch mehr grün.

4. Wie isst du Kimchi am liebsten?
Einfach so oder mit ein bisschen Reis nebenher. Aber ich bin mir sicher, weitere Experimente werden folgen.

5. Magst Du überhaupt mein Essen, das ich für Dich gekocht habe?
Kannste sowas von wissen! Solange du keine getrockneten Tintenfische untergebracht hast, ess ich alles von dir. ;) Rest siehe Kommentar. (Anm. d. R.: Hmpf! Viel zu spät erst gemerkt, dass Lauch in großen Mengen für dich problematisch sein könnte. Aber kosten darfst du sicherlich, oder?)

Samgyeobsal

Zutaten:

Gewünschte Menge Schweinebauch
Dip: Pro Person/Schälchen eine Messerspitze Meersalz und eine Prise Pfeffer flach verteilen und mit so viel Sesamöl begießen, dass alles großzügig überdeckt ist. Bei Bedarf wiederholen.

Zubereitung:

  1. Fleisch in gewünschte Dicke schneiden (ich mags, wie ihr sehen könnt, SEHR dünn und habe das Fleisch dafür leicht angefrostet), auf einem Tischgrill/am Platz knusprig braten, vorher oder nachher in mundgerechte Stücke schneiden und kurz in Würzöl dippen.
  2. Etwas Pajeoli auf 2-3 Stückchen Fleisch drapieren (mit Stäbchen bitte!) und zusammen essen oder vorher in ein Salatblatt wickeln.

Koreanischer Lauchsalat_Pajeoli

Zutaten für ca. 4 Portionen (Beilage)

1 große Porreestange (2 kleine), nur untere helle Hälfte

1 EL Gochugaru

1 EL Zucker

2 EL Apfelessig

½ EL Sesamöl

½ EL Sesamkörner

Salz nach Geschmack

Zubereitung:

  1. Porree quer halbieren und nur die helle untere Hälfte verwenden. Ende abschneiden. In ca. 10 cm Stücke unterteilen und gut waschen.
  2. Stücke längs halbieren und Porree/Lauch in sehr feine Julienne schneiden. Alles in eine große Schale mit Wasser (einige Tropfen Essigessenz rein) geben und ca. 1 Stunde stehen lassen (schwemmt etwas Schärfe raus und lässt die Streifen frisch „aufspringen“).
  3. Gut abtropfen lassen. Nur schütteln, nicht anfassen, sonst verlieren sie sofort wieder an Volumen. Dressing verrühren und kurz vor dem Servieren sehr vorsichtig mit Porreestreifen untermischen.

Tipps: Der Lauchsalat sollte gleichzeitig kräftig süß-sauer-scharf schmecken. Dann hat er die richtige Würze, um mit dem „reinen“ Fleischgeschmack ideal zu harmonieren.

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7 thoughts on “Kimchi + Kyche

  1. Schweinebauch, du bist klasse! Unsere Schweinebauchbilder sehen aus wie abgesprochen. ;) Rezeptmäßig voll in’s Schwarze getroffen, würde ich sagen. Intimer als nackter Schweinebauch wär’s aber ohnehin nicht geworden, kein Bremsen nötig. ;)

    Der Lauch klingt klasse. Ich liebe Lauch! Über die Verträglichkeit schweige ich mich aus, aber nach deiner Andeutung hatte ich schon eine kleine Unverträglichkeitsfalle befürchtet. :)

    • so langsam kenne ich ja deine schwächen. ;) und ich war schon so stolz, ein solch “pures” Gericht für all deine Intoleranzen in der Tasche zu haben. fast wäre ich trotzdem über Lauch gestolpert…
      ab Oktober beginnt ja die offizielle kimchi Saison. bin schon sehr gespannt, was von deiner Seite kommen wird. toll deine kimchi-Experimente. und kuro neri goma wird auch nicht lange auf sich warten lassen, bei deinem sesamvorrat…
      danke dir nochmal, evi!!

  2. Wenn ich die paar Kilos, die ich mir hier in DE als kleine Rettungsringe zugelegt habe, wieder abgestossen habe, dann gibt’s endlich wieder sowas von Schwein – und am liebsten den Bauch. Tolles Rezept! Allerdings muss ich dann den Lauch mal wieder ersetzen, ich hoffe, Fruehlingszwiebeln gehen notfalls auch. Lecker!!!

  3. Pingback: Das große Rollen | Kochpoetin – In jedem Gericht ein Gedicht

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