Jetzt ist die Zeit…

der lauen Nächte. Geklimper auf der Ukulele und barfuß laufen über Sand. Er hat sich zu uns gesellt – und diese Tatsache haben wir NUR solch stoischen Sommerpicknick-Betrachtungen zu verdanken. Davon bin ich überzeugt. Herbeigesehnt und heraufbeschworen. (Nachtrag: es gibt noch mehr schöne Picknickmomente, mal mit Waldwiesenromantik und mal mit Ackertinien…)

Doch der Sommer birgt auch dicke Schalen – manchmal.

Und was nu? Nein! Nicht wegschmeißen. Sofern ihr keine Food-Snobs seid (Preis gegen Null), eure Hände nicht für eine Fleißarbeit zu schade sind und was neues Altes ausprobieren möchtet – bitte sehr!

Eine echte „old-fashioned“ Sommerbeilage, eher in Seoul als in den ländlichen Gegenden gegessen. Wassermelonenschalen.

Offiziell habe ich diese Beilage noch nie in Restaurants gesehen. Eines der Gerichte, die man wirklich nur bei einer Ajumma* privat erhalten kann. Oder allenfalls in einem Minbak (ebenfalls von einer Ajumma serviert), die koreanische Version eines Bed and Breakfast. Übrigens, nur weil ich jetzt dieses Gericht verblogge, bin ich noch lange keine Ajumma…

*Exkurs: Ajumma
Schon wieder so ein Begriff, der sich schwer übersetzen lässt. Tante oder Mütterchen vielleicht, ohne dass man sich kennt oder gar verwandt ist. Eine Anrede, um fremde Damen mittleren Alters zu benennen. Der Prototyp einer Ajumma drängelt und rempelt beim Einsteigen in die U-Bahn, scannt in Windeseile das ganze Abteil, schmeißt vorab Tasche oder Beutel in bester Pitcher-Manier (ungefähr so) punktgenau auf noch so weit entfernt liegende freie Sitzplätze und hechtet mit einem gewaltigen Sprung dorthin. Triumphierend liegend, weil sie ja noch Plätze für mindestens zwei Ajumma-Freundinnen freihalten muss, grinst sie breit (ansonsten sind Ajummas sehr warmherzige Zeitgenossen). Wenn ihr (meine weibliche Leserschaft) bereit seid, all das für eine Sitzmöglichkeit zu machen – dann seid ihr eine echte Ajumma!

Zurück zur Melone. Also, falls euch eine dicke Schale demnächst in die Hände fällt – nicht traurig sein, sondern diesen scharfen Salat probieren. Die fast schon knorpelige Konsistenz ist einzigartig. Passt zu Grillfleisch oder ganz  pur zu Reis.

Die Hälften sauber aushöhlen und als Fruchtsalat/Bowle/Smoothie verwenden. In breite Spalten schneiden und diese wiederum in ca. 5 cm lange Stücke unterteilen. Die rote Fruchtseite mit einem sauberen Schnitt begradigen, dabei nicht zuviel von der Schale wegschneiden. Die feste Außenhaut schälen, sodass nur noch hellgrünes „Fleisch“ zu sehen ist.

Alle Stücke kurz abwaschen und in sehr dünne Scheiben schneiden. Mit etwas Salz bestreuen und ca. 30 min Wasser ziehen lassen. Kurz abspülen und Flüssigkeit gut abgießen. Nach Wunsch und Geschmack würzen.

Ich mag diese Konsistenz am liebsten scharf-säuerlich mit Gochujang, Sesamkörner, Knoblauch, Apfelessig und Honig abgeschmeckt (wie man schrittweise süss-sauer-scharf-salzig abschmeckt und dabei die perfekte Balance erreicht, hatte Dorrie schon eindrucksvoll gezeigt). Erfrischt und macht wach! Jetzt ist die Zeit.

Achtung: Manche Schalen sind SEHR faserig und ungenießbar (letztes Jahr festgestellt). Falls man sich an der Schale festbeißen kann – weg damit.

Ach noch: Halbiert und ausgehöhlt können Wassermelonenschalen zu Verwechslung führen und bei Patenkinder unter 5 Jahren größte Sehnsucht nach einem Helm aka Kopfschmuck auslösen. Was tun? Zack, Melone auf den Kopf stülpen, vorm Spiegel posen lassen (Foto knipsen) und das Kind bei seinen Eltern für die anschließende Kopfreinigung schnellstens abgeben. Schale muss dann leider in die Tonne wandern.

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16 Gedanken zu “Jetzt ist die Zeit…

    • liebe nata, sei gewarnt. strafende blicke muss man dann aushalten können – und sie gelten nicht dem kind…;)
      aber was riskiert man nicht alles für ein patenkindlächeln! die melone muss also her…

  1. Hach,
    habe ich mir schon letzten Sommer zum Nachmachen vorgenommen.
    Danke für die Erinnerung und für die witzige Ajumma-Definition. Ich glaube, die gibt es bei uns auch. Weniger in der U-Bahn als im Park vor dem Altersheim in meiner Näjhe, wenn es darum geht, die schattigen Plätze zu sichern. Da werden richtige Rollator-Races ausgetragen ;-)

    • die rollator-races klingen ja noch spannender – die oben genannte szene durfte ich tatsächlich mal beobachten und war sprachlos. vor respekt angesichts des wurftalents. da muss wohl jahrelanges training dahinter stecken…

    • und ich dachte schon, ihr fragt nie. toni hatte mir ja schon kein “törtchen” abgegeben.
      ehrensache, dass ich dich damit vollstopfen werde… danke für eure schöne serie, die mal wieder inspiriert!

    • nein, liebe frau ziii, gar kein brett, NUR schnöde schale einer stinknormalen wassermelone. aber etwas dicker sollte sie sein, sonst lohnt sich die arbeit kaum. die amerikaner legen sie ja ein, in korea isst man sie eben frisch und scharf.

  2. Ah, Ajumma heißt das…ich kenne aus dem Lonely-Planet für China (und aus eigener Erfahrung….) die etwas weniger charmante Bezeichnung ” bag swinging tank” – und habe nun eine Verwendung für Wassermelonenschalen. Danke!

  3. Ach, Du bekommst das Törtchen vom Praktikanten, der ist eh so mit Blubberausschenken und Insektenvernichtung beschäftigt. Der Salat klingt mal wieder wie so oft bei Dir spannend. Und die Grillsaison ist ja noch lange nicht vorbei :)!

  4. Schön; eine weitere Sache, die man dann doch nicht wegwerfen muß. (Es sei denn, ein Patenkind kommt dazwischen. — Der Leibkoch fragte eben, wieso man die nach der Benutzung als Helm nicht einfach abwäscht, aber das war wohl eher … ähämm .. rhetorisch. Hoffe ich doch.)

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