Küchenpremieren

Blog-Event LXXIX - Das erste Ma(h)l (Einsendeschluss 15. Juli 2012)

Das erste Ma(h)lNatas schönes Thema – davon gab es viele. In meiner allerersten eigenen Küche stand ich mit vier oder fünf Jahren. Natürlich eine Kinderküche, und ich hockte mehr davor, als dass ich stand. Aber mit ihr konnte man schon richtig „elektrisch“ kochen. Mit Strom versorgt blubberte aus meiner plastikroten Küche voller Weichmacher Wasser aus dem Wasserhahn, die Herdplatten färbten sich rot und die Dunstabzugshaube brummte. Und ich schwelgte schon im Küchenhimmel und war fasziniert davon, dass ich schon richtig „warm“ kochen konnte. Mühsames essen meiner Kochergebnisse (Gepansche) vom dazugehörigen Mini-Plastikgeschirr samt Mini-Besteck war natürlich Ehrensache.

Ich verwendete selbstverständlich nur frische Zutaten. Nur hatte mir niemand Bescheid gesagt, dass man nach Kochaktionen auch sauber machen sollte. Nach tagelang verstauten „Topfresten“ im Schrank (nach der Entdeckung der ersten Fruchtfliegenbrut hatte ich meine Küche GUT versteckt) und der genialen Idee (nicht meine) statt Wasser einfach klebrige Limonade einzufüllen, um direkt vom Wasserhahn zu trinken, wurde meine Küche desinfiziert – und mir wurde verboten „warm“ zu kochen. Nur „kalte“ Küche mit reinen Plastikzutaten war erlaubt, aber wer will schon Plastik essen. Vorbei war der Spaß – insgeheim war es mir aber sogar recht. So musste ich nicht mehr mit stumpfen kleinen Messern Miniaturportionen von Schnitzel schneiden. War doch irgendwie anstrengend…

Das allererste (richtig) gekochte Gericht in einer echten Küche war (wie kann es anders sein) Doenjang Jjigae. Obwohl es damals noch gar nicht eines meiner Lieblingsgerichte war. Es wurde ein Desaster. Die Suppe schmeckte merkwürdig (eigentlich ekelhaft), aber meine Eltern lächelten milde und aßen brav die braune, schleimige Masse auf – und mein Vater verlangte sogar Nachschlag. Vor allem aber erteilten sie mir kein Küchenverbot, sondern erlaubten mir weiterhin zu experimentieren. Warm.

Danach habe ich immer mehr und immer öfter gekocht, ganze WGs mit Mitternachtspasta versorgt, später dann in einer eigenen Küche weiterhin Freunde und Familie bekocht. Mal für größere Runden (für einfaches Partyessen), mal für kleinere (für Menüs) – aber bislang noch NIE mehr als 8 Portionen bei einer umfangreicheren Menüabfolge. Daher dachte ich mir einfach mal, warum nicht gleich von 8 auf 80 Portionen umsteigen? Wenn schon, dann richtig! Hallo?! Irgendwie muss ich wahnsinnig gewesen sein. Ich war es…und ringsherum auch lauter Wahnsinnige.

Das erste Ma(h)l für 80 Personen ein gesetztes Essen. Alles koreanische Klassiker natürlich (bis auf die süßen Sachen), die als einzelne Gänge serviert wurden – eine weitere Premiere für mich. Sonst gibt es bei mir eher viele Schälchen und Schalen gleichzeitig bei koreanischer Küche.

Und wenn ihr noch kurz wissen wollt was es gab. Das war das Essen bis auf zwei Amuse-Bouches (nur möglich dank vieler helfender Hände, insbesondere aber  S und S und natürlich M) – und verzeiht die leicht wackligen Bilder, anders war es leider nicht möglich. Die Rezepte folgen peu à peu.

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12 thoughts on “Küchenpremieren

    • richtig! die kinderküche hätte ich nehmen sollen!! warum bin ich nicht von allein auf die idee gekommen?

      und falls es mich mal in den süden frankreichs verschlägt, koche ich für dich!

  1. Langsam komme ich mir echt veralbert vor. Meine Eltern haben mir doch erzählt, dass der Herd in Kinderküchen nie richtig warm wird, Außerdem hieß es, Kinder dürften in der richtigen Küche gar nicht an den Herd… Aber, ich vermute auch, dass Du deutlich jünger bist, als ich. Als ich noch ein kleines Kind war, hatte niemand Dunstabzugshauben in der Küche, erst recht nicht in der Kinderküche.

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag zum Event. Es macht Spaß, sowas zu lesen. Und so ein aufwändiges Menü für 80 Personen zu kochen. – Alle Achtung!

    • Ach was, alles nur Vortäuschung falscher Tatsachen. Die Herdflächen wurden nicht warm, nur ein rotes Licht leuchtete auf, die Abzugshaube bestand aus einem Schalter, der einfach furchtbar viel Lärm machte – aber Kindern reicht sowas ja aus. Trotzdem finde ich immer noch meine damalige “Weichmacher-Küche” interessanter als die jetzige ökologisch korrekte Naturholz-Küche meiner Nichte, die nur “stumm” dasteht…interessanter, nicht besser. ;)

      Danke Dir für das schöne Thema!

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