Kimchi + Toni Hundertachtziggrad

Und weiter geht es mit der unregelmäßig regelmäßigen Reihe Kimchi +.

Tussi Deluxe von Toni Hundertachtziggrad (oder: Such die Tussi)

Nach der Weltpremiere mit The Food and the City soll niemand auf die Idee kommen, fremdsprachig und schwarzhaarig-asiatisch sei hier die Prämisse. Nein, mein heutiger Gast ist blond (wenn ich mich nicht irre) und ein Ureinwohner Bayerns (streng genommen bleiben wir also bei Fremdsprachen). Die Chefin Süd von Hundertachtziggrad höchstpersönlich!

Sie schleudert uns Wörter wie Obacht um die Ohren, klärt bayrisch auf oder zeigt wie man richtig zählt.

Wie sie routiniert Open-Air-Events stemmt oder sogar Tussitellern die nötige Raffinesse verleiht muss ich eigentlich niemandem mehr schmackhaft machen, vorstellen erst recht nicht. Allenfalls ihr Hundertachtziggrad Director’s Cut – phänomenal! Da müssen sich Hollywoods Regieneulinge warm anziehen – Spielbeinchen raus allein hilft da nichts (befürchte sowieso, die Déhanché-Pose, besser bekannt als Kontrapost, hat für immer Schaden genommen).

Die Frage ist nur, ob sie Kimchi isst? Wer so viel Witz, Talent und Offenheit mitbringt muss aber noch nicht mal das bei mir am Tisch.

Zunächst hatte ich etwas vorbereitet, was mich (und eigentlich auch sie) schon seit einigen Monaten brennend interessierte, aber dazu später irgendwann.

Kurzfristig habe ich mich doch umentschieden, da man nie wirklich weiß, ob und wie viele sich spontan dazugesellen, wenn man ein Mitglied einer Kommune einlädt. Daher habe ich vorgesorgt: Ein heißer Topf für die ganze Hundertachtziggrad-Familie (bei Wunsch packe ich auch gerne ein). Jeongol – ein koreanisches Zwischending aus asiatischem Fondue und Eintopf mit diversen Hauptzutaten.

Die beliebtesten Jeongol-Varianten sind Haemul (Meeresfrüchte), Gobchang (Kutteln) oder wie hier: Beoseot (Pilze). Bei mir ein Dreierlei aus Kräuterseitling, Shiitake und Egerling. Mit Garnelen und einer kräftigen Brühe aus Schweinebauch. Übrigens, Meeresfrüchte und Schweinefleisch sind eine bewährte Kombination in Korea, wie in Sundubu Jjigae (Soft Tofu Suppe), Jjam Bbong (scharfe Nudelsuppe) usw. So wird der Geschmack einer Brühe erfrischend und kräftig zugleich.

Aber vorher bin ich gespannt, was mein Gast über Kimchi herausgefunden hat – hier sind ihre Antworten vorab und weiter geht es hier entlang. Kommt ihr mit?

Kimchi + Toni Hundertachtziggrad

1. Magst Du überhaupt Kimchi? Wenn Ja warum, wenn Nein warum?

Ein klares: ich weiß es noch nicht. Am Wochenende hab ich das erste mal Kimchi selbst angesetzt und vorher noch nie gegessen. Und ausnahmsweise kann ich mir auch noch überhaupt nicht vorstellen, wie es schmeckt. Diesen Donnerstag weiß ich mehr. Aber da ich missboulette mag und missboulette Kimchi, gehe ich davon aus, dass es nicht so verkehrt sein kann.

2. Wie war deine allererste Erfahrung mit Kimchi?

Mein erstes Zusammentreffen mit Kimchi war hier in diesem herrlichen Artikel: http://missboulette.wordpress.com/2010/11/18/gimjang-kimchi_ein-nationalheiligtum-oder-eine-frage-der-nationalen-sicherheit
Da hab ich sogar kommentiert mit dem festen Vorsatz, das ganz bald auszuprobieren. Tja. Siehe Punkt 1.

3. Welche Farbe hat für dich Kimchi?

Rot. Bisher hab ich ja lediglich visuelle Erfahrungen.

4. Wie isst du Kimchi am liebsten?

Wenn ich das wüsste… Für’s erste werde ich es sehr puristisch verwenden, um erst mal den reinen Geschmack kennen zu lernen.

5. Magst Du überhaupt mein Essen, das ich für Dich (bzw. für Euch) gekocht habe?

(s. Kommentar)

Boseot Jeongol_Pilzeintopf_Mixed Mushroom Hot Pot

Zutaten für einen großen Topf (4 -6 Portionen):

300 g Kräuterseitlinge

6-8 Shiitake (ich nahm getrocknete)

200 g braune Champignons/Egerlinge

3-4 Stangen Eomuk/Odeng (Fishcake)

2 Handvoll Garae Tteok (Reiskuchenscheiben)

3-4 Blätter Chinakohl

12-15 Garnelen (roh, mit Schale)

ca. 15 cm Lauch

1 Zwiebel, mittel

Brühe:

200 g Schweinebauch

½ Zwiebel

1 EL Öl

2-3 Scheiben Ingwer

Prise Zucker

1 EL Sojasauce

3 Knoblauchzehen

4-5 Stücke Kombu (notfalls weglassen)

Salz, Pfeffer nach Geschmack

ca. 1 – 1,2 l Wasser

(zusätzlich Aufweichwasser und Stiele von Shiitake)

Zubereitung:

  1. Brühe: Getrocknete Shiitake gut waschen, mit etwas heißem Wasser komplett übergießen und mind. 1h einweichen lassen. Schweinefleisch waschen, trocken tupfen. Zwiebel grob würfeln. Fleisch mit Zwiebel und Öl auf hoher Hitze dunkel anrösten, mit dem Pilzwasser/Stiele ablöschen und zusätzlich Wasser aufgießen. Hitze runterschalten. Mit Ingwer, Zucker und Sojasauce würzen und alles auf kleiner Flamme ca. 1,5 h köcheln lassen. Ganz zum Schluss mit fein zerriebenen Knoblauch, Kombu, Salz und Pfeffer abschmecken. Weitere 10- 20 min köcheln lassen.
  2. In der Zwischenzeit: Frische Pilze vorsichtig bürsten. Alle Hauptzutaten in Scheiben/Streifen aufschneiden. Jede Sorte in zwei Hälften unterteilen und alle Zutaten abwechselnd in den Topf schichten, dabei auf Farbkontraste achten. In die Mitte alle „feste“ Zutaten (hier Garnele, evtl. Mandu oder Tofu) hineingeben.
  3. Kurz vor dem Servieren die Brühe über den vorbereiteten Topf gießen (Sieb), erst am Tisch den Topf erhitzen und alles garen (flacher Gasbrenner oder tragbares Induktionsfeld). In einzelnen Portionsschälchen servieren.

Tipps: Eigentlich wollte ich zusätzlich noch Mandus reinlegen, habe sie aber leider vergessen. Das schöne am Jeongol ist zum Glück, dass man frei variieren kann. Statt Reiskuchen können auch Udonnudeln verwendet werden, statt Mandu gebratene Tofuscheiben, zusätzlich Muscheln usw.

Die Garzeiten der einzelnen Zutaten sind fast identisch und können nacheinander oder zusammen in Portionsschalen geschöpft und mit der Brühe gegessen werden. Der Reis kommt erst zum Schluss: Bis auf einen kleinen Rest die verbliebene Brühe verteilen oder herausschöpfen (falls was übrig bleibt). Hitze erhöhen, wenig Sesamöl über die Reste sprenkeln, etwas gekochten Reis dazu, geröstete Noriblätter, geröstete Sesamkörner und alles zu einem Fried Rice braten (mit der Flüssigkeit eher Risottokonsistenz) – und separat als Reisgang servieren.

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9 thoughts on “Kimchi + Toni Hundertachtziggrad

  1. Und wie sie das mag! Mögen ist eigentlich untertrieben. Sowas lieb ich. Und der Rest der Kommune auch. Die Kuttelportion von der Suse übernimmt ggf. der Praktikant.

    Hat unglaublich Spaß gemacht, tausend Dank für die vielen Blumen und den kulinarischen Stups, ohne den Kimchi vermutlich immer noch auf der Nachkochliste stehen würde.

    Und dann interessiert mich natürlich noch brennend, was uns beide brennend interessiert :D

    • Dazu nächste Woche mehr…hat Dich so brennend interessiert, dass es Dir entfallen ist, ja ja…
      Glück gehabt mit dem Essen – und meine Kuttel(Frottee)portion gebe ich auch gerne ab!

      Ich danke Dir für Deinen Mut, und über die “Live-Schalte” vorab habe ich mich sehr gefreut!! Es ist Deinem Können zu verdanken, dass Dein allerstes Kimchi gelungen ist. Mein erstes Kimchi war ekelhaft…lang, lang ist es her.

  2. Vor nicht all zu langer Zeit wusste ich nicht, dass sich für Kimchi ein Rezept aufschreiben lässt, geschweige denn danach kochen lässt, geschweigen denn, danach kochen lässt, wenn man nicht weiß, was Kimchi ist :) Schon dafür ziehe ich den Hut.
    Eure Bilder sind ein Traum. Hoffentlich bekomme ich such die Tussi und Jeongol auch so hübsch hin!

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