Kimchi + The Food and the City

su_the food and the city

Es gibt Begegnungen, die sich ab dem ersten Moment so leicht und so selbstverständlich anfühlen, als würde man sich schon ewig kennen. Mit echten Foodies (die sich die Freude an einfachen Sachen bewahrt haben) passiert mir dies immer wieder, ob im realen Leben oder „nur“ virtuell. So auch mit Su von The Food and the City.

Mit Su teile ich nicht nur koreanische Wurzeln/Erziehung/Sprache, sondern auch eine Schwäche für Yves-Klein-Blau und vor allem – Beschäftigtsein mit außerordentlich wichtigen Überlebensfragen. Wie man z.B. seine Füße trocken-warm, aber schlanken Fußes über den matschigen Winter bringt (fernab jener unförmigen Lammfellmonster mit elendig langer Halbwertszeit, die Patricia Field vor gefühlten hundert Jahren hervorkramte und selbst eine pilatesgestählte Samantha darin unmöglich aussehen ließ). Warum sich mit Sorgen über hässliche Flecken im Leder plagen, wenn man gleich Gummistiefel haben kann? Eine solche Erkenntnis verbindet.

Ich kenne sie nicht und doch kenne und schätze ich ihre Gedanken zu Kunst, Künstlern, Alltag, Entdeckungen und zwischendurch und immer wieder und immer mehr – Essen! Oft vegetarisch und manchmal auch vegan. Immer bewusst in jeglicher Hinsicht.

Ihr koche ich ein Standardgericht. Etwas Vertrautes, weil sie mir vertraut vorkommt. Einfach aber gut, schnell aber auf essentielle Ingredienzien der koreanischen Küche reduziert. Kimchi mit Reis, zusammen gebraten: Kimchi Bokkeum Bap. Keine Gedanken machen, ob sie Kimchi mag oder nicht – ist eh klar.

Was noch? Schnelles Comfort Food auf dem Teller, sich damit auf dem Sofa bequem machen, einen alten Tarantino-Film anschmeißen, dabei über Daryl Hannahs Trompe-l’œil Mantel von Moschino ratschen (Mädelskram halt), zu The 5678’s tanzen und den literarisch höchst anspruchsvollen Songtext mitsingen, danach Füße hochlegen und die zweite Portion (klar gibt es Nachschlag) direkt aus der Pfanne kratzen. So würde ich einer guten alten Freundin Kimchi Bokkeum Bap servieren – und natürlich auch Su.

Ich hoffe nur sie mag meinen kleinen Trick. Nach René Redzepi ist jede Zutat, die sich wunderbar mit Butter paaren lässt, eine gute Zutat. Seiner Definition zufolge muss Kimchi eine gute Zutat sein (hab’ ich doch schon immer gewusst). Denn das Anbraten mit Butter ist mein Kniff für Kimchi Bokkeum Bap. Sie hebt den Geschmack von gebratenem Kimchi ungemein. Ausnahmsweise kein dunkles Sesamöl. Dafür eine Prise Zucker zur Säureneutralisierung.

Jetzt bin ich gespannt wie ihr mein Essen gefällt und was Su über Kimchi zu erzählen hat. Hier sind ihre Antworten vorab und weiter geht es hier entlang. Kommt ihr mit?

Kimchi + The Food an the city

1. Magst Du überhaupt Kimchi? Wenn Ja warum, wenn Nein warum?

Ich bin Koreanerin, also…

2. Wie war deine allererste Erfahrung mit Kimchi?

Selbst erinnere ich mich nicht. Zuerst soll es meine Oma gewesen sein, die mir im Alter von etwa 2 Jahren gewaschenes Kimchi (also fermentiert und entschärft) anbot.

3. Welche Farbe hat für dich Kimchi?

Es gibt viele Farben… Baechu-Kimchi muss jedenfalls leuchtend rot sein (ich weiß aber nicht, ob das ein Qualitätsmerkmal ist). Daneben habe ich die grünen Stängel von Altari-Kimchi seit meiner Kindheit geliebt. Da wir auch in Deutschland aufwuchsen, hieß es bei uns Glocken-Kimchi :)

4. Wie isst du Kimchi am liebsten?

Mit Hand in längliche Streifen gerissen. Ist ziemlich lästig und daher gibt es das nicht oft.
Aber so bekommt man mit einem Bissen alle Konsistenzen (Blatt- und Stängelpart) vereint. Zerkleinert eingelegtes Kimchi mag ich nicht.

5. Magst Du überhaupt mein Essen, das ich für Dich gekocht habe?

(s. Kommentar)

missboulette’s Kimchi Fried Rice_Kimchi Bokkeum Bap

Zutaten pro Portion/Person ( lieber großzügig planen, 2 Portionen schaffe ich locker)

ca. 150 g gut gereiftes Kimchi, kleingeschnitten mit Saft

1 Portion kalter Reis

1 Spiegelei

etwas Butter, Zucker, Kimchiflüssigkeit

Zubereitung:

  1. In Streifen geschnittenes Kimchi mit etwas Butter in einer (unbeschichteten) Pfanne auf nicht zu hoher Hitze andünsten. Mit Prise Zucker abschmecken und ca. 3-4 min glasig braten.
  2. In der Pfanne zur Seite schieben und den kalten Reis dazu. Wieder mit etwas Butter anbraten und mit einem Spatel den Reis krümelig zerfallen lassen. Kimchi mit Reis gut vermengen, etwas Kimchiflüssigkeit dazugeben und wenige Minuten zusammen anbraten. Mit einem Spiegelei servieren. Sesamkörner über alles streuen, evtl. fein gehackte Lauchstückchen.

Tipps: Ideal für „altes“ Kimchi und kalte Reisreste. Denn nur mit kaltem Reis funktioniert Bokkeum Bap. Der allerwichtigste Trick bei Fried Rice, aber ihr wisst es sicher schon.

Natürlich geht auch eine beschichtete Pfanne, aber besonders bei einer unbeschichteten bildet sich am Boden eine knusprige Schicht, die zusätzlich für Röstaromen sorgt. Einfach nach dem Reis von der Pfanne kratzen und aufessen – fast besser als der richtige Reis.

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15 thoughts on “Kimchi + The Food and the City

  1. Ohhhhhh, wunderbar! Ob wir jemals geglaubt werden, dass nichts aber auch gar nichts abgesprochen war? Aus meinem Beitrag geht ja mal klar hervor, dass ich mir selbst natürlich Kimchi Boekkeum Bap gemacht hätte, wenn ich nicht aus Rücksicht vor Einsteigern was anderes probiert hätte :) Identisch immerhin der Einsatz von Butter und Ei :)

    Dankbar und gerührt von den lieben Worten (sie von einer Ästhetik- und Mode-Expertin zugesprochen zu bekommen rührt doppelt – ist nunmal so!) sende ich herzliche Adventsgrüße aus dem KTX (links und rechts rauschen Berge vorbei & dann diese tolle Morgenlektüre:))

    • Puh, wer hätte gedacht, dass der Tag so ausgeht. Habe versucht die wichtigsten Nachrichten aus KOrea aus dem Netz zu fischen. Ausgang offen.

      Aber zurück zum Erfreulichen. Ich sehe mich zwar weder als Ästhetik- noch als Mode-Expertin, aber danke dafür. ;-)

      Dein rösten im Ofen versuche ich auch mal, und den Weißwein zum Kimchi auch. Bin ja immer der etwas konservative Esser, nur wenn es um koreanische Küche geht – aber langsam taste ich mich voran. :-)

    • Ja, genau! Gefolgt von Kimchi, das schon 3 Tage in einem Paket aus Korea neben der Heizung stand (dafür war es noch erstaunlich lecker) und dann Flugzeug-Bibimbap mit Kimchi aus diesen kleinen Folien – Beuteln ; )

    • Siehtst Du, ich passe auf beim Lesen! ;-)

      Deine Kimchistory erinnert mich an mein “schlimmstes” Kimchierlebnis. Ein KImchifresspaket meiner Mutter wurde ein ganzes Wochendende in einer Filiale eingelagert (zufällig war es Freitag und zufällig Hochsommer mit SEHR HEISSEN Temperaturen). Als ich das Paket 3 Tage später endlich abholen wollte, herrschte eine komisch hektische Stimmung, jeder schien sich über einen gewissen Gestank aufzuregen.
      Bei der Übergabe fragte die Dame, ob da vielleicht Käse drin sei und ich habe nur brav genickt. hehe ;-) Vorher haben die mich natürlich mit Blicken getötet (das ist also die mit dem Stinkepaket…) Und auf dem Rückweg habe ich mich noch nicht mal in die Tram getraut und musste aufpassen, dass mir keine Straßenköter hinterher laufen. Alles nur wegen Kimchi – hat sich gelohnt. ;-)

  2. Schön zu lesen, ja wirklich. – Der Unterschied und auch die Qualität von Butter und Margarine scheint mir in Korea nicht immer klar zu sein. Darum setze ich dort lieber auf ein nussiges Sesamöl. In Europa jedoch finde ich die feine Alpenbutter eine gute Variante. Im Allgemeinen ist Kimchi Bokkeum Bap ein tolles Gericht und nicht nur in Korea sehr beliebt. Hätte sicher auch seine Berechtigung neben den jetzt überall zu findenden Schupf und Krautnudelpfannen auf den Weihnachtsmärkten. Nur der Glühwein passt nicht so recht dazu. Dafür gäbe es aber wohl eine Alternative dazu.

    • Und das ganz ohne Zimt und Kekse!
      Bin zwar alles andere als ein Kenner, aber dein Trinkaufruf würde sogar zu Kimchi passen, oder? Etwas vom Prickelwasser würde ich jedenfalls in mein nächstes Kimchi-Risotto à la Su kippen.

  3. Dein Kimchi-Erlebnis klingt abenteuerlich : )
    Zu WG-Zeiten musste ich immer warten bis es kalt genug ist, um es auf dem Balkon zu lagern! Die Zeiten sind zum Glück vorbei, nun lagern 2 kg Baechu Kimchi und 3 Liter Dongchimi in meinem Kühlschrank! Jippie! Damit komm ich hoffentlich gut durch den Winter ;D

  4. Gab es heut bei uns heute zum Abendessen – sehr lecker!!! Ein schnelles, köstliches Gericht. Die Butter rundet das ganze wirklich perfekt ab. In der Studienzeit nannte man ja sowas immer “Reis mit Scheiß” 😉…aber da kannte ich leider noch kein Kimchi

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