Kalter Kaffee (und Speck?) macht schön_Bacon Jam

Zu Speck fällt mir sofort ein Bild von Frances Bean Cobain ein, das ich neulich bei Edi (andere nennen ihn Hedi Slimane, der mit seinen messerscharfen Anzügen lange dafür gesorgt hat, dass Leute wie Pete Doherty selbst im größten Suff halbwegs zivilisiert aussahen oder ein Lagerfeld aus Sehnsucht nach diesen radikal abnahm – von David Bowies Lobeshymnen ganz zu schweigen) gesehen habe. Ich würde ihr gerne eine Scheibe – eine richtig dicke monströse Scheibe – abgeben, dann hätte sie vielleicht etwas mehr auf den Rippen und wäre vielleicht noch hübscher.

via Hedi Slimane Diary

(H)Edis Bildassoziation der fetten Babypuppe kommt sicherlich nicht von ungefähr. Mehr seiner Sicht der Dinge gibt es hier u.a. ähnlich präzise getroffene Porträtbilder von einer tragischen Amy Winehouse, der im Verlauf ihrer Karriere etwas von jener Frische und Stärke abhanden gekommen ist, die sie damals ausgestrahlt hatte. Damals – noch ohne Bienenkorb, Magerwahn und Megahype – bei ihrem kleinen Live-Auftritt bei Giovanni di Lorenzo, welcher mich zum sofortigen Kauf ihres Debütalbums Frank animierte. Nun, ich merke, ich schweife schon wieder ab; wie bin ich von Schweinespeck auf Amy gekommen? Geht wirklich nicht.

Von Bacon Jam habe ich erstmals bei der fabelhaften Sarah von Seoul in the city gelesen, seitdem stand BJ schon lange auf meiner Liste. Süß und salzig, aber vor allem Speck geht bei mir immer. Spätestens dann, wenn Chef HansenRan an den Speck“ ausruft. Nach einer kurzen Recherche im Netz entschied ich mich für dieses Rezept, da ich mir Bacon Jam fast genauso vorher im Kopf zusammengebraut hatte – bis auf den kalten Kaffee, der aber nur die logische Konsequenz ist. Und da sind wir doch schon beim Schönheitselixier.

Lauter leckere Sachen kommen da rein: ausgelassener Speck, karamellisierte Zwiebeln, etwas Säure (Essig), etwas Tiefgang (Kaffee), etwas Süße – im Original Ahornsirup, bei mir der selbstgemachte Reis-Sirup mit leichter Ingwernote meiner Tante (sobald ich ihr das Rezept entlocken kann, werde ich es hier mit euch teilen). Ha, natürlich fehlt noch etwas Schärfe: Hier kann ganz nach eigener Vorliebe Chipotle, Pimentón de la Vera, Piment d’Espelette, Tabasco, frische Jalapenos oder andere Chilisorten genommen werden, oder alles was gerade hip ist – bei mir natürlich feines, reines Gochugaru meines Onkels. Nur wenig, die Schärfe sollte nur leicht hinten am Hals kratzen.

Nach der ersten Verkostung war ich wider Erwarten nicht absolut hingerissen. Vielleicht hatte ich unter dem Eindruck der Begeisterungsstürme aka Kommentare die Erwartungen zu hoch geschraubt? Ein Stückchen geröstetes Brot mit leicht geschmolzenem Manchego und einem Klecks Tomatenmarmelade (ja, ja Konfitüre) mal im Himmel gekostet, war da schon eher mein Salzig-Süß-Hin-Und-Weg-Erlebnis. Oder lag es vielleicht an der Konkurrenz Myulchi Bokkum, in Honig und Sojasauce glasierte getrocknete Baby-Anchovis – Salzkaramell auf die fischige koreanische Art, die ich parallel zubereitet hatte. Die schmeckten mir im direkten Vergleich besser. Kann natürlich auch genetische Veranlagung sein.

Durch Zugabe von etwas mehr Zucker (ich habe Bacon Jam tatsächlich als süß assoziiert und muss nichts bedeuten) und von Balsamico (diese fruchtige Extra-Säure ist dagegen zweifelsfrei empfehlenswert) machte sich bei mir doch noch ein glückliches Grinsen breit – jeder sollte seine eigene perfekte Balance zwischen den unterschiedlichsten Komponenten finden. Daher empfehle ich den Zucker von Anfang an eher vorsichtig zu dosieren und erst ganz zum Schluss, kurz vor Ende der Kochzeit, nochmals nach eigenem Gusto mit Zucker, Essig und Schärfe abzuschmecken. Denn grundsätzlich gehören alle Daumen hoch für Bacon Jam!

Zu bitteren Salaten wie Löwenzahn kann ich mir BJ ganz hervorragend vorstellen, ansonsten natürlich zu Burger, zum Bestreichen/Würzen von Fleisch, zu Brot, zu Käse etc. etc. Weitere Ideen?

Bacon Jam_BJ

adaptiert von Not Quite Nigella

Zutaten:

500 g geräucherter Speck oder Bacon

4 Knoblauchzehen

1 Zwiebel, mittel

ca. 3 EL Zucker (nach Geschmack mehr oder weniger)

Chilischärfe nach Geschmack (bei mir 2/3 TL Gochugaru, Tabasco im Original)

240 ml kalter Kaffee

60 ml Apfelessig

60 ml Reis-Sirup (Ahornsirup im Original, notfalls Zuckerrübensirup oder Melasse)

extra Wasser

meine Option: 2 EL Balsamico + Zucker/Sirup

Zubereitung:

  1. Speck/Bacon klein schneiden und in einer Antihaft-Pfanne langsam auslassen. Speck herausnehmen und kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen. 1 EL Fett entnehmen und in einem neuen Topf erhitzen.
  2. Zwiebel und Knoblauch schälen, klein schneiden und zum Fett in den Topf geben. Glasig dünsten und mit ca. 1-2 EL Zucker ankaramellisieren lassen. Speck hinzu und mit Kaffee, Essig, Sirup ablöschen. Mit Chili vorsichtig abschmecken und ca. 2 h leise köcheln lassen, ohne Deckel. Knapp alle 30 min. mit etwas Wasser (ca. 50-60 ml) auffüllen, wenn Flüssigkeit fast verdampft ist.
  3. Halbe Stunde vor Ende der Kochzeit, vor der letzten Wasserzugabe nochmals nach eigenem Geschmack evtl. mit Zucker, Balsamico und/oder Chili abschmecken. Wasser zugeben, alles nochmals verdampfen lassen bis eine dicklich, glänzende Konsistenz erreicht ist. Leicht abkühlen lassen und evtl. mit einem Pürierstab/Mixer grob zerkleinern. Man sollte noch Stücke spüren. In einem Glas im Kühlschrank aufbewahren.

Blog-Event LXX - Ran an den Speck (Einsendeschluss 15. August 2011)

Tipps: Wer eine rustikale Optik mag (so wie ich) kann alle Zutaten von Anfang sehr klein schneiden und auf das Pürieren am Schluss verzichten.

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26 thoughts on “Kalter Kaffee (und Speck?) macht schön_Bacon Jam

  1. Liebe Ms Boulette, das wird ja immer toller bei Dir! Du schwadronierst so schön, verbindest en passant Popkulturanekdoten mit anderer Leute Ekelessen und lässt so bei mir unbändige Lust auf mehr entstehen. Und dann noch diese herrlich rustikale Optik!

    • Also, bis jetzt hat mir noch niemand gesagt, dass ich schwadroniere – aber aus Deinem Munde klingt es irgendwie gut ;-)
      Was Musik angeht, überlasse ich Dir gerne das Territorium – da bin ich Hedonistin durch und durch und konsumiere was gefällt ohne zu wissen wieso, weshalb, warum.

    • Wie Recht Du hast – auch wenn sich ein kleiner Teil von mir sich immer gegen diese (Mode)Definition gewehrt hat. Ist aber mein eigenes kleines Problem mit Gleichstellung zu Masse. Selbst das wird bei modesoziologischen Betrachtungen über Konformität vielfach bestätigt. Also, was soll’s. Was mich sonst beschäftigt: Zählen wir als Blogger auch zur Popkultur?

    • Ich gestehe, bin etwas irritiert. Befürchtete, ich langweile Euch mit meinem Geschwafel über Fashion und sonstige Nichtigkeiten des Lebens.
      Als Kerl hättest Du sicherlich schon vorher von Edi gehört – sollen süchtig machen seine Klamotten…

  2. Mode ist ja nicht gleich Popkultur. Umgekehrt ist aber ein nicht unwesentlicher Teil von Pop die jeweils kontemporäre (bisweilen avantgardistische) Art sich zu kleiden. Die SPEX zum Beispiel hatte in ihrer Hoch-Zeit grandiose Modestrecken im Blatt.
    Ob wir Blogger Teil der Popkultur sind? Du und ich auf jeden Fall. Und noch so 2,3 andere. Der Rest wäre Anlass für eine diesen Rahmen sprengende Erörterung. Spannender Gedankenanstoß allemal…

    • Ich muss sagen, diese Frage hat mich den ganzen Tag so sehr beschäftigt, dass ich eine Migräneattacke bekommen habe.
      Ach ja die SPEX, Du sagst es – der einzige Grund warum ich mir damals ein “Musikblatt” (für mich war und ist sie ein Musikblatt, auch wenn sie sich jetzt “interdisziplinär” gibt -völlig wertfrei) regelmäßig geholt habe. Irgendwie nach dem Chaos Köln-Berlin den Anschluss verpasst – habe schon lange kein Exemplar mehr in der Hand gehabt.

  3. Prinzipiell hört sich die Schinkenmarmelade (auf deutsch hört es sich komisch an, oder) sehr geil an, weiß nur nicht wie ich an den Kaffee kommen soll … hab keine Lust extra dafür 250 g Kaffee zu kaufen.
    Ansonsten mag ich Deine Exkurse in eine mir (fast) unbekannte Welt sehr gerne, lass mich doch immer gerne überraschen von Dir :-)

    • Ich wußte nicht, dass Du Kaffeeverächter bist…hmmm…vielleicht beim Nachbarn nach ner Tasse kalten Kaffee fragen? Und ja, bei mir darf Schinkenmarmelade (tolles Wort) gesagt werden, obwohl sicherlich einige gleich KONFITÜRE schimpfen würden. ;-)

  4. Ich hab die jetzt mal nachgebaut und meinem kritischen Grillbesuch kredenzt. Begeisterung überall ;) Der Balsamico drängt sich förmlich auf – Extrasüße hab ich aber keine gebraucht. Wird auf jeden Fall ein neuer Klassiker im Hause Hansen. Vielen Dank :)

  5. Das Schwein würde wahrscheinlich sogar zu Fisch passen. Gegrillter Lachs oder gedämpft, mit Zitrone und dann diese Speckmarmelade dazu. Stelle ich mir gut vor. Oder zu Leberwurstbrot (ich esse auch schon mal Rübenkraut auf Leberwurst und Käse).

  6. Pingback: Groovy Food « Chef Hansen

  7. Pingback: Bacon Jam « gaumenkitzler

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