Happy Chuseok_ein koreanisches Erntedankfest

Heute haben wir den 15.8. den fünfzehnten Tag des achten Monats (nein, ich irre mich nicht) – nach dem Mondkalender! Die Zahlen 8 (Pal) 1 (Il) 5 (Oh) scheinen bedeutsam für die Koreaner zu sein. Zum einen ist der 15. 8. nach dem (normalen) Sonnenkalender ein Tag von großer politischer Bedeutung: der Tag der Unabhängigkeit. Zum anderen ist derselbe Tag nach dem Mondkalender der größte und wichtigste Feiertag, neben dem Neujahrsfest.

Songpyeon – gefüllt mit gröstetem Sesam und Zucker

Heute wird Chuseok (추석), das koreanische Erntedankfest gefeiert. Vielleicht am ehesten vergleichbar mit Weihnachten hier oder dem amerikanischen Thanksgiving. Ein Tag, an dem jeder nach Hause zu seiner Familie und zu den Ahnengräbern fährt, und somit die Seouler Stadtbevölkerung Jahr für Jahr auf den Autobahnen Richtung Süden kilometerlange Staus verursacht. Freizeitstress vom Feinsten! Das Ganze wiederholt sich natürlich 3 Tage später auf der Rückreise. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung Koreas im Großraum Seoul lebt.

Und was essen die Koreaner an einem solchen Tag? Nun, an diesem großen Nationalfeiertag gedenkt man den verstorbenen Familienmitgliedern und Ahnen, indem man einen Tisch mit speziellen Speisen zubereitet und eine Zeremonie abhält (Jesa). Ganz typisch und eigentlich nur für diesen Feiertag werden Songpyeon (송편), kleine halbmondförmige Reiskuchen zubereitet. Hierfür wird der “neue” Reis der aktuellen Ernte verwendet. Sie werden mit diversen Zutaten süß gefüllt und mit Kiefernadeln zusammen gedämpft, die ein sehr feines Aroma abgeben.

Happy Chuseok!

(Nachtrag vom 20.10.2010)

Songpyeon_Reiskuchen mit süßer Sesamfüllung

Zutaten für ca. 20 Stück

Teig:

1 Tasse Reis (beste Sushi-Qualität)

4-6 EL heißes Wasser

1 Messerspitze Salz

Füllung:

4 EL gerösteter Sesam fein gemörsert/gemahlen

3 EL Rohrzucker

1-2 Prisen Salz

Glasur:

2 EL Sesamöl

2 EL Wasser

optional: 2-3 Handvoll gesäuberte Kiefernnadeln

Zubereitung:

  1. Den Reis mind. 12 Stunden einweichen, danach gut abtropfen lassen.
  2. Sehr fein, auf feinster Stufe, mahlen – je feiner desto besser.
  3. Das gemahlene Reismehl durch ein Haarsieb sieben, und das überschüssige Reismehl gesammelt nochmals mahlen. Den Vorgang eventuell 2-3-mal wiederholen, bis alles durch ein feines Haarsieb fällt. Mit einer Messerspitze Salz gut vermengen.
  4. Das kochendheiße Wasser vorsichtig und nur so viel esslöffelweise hinzugeben, dass ein fester, aber geschmeidiger Teig entsteht, der sich gut vom Rand löst, gleichzeitig den Teig anrühren und kneten.
  5. Eine Handvoll Teig entnehmen, den restlichen noch warmen Teig mit einem Tuch abdecken, eine Rolle formen und kleine Kugeln mit ca. 3 cm Durchmesser daraus formen.
  6. Alle Zutaten für die Füllung gut vermengen. Jeweils eine Kugel Teig nehmen, zwischen den Handflächen schön glatt rollen, dann beidhändig zwischen Zeigefinger und Daumen nehmen, mit dem Daumen eine immer größer werdende Kuhle formen, dabei achten, dass der Teigrand nicht zu dünn wird. Mit einem kleinen Teelöffel oder Espressolöffel die Füllung reingeben. Gut verschließen. Nochmals zwischen den Handflächen vorsichtig zu einer Kugel drehen, auf einer Handfläche halten und mit der freien Hand mittels Zeigefinger und Daumen das obere Drittel spitz zu einer länglichen „Zipfelmütze“ kneifen, so dass die charakteristische ovale Halbmondform entsteht. Mit dem restlichen Teig ebenso verfahren.
  7. In einem Dampftopf eventuell die Kiefernnadeln dünn auslegen, die fertigen Songpyeon darauf setzen, so dass sie sich nicht berühren. Deckel gut verschließen und 15- 20 min. im Dampf garen (das Wasser muss sprudeln).
  8. Die Songpyeons sind gar, wenn der Reisteig nicht mehr weiß, sondern milchig transparent ist und der Zucker in der Füllung gut zerschmolzen ist. Vorsicht heiß!
  9. In einer großen Schüssel Sesamöl mit Wasser vermischen und die fertigen Songpyeons noch heiß darin gut vermengen, dass sie eine leichte Glasur erhalten und schön glänzen. Am besten warm servieren.

Tipp: Das Befüllen und Formen erfordert etwas Übung, also lasst euch nicht entmutigen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. In Korea sagt man, dass diejenigen, die schöne Songpyeons formen, später auch schöne Kinder bekommen. Wer’s glaubt!

[Edit vom 10.09.2014 - Weil nun bei FB kurz die Frage nach der "richtigen" Konsistenz dieser Reiskuchen aufkam bzw. warum sie nicht fluffig sind: Songpyeons und Reiskuchen im Allgemeinen sind nicht fluffig. Vor allem nicht im Sinne von  Kuchen.
Die Konsistenz ist eher bissfest und chewy und hat damit ein echtes (wenn auch zunächst gewöhnungsbedürftiges) Alleinstellungsmerkmal. Ich kenne kein anderes Produkt mit einer ähnlichen Konsistenz und daher ist sie schwierig zu beschreiben. Koreaner lieben dieses Mundgefühl und beschreiben es sehr differenziert als "jjolgit", falls etwas sehr bissfest ist, und als "jjondog", falls etwas über die Bissfestigkeit hinaus auch noch klebrig ist. Ein Reiskuchen ist somit "jjondog,jjondog".

Hausgemachte Reiskuchen werden, da der Teig nicht maschinell gestampft oder gepresst werden kann, schnell hart und fest, sobald sie auskühlen. Ich empfehle, wie oben beschrieben, Songpyeons noch warm (aber nicht heiß, wegen der Zuckerfüllung) zu servieren. Sie können noch 1-2 Tage aufbewahrt werden (Kühlschrank oder kühle Raumtemperatur), sollten aber vor dem Servieren erneut ca. 10 Minuten gedämpft werden. Wer sie länger aufbewahren will bzw. auf Vorrat zubereiten möchte, kann fertig gedämpfte und komplett abgekühlte Songpyeons portionsweise einfrieren und bei Bedarf erneut wieder dämpfen. Das klappt sehr gut ohne merkliche Qualitätseinbußen.]

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19 thoughts on “Happy Chuseok_ein koreanisches Erntedankfest

  1. Klingen gut, die Dingerchen. Ich habe versucht chinesische Mondkuchen oder eine Mondkuchenform aufzutreiben, aber hier bei uns war das Fehlanzeige. Ich finde das spannend, dass in so vielen asiatischen Ländern zur gleichen Zeit Erntedank gefeiert wird.

  2. Auch wenn ich bisher keine Ahnung vom koreanischen Erntedankfest hatte, wünsche ich auch Dir ein gutes solches :)
    Die Farbe und Konsistenz des Küchleins sehen komisch aus für mich, aber kosten würde ich auf alle Fälle :-)

    • Anikó, Du solltest unbedingt diese Reiskuchen probieren, falls Du mal die Gelegenheit hast. Die Konsistenz ist sehr “chewy”, wie fast jeder Reiskuchen. Gemacht sind sie nur aus Reismehl, Wasser, Salz und Zucker. Die Füllung schmeckt nussig, süß – also eigentlich ist nichts besonders exotisches daran :-) aber die “chewy” Konsistenz muss man schon mögen.
      Daher habe ich auch kein Rezept dazu gepostet. Vielleicht mache ich es mal später unter der Rubrik “Für Fortgeschrittene” :-)

  3. Jetzt weiß ich auch, über welchen Festtag gestern im Asia-Markt gesprochen wurde. Da hatten nämlich sehr viele ihren Großeinkauf getätigt… und das unter der Woche ;-)

    Ich glaube, diese Küchlein habe ich schonmal gegessen, mit Mohnfüllung. Die waren super lecker! Leider hatte ich keine Ahnung unter was ich googeln muss, um den Namen zu finden. Vielen, vielen Dank dafür!

    • Ist ja lustig, dass dir gleich so viele Asiaten vor die Füsse gelaufen sind – gefeiert wird ja auch in China, wie Evi richtig bemerkt hat.
      Mit Mohnfüllung habe ich sie noch nie gegessen, aber selbst in Korea gibt es zig Varianten und man kann von Kürbis, Nüssen, Bohnen fast alles zur Füllung nehmen – hauptsache süß.

    • Danke und willkommen! Die Reiskuchen kann man kaufen, allerdings werden sie nicht überall frisch angeboten. Vor allem diese Songpyeon erhält man nur zu dieser Zeit. Es sei denn, man bestellt extra eine große Platte für Feierlichkeiten für ca. 120-150 Euro je nach Sorte. Für Nicht-Koreaner sicherlich eine schwierige Abnahme-Menge :-) Oder Du hast vor dich bei Koreanern beliebt zu machen und spendierst ne Runde, klappt so auf jeden Fall ;-)
      Selbstgemacht schmecken sie aber natürlich besonders gut, vor allem kann man dann seine Lieblingsfüllung bestimmen. Falls das Interesse nach diesem Rezept doch größer ist, überlege ich es mir doch noch mit dem nachträglichen posten. Das Rezept, dass ich ersatzweise verlinkt habe klingt ja sehr kompliziert. So schwierig ist es nicht.

  4. Pingback: missboulette und Kimchi - kyche

  5. Hallo! Vielen Dank für das Rezept! Habe auch eine koreanische Mutter, die aber bei selbst bei Mutter und Tanten beim Kochen nie aufgepasst hat und deshalb keine nennenswerte Informationsquelle ist. Wenn die Seongpyons was werden, bin ich ab morgen offiziell Lieblingstochter. :-D

  6. Ich glaub, das mit der LIeblingstochter kann ich mir abschminken. :-D
    Mein Küchenequipment kommt leider an Deins nicht ran. Beim ersten Mahlen des Klebreises kam was mehlähnliches raus, ich wollte es aber feiner haben. Beim zweiten Durchlauf gab´s dann interessante, kringelige Löckchen, beim Dritten ist mir die Maschine abgeraucht. Dann hab ich fast meinen Lieblingstopf in die ewigen Jagdgründe geschickt, weil das Wasser verdampft ist wie nix. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich keinen Dämpfeinsatz hab und mit meinem Spätzlesieb vorlieb nehmen mußte. (DAS ist mal Fusion Cuisine!) Es sieht aber ganz lustig aus (genau das, was man nach stundenlangem Einsatz gern hört…), weil ich noch grüne und rosa Lebensmittelfarbe genommen hab. Meine Kinder sind ganz verrückt danach und ich hoffe, ich kann meiner Mutter nachher überhaupt noch welche bringen. Der Kleine (14 Monate) läuft die ganze Zeit hinter mir her und schmeißt alles weg, was ich ihm zum Essen gebe (Apfel, Traube, Keks) – er will NOCH EIN Seongpyon. Und der Große (4 Jahre) meinte, ich solle einfach noch mehr machen. (As if…)
    Danke für´s Rezept! Ich muß mal im Reformhaus nach Klebreismehl suchen!
    Happy Chuseok!
    Sandra

    • zu
      zu suess deine kleinen! aber was mich etwas stutzig macht: bei songpyeon nutzt man ausnahmsweise “normales” reismehl, also sushireis. nicht klebreis wie fuer die meisten reiskuchen. aber daran kann es nicht gelegen haben, dass dein geraet kaputt gegangen ist. wie schade! aber schoen, dass du dich nicht entmutigen laesst.

  7. Nö, Fehler sind dazu da, daraus zu lernen. :-)
    Ich dachte, gemahlener Sushireis würde Klebreismehl ergeben? Dear me, so viele Unterschiede… Ich bleibe am Ball und stöbere weiter in Deinen superleckeren Rezepten! Meine Mutter war übrigens begeistert! (Hatte auch noch Yaggwa und was anderes, das im Kochbuch Maejaggwa heißt, laut meiner Mutter aber was anderes ist, gemacht.)

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