Sommer Kimchi Part 3/3_Gurken Kimchi Oisobagi

Jedesmal wenn ich Oisobagi esse, muss ich an eine chinesische Freundin aus Shanghai denken, die vor knapp zehn Jahren als Nachbarin über mir wohnte. Sie konnte kaum Deutsch und kaum Englisch, und ich natürlich, bis auf einen sehr halbherzig besuchten 6-monatigen Grundkurs, kein Mandarin.

Wenn wir kompliziertere Sachverhalte austauschen wollten, musste ihr deutscher Mann, der für meine Ohren hervorragend Mandarin sprach, übersetzen. Ansonsten konnten wir uns aber irgendwie in der Küche immer verständigen. Kam ich erst spät nach Hause, wurde ich häufig abends mit einer warmen Mahlzeit überrascht. Sie liebte Kimchi in allen Variationen und im Gegenzug konnte ich mich damit erkenntlich zeigen.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie eigenes Kimchi zubereitet, und hatte nur das Kimchi meiner Mutter, das sie mir in regelmässigen Abständen zuschickte. Dementsprechend lagen die Sorten länger im Kühlschrank.

Einmal hatte mir meine Mutter Gurken-Kimchi/Oisobagi mitgeschickt. Diese Sorte wird besonders schnell sauer. Einige mögen zwar den Geschmack, aber so sehr ich frisches Oisobagi liebe, umso mehr kann man mich mit saurem Oisobagi jagen.

Als Y. mitbekommen hatte, dass ich das Kimchi wegschmeissen wollte, konnte sie es kaum fassen. Es kam noch hinzu, dass sie schwanger war und ungeheuren Appetit auf Saures hatte. Das Kimchi war schon einige Wochen alt und so sauer, dass selbst ich beim Öffnen des Behälters die Nase rümpfen musste. Die Gurken fingen schon an schrumpelig zu werden, und ich hatte ernsthafte Bedenken, ob dieses Kimchi nicht gesundheitsgefährdend für Schwangere sein könnte.

Aber mehrfach versicherte sie mir fast schon verzweifelt, dass sie es essen dürfe und auch wolle. So hat sie diese (ekelhaft) sauren Oisobagi vor dem Mülleimer gerettet und genüsslich verspeist.

Ich glaube an dem folgenden Wochenende habe ich zusammen mit ihr zum ersten Mal in meinem Leben Kimchi eingelegt – und zwar Oisobagi. Ich wollte ihr unbedingt zeigen, um wie viel besser frisches Oisobagi schmeckt. Ihr einziger Kommentar war jedoch, dass ihr die saure, lange fermentierte Variante besser schmecke und sie daher das Gurken-Kimchi jetzt länger stehen lassen müsse.

Nun, beim Geschmack scheiden sich die Geister. Zumindest ist aber Oisobagi der richtige Einstieg für Kimchi-Neulinge. Es ist am einfachsten und am schnellsten herzustellen, ohne Zugabe von exotischen Zutaten wie Fischsauce oder eingelegte Shrimps und auch ohne Knoblauch. Stattdessen wird Buchu (Schnittknoblauch) verwendet.

Er schmeckt schärfer und kräftiger als Schnittlauch und ist mittlerweile auch in deutschen Gärtnereien als Topfpflanze erhältlich. Bereits geschnitten und im Bündel ist er in Asialäden erhältlich. Je weniger Blütenansätze desto besser. Bei den Schlangengurken solltet man lange schmale wählen, nicht die dicken kurzen. Kleine Feldgurken bzw. Einmachgurken sind die noch bessere Wahl.

Gurkenkimchi_Oisobagi

Zutaten:

12       kleine Einmachgurken oder 2 sehr lange schmale Schlangengurken

3 EL   Meersalz, grob (Menge auf Hälfte reduzieren, falls Siedesalz)

1         Bund Buchu (Schnittknoblauch)

1         mittelgroße Möhre

2-4 TL    Gochugaru

1 TL    Sesamkörner, geröstet

1 TL    Salz

½ TL   Zucker

optional

½        Zwiebel

Zubereitung:

Gurken waschen, Enden abschneiden und kreuzweise bis auf 2 cm einschneiden (Achtung nicht ganz durchschneiden!), sodass 4 oder 6 Spalten entstehen, die zusammengehalten werden. Falls Schlangengurken verwendet werden, vorher jede Gurke in 6 gleichmäßige Stücke schneiden und genauso verfahren. Die eingeschnittenen Gurken in eine Schüssel geben und großzügig salzen, dabei auch in die Schnittflächen hinein gut verreiben. Abdecken und insgesamt 2 h ziehen lassen. Nach der Hälfte der Zeit einmal wenden.

In der Zwischenzeit Füllung zubereiten. Dafür Buchu in 1cm Stücke hacken, Möhren in sehr feine Julienne schneiden und evtl. noch klein hacken, alle Gewürze und evtl. etwas Zwiebel in sehr feine Streifen schneiden und alles zusammen gut vermischen. Die fertige Füllung stehen lassen.

Nach 2 h die Gurken mit Wasser auffüllen und gut auswaschen, besonders innen gut ausspülen, Wasser wegschütten und den Vorgang zwei weitere Male wiederholen. Die Gurken auf einem Sieb abtropfen lassen, vorsichtig mit den Händen ausdrücken. Nun die Gurken mit der fertigen Würzmischung befüllen, zur Orientierung reichen 2-3 TL als Menge, aber mit den Fingern (Handschuhe) lässt es sich leichter arbeiten.

Falls etwas Füllung übrig bleibt, kann sie mit den fertigen Gurken in den Behälter gegeben werden. Diese Kimchi Sorte sollte sofort in den Kühlschrank gegeben werden und kann bereits am nächsten Tag verzehrt werden.

Beim Servieren die Gurken vorsichtig entnehmen, so dass die Füllung in den Gurken drin bleibt.

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