Seoul, Seoul, Seoul

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Es sickerte und sickerte, jetzt ist es ganz offiziell: Brot und Butter gibt es demnächst auch mit Kimchi: Bread & Butter Seoul.

Nicht nur aus diesem Anlass habe ich für alle Interessierte ein paar meiner Lieblingsecken in Seoul notiert.

Insadong
Hier findet man traditionelle Teehäuser, buddhistische Tempelküche, koreanisches Teegeschirr, handgeschöpftes Papier, Kalligraphieutensilien und jede Menge Kunsthandwerk (ob alt oder neu). Auch wenn mit der Zeit immer mehr kleinere Händler und Galeristen verdrängt und durch mediokre Souvenirgeschäfte ersetzt wurden, in den kleinen Nebengassen abseits der “Hauptstraße” Insadong-gil gibt es immer noch einiges zu entdecken.
Am Wochenende ist das Viertel für Autos gesperrt und viele Straßenhändler erscheinen in traditioneller Tracht.

Anguk Station (Linie 3 Exit 6, an der Crown Bakery links in die Straße Insadonggil einbiegen)

Sadong Myunok
hinter dem Insa Art Plaza, dank der Neonlichter kaum zu übersehen – Mandusuppe, Mandu Hotpot, Haemul Pajeon (Meeresfrüchte Pfannkuchen), Naengmyun (die berühmte eiskalte Nudelsuppe)

Oh Se Gae Hyang
von Anguk Station kommend direkt vor Ssamzie Mall links – buddhistische Tempelküche, hier kann man sich einzelne Gerichte zusammenstellen und ist nicht wie sonst häufig an feste Menüs gebunden

Sanchon
Das erste und bekannteste buddhistische Restaurant in dieser Nachbarschaft; um den Geschmack der Masse zu treffen, wird hier nicht nach strenger Lehre gekocht und zumindest wenig Knoblauch und Zwiebelgewächse verwendet – trotzdem noch sehr typisch und man bekommt einen Einblick in die pflanzliche Vielfalt.

Baru bzw. Balwoo
Restaurant des Jogye Ordens im 5. Stock des Templestay Information Center direkt gegenüber des Jogyesa Tempels (Parallelstraße zu Insadong-gil)
Eine elegante, leicht moderne Interpretation der Tempelküche, wunderschön schlicht zelebriert. Wem Sanchon doch zu traditionell buddhistisch ist (und somit teilweise etwas neutral, wie einige manche Gerichte kritisieren), ist hier vielleicht besser aufgehoben. Das komplette (saisonal leicht wechselnde) Menü sollte probiert werden, aber es gibt auch günstigere/einfachere “Sets”. Unbedingt die Website besuchen und die nicht regulären Öffnungszeiten beachten.

Interessantes
Old Tea Shop, O’sulloc Tea House, Reiskuchen Museum

weitere Restaurants mit genauer Wegbeschreibung auf Visitkorea (u.a. auch Sanchon)

Samcheongdong
Nördlich von Insadong, nur einen kleinen Fußweg entfernt, liegt dieses Viertel, das bekannt ist für Galerien, exzellente Hanjeongsik Restaurants (typisch koreanisches Essen mit vielen Beilagen) und kleine, gemütliche Cafés. Angrenzend findet man das Bukchon Hanok Village (Hanok wird die traditionelle Holzarchitektur genannt) mit seinen sanierten Hanok-Häusern und verwinkelten Gassen. Hier bekommt man eine Ahnung des alten Seouls. Einfach sich treiben lassen, entdecken und in den zahlreichen Cafés bzw. Restaurants für eine kurze oder lange Pause einkehren.

Anguk Station (Linie 3)
Exit 2 ca. 300 m direkt zum Bukchon Hanok Village
Exit 1 für Bukchon Tourism Information Center (am Jeongdok Library), ca. 5-10 Minuten Fußweg – hier kann man sich vorab mit einer Karte eindecken und sich über die laufenden Ausstellungen im Viertel erkundigen (10:00~18:00 Tel: +82-2-731-7312)

Falls auf dem Rückweg die Füße schmerzen, bringt Bus #11 einen vom nördlichen Samcheongdong wieder zurück Richtung Downtown Seoul: Gyeongbokgung Palast, Seoul Station oder Namdaemun Markt.

Jongno/Downtown Seoul

Kyobo Mungo aka Kyobo book store im Untergeschoss des Kyobo Building
DIE Buchhandlung in Korea (und für euch nicht unwichtig) sogar mit einer kleinen englischsprachigen Abteilung (u.a. auch Kochbücher über koreanische Küche, buddhistische Tempelküche, Tees, Kräuter etc.).
Eine neuere (und größere) Filiale findet man in Gangnam in den Kyobo Towers.

Jongno Hauptfiliale – Gwanghwamun Station (Linie 5) Exit 3 führt direkt zum Kyobo Bookstore.

Cheonggyecheon
Kein MUSS und keine Sehenswürdigkeit, aber eine städtebaulich vielbeachtete Verschönerung eines alten Kanals, der ursprünglich während der Joseon-Dynastie aufgrund der Hochwasserproblematik angelegt wurde.
Abends schön illuminiert. Ein kühlender Spaziergang mitten in der Stadt zwischen Kinderlachen und Wassergeplätscher, falls man sowieso in diese Richtung muss. Ich nutze den Weg gern als Alternative zu 1-2 Stationen U-Bahn zwischen Jongno und Dongdaemun.

Namdaemun Markt am Südtor
Geschenkartikel, Haushaltswaren, Porzellan, Alltagsutensilien etc. – alles was der Mensch braucht und nicht braucht. Dieser Markt ist nachts zwischen 1-5 Uhr neben Dongdaemun der wichtigste Großhandelsmarkt für Händler aus dem ganzen Land, doch kaufen darf jeder. In einer lauen Sommernacht ein buntes, pulsierendes (wenn auch leicht chaotisches) Treiben. Tagsüber haben viele Geschäfte geschlossen und er ist weniger überfüllt.

Hoehyeon Station (Linie 4 Exit 6)

Myeongdong
Ältestes Shoppingviertel überhaupt und einzige echte Fußgängerzone. Mainstream Fashion, internationale und lokale Brands, Streetfood. Hier befinden sich auch die zwei Filialen des Myeongdong Gyoza, die bekannt sind für die Nudelsuppe aus handgeschnittenen Nudeln aka Kalguksu.
Am Wochenende möglichst meiden, da tausende High School-Schüler und japanische Touristen sich wie Ölsardinen durch die überfüllten Straßen drängen.

Myeongdong Gyoza
Myeongdong Station (Linie 4 Exit 8) – links in die erste Straße einbiegen und nach ca. 200 m steht man davor (braunes Schild mit weißer Schrift)

Department Stores
Es gibt so viele Department Stores, Malls, Megaplexes, Techno Marts (Yongsan und Gangbyeon für Elektronik), Outlets (Munjeongdong) in Seoul, auf die ich gar nicht näher eingehen will (und kann). Nur soviel: Wer diese Art des Shoppings mag, wird in Seoul glücklich (oder wahnsinnig, wie man es nimmt).
In dieser Gegend sollte ich dennoch zumindest Shinsegae (neben Namdaemun Markt) und Lotte Department Store (direkt neben Myeongdong) erwähnen, weil sie Essensalternativen zur unmittelbaren Nachbarschaft anbieten. Von lokalen Brands bis High-end Fashion gibt es alles und natürlich die Lebensmittelabteilung und Snackanbieter mit vielen Probierecken (im Untergeschoss) nicht zu vergessen; ganz oben befindet sich die Restaurant-Abteilung. Alle Gerichte sind in Plastik nachgeformt und in Schaufenstern präsentiert, sodass noch nicht einmal Sprachprobleme einen daran hindern könnte, die komplette Karte zu verstehen (geschmacklich keine Offenbarungen aber auch nie wirklich schlecht – immer gut, sauber, bequem und meist schön ruhig, was in Seoul eine echte Erholung sein kann). Grundsätzlich kann ich die Restaurants/Food Courts in koreanischen Kaufhäusern empfehlen, wenn man gerade nicht vom Entdeckerdrang gepackt ist und einfach nur auf die Schnelle solide essen möchte. Zentral an einem Ort gebündelt gibt es eine große unterschiedliche Auswahl an Spezialitätenrestaurants (in Korea sind Restaurants – auch kleinere – immer Spezialitätenrestaurants, die jeweils nur eine kleine Essensauswahl haben. Daher gilt: zunächst grob entscheiden was man essen will und erst daraufhin das passende Restaurant aussuchen).

Historisches/Museen

Changdeokgung
Ehemalige Privatgemächer der königlichen Familie mit dem geheimen Garten (Biwon oder manchmal auch Huwon genannt). Eine schöne Erholung vom Lärm der Stadt.
Für die Besichtigung koreanischer Palastgebäude und Tempel gilt grundsätzlich immer den Blick nach oben zu richten, weil sich hauptsächlich dort die typischen dekorativen Holzmalereien (Dancheong) befinden. So bunt und vielfältig sie wirken, bei genauerer Betrachtung erkennt man schnell die fünf Grundfarben, stellvertretend für die fünf Elemente und Himmelsrichtungen: Gelb steht für das Zentrum, Blau für Osten, Weiß für Westen, Rot für Süden, Schwarz für Norden.

Gyeongbokgung
Der Hauptpalast mit Thronhalle. Als Symbol nationaler Souveränität wurde er zur japanischen Kolonialzeit zum Großteil zerstört und durch ein Gebäude im neoklassizistischen Stil ersetzt bzw. verdeckt (welches erst Mitte der Neunziger im Zuge der Rekonstruktion des Palastgeländes abgerissen wurde). Nach umfangreichen Bauarbeiten wurden die Hauptgebäude gemeinsam mit dem Haupttor (Gwanghwamun) originalgetreu rekonstruiert. Angeschlossen ist das National Folk Museum. Zur jeden vollen Stunde (von 10-15 Uhr) findet “changing of the guards” am Haupttor/Gwanghwamun statt.

Leeum Museum
Wer nur für ein einziges Museum Zeit hat und sich nicht durch die gewaltige Sammlung des Nationalmuseums schleppen will, ist hier am besten aufgehoben. Es ist die vielleicht feinste private Kunstsammlung in Korea.
Das Leeum Museum ist übersichtlich in zwei Gebäude unterteilt: Museum 1 ist der traditionellen koreanischen Kunst gewidmet, während Museum 2 die Gegenwart mit einer Sammlung aus zeitgenössischer koreanischer und internationaler Kunst abdeckt. Zudem ist allein schon die Architektur von Mario Botta (Museum 1), Jean Nouvel (Museum 2) und Rem Koolhaas (Child Education & Culture Center) eindrucksvoll.

Hangangjin Station (Linie 6 Exit 1) ca. 100m in Richtung Itaewon laufen, rechts in die erste Straße einbiegen und den Hügel hochlaufen, ca. 5 Minuten (den Schildern folgen)

Um Dongdaemun

Gwangjang Market
Ein MUSS (für Foodies). Dieser Markt ist besonders bekannt für die gute Qualität der Streetfood-Stände (Mokjagolmok aka food alley). Die knusprigen Pfannkuchen (Bindaetteok) aus Mungbohnen, die hier teilweise noch auf traditionellen Steinmühlen gemahlen werden (und dadurch die perfekte Konsistenz erlangen – nicht zu grob, nicht zu fein), gehören zu den besten, die ich je gegessen habe. Empfehlenswert sind auch Kimbap (die hier vegetarisch gefüllt und kleiner als üblich sind und Mayak Kimbap genannt werden, weil sie angeblich wie Mayak/Drogen süchtig machen sollen), Kimchi Mandus (deren seidene Bäuche die rote Füllung durchschimmern lassen) und süße Congees aus Kürbis oder Azukibohnen. Fernab vom Blingbling und Glitzer der südlichen Stadtteile (Gangnam) sitzen hier Schulter an Schulter Schüler, Geschäftsleute und Marktbesucher bei einfachem aber gutem Essen zusammen: Seoul pur und unverfälscht.
Ganz nebenbei bekommt man in diesem Markt der Märkte, der Großhändler in Namdaemun und Dongdaemun mit Textilien und Stoffen beliefert, auch wunderschöne, teilweise handbemalte Seidenstoffe (für Hanboks aka die traditionelle koreanische Tracht, welche man sich direkt maßanfertigen lassen kann). Hier gibt es auch eine Abteilung für Vintage Clothing (auf die Schilder mit der Aufschrift 수입 구제/Suib Gujae achten – nahe Exit 11 – die rauf auf den zweiten Stock führen).

Station Jongno 5-ga (Linie 1 Exit 8) – gleich am Eingang Nord links einbiegen, hier beginnt Mokjagolmok/Food alley, die besseren Bindaetteoks gibt es weiter runter am kleinen dreieckigen “Platz”

Dongdaemun Markt am Osttor
Neben Namdaemun der wichtigste (Großhandels-)Markt und mit über 30.000 Händlern der größte Markt für Fashion & Accessoires. Hat wie Namdaemun die ganze Nacht geöffnet bzw. blüht ab Mitternacht erst richtig auf (wenn die gefühlt Millionen von kreischenden Teenagern in Schuluniformen, die Dongdaemun tagsüber bevölkern, längst schlafen). Kein High-end, nur Fast Fashion (made in Korea) auf teilweise gutem Niveau. Wenn man sucht, findet man gut “interpretierte” Einzelteile angelehnt an aktuelle (!) internationale/japanische Designerkollektionen – so schnell und vor der Zeit umgesetzt, dass sogar ganze Designerteams hier ihre Rechercherunden drehen (müssen).
Der ganze Dongdaemun-Komplex ist aufgrund der penetrant lauten K-Pop Beschallung und drängelnden Menschenmassen etwas anstrengend und es dauert eine Weile, bis man die richtigen Ecken und Geschäfte ausfindig gemacht hat. Sofern man Spaß an Mode hat, gerne stöbert und entdeckt, sicher ein Paradies auf Erden. Anhänger gediegener Atmosphäre sollten dieses Fleckchen Seoul meiden.

Dongdaemun History & Culture Park Station (Linie 2, 4 und 5)
Doosan Tower – kurz Doota – und Migliore (beide Exit 14) sind neben dem Wholesale Market (exit 2) die bekanntesten – aber es lohnt sich auch in den vielen kleinen Läden in den umherliegenden Gebäuden zu stöbern.

Dongdaemun Design Plaza (DDP)
Neben dem Osttor/Dongdaemun, wo sich vormals das Dongdaemun Baseball Stadion befand, wurde das in diesem Frühjahr eröffnete Kulturzentrum (entworfen von Zaha Hadid) erbaut. Die Seoul Fashion Week ist nun von Gangnam hierher gezogen.

Dongdaemun History & Culture Park Station (Linie 2, 4 und 5 Exit 1)

Gangnam

Apgujeong und Cheongdamdong
Wenn von Gangnam im oft geklickten Psy’s Gangnam-style die Rede ist, sind eigentlich diese beiden ehemaligen Neureichensiedlungen gemeint. Understatement war hier lange ein Fremdwort. Mittlerweile hat sich vieles beruhigt. Koreanische Designer- und Avantgardemode (Apgujeong) und Flagship Stores internationaler Luxusmarken (Cheongdam-dong). Schöne, westlich orientierte Coffee Shops, Restaurants, Wine Bars (der Haken: die gleichen Produkte, die man in DE/Europa bekommt – nur völlig überteuert). Weilt der Sartorialist in Seoul, treibt er sich meist hier rum.
Empfehlen kann ich in dieser Gegend Izakayas, die Sake und sehr gute Okonomiyakis zu halbwegs anständigen Preisen anbieten.
Abschließend sei noch das Gourmet 494 (Food court) im Untergeschoss des Luxuskaufhaus Galleria Department Store der Vollständigkeit halber erwähnt.

Gourmet 494
Apgujeong Galleria Department Store B1

Apgujeongrodeo Station (gelbe Bundang Linie) – Galleria ist direkt damit verbunden

Garosugil
Eine weitere der endlosen Cafémeilen Seouls, bekannt für “Europe in Seoul” dank der offenen Cafés und Terrassen, die es so vorher in Seoul tatsächlich nicht gegeben hatte. Hier fühlt sich jeder Koreaner und Korean American ein bisschen wie in Europa – was die Europäer davon halten…hm… Kein Lieblingsplatz, aber erwähnen wollte ich es.

Sinsa Station (Linie 3)

Hongdae
Wir sind jetzt wieder im Norden der Stadt. Diese Gegend um die angesehenste Kunsthochschule Hongik University (kurz Hongdae) gilt als künstlerisch und alternativ. Hier gibt es Vintage-Läden, Flohmärkte (am Wochenende ab 13 Uhr), Bars und Clubs. Wem Gangnam zu posh, verwöhnt und glatt ist, geht (nachts) hier aus.

Hongik University Station (Linie 2) oder Sangsu Station (Linie 6) aus südlicher Richtung kommend

Gyeongnidan
Früher als Expat Ghetto verschrien, haben Eingeborene/Seoulites lange einen weiten Bogen um den Stadtteil Itaewon gemacht. Seit einigen Jahren zieht es immer mehr Kreative und mit ihnen Jungunternehmer in die Nähe von Noksapyeong Station am westlichen Rand Itaewons. Mittlerweile ist hier eine lebendige Gastro-Szene (mit Schwerpunkt internationale Küche) entstanden mit entspannten Bars, Bistros, Restaurants und Brunch-Spots. Wer eine kurze Pause von Kimchi, Bibimbap und Co braucht, ist hier richtig aufgehoben.

Noksapyeong Station (Linie 6, Exit 2) – an der Unterführung die Straße überqueren und die Gassen entdecken

Must-Eats

Hanjeongsik (s. Samcheongdong oder Insadong)

Bindaetteok (s. Gwangjang Market)

Streetfood – hier verweise ich für den ersten visuellen Eindruck auf Matt Bites

Fisch und Meeresfrüchte – am besten fangfrisch am Noryangjin Markt an einem Stand kaufen und in den oberen Etagen servieren bzw. kochen lassen – frischer geht’s nicht. Wie das ganze Prozedere genau abläuft, ist in diesem Video zu sehen. Übrigens wird Hoe/Sashimi in Korea stets in zwei Gängen serviert, zunächst das rohe Filet, später eine scharfe Suppe aka Maeuntang, die aus den Karkassen gekocht wird. Nichts verkommt.

Obst, Obst, Obst – koreanisches Obst schmeckt einfach fantastisch

Freizeit

Pojangmacha – kleine Outdoor-Bars in Plastikzelten mit Streetfood (hauptsächlich Innereien) und Soju ohne Ende (Anthony Bourdain ist in No Reservations/Korea häufig dort anzutreffen)

Han Fluss Riverside Parks – egal welches Viertel, wenn ein Riverside Park in der Nähe ist: Essbares in den vielen 24-h Convenience Stores kaufen und nachts dort verspeisen (Achtung, in den heißen Sommermonaten wird es richtig voll)

Schönste Aussichten
Last but not least mein Lieblingsthema – weil ich eine leidenschaftliche Anhängerin des Panoramablicks bin und gerne so lange nerve bzw. meine Mitmenschen Treppen und Hügel hochscheuche, bis alle Aussichtspunkte von der Liste gestrichen sind, hier meine Vorschläge für Seoul:

Sky Park am World Cup Stadium
Hier sieht man den Smog am besten, die Sonne knallt (kaum schattige Plätze), Schilder warnen vor (kleinen) Schlangen und man befindet sich auf einer ehemaligen Müllhalde – und trotzdem bin ich gerne hier. Hier oben sieht man tatsächlich zunächst nur den Himmel, nichts von Seoul. Wenn man auf einem der Bänke sitzt und über die Stadt in die Ferne blickt, kann man die Zeit vergessen. Jedes Mal, wenn ich wieder unten bin, fühlt es sich wehmütig an – als sei ein kurzer Urlaub zu Ende.

World Cup Stadium Station (Linie 6, Exit 1)

Namsan Tower, jetzt in N Seoul Tower umbenannt (richtig old-school bei Dämmerung)

Buamdong – Changhuimun (Eingang/Tor zum alten Festungswall)
Hier angekommen, gibt es verschiedene Alternativen:

1. Der Bugak Spazierweg 북악산길 산책로 (dieses Wort evtl. visuell einprägen, da der Weg leider nur auf Koreanisch ausgeschildert ist) führt entlang der Straße Bugak Skyway hinauf bis zur Hügelspitze und dem Aussichtspunkt Palgakjeong Pavillion – ein 30-40 Minuten zügiger Fussweg zwischen Changuimun und Palgakjeong Pavillion.
2. Hiking mitten in der Stadt kann man entlang des alten Festungswalls (Seoul Fortress) – kurze Registrierung mit Ausweis/Reisepass ist Pflicht, da sich das Gelände direkt hinter dem Präsidentensitz Cheongwadae befindet und bis vor einigen Jahren sogar militärisches Sperrgebiet war. Über dieses Gelände kamen früher nordkoreanische Attentäter und Spione. Festes Schuhwerk bitte nicht vergessen.

Buamdong ist ein Viertel, das trotz der unmittelbaren Nähe zur Altstadt Seouls noch etwas verschlafen wirkt. Man fühlt sich hier oben eher irgendwo in den Bergen, nur nicht in Seoul. Bekannt wurde das Viertel vor einigen Jahren erst durch eine sehr beliebte TV-Serie. Das Haus in dem einer der Protagonisten leben sollte, wurde mittlerweile geschäftstüchtig als Café (Sanmotoonge) umfunktioniert. Die Preise sind unverschämt, aber der Ausblick von der Terrasse tröstet über fast alles hinweg. Vielleicht ist das Café die dritte Ausblick-Alternative für Faule.

Gyeongbokgung Station (Linie 3 exit 3), danach ca. 100 Meter bis zur Bushaltestelle für Busse #1020, 7022, 7212 – es sind 6 Haltestellen bis Buam-dong Community Service Center 부암동민주센터 (falls man das Viertel zunächst entdecken will) oder gleich bis Changuimun aka Jahamun Gate Hill 자하문 고개 fahren

Alternativ zum Bus direkt an der U-Bahn Station ein Taxi nehmen bis Changuimun (manchmal auch Jahamun genannt) für umgerechnet 4-5 Euro

Jaha Sonmandu (ca. 2 Minuten vom Changuimun entfernt)
Mandus, Mandu Suppe aka Tteok Mandu Guk, Pyeonsu (quadratisch geformte Mandus mit Shiitakefüllung, wie sie ursprünglich um die nordkoreanische Stadt Kaesong hergestellt werden), im Sommer gibt es auch Kong Guksu (kalte Nudeln in dicker Sojamilch, schmeckt fantastisch)

PS:

Spätestens von oben werdet ihr bemerken, dass Seoul mitnichten eine wahre Schönheit ist. Weder lieblich noch gefällig. Eher spröde, betonlastig, rauh, laut, anstrengend, fordernd. Man muss sich auf sie einlassen. Doch ich mag sowas. Städte (und auch Menschen), die sich einem erst auf den zweiten Blick richtig erschließen. Für mich ist Seoul eine Schöne.

PPS:

Kochkurse

Koreanische Alltagsküche – Food and Culture Korea Academy

Koreanische Hofküche – Institute of Korean Royal Cuisine

Institute of Traditional Korean Food mit angeschlossenem Cafe und Museum für Reiskuchen und Küchenutensilien (s.o. Insadong)

Mein Brot des Sommers…

…ist eine schnöde Focaccia.

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Nach zig Anläufen und ebenso vielen Löschvorgängen entscheide ich mich letztlich, möglichst wenige Worte über diese Focaccia zu verlieren. Verdient hätte sie viele. Die erste selbstgemachte Foccacia, mit der ich wirklich zufrieden bin. Oben wie unten knusprig, innen elastisch, mit perfekt unperfekter Porung und vor allem – kinderleicht! Eine absolute Nachback-Empfehlung.
Das Rezept stammt ursprünglich aus dem Buch “No need to knead” von Suzanne Dunaway aus dem Jahr 1999 – noch vor Jim Lahey hat sie anscheinend das Nicht-Kneten bzw. eine hohe Wassermenge mit gleichzeitig langer Teigführung propagiert. Spätestens nach diesem Rezept sollte JEDER (der einen Becher und Rührlöffel in der Hand halten kann) eine vernünftige Focaccia backen können.

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Neben der klassischen Rosmarin-Variante habe ich diesmal das Grundrezept mit einer weiteren Entdeckung der letzten Zeit kombiniert: Balsamico karamellisierter Knoblauch (vielleicht der No fuss-Kompromiss zu Aged Black Garlic, den man übrigens sehr gut selbst herstellen kann – sofern man den alles durchdringenden Geruch während der Herstellung nicht scheut und über einen alten Reiskocher verfügt). Erspäht als namensgebende Komponente in dieser großartigen Tarte. Somit gehört mein Blog offiziell nicht mehr zur ottolenghifreien Zone (was bisher mehr dem Zufall als einer echten Abneigung geschuldet war).

Wie (und mit welcher Zutat) auch immer: Diese Focaccia ist mein Brot des Grillsommers!

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Nur eine kleine Warnung vorweg (für Kurzentschlossene): einfach bedeutet nicht automatisch auch schnell. Der Teig ist zwar in wenigen Minuten zusammengerührt, sollte aber über Nacht im Kühlschrank gehen. So zumindest steht es im Rezept (doch auch bei 4-5 Stunden bei warmer Zimmertemperatur gelingt die Focaccia ohne allzu große geschmackliche Abstriche – falls ihr es “eilig” haben solltet). Hier ist daher etwas Planung erforderlich, aber das war’s auch schon.

Grundrezept für eine runde Focaccia ca. 30 cm (doppelte Menge reicht nicht ganz für ein Blech)
nach Suzanne Dunaway/No need to knead via Delicious Days

1 Cup (250 ml) Wasser, lauwarm
1 TL Trockenhefe (alternativ 20 g frische Hefe)
2 Cups Mehl (bei mir 312 g), Type 550
1 TL Meersalz, fein

Olivenöl
grobes Meersalz
Rosmarin

Zubereitung:

  1. Lauwarmes Wasser in eine große Schüssel geben und die Hefe darin auflösen. 1 Cup Mehl und das Salz mit einem Holzlöffel einrühren. Nur ca. 2 Minuten zu einem flüssigen Teig vermengen. Erneut 1 Cup Mehl unterrühren. Wieder nur kurz rühren (ca. 3-4 Minuten). Der Teig soll sehr weich und klebrig sein. Nicht zu lange rühren. Schüssel mit Folie abdecken und über Nacht in den Kühlschrank geben (alternativ 4-5 Stunden bei Zimmertemperatur gehen lassen).
  2. Am nächsten Tag mindestens 2 Stunden vor dem Backen (Nicky empfiehlt 12 Stunden im Kühlschrank und 2 Stunden Raumtemperatur) aus dem Kühlschrank nehmen und bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen. Den Ofen auf Ober-Unterhitze 260°C vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen und mit 1 EL Olivenöl einölen. Den Teig mithilfe eines geölten Teigschabers vorsichtig aus der Schüssel aufs Backblech fallen lassen. Dabei soll möglichst wenig Luft aus dem Teig entweichen. Finger in etwas Öl tauchen und den Teig sanft auf dem Backblech ausbreiten/formen. Der Teig sollte mindestens eine Höhe von 2 bis 3 cm haben. Einige Fingerspitzen tief in den Teig drücken, sodass kleine Mulden entstehen. Ca. 1 EL Olivenöl (oder mehr) gleichmäßig über den Teig verteilen, mit etwas Rosmarinnadeln und Meersalz bestreuen (bzw. Geschmackszutat nach Wahl). Das Blech sofort in den Ofen schieben. Herd runterschalten auf 230°C, ca. 20 Minuten (oder bis goldbraun) auf mittlerer Schiene backen. Auf einem Rost abkühlen lassen. Schmeckt mir am besten ofenwarm.

Karamellisierter Knoblauch
nach Yotam Ottolenghi via Grain de sel

2 große Knoblauchköpfe
1 EL Olivenöl
2 EL Balsamico
100 ml Wasser
1-2 TL Zucker
Prise Salz

Zubereitung:

  1. Die Knoblauchzehen schälen, in eine kleine Pfanne geben und mit Wasser bedecken. Zum köcheln bringen, für drei Minuten leicht kochen und anschließend auf Küchenpapier abtropfen lassen.
  2. Den Knoblauch zusammen mit dem Öl in einer trockenen Pfanne für ca. zwei Minuten auf hoher Temperatur rundherum goldbraun anbraten. Balsamico und Wasser hinzufügen und zum Kochen bringen, dann für 10 Minuten sanft köcheln lassen. Den Zucker und eine gute Prise Salz hinzugeben und so lange köcheln lassen (ca. weitere 10 Minuten), bis die Flüssigkeit verdampft ist und die Knoblauchzehen mit einem dunklen Sirup bedeckt sind. Gelegentlich immer wieder die Knoblauchzehen umrühren und im Sirup wenden.

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Der karamellisierte Knoblauch schmeckt malzig, süßlich mit einer leichten Sojasaucennote. Kleingehackt als Gewürzbutter sicher sensationell. Oder vielleicht auch als diese Soße nach der Küchenschabe (sie hat übrigens den originalen schwarzen Knoblauch verwendet, der durch wochenlanges Erhitzen auf konstanter Temperatur und anschließender Trocknung entsteht – für mich eher ein langsamer Karamellisierungsvorgang und Oxidation, auch wenn er oft als “fermentierter” Knoblauch bezeichnet wird).

Pfings(lis)ten

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So langsam sollte ich mir Gedanken machen über eine vernünftige Rubrik für meine bunt durchgewürfelten Linklisten… Warum und für wen ich bald Pfannkuchen machen werde. Stepanini über virtuell Reales und weite Reisen. Wozu mir ein passender Gedankenfetzen einfällt: ganz weit … Weiterlesen

Blüten essen

ggot

Die Zutatenliste ist kurz. Klebreismehl (aka Sweet Rice Flour aka Glutinous Rice Flour). Wasser. Salz. Dazu Zuckersirup. Zwei Hände voll essbare Blüten noch, je nach Saison, je nach Vorliebe. Wenn ihr euch zu warmweichelastischen Biss zusätzlich noch den Duft der … Weiterlesen

Herumeiern und verstecken

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Kimchi verstecken – im Arzak egg Eier verstecken – im Muffinmantel (aka Rebel within) Beide Ergebnisse sind noch optimierungsbedürftig. Grund: im ersten Fall zu glibberiges Eiweiß, im zweiten Fall zu hartes Eigelb. Ich muss also noch weiter eifrig herumeiern. Eure … Weiterlesen

Was Kimchi zu Kimchi macht

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“Trendy is the last stage before tacky.” Karl Lagerfeld bringt auf den Punkt, warum ich mich an Trends im Allgemeinen und dem Wort “trrändy” im Besonderen störe. Seit geraumer Zeit ist ein kleiner, aber stetig wachsender Kimchi-Hype auszumachen – zumindest … Weiterlesen

Kurze Notiz zum Wochenende

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Schnell vorab: Heute ist nicht nur Indiebookday (genauer erklärt bei Stevan), sondern auch Erscheinungstag von Sohyun Jungs prämierter Graphic Novel “Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen” (Mairisch Verlag). Wäre dies nicht eine perfekte Gelegenheit, um dem Buchhändler vor Ort einen kurzen … Weiterlesen